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II. Der mittelfristige MINT-Fachkräftemangel bis 2020 



In den kommenden Jahren gehen die starken Geburtenjahrgänge der Nachkriegsgeneration in den Ruhestand und müssen durch junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ersetzt werden. Dadurch wird vor allem der Ersatzbedarf an jungen Ingenieuren steigen. Zwischen 2009 und 2014 werden die Unternehmen pro Jahr voraussichtlich fast 37.000 Absolventen eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums benötigen, um allein die Lücken zu schließen, die die Ruheständler hinterlassen (Grafik 2). Zwischen 2015 und 2020 wird der Ersatzbedarf dann auf 42.000 Ingenieure pro Jahr steigen.

Der Ersatzbedarf in den anderen MINT-Bereichen ist deutlich geringer: So werden die Unternehmen zwischen 2009 und 2014 jährlich rund 12.000 Mathematiker, Informatiker und Naturwissenschaftler, die in den Ruhestand gehen, ersetzen müssen. Bis 2020 steigt diese Zahl auf 17.000 Stellen pro Jahr. Insgesamt summiert sich der Ersatzbedarf zwischen 2009 bis 2020 auf knapp 650.000 Absolventen der MINT-Studiengänge. Aufgrund der Altersstruktur der jeweiligen Fächer werden bis 2020 besonders Ingenieure nachgefragt. Aber auch Absolventen anderer MINT-Fächer werden dringend benötigt, um den MINT-Bestand mittelfristig halten zu können.

Nach derzeitigem Stand ist zwischen 2009 und 2020 mit insgesamt gut einer Million MINT-Absolventen zu rechnen, die von den Universitäten und FHs kommen. Jährlich kämen also zwischen 85.000 und 90.000 MINT-Akademiker hinzu. Das heißt, dass mittelfristig zumindest der Ersatzbedarf durch die zu erwartenden Absolventen im MINT-Bereich abgedeckt werden kann.

Der mittelfristige Bedarf an Akademikern beschränkt sich aber nicht nur auf den Ersatzbedarf, sondern schließt auch den sogenannten Expansionsbedarf ein. Dieser entsteht beispielsweise, weil die Volkswirtschaft langfristig wächst oder weil die Unternehmen immer anspruchsvollere Hightech-Produkte und Dienstleistungen anbieten. Deshalb brauchen sie mehr hochqualifizierte Mitarbeiter. Während sich der demografische Ersatzbedarf relativ genau mithilfe der Altersstruktur der Beschäftigten bestimmen lässt, sind für die Quantifizierung des künftigen Expansionsbedarfs kompliziertere Schätzverfahren notwendig. Das IW Köln hat hierzu Ergebnisse einer Studie des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) herangezogen.

Der größte jährliche Expansionsbedarf besteht künftig bei den Ingenieuren. Zwischen 2009 und 2020 wird er voraussichtlich recht konstant bei rund 35.000 neu zu besetzenden Stellen pro Jahr liegen (Grafik 3). Der Expansionsbedarf für Mathematiker, Informatiker und Naturwissenschaftler bleibt im Zeitablauf ebenfalls konstant bei etwa 17.000 Stellen jährlich. Von sämtlichen neuen Stellen, die durch den Expansionsbedarf entstehen, entfallen damit ein Drittel auf den Bereich Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften und zwei Drittel auf die Ingenieurwissenschaften. Dies zeigt erneut deutlich, dass vor allem Ingenieure mittelfristig gefragt sein werden.

Ersatz- und Expansionsbedarf allein der Unternehmen addieren sich zu einem immensen Gesamtbedarf. So werden sie in den Jahren 2009 bis 2020 insgesamt 1,3 Millionen Stellen mit MINT-Fachkräften besetzen müssen (Grafik 4). Jährlich benötigen sie demnach mehr als 105.000 neue Mitarbeiter, die ein MINT-Studium absolviert haben.

Nach derzeitigem Stand lässt sich sagen: Von den Universitäten und FHs werden in den nächsten Jahren zu wenig junge MINT-Absolventen kommen, um diesen hohen Bedarf zu decken. Verharren die Zahl der Hochschulabsolventen und der MINT-Anteil unter den Absolventen auf dem heutigen Niveau, dann schließen jährlich zwischen 85.000 und 90.000 MINT-Akademiker ihr Hochschulstudium ab. Unterm Strich werden den Unternehmen damit pro Jahr im Durchschnitt rund 20.000 MINT-Kräfte fehlen. Hinzu kommt, dass einige Absolventen für eine neue Stelle nicht umziehen wollen oder nicht die Qualifikationen mitbringen, die sich die Unternehmen wünschen. Berücksichtigt man diesen Mismatch („bereinigte MINT-Lücke“), dann dürfte sich der Fachkräftemangel jedes Jahr sogar um 30.000 bis 40.000 MINT-Kräfte vergrößern.

Gerade bei den Ingenieuren wird sich die Situation verschärfen. So werden zwischen 2009 und 2014 nach derzeitigem Stand lediglich rund 250.000 junge Leute ein ingenieurwissenschaftliches Studium absolvieren. Damit kann nur ein kleiner Teil des Zusatzbedarfs gedeckt werden. Es ergibt sich folglich zu der bereits heute bestehenden Lücke eine zusätzliche Fachkräftelücke in Höhe von rund 175.000. Bis zum Jahr 2020 entsteht sogar zusätzlich eine Lücke von etwa 380.000. Da bereits im letzten Konjunkturzyklus eine strukturelle Lücke an MINT-Kräften in Höhe von 45.000 im Ingenieurbereich vorhanden war, droht eine MINT-Lücke in Höhe von rund 220.000 im Jahr 2014 bzw. rund 425.000 im Jahr 2020.

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