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I. Der aktuelle Fachkräfteengpass 



Die Situation auf dem MINT-Arbeitsmarkt folgt zu einem guten Teil der konjunkturellen Entwicklung. In den beiden Hochkonjunkturphasen 2000 und 2007/08 beispielsweise stieg die Nachfrage der Unternehmen nach Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern und Technikern stark an. So suchten die Betriebe im New-Economy-Boom des Jahres 2000 rund 285.000 MINT-Fachkräfte, vor allem IT-Fachleute. Im August 2008 hatten sie 215.400 MINT-Stellen zu besetzen. Gleichzeitig nahm in diesen Phasen die Arbeitslosigkeit unter den MINT-Fachkräften deutlich ab. Die umgekehrte Entwicklung ließ sich in wirtschaftlich schlechten Zeiten beobachten. Im Problemjahr 2004 etwa sank die Zahl der offenen MINT-Stellen auf 95.000, während die Gruppe der arbeitslosen MINT-Fachkräfte kurz zuvor auf 210.600 anschwoll. In der aktuellen Krise verläuft diese Entwicklung bislang noch moderat und auf einem niedrigeren Niveau als in der Vergangenheit. Im Juni 2009 hatten die Unternehmen insgesamt 142.000 MINT-Stellen ausgeschrieben. Demgegenüber standen 89.000 arbeitslose Personen in einer MINT-Berufsordnung.

Das IW Köln hat die Zahl der offenen Stellen und die Zahl der arbeitslos gemeldeten MINT-Fachkräfte in zehn Arbeitsmarktregionen gegenübergestellt und auf diese Weise den Fachkräfteengpass in den zehn Regionen berechnet. Die bundesweite MINT-Fachkräftelücke ergibt sich aus der Summe dieser zehn Engpässe. Ein Überschuss an arbeitslosen Chemikern in Mecklenburg-Vorpommern wird dabei beispielsweise nicht mit einem Überschuss an offenen Stellen für Maschinenbauingenieure in Baden-Württemberg verrechnet. Die MINT-Fachkräftelücke ist daher größer als die Differenz der offenen Stellen und der arbeitslos gemeldeten MINT-Kräfte. Summiert über alle MINT-Berufe und regionalen Arbeitsmärkte fehlten im Oktober 2000 demnach bundesweit knapp 181.000 MINT-Fachkräfte (Grafik 1). Nachdem der New-Economy-Boom schlagartig abkühlte, schrumpfte die Lücke bis zum Beginn des Jahres 2004 auf knapp 20.000 Personen. In den Folgejahren verschärfte sich der Fachkräftemangel wieder. In der Spitze – im September 2008 – fehlten rund 140.000 Personen. Die aktuelle Wirtschaftskrise verkleinerte die MINT-Fachkräftelücke wieder – im Juni 2009 betrug sie bei fallender Tendenz etwa 60.000 Personen.

Ein Vergleich der beiden Boomjahre 2000 und 2008 zeigt, dass sich die Probleme der Unternehmen bei der Mitarbeitersuche stark verändert haben. Auf dem Höhepunkt des New-Economy-Booms suchten die Betriebe vor allem IT-Spezialisten. Damals waren bundesweit 133.000 IT-Stellen offen, aber auf dem Arbeitsmarkt waren nur rund 23.000 arbeitslose Computer-Experten verfügbar. Mit dem abrupten Ende des IT-Booms in Deutschland reduzierte sich dieser Engpass. Im Boomjahr 2008 waren es dann vor allem Ingenieure und Techniker, die den Unternehmen fehlten. Auf ihr Konto gingen im Jahr 2008 rund drei Viertel des Fachkräftemangels. Im Jahr 2000 waren sie dagegen nur für gut ein Drittel der Lücke verantwortlich.

Unterschieden haben sich die beiden Boomjahre auch mit Blick auf das Niveau der Arbeitslosigkeit. Im August 2000 waren noch mehr als 160.000 MINT-Fachkräfte arbeitslos gemeldet, acht Jahre später lag die Zahl mit rund 78.000 nicht einmal halb so hoch. Die Nachfrage war in beiden Jahren – bereinigt um Sondereffekte – jedoch ungefähr gleich groß. Der Fachkräfteengpass im Jahr 2000 war demnach zu großen Teilen durch ein arbeitsmarktseitiges Mismatch charakterisiert. Mit anderen Worten: Arbeitslose MINT-Fachkräfte gab es, aber viele von ihnen brachten entweder die benötigten Qualifikationen nicht mit oder wollten für eine neue Arbeit nicht umziehen. Im Jahr 2008 dagegen ging der hohe Fachkräftebedarf mit einer vergleichsweise geringen Arbeitslosigkeit unter den MINT-Kräften einher. Der jüngste Engpass war also durch einen reinen Mangel an MINT-Arbeitskräften erklärbar.
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