Gesamtmetall
Linke Spalte: Navigation, Suche und NewsletterMittlere Splate: InhaltRechte Spalte: weiter Inhalte, Kontext-Navigatioren, LinksRechter Rand

Inhalt

Der DGB-Index "Gute Arbeit": Hintergrund und Bewertung 



Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bittet einmal im Jahr eine – angeblich repräsentative – Zahl von Beschäftigten, ihre Arbeitsbedingungen schriftlich zu bewerten. Der persönliche Index kann auch im Internet ermittelt werden. Gestellt werden 31 Fragen zu 15 Arbeits-„Dimensionen“, die zu drei Themenblöcken
zusammengefasst sind. Gefragt wird nach einem Sachverhalt und wie stark dieser als belastend empfunden wird. Zehn der 15 Dimensionen betreffen den Themenbereich „Ressourcen“, drei „Belastungen“ und zwei „Einkommen und Sicherheit“.

Das Ergebnis wird auf einer Skala von 0 bis 100 dargestellt. Ein Wert bis 50 gilt als „schlechte“, bis 80 als „mittelmäßige“ und über 80 als „gute Arbeit“. Das Ergebnis: 2008 hatten dem DGB zufolge gerade einmal 13 Prozent der Arbeitnehmer „gute Arbeit“, aber 32 Prozent „schlechte Arbeit“ – die Folge waren Schlagzeilen wie „Jeder Dritte hasst seinen Job“ oder „Nur 13 Prozent der Arbeitnehmer zufrieden“.

Der Index ist in jeder Hinsicht fraglich – bei Auswertung, Schlussfolgerungen und Methodik

Der Index stellt einzig auf die subjektive Einschätzung der Befragten ab. Weder werden die Ursachen hinterfragt noch die objektive Lage ermittelt. Ziel ist, den Arbeitnehmer aus der Pflicht zu nehmen und alle Verantwortung beim Arbeitgeber abzuladen. So heißt es zum Beispiel: „Kommt es vor, dass Sie Angst um Ihre berufliche Zukunft haben?“ Nachgehakt wird nicht: Was hat der Betroffene, zum Beispiel durch Weiterbildung, für seine Beschäftigungsfähigkeit getan? Oder: „Wenn Sie an Ihre Arbeitsleistung denken: Halten Sie Ihr Einkommen für angemessen?“ Auch hier ist offen: Wie viel Geld steht zur Verfügung, welche Ausgaben sind davon zu bestreiten? Die Folge: Ein Top-Verdiener mit aufwendigem Lebensstil schneidet trotz seines höheren Einkommens schlechter ab als ein genügsamer Durchschnittsverdiener. Generell gilt: Wer bei solchen Fragen den Kontext ausblendet, erfährt mehr über die Befindlichkeit der Befragten als über deren tatsächliche Lage.

Hinzu kommt eine negative Verzerrung: Der Themenbereich „Einkommen und Sicherheit“ geht überproportional mit einem Drittel in den Gesamtindex ein, obwohl er nur zwei der 15 Dimensionen umfasst. Im Ergebnis kommt zum Beispiel ein Berufsanfänger, der ein geringeres Einkommen und ungewissere Zukunftsaussichten hat, selbst dann nur auf „mittelmäßige Arbeit“, wenn er keinerlei Belastung empfindet und alle Ressourcen positiv bewertet.

Zudem werden die Bereiche „Ressourcen“ und „Belastungen“ unterschiedlich bewertet: Wenn bei den „Ressourcen“ die zweitbeste Antwort gewählt wird, gibt es 83 Punkte, bei den „Belastungen“ aber nur noch 75 Punkte, womit „gute Arbeit“ schon nicht mehr erreichbar ist.

Werden schon die Indexpunkte auf fragwürdige Weise ermittelt, ist die Skalierung völlig willkürlich und tendenziös: Wählt man statt der 50-80-100-Einteilung eine 33-67-100-Drittelung, gibt es keine „schlechte Arbeit“ mehr, und aus „mittelmäßiger“ wird sechs Mal „gute“ Arbeit.


Daraus werden auch noch unseriöse Schlüsse gezogen. Ein Beispiel: 2008 hatten vollzeitbeschäftigte Frauen angeblich schlechtere Arbeitsbedingungen als Männer. Abgeleitet hat der DGB dies daraus, dass der Indexwert für Frauen – statistisch kaum bedeutsam – um einen Punkt niedriger lag. Tatsächlich wiesen Frauen in acht Dimensionen höhere, in zwei Dimensionen gleich hohe und nur in fünf Dimensionen niedrigere Indexwerte auf als Männer.

Methodisch ist der Index zudem nicht transparent, wenig wissenschaftlich und von zweifelhafter Repräsentativität – denn ob die jeweiligen Berufsgruppen entsprechend ihrem Anteil an allen abhängig Beschäftigten im Index vertreten sind, ist offen. Zugesichert wird lediglich, dass von jeder Berufsgruppe mindestens 50 Arbeitnehmer befragt wurden.
Ansprechpartner für diese Seite
Ansprechpartner
Nico Fickinger
Nico Fickinger
030-55150-200
empty
Mehr:

Stephan Sandrock, IfaA
s.sandrock@ifaa-mail.de
 
LeserbriefLeserbrief
FavoritFavorit
Versendenversenden
Druckendrucken
Zurück zurück
Topnach oben