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Eckpunkte einer bildungspolitischen Reformagenda 



Mehr Effizienz, mehr Qualität, mehr Chancen!


Die Mitgestaltung der Bildungspolitik gehört zu den zentralen Aufgaben der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie. Ihre Mitwirkung bei der Neuordnung der Metall- und Elektroberufe ist das jüngste Beispiel für die erfolgreiche bildungspolitische Arbeit. Sie belegt auch ihre besondere Kompetenz auf dem Feld der Berufsbildung.

Die M+E-Industrie vertritt ihre bildungspolitischen Positionen stets im Zusammenwirken aller Arbeitgeber unter dem Dach der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.

Der verschärfte internationale Wettbewerb, kürzere Innovationszyklen und ein ständig steigendes Innovationstempo stellen besondere Herausforderungen an die M+E-Indus­trie, die wie kein zweiter Industriezweig in die globalen Märkte eingebunden ist. Die Unter­nehmen brauchen in Zukunft noch mehr hoch qualifizierte Mitarbeiter – und das unter den Bedingungen einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung. Die M+E-Arbeitgeber haben deshalb ein „Gesamtkonzept Qualifikation“ für M+E erarbeitet und wollen die Unternehmen mit konkreten Maßnahmen unterstützen.

Für ihr Aktivitätsprogramm braucht die M+E-Industrie aber den Rahmen eines effizienten Bil­dungssystems, das Qualität in der Bildung sichert. Wie dieser Rahmen zu gestalten ist, um die Ziele „mehr Effizienz und mehr Qualität“ zu erreichen, stellt die M+E-Industrie mit den „Eckpunkten einer bildungspolitischen Reformagenda“ dar.

Ein Zielkorridor für die Bildungspolitik

Bildungspolitik und Bildungsinstitutionen müssen folgenden Zielen verpflichtet sein:
  • Die Teilnehmer am Bildungsprozess – Lernende wie Lehrende – sind individuell zu fördern und zu fordern.
  • Die Bildungsqualität ist zu erhöhen.
  • Effektivität und Effizienz des Mitteleinsatzes sind zu verbessern.
  • Die Bildungsprozesse sind zu entbürokratisieren, zu professionalisieren und zu internationalisieren.
  • Bildung muss eine klare Werteorientierung vermitteln und so die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit der jungen Leute fördern.

Dieser Zielkorridor ist Ausgangspunkt und Orientierung für die folgenden „Eckpunkte“.

Die Chancengerechtigkeit erhöhen

Frühes Lernen ist eine wesentliche Voraussetzung für den späteren Schulerfolg. Der Schlüssel zur Verbesserung unseres Bildungswesens liegt in der Zeit vor der Schule!
  • Für mehr Chancengerechtigkeit beim Start ist der Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr notwendig – mit einem klaren Bildungsauftrag. Wir müssen die Kinder früher als bisher an das Lernen heranführen und ihnen Chancen zum Lernen eröffnen: Kindergärten, Kindertagesstätten und Vorschulen müssen wir zu kindgerechten Lernstätten entwickeln. In Grundschulen/Primarschulen sind Sprachfertigkeiten und naturwissenschaftliche Kenntnisse besonders zu fördern.
  • Die Einschulung soll auf den Beginn des fünften Lebensjahres vorverlegt werden können, wenn es der Entwicklungsstand des Kindes zulässt. Um eine altersflexible, entwicklungsabhängige Einschulung sicherzustellen, wird der Beginn des Schulbesuchs von den individuellen Lernvoraussetzungen abhängig gemacht.
  • Ganztagsschulen sind geeignet, die Voraussetzungen für bessere Lernergebnisse, eine individuellere Förderung und mehr Chancengerechtigkeit zu schaffen. Deshalb brauchen wir für alle Schulformen im allgemein bildenden Bereich ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsschulen. Ihre Einführung erfordert die Entwicklung spezifischer didaktischer und pädagogischer Konzepte. Kooperationen mit außerschulischen Partnern sind geeignet, die Ganztagesschulen in ihren Zielen und Aufgaben wirkungsvoll zu unterstützen.
Die Qualität der Bildung verbessern

Mehr Autonomie der Bildungseinrichtungen und mehr Wettbewerb sind wesentliche Voraussetzungen für die Verbesserung der Bildungsqualität. Die Qualität der Bildungsprozesse und der Bildungsstand der Teilnehmer müssen regelmäßig überprüft werden.
  • Alle Bildungseinrichtungen sollen – im Rahmen der staatlichen Gesamtverantwortung – größtmögliche Eigenverantwortung erhalten. Das schließt ein, dass Schulen und Hochschulen vor allem über die Verteilung ihrer Budgets, die Auswahl des Personals, die interne Organisation und über ihre Bildungsmethoden eigenverantwortlich entscheiden. Die Hochschulen wählen sich ihre Studenten selbst aus. Moderne Führungs- und Managementmethoden, orientiert z.B. an Leistungs- und Zielvorgaben, ersetzen in allen Bildungsinstitutionen die bisherige ineffiziente Bildungsaufsicht des Staates.
  • Für die Bildungsinhalte in der Schule wird ein Kerncurriculum definiert. Die Schule muss vor allem den Unterricht in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) und zu ökonomischen Inhalten stärken und verbessern – ohne die Sprachfertigkeiten und die musischen Fächer zu vernachlässigen. Im Bereich der Hochschulen werden bei den Bachelor-/Master-Studiengängen die Inhalte im Zuge der Akkreditierung überprüft. Für andere Studiengänge sind entsprechende Verfahren zu entwickeln.
  • Die Qualität der Bildungsprozesse, die Lernfortschritte und der Bildungsstand der Lernenden werden regelmäßig überprüft. Dem dienen in den Schulen landesweit vergleichbare Lernstandserhebungen sowie Zentralprüfungen. Leistungsprüfungen werden nach nationalen einheitlichen Qualitätsmaßstäben durchgeführt, um die Qualitätssicherung und die damit verbundene Vergleichbarkeit zu verbessern. Darüber hinausreichende eigene Standards der Länder unterstützen den föderalen Wettbewerb. Die ermittelten Qualitätskennziffern der Bildungseinrichtungen sollten in Zukunft als Information für die Nutzer regelmäßig öffentlich (z. B. im Internet) dokumentiert werden.
  • Schulen und Hochschulen kontrollieren durch interne Evaluation die Erreichung ihrer Bildungsziele. Die Ergebnisse werden durch externe Experten verifiziert. Auch Weiterbildungseinrichtungen, die anerkannte Abschlüsse vermitteln, sind regelmäßig zu evaluieren. Dabei ist besonderer Wert auf die Professionalisierung der Dozenten und des Leitungspersonals zu legen. Wissen und Erfahrungen der Wirtschaft bei der Entwicklung von Qualitätsmanagement-Systemen sollten von den Schulen und Hochschulen genutzt werden, zum Beispiel durch die Einrichtung gemeinsamer Teams von schulischen und betrieblichen Qualitätsmanagern.
  • Um die Qualität der Bildung zu sichern und zu verbessern, muss in den Schulen die Zahl der geleisteten Wochen- und Jahresunterrichtsstunden erhöht und der Unterrichtsausfall wirksam verringert werden. Auch die unterrichtsfreie Zeit ist effizienter zu nutzen: So können Schulferien beispielsweise für zusätzlichen Unterricht in Sommerschulen und für individuelle Fördermaßnahmen eingesetzt werden.

Die Durchlässigkeit des Bildungssystems erhöhen

Um die Effizienz des Bildungssystems zu erhöhen und um alle Potenziale auszuschöpfen, müssen wir die Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen und Bildungsebenen sowie zwischen dem Bildungs- und dem Beschäftigungssystem erhöhen und fördern.
  • Die im Laufe einer Bildungs- und Berufskarriere erreichten Kompetenzen werden für die künftige Weiterbildung dokumentiert und – soweit möglich – auf andere Bildungsgänge anrechenbar gemacht. Wir brauchen ein Credit-Point-System, das die berufliche Aus- und Weiterbildung mit einbezieht. Es muss so ausgelegt sein, dass es auch Anrechnungsmöglichkeiten für die Hochschulbildung schafft und die Übergänge erleichtert. Hier bietet die Weiterentwicklung bestehender betrieblicher Qualitätsmanagementsysteme (die auch die Weiterbildung einschließen) einen möglichen Ansatzpunkt. Mit der Dokumentation wird zugleich die Voraussetzung für eine rasche Internationalisierung des Bildungssystems geschaffen.
  • Die Berufsausbildung wird durch eine modularisierte Gestaltung unter Erhalt des Berufsprinzips inhaltlich und zeitlich flexibilisiert. An klaren beruflichen Profilen wird im Interesse der Transparenz und Beschäftigungsfähigkeit festgehalten.
  • Die Hochschulen übernehmen mit der Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen die international übliche Zweistufigkeit im Studiensystem. Als dritte Studienphase werden Promotionsstudiengänge angeboten. Der Bachelor kann an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien erworben werden. Um für Bachelor-Absolventen eine Weiterqualifizierung nach dem Berufseinstieg zu ermöglichen, werden Masterstudiengänge auch berufsbegleitend angeboten.

Die Schulstrukturen optimieren

Wir müssen die Qualität des Schulunterrichts verbessern. Das heißt vor allem, die intensivere individuelle Förderung der Leistungsschwächeren und der Leistungsstarken zu gewährleisten. An diesem zentralen Ziel muss sich auch die Entwicklung der Schulstrukturen ausrichten. In einem föderalen System kann dieser Optimierungsprozess durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
  • Die Schulstrukturen unterscheiden sich in unserem föderal differenzierten Bildungssystem von Bundesland zu Bundesland. Das entspricht auch der Idee des Wettbewerbs zwischen den Bundesländern. Ob die einzelnen Länder das dreigliederige Schulsystem weiterführen, Gesamtschulen anbieten oder auf die Alternative eines zweigliedrigen Schulsystems – kombinierte Haupt- und Realschule und Gymnasium – setzen, ist nachrangig. Wichtig ist, dass jede Schulstruktur die Voraussetzungen zur individuellen Förderung der leistungsschwächeren wie auch der leistungsstarken Schüler schaffen muss.
  • Unter dem Druck der demografischen Entwicklung (sinkende Schülerzahlen) ist künftig aus Effizienzgründen allerdings eine Entwicklung hin zu komprimierten Schulstrukturen zu erwarten.
  • Im bestehenden System unterschiedlicher Schulstrukturen muss sichergestellt werden, dass Wechsel zwischen den Schulformen möglich sind und die regionale Mobilität der Schüler und ihrer Familien nicht eingeschränkt wird.

Die Qualität des Bildungspersonals stärken

Die Reform des öffentlichen Dienstrechts für Schulen und Hochschulen muss weitergeführt werden. Der Beamtenstatus für Lehrer und Professoren soll abgeschafft werden. Wichtig ist es, den Leistungsgedanken einzuführen und Leistungsanreize zu setzen, um so die Qualität des Bildungspersonals zu sichern.
  • Vordringlich sind in den Schulen die Ausdehnung von Präsenzzeiten und eine Verpflichtung zu regelmäßiger Fortbildung. Fortbildung muss Teil eines bedarfsorientierten Personalentwicklungskonzepts werden. In Schulen und Hochschulen ist eine leistungsorientierte Vergütung erforderlich.
  • Von Anfang an muss die Lehrerausbildung auf den späteren Beruf ausgerichtet sein. Das ist die Basis der Professionalisierung. Grundlage für die Einstellung in den Schuldienst ist ein Abschluss als Bachelor oder Master. Der Einstellung geht ein intensives Auswahlverfahren der Schulen voraus. Die Lehrtätigkeit selbst wird von einer kontinuierlichen Personalentwicklung begleitet. Um die Berufserfahrung qualifizierter Fachkräfte der Wirtschaft zu nutzen, müssen wir ihnen über eine Weiterqualifizierung den Einstieg in den Lehrerberuf ermöglichen. Andererseits muss die Professionalisierung der Lehrer auch ihre Mobilität für den Arbeitsmarkt gewährleisten, die mit Blick auf die Demografie notwendig ist.
  • Schulen und Hochschulen müssen sich mit ihrem Unterricht stärker an der Arbeitswelt orientieren. Die Schulen sollen verstärkt Praktiker als Experten im Unterricht einsetzen. Die Hochschulen integrieren Lehraufträge und Praktika verbindlich in die Studienpläne und verknüpfen gezielt praxisnahes Wissen mit theoretischen Problemstellungen. Daraus resultieren auch Anstöße für die Forschung.

Bildung anders finanzieren

Die Bildungschancen werden zu Beginn der Bildungsbiografie verteilt. Deshalb muss die bisherige Finanzierung des Bildungssystems vom Kopf auf die Füße gestellt werden: Intensive staatliche Förderung am Anfang, stärkere finanzielle Beteiligung der Lernenden mit zunehmender Nähe zum Arbeitsmarkt.
  • Zusätzliche staatliche Mittel sind in erster Linie in den elementaren und primären Bereich zu investieren und zusätzliche private Mittel für die tertiäre Bildung zu erschließen. Die Lernenden werden mit zunehmendem Lebensalter, zunehmender Nähe zum Arbeitsmarkt und Alternativen bei der weiteren Bildungswahl sozialverträglich an der Bildungsfinanzierung beteiligt. Die staatliche Mittelvergabe erfolgt in allen Bildungsstufen auf der Basis von leistungs- und ergebnisorientierten Kennzahlen.
  • Konkret bedeutet das: Im Vorschulbereich sind Lernangebote kostenfrei zur Verfügung zu stellen, an der Finanzierung der Betreuung können die Eltern sozialverträglich beteiligt werden. Im Bereich der tertiären Bildung sind zusätzliche private Mittel durch Gebühren für ein Studium oder Leistungen in der Weiterbildung zu erschließen. Studiengebühren sind durch ein Darlehens- und Stipendiensystem zu flankieren. In der beruflichen Weiterbildung sind die Teilnehmer verstärkt an den Kosten zu beteiligen.
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