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Podcast: Der große Spaß am Unterricht 


Einblicke in Deutschlands grösste Industriebranche: Science on Stage in Kopenhagen

Wenn naturwissenschaftliche Lehrkräfte aus ganz Europa zusammenkommen, um sich gegenseitig ihre Unterrichtsbeispiele vorzustellen, ist das ein einzigartiges Aufeinandertreffen von Fachwissen, Kreativität und Inspiration, von dem letztlich europaweit Schülerinnen und Schüler profitieren. Möglich macht dies das Netzwerk Science on Stage, das vor kurzem zu einem Bildungsfestival nach Kopenhagen eingeladen hatte.

"Kein Bildungssystem kann über die Qualität seiner Lehrer hinauswachsen". Wolfgang Welz ist Chairman von Science on Stage Europe: "Deshalb müssen wir etwas machen von Lehrern für Lehrer mit Lehrern – Lehrkräfte sind schließlich die Experten, und das wird hier bei diesem Festival in besonderer Weise realisiert". 300 Lehrkräfte aus 23 europäischen Ländern und aus Kanada haben sich in Kopenhagen eingefunden. Unter dem Motto „Science Teaching: winning Hearts and Minds“ bietet das Festival eine Plattform für den europaweiten Austausch anregender Ideen und Konzepte für den naturwissenschaftlichen Unterricht.

Das Besondere ist, wie hier Fachwissen umgesetzt und transportiert wird. Die Atmosphäre erinnert an einen Flohmarkt. In den beeindruckenden Räumen des Ørestad Gymnasiums herrscht vier Tage lang auf allen Etagen ein buntes Treiben. Aufgeteilt nach Ländergruppen präsentieren die Lehrkräfte ihre selbst entworfenen und häufig mit simplen Mitteln gebauten Modelle und Experimente für den Physik-, Chemie- oder Biologie-Unterricht.

Viele Beispiele machen deutlich, dass nicht die Marke oder Hochglanzgestaltung von Lehrmitteln entscheidend ist, sondern die Art und Weise, wie sich damit Inhalte in die Köpfe der Schülerinnen und Schüler transportieren lassen – und da bringen manchmal einfachste Hilfsmittel aus dem Haushalt mehr, als manch perfekte Laboreinrichtung. "Ich präsentiere hier mein Projekt Schoko Science". Angela Köhler-Krützfeldt von der Romain-Rolland-Oberschule in Berlin arbeitet mit Hilfsmitteln aus dem Baumarkt. In ihrem Chemie-Projekt probieren Schülerinnen und Schüler Schokolade in verschiedenste Formen zu bringen und mit Geschmacksrichtungen zu experimentieren

"Sie hören Schokolade und verbinden damit sehr viel Positives und lassen sich dann sehr gerne darauf ein, zu experimentieren, als erstes mal, zu gucken: Was ist eigentlich da drin? Wie kann ich das nachweisen als chemischer Detektiv?". Die Lehrerin hat speziell für das Projekt eine Lernplattform konzipiert, die multimediales Erleben und naturwissenschaftliche Inhalte gleichzeitig bietet. Das Ziel: "Die Naturwissenschaften nicht mehr so abgehackt zu unterrichten, sondern wirklich in den Alltagskontext einzubinden - und damit haben wir auch bei uns als Team schon sehr großen Erfolg gehabt".

An den einzelnen Festival-Ständen wird selbst dem pädagogischen Laien deutlich, mit wie viel Einsatz und Kreativität die teilnehmenden Lehrkräfte bei der naturwissenschaftlichen Sache sind. Wenn auf der Bühne – eben „on Stage“ - die Projekte einem großen Kollegenpublikum vorgestellt werden, sind das für viele ganz besondere Momente. "Es ist sehr motivierend zu sehen, dass es auch andere schöne Projekte gibt, Experimente, Methoden, auf die man vielleicht noch nicht gekommen ist". Dieter Legl ist Lehrer am Paul-Pfinzing-Gymnasium in Hersbruck bei Nürnberg. Er und sein Kollege Alex Frisch stellen in Kopenhagen ein Theaterstück vor, das sie mit ihren Schülern eingeübt hatten. Es heißt „Nährstoffdrama in einem Akt“ und vermittelt die Vorgänge der menschlichen Verdauung. Wie das im Theater funktioniert, dazu gibt es den europäischen Kollegen auf jeden Fall viel zu erklären. Und gerade solche Gespräche schätzt Legl besonders: "Der Austausch läuft sehr positiv, alle sind zugänglich und offen, das ist eigentlich das, was man rausholen kann aus dem Wettbewerb".

Was die Science on Stage-Festivals darüber hinaus auszeichnet, sind unkonventionelle Unterrichts-Modelle wie die gewagte Fächer-Mischung „Chebiku“: "Sie besteht aus den Fächern Biologie und Chemie und Kunst. Das heißt, wir koppeln hier einen naturwissenschaftlichen Bereich mit einem künstlerischen Bereich". Entwickelt haben diese Kombination Thomas Michael Braun und seine Kollegin Nadja Ibener am Gymnasium am Markt im nordrheinwestfälischen Bünde: "Ich gebe am besten mal ein Beispiel: Wir isolieren Farben aus Pflanzen, wir untersuchen diese Farben aus chemischer Sicht, aus stofflicher Sicht, und anschließend machen die Schülerinnen und Schüler damit ein Kunstwerk – in diesem Falle ein Aquarell". "Die Naturwissenschaften und die Kunst liegen nicht weit auseinander", erläutert die Kunstlehrerin: "Es gibt ja genügend Künstler, die man als Beispiel anführen könnte, zum Beispiel Leonardo da Vinci".

Bei seinen naturwissenschaftlichen Kollegen ist Thomas Michael Braun allerdings nicht unumstritten – denen fehlen oft die klaren fachlichen Strukturen. "Ich bin da in gewisser Hinsicht ein Einzelkämpfer, aber ich stehe dazu, weil ich glaube, im Kopf ist die Verknüpfung zwischen Kreativität und Naturwissenschaft das Entscheidende. Und wir gewinnen im Übrigen, um das noch zu sagen an dieser Stelle, durch diese Kopplung sehr viele Mädchen – im Gegensatz eben zu anderen naturwissenschaftlichen Bereichen, die eher männerbesetzt sind". Die Liste der gezeigten Beiträge ließe sich beliebig fortführen. Was alle in Kopenhagen gezeigten Beispiele gemeinsam haben ist, dass sie ausnahmslos im Unterricht umsetzbar sind. Wie das dann funktioniert, wird in den vielen zentralen Präsentationen oder in Workshops demonstriert und besprochen.

Vorbereitet wird die deutsche Teilnahme von Science on Stage Deutschland e. V. Der gemeinnützige Verein knüpft seit Jahren für Lehrerinnen und Lehrer der Naturwissenschaften ein Netzwerk, über das sie sich mit Pädagogen aus anderen Ländern Europas austauschen können. Von Beginn an wird Science on Stage Deutschland vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall im Rahmen seiner Initiative THINK ING. „Wir brauchen in der naturwissenschaftlichen Bildung neue und innovative Wege der Vermittlung“, sagt Wolfgang Gollub.

Der Leiter Nachwuchssicherung bei Gesamtmetall freut sich, dass Science on Stage mit seinem intensiven Austausch hervorragende Möglichkeiten bietet, um genau solche Wege zu entdecken. "Unser Ziel ist es", erläutert der Vorsitzende Wolfgang Welz, "Science on Stage Europe als europäische Institution in das Bewusstsein auch auf europäische Ebene zu erheben". Um an die Ergebnisse in Kopenhagen anzuknüpfen, ist hier bereits das nächste europäische Festival beschlossen worden. "Gestern haben wir beschlossen, dass das nächste Festival 2013 eine Kooperation ist zwischen Polen und Deutschland". Und der genaue Ort steht auch schon fest: in Slubice und am anderen Flussufer in Frankfurt / Oder.

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Science on Stage Deutschland
Saskia Wolter
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