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Podcast: Worldskills 2011 – eine eindrucksvolle Leistungs-Schau der Berufe 



Bei den WorldSkills Berufe-Weltmeisterschaften 2011 in London trafen sich die besten Auszubildenden aus 50 Nationen. Vier Tage lang stellten sie ihr Können eindrucksvoll unter Beweis. Für die deutsche Mannschaft war es gleichzeitig die Generalprobe für die Weltmeisterschaften 2013, die in Leipzig stattfinden werden. Die größte Herausforderung bis dahin: Möglichst viele Auszubildende aus Deutschland für die Wettkämpfe zu gewinnen.

Kleine runde Döschen in unterschiedlichen Farben rutschen nacheinander auf ein schmales Förderband. Rund 20 Zentimeter weiter sucht ein Metall-Arm mit einem Saugnapf von einem Nebenband farblich passende Deckel aus - und setzt sie exakt auf die vorbei gleitenden Behälter. Etwas weiter werden sie von einem kleinen Roboter gefasst und zu farblich gleichen Paaren auf einem Podest abgesetzt. Nach weniger als einer Minute haben alle Döschen ihren Platz gefunden.

Tobias Dietrich und Christian Schweizer klatschen sich überschwänglich ab. Die beiden Auszubildenden der Mechatronik haben die Anlage gebaut - bei den Worldskills Berufe-Weltmeisterschaften 2011 in London. Sie hatten knapp vier Tage Zeit und die Vorgaben waren streng. "Ob’s jetzt läuft oder nicht läuft, das weiß man ja. Man kann’s testen, aber ob’s bei der Abnahme wieder läuft, das weiß man nie. Also da ist schon die Anspannung da".

Ob sie es in die Medaillenränge geschafft haben, wissen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht – entsprechend hoch ist die Anspannung. Bei der anschließenden Abnahme durch die verantwortlichen Experten läuft die Anlage von Tobias und Christian einwandfrei. Trotzdem reicht für die beiden Auszubildenden der Festo AG nicht für einen Podiumsplatz. Andere Teams, vor allem aus Asien, Brasilien, aber auch der Schweiz, sind schneller. Das deutsche Duo landet letztlich auf dem siebten Platz. Für Festo-Ausbilderin Sybille Bohland eine Platzierung, auf die sie „richtig stolz“ ist.

Den größten Teil ihrer Aufgaben erfahren die Teams übrigens erst zu Beginn eines jeden Wettkampftages, entsprechend schwierig ist es, sich vorzubereiten. "Wir haben halt regelmäßig in der Ausbildung trainiert, immer wieder verschiedene Aufgaben, aber wir wussten ja nicht genau, was hier kommt. Und da hat man halt versucht, sich bestmöglich drauf vorzubereiten." Ähnlich geht es auch Felix Walter. Er wird bei der Sick AG in Waldkirch bei Freiburg zum Elektroniker ausgebildet. "Wenn man an den Worldskills teilnimmt, muss man sich auf jeden Fall gut vorbereiten. Man braucht nicht mit der Einstellung herzukommen und denken, dass die anderen nichts können, das ist definitiv nicht der Fall. Die sind alle sehr gut, die sind alle in ihrem Land ausgewählt worden, um hierher zu kommen".

Die Anspannung und die Anforderungen sind durchaus mit dem Leistungssport vergleichbar. "Von jedem Land kommen ausgewählte, ja, Athleten oder in unserem Fall sind es halt die Elektroniker, die sich dann auf weltweiter Ebene gegeneinander messen. Und von dem her denke ich, könnte man es schon ein bisschen auch mit einer Olympiade, wie es das zum Beispiel im Sport gibt, vergleichen". Genau wie Tobias Dietrich und Christian Schweizer möchte er die Erfahrung der Weltmeisterschaft nicht missen. Ihre Empfehlung an andere Auszubildende: "Das ist ein einmaliges Erlebnis, das bekommt man sonst nie wieder, Also kann man bloß weiterempfehlen. Wer die Möglichkeit hat, der soll sie nutzen"

So sehen das fast alle der 950 jungen Spezialisten aus den rund 50 Ländern, die in London ihre Weltmeister ermitteln; dieses Mal aus 46 Industrie- und Handwerksberufen. Mehr als 100.000 Besucher, vor allem englische Schülerinnen und Schüler, strömen zu den riesigen Ausstellungshallen in den Londoner Docklands. Hier bekommen sie einen faszinierenden Überblick, zu welchen Höchstleistungen Auszubildende in ihren jeweiligen Berufen heute fähig sind.

Bei einigen Berufen aus der Metall- und Elektro-Industrie, wie etwa Elektroniker oder Programmierer, ist zwar nicht so viel zu sehen. Dafür gibt es andere „Berufsdisziplinen“ wie Landschaftsgärtner, Floristen, Maurer, Schreiner oder Karosseriebauer, bei denen man über vier Tage lang wirklich etwas entstehen sieht. "Ja, das ist ein grandioses Ereignis, ein Festival der Bildung rund um den Globus, hier zu Gast in England, was hier stattfindet - olympische Berufsbildungsspiele sozusagen". Elfi Klumpp ist im Vorstand der Worldskills Germany: "Der Spirit hier, der hier also herrscht auf diesem weltweit größten Bildungsfestival, das ist einfach eine ganz tolle Sache".
„Eine tolle Sache“, die 2013 in Leipzig stattfinden wird und von Worldskills Germany maßgeblich mit organisiert wird. "Und da nehmen wir jetzt mal viele Eindrücke hier von London mit und versuchen es dann auch mindestens genauso gut und vielleicht noch einen Tick besser zu machen in Deutschland". Schließlich kommen die Berufe-Weltmeisterschaften zum ersten Mal nach 40 Jahren wieder nach Deutschland: "Und da sind wir bestens unterwegs und bestens gerüstet jetzt schon".

Elfi Klumpp ist auch mit der Leistung der deutschen Mannschaft zufrieden. Eine Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille, sowie zwölf Exzellenzauszeichnungen konnten die deutschen Vertreter mit nach Hause nehmen. In der Gesamtwertung belegt die deutsche Mannschaft den 13. Rang. Dominiert werden die Meisterschaften eindeutig von den asiatischen Ländern. Korea führt den Medaillenspiegel an, vor China, Japan und Singapur. Aber auch die Schweiz, Österreich und England können sich vor Deutschland positionieren.

Aufgrund dieser Situation gibt es durchaus kritische Stimmen in London. "In Deutschland führen die Wettbewerbe in der beruflichen Bildung leider noch ein bisschen ein Schattendasein". Bemängelt wird vor allem, dass Deutschland als Mutterland der dualen Berufsausbildung mit lediglich 26 Teilnehmern nur bei der Hälfte der Berufe vertreten ist – allein die kleine Schweiz nimmt an 38 Disziplinen teil.

Hans Farina ist ehemaliger Ausbildungs-Leiter der Sick AG. Sie nimmt seit vielen Jahren mit ihren Auszubildenden an den Berufe-Weltmeisterschaften teil. Er weiß wie unterschiedlich die Aufmerksamkeit für den Wettbewerb in den teilnehmenden Ländern ist. "Ja, wir wissen seit Jahren, dass gerade die Asiaten sich zwei Jahre auf diesen Wettbewerb vorbereiten. Das geht los mit 20 Teilnehmern, jeden Monat werden es zwei weniger, zum Schluss bleiben zwei über. Bei uns ist es eine ganz andere Situation. Die jungen Leute sind in Ausbildung, und meistens findet der Wettbewerb ja nach der Ausbildung statt, da sind sie schon im Berufsleben. Das heißt, sie müssen sich vorbereiten während der Arbeitszeit, sie müssen vom Betrieb ein bisschen freigestellt werden, aber sehr viel geht am Samstag und Sonntag und eben in der Freizeit".

Hinzu kommt, dass Wordskills in Deutschland nicht so bekannt ist. Und so ist es noch mal schwieriger, an die jungen Leute heranzukommen. Und: "Und man muss natürlich auch einen Ausbilder haben, der das forciert, der die jungen Leute motiviert, und gerade unsere Probleme in der Dualausbildung müsste eigentlich das Motivation sein, da ein bisschen mehr zu tun. Und ich hoffe nur, dass wir das bis Leipzig 2013 noch hinbekommen, dass wir da in jedem Beruf einen Teilnehmer stellen können, und es wer den dort 40, 42 Berufe sein".

Marie-Luise Hörisch will in Leipzig, wie jetzt in London, auf jeden Fall wieder als Betreuerin mit dabei sein. Die Industriemechanikerin der Viega GmbH aus Großheringen in Sachsen-Anhalt war 2009 im kanadischen Calgary die einzige Frau sowohl in ihrer Berufsdisziplin als auch in der deutschen Mannschaft. Seitdem ist sie von den Worldskills regelrecht infiziert: "Das war auf jeden Fall ein ganz, ganz großes Ereignis für mich, diese Erfahrung, die man da macht, und die Menschen, die man da kennenlernt auch aus aller Welt, das war eigentlich dieses Phänomenale und Einmalige, und man nimmt eigentlich nur einmal an so was teil, und das ist wirklich das, was man dann auch mitnehmen sollte und auch behalten sollte für sich".

 
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