| Linke Spalte: Navigation, Suche und Newsletter | Mittlere Splate: Inhalt | Rechte Spalte: weiter Inhalte, Kontext-Navigatioren, Links | Rechter Rand |
|---|---|---|---|
| |||
Sie Sind hier: Startseite > M+E-Industrie |
|||
Inhalt
Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie im zweiten Vierteljahr 2010Die Metall- und Elektro-Industrie scheint sich von dem Konjunkturabsturz im Winterhalbjahr 2008/09 schneller zu erholen, als man vor einem Jahr erwarten konnte. Auftragseingänge und Produktion stiegen auch in den vergangenen Monaten spürbar. Die Beurteilung der Geschäftslage hat sich stetig verbessert und im Juni per Saldo die Nulllinie erreicht. Die Geschäftserwartungen wurden zuletzt etwas schwächer, liegen aber weiter hoch im Plus. Der Stellenabbau scheint gestoppt. Der Export erweist sich einmal mehr als Motor des Aufschwungs. Dabei kommt der deutschen M+E-Industrie ihre herausragende Wettbewerbsfähigkeit zugute. Doch überstanden ist die Krise noch längst nicht. Es bleiben noch gut 15 Prozent bei den Aufträgen, 17 Prozent bei der Produktion und knapp 7 Prozent bei den Beschäftigten aufzuholen, bis die Unternehmen im Schnitt wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben. Und die Risiken sind groß: Staatliche Konjunkturprogramme laufen aus, die Konsolidierung der Staatsfinanzen steht an und dem Finanzsystem drohen weitere Instabilitäten. Für manches Unternehmen könnte 2010 schwieriger werden als 2009, weil die Reserven an Eigenkapital und Liquidität geschmolzen sind und bei steigendem Geschäftsvolumen Finanzierungsschwierigkeiten drohen.
Auftragseingang. Die Auftragslage der M+E-Industrie hat sich im 2. Quartal 2010 weiter erholt. Im Durchschnitt der Monate April/Mai erhielt die M+E-Industrie noch einmal 6 Prozent mehr Aufträge als im Durchschnitt des 1. Quartals, wobei die Plusraten im In- und Ausland in etwa gleich hoch ausfielen. Ähnlich hohe Zuwächse hatten die Unternehmen auch im 1. Quartal verbuchen können. Die zweistelligen Plusraten im Vorjahresvergleich sind immer noch im Wesentlichen der extrem niedrigen Basis geschuldet. Um wieder das Vorkrisenniveau zu erreichen, ist ein weiterer Zuwachs von gut 15 Prozent nötig. Produktion. Nach einer kurzen Stagnation am Jahresanfang 2010 wurde die Produktion ab März weiter hochgefahren, so dass im gesamten 1. Quartal noch ein Plus gegenüber den drei Vormonaten von 2,4 Prozent erreicht wurde. In den beiden Quartalen davor war die M+E-Produktion schon um insgesamt 6 Prozent gestiegen. Im 2. Quartal dürfte sich der Aufholprozess wieder beschleunigt haben. Im April/Mai wurden 6,2 Prozent mehr M+E-Erzeugnisse hergestellt als im Februar/März. Noch sind aber weitere 17 Prozent notwendig, um wieder das Niveau des 1. Halbjahres 2008 zu erreichen. Die hohen Plusraten im Vorjahresvergleich sind wie beim Auftragseingang vor allem der extrem niedrigen Basis geschuldet. Mit der Produktion verbesserte sich auch der Grad der Kapazitätsauslastung von 69,3 Prozent im Juli 2009 auf 79,2 im April 2010. Normal sind rund 88 Prozent. Beschäftigung. Der Stellenabbau scheint gestoppt. Im April (+700) und im Mai (+3.200) gab es erstmals wieder leichte Zuwächse bei der Beschäftigtenzahl. Die ostdeutsche M+E-Industrie baut sogar schon seit Februar wieder Personal auf. Bis Mai waren hier bereits 4.400 neue Stellen entstanden. Der vom Statistischen Bundesamt gemeldete Einbruch der Beschäftigungszahl zum Jahreswechsel um -41.000 zeigt nicht die wahre Beschäftigtenentwicklung in der M+E-Industrie. Er ist extrem überzeichnet, weil Betriebe, die im Jahresverlauf 2009 unter die 50-Mitarbeiter-Schwelle gefallen sind, im Januar 2010 komplett aus der Statistik herausgenommen wurden. Der tatsächliche Abbau dürfte weit unter 10.000 gelegen haben. Das Minus gegen Vorjahr betrug im April unbereinigt 4,0 Prozent, um den o.g. Effekt bereinigt waren es ca. 3,1 Prozent. Arbeitsmarkt. Die BA veröffentlicht wieder M+E spezifische Arbeitsmarktdaten, die aber mit den bisherigen nicht vergleichbar sind. Nach der neuen Systematik gab es im Juni 2010 in den M+E-Berufen 205.200 Arbeitslose, 62.300 weniger als vor Jahresfrist. Die Zahl der gemeldeten ungeförderten Offenen Stellen war mit 58.100 deutlich höher als im Juni 2009 (+16.600). Die Kurzarbeit hat in der M+E-Industrie deutlich abgenommen. Der Höhepunkt lag im Mai 2009 bei 974.530 Kurzarbeitern, mehr als ein Viertel aller M+E- Beschäftigten. Im März 2010 waren es nur noch 417.800. Das deutet auf eine bessere Beschäftigungslage hin. Noch mehr ist die Welle bei den Anzeigen zur Kurzarbeit abgeebbt. Im Juni erhielt die BA von M+E-Betrieben nur noch Anzeigen für 7.260 Beschäftigte. Entgelte. Die Entgeltentwicklung war 2009 stark durch die Kurzarbeit geprägt. Die Bruttostundenentgelte stiegen zwar um 2,5 Prozent gegenüber 2008, die Monatsentgelte (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) sanken jedoch um 3,7 Prozent. Die durch Kurzarbeit erlittenen Ausfälle konnten aber schon im 1. Quartal 2010 teilweise wieder ausgeglichen werden. Die Monatsentgelte lagen um 3,2 Prozent über Vorjahr, die Stundenentgelte um 3,1 Prozent. Besonders zeigen sich die Effekte der Kurzarbeit bei den Ungelernten (2009 -7,2%/1.Vj. 2010 +7,2%) und Angelernten (-7,5%/+6,5%). Kosten, Produktivität. Mit der Wiederbelebung der Konjunktur begann auch hier der Normalisierungsprozess. In den ersten fünf Monaten 2010 lagen die Entgeltkosten je Arbeitsstunde um 2 Prozent unter, die Produktivität um 10 Prozent über Vorjahr, was einen Rückgang der Lohnstückkosten um 11 Prozent zur Folge hatte. Bis zum Erreichen des Vorkrisenniveaus ist aber noch ein weiter Weg. 2009 waren die Stundenkosten um 4 Prozent gestiegen (durch Tariferhöhungen, Abbau von Zeitguthaben, vorgezogenen Betriebsurlauben und die Kosten der Kurzarbeit), die Produktivität um 12 Prozent abgesackt und die Lohnstückkosten um 18 Prozent hochgeschnellt. Neues Ungemach droht bei den Material- und Energiekosten. Die Preise wichtiger Stahlsorten lagen im Mai teilweise schon um mehr als 20 Prozent über ihrem Vorjahresniveau, Heizöl um mehr als 40 Prozent. Preise. Die Preisrate für M+E-Erzeugnisse betrug im Mai 1,3 Prozent. Die Exportpreise notierten 2,3 Prozent über Vorjahr. Noch stärker stiegen die Preise der M+E-Importe (+3,6%). Dennoch ist der Wettbewerbsdruck auf allen Märkten unverändert hoch. Die Inflationsrate (Verbraucherpreise) war in den vergangenen Monaten, vor allem aufgrund gestiegener Benzinpreise, wieder etwas höher als im Herbst 2009, aber weiter auf stabilem Niveau. Im Juni fiel sie auf 0,9 Prozent. Erträge. Nach der ifo-Gewinnumfrage vom Mai 2010 erzielten die M+E-Unternehmen 2009 in der Summe nach Steuern Gewinne in Höhe von 0,6 Prozent des Umsatzes. 35 Prozent meldeten rote Zahlen. Damit war die Rendite etwas weniger schlecht als die Firmen im September 2009 erwartet hatten. Damals war die positivere Entwicklung im 4. Quartal noch nicht erkennbar. Die M+E-Insolvenzen stiegen 2009 von 1.020 auf 1.710 (+68%). Dabei vervierfachte sich die Zahl der betroffenen Beschäftigten (von 13.000 auf 50.000), die Forderungshöhe sprang von 1,4 auf 6,4 Milliarden Euro. Und die Pleitewelle rollt weiter: In den ersten vier Monaten 2010 gab es ein Fünftel mehr Insolvenzen als in derselben Zeit 2009. Geschäftsklima. Die Beurteilung der Geschäftslage der M+E-Firmen hat im Juni im Saldo aus „gut“(+) und „schlecht“(-) genau die Nulllinie erreicht, nach -8 im Mai 2010 und -64 im Juni 2009. Die Erwartungen sind im Juni etwas schwächer geworden, liegen aber immer noch deutlich im Plus: Hier ging der Saldo von +31 im Mai auf +24 im Juni zurück. Aussichten 2010. Die Frühindikatoren lassen einen weiteren Anstieg der M+E-Produktion erwarten. Kommt es dazu, ist ein Plus von 10 Prozent und mehr im Jahresdurchschnitt 2010 möglich. Der Personalabbau scheint gestoppt. Einen nennenswerten Aufbau wird es aber in absehbarer Zeit wegen der hohen Beschäftigungsreserven vermutlich noch nicht geben. 14.07.2010 |
![]() ![]() ![]() Ansprechpartner Wolfgang Bartel 030-55150-210
![]() Dr. Michael Stahl 030-55150-203
|
||