Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Sommer 2015

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Sommer 2015

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Sommer 2015

Foto: Gesamtmetall

Nach einem enttäuschenden Jahresbeginn scheint sich die M+E-Konjunktur etwas zu erholen. Im April/Mai gab es erste Anzeichen einer Besserung: Die M+E-Produktion hat sich gegenüber dem Wert des ersten Quartals leicht erhöht und auch die Auftragseingänge lagen über dem Niveau der ersten drei Monate. Allerdings bleibt ein gehöriges Maß an Skepsis und Unsicherheit, das sich am deutlichsten im ifo-Geschäftsklima widerspiegelt: Während die Unternehmen die aktuelle Geschäftslage per Saldo noch deutlich positiv beurteilten, halten sich bei den Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate die Optimisten und Pessimisten die Waage. Nach wie vor bleiben die Risiken im EURO-Währungssystem sowie die Konflikte in Nahost und in der Ukraine bestehen. Die M+E-Unternehmen haben im Mai saisonbereinigt die Zahl der Mitarbeiter weiter erhöht. Die aktuellen Beschäftigungspläne signalisieren allerdings eher Zurückhaltung beim weiteren Beschäftigungsaufbau. Die M+E-Unter­neh­men konnten ihre Erträge im Jahr 2014 laut ifo-Gewinnumfrage vom Mai 2015 auf dem Niveau von 2013 halten. Für die weitere Geschäftsentwicklung sind auch die inländischen Investitionen von zentraler Bedeutung. Hier deutet sich zwar am aktuellen Rand eine leichte Erholung an, aber die Verunsicherung der Unternehmen durch die Krisenherde in der Welt sowie durch die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in Deutschland ist nach wie vor nicht überwunden.

Auftragseingang. Im April/Mai 2015 ist der Auftragseingang gegenüber dem ersten Quartal 2015 saisonbereinigt um 2,5 Prozent gestiegen. Am stärksten stiegen die Auftragseingänge im Maschinenbau mit 7,9 Prozent, gefolgt von der Metallverarbeitung mit 2,6 Prozent und dem Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit 1,0 Prozent. Der Auftragseingang im Fahrzeugbau lag mit 0,2 Prozent nur leicht über dem Wert des ersten Quartals.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im April/Mai 2015 saisonbereinigt um 0,4 Prozent über dem Wert des ersten Quartals. Dabei ging die Produktion im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik gegenüber dem ersten Quartal um 0,7 Prozent und im Fahrzeugbau um 0,2 Prozent zurück, während die Metallverarbeitung mit 1,8 Prozent und der Maschinenbau mit 2,1 Prozent über dem Wert des ersten Quartals lagen. Die Kapazitätsauslastung lag im Juli 2015 bei 85,3 Prozent und damit knapp unter dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Mai 2015 mit 3.794.400 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber April 2015 stieg die Zahl um etwa 1.300. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen signalisieren allenfalls einen leichten Beschäftigungsaufbau. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 357.200 Neueinstellungen. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 470.700. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank von 205.000 im Juni 2012 auf 180.000 im Juni 2014.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und gemeldeten offenen Stellen am aktuellen Rand etwas größer geworden, während der Trend weiter positiv bleibt: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Juni 2015 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 156.300 Arbeitslose, 12.600 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 117.600 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 11.100 gegenüber dem Vorjahresmonat. Faktisch signalisiert diese Situation eine spürbare Anspannung auf dem Arbeitsmarkt. Im Dezember 2014 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 24.200 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Juni 2015 rund 5.400.

Verdienste. Im vierten Quartal 2014 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,8 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 3,0 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2013 waren die Monatsverdienste um 2,7 Prozent und die Stundenverdienste um 5,8 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind in den ersten 5 Monaten 2015 weiter gestiegen, um +4,6% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Einzelnen: Dem Anstieg der Arbeitskosten je Stunde um 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr stand eine Steigerung der Produktivität um nur 0,5 Prozent gegenüber. 2014 waren die Lohnstückkosten bereits um 1,6 Prozent und 2013 um 4,2 Prozent gestiegen. Die Energiepreise entwickeln sich in eine Richtung: während Öl- und Gaspreise im ersten Quartal 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich nachgaben (Öl: -25,8 Prozent; Gas: -4,4 Prozent), sind die Strompreise mit -0,4 Prozent aber nur leicht gesunken. Bei den Stahlpreisen zeichnet sich weiterhin eine Entspannung ab, im ersten Quartal 2015 lagen die Preise der meisten Sorten deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise. Nach einer Phase sinkender Erzeugerpreise, scheinen sich die Märkte wieder zu stabilisieren. Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im zweiten Quartal 2015 um 1,1 Prozent über dem Vorjahr (nach 0,8 Prozent im ersten Quartal 2015). Die Exportpreise lagen im zweiten Quartal 2015 um 2,9 Prozent höher als 2014 (erstes Quartal: 2,3 Prozent), die Importpreise um 4,3 Prozent (erstes Quartal: 3,5 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2014 mit einer Jahresrate von 0,9 Prozent spürbar langsamer gestiegen als 2012 (+2,0 Prozent) und 2013 (+1,5 Prozent). Im Juni 2015 lag der Verbraucherpreisanstieg bei 0,3 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von Mai 2015 haben die M+E-Unternehmen in 2014 Gewinne nach Steuern in Höhe von 4,2 Prozent des Um­satzes erzielen und lagen damit auf dem Niveau des Jahres 2013. Die Erträge bleiben damit weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2014 mit 1.044 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (1.220 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie hat sich im Juli 2015 stabilisiert. Der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage blieb bei +18 Punkte, die Erwartungen der M+E-Unternehmen stiegen leicht von -1 Punkte auf 1 Punkte.

Aussichten 2015. Durch ein unerwartet starkes viertes Quartal ist die Produktion in der M+E-Industrie 2014 um 2,6 Prozent gewachsen. Für 2015 rechnen wir derzeit mit einem (geringeren) Wachstum von etwa 1,5 Prozent. Die Beschäftigung liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau, allerdings ist nach den Plänen der Unternehmen für die kommenden Monate kaum mehr mit einem spürbaren Beschäftigungszuwachs zu rechnen.

Stand: 31.07.2015

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