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III. Mögliche Reformmaßnahmen und ihre Wirkung 



Um die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland zu sichern, muss es Ziel von Politik und Wirtschaft sein, die drohende MINT-Fachkräftelücke mittelfristig zu verkleinern und bestenfalls zu schließen. Dies kann nur gelingen, wenn die Absolventenzahlen im MINT-Bereich deutlich gesteigert werden. Da die gesamte mittelfristige MINT-Lücke vor allem bei den Ingenieuren entsteht, ist eine Zunahme der Absolventen der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge entscheidend.

Im Wesentlichen sind folgende Maßnahmen denkbar:
  • Erhöhung der Übergangsquote: Die Bildungspolitik muss dafür sorgen, dass künftig ein größerer Teil der Abiturienten eines Jahrgangs ein Studium beginnt. In den oben beschriebenen Berechnungen ging das IW Köln davon aus, dass sich 75 Prozent eines Abiturientenjahrgangs an einer Hochschule immatrikulieren. Dieser Anteil könnte auf maximal 85 Prozent gesteigert werden, schätzt die Kultusministerkonferenz.
  • Steigerung des Anteils der Absolventen in den MINT-Fächern: Derzeit machen lediglich 32 Prozent der Hochschulabsolventen ihren Abschluss in einem MINT-Fach. Eine Erhöhung auf 40 Prozent ist denkbar – vor allem in den Ingenieurfächern.
  • Senkung der Abbruchquote: Zurzeit verlässt bei den Ingenieuren rund jeder Vierte die Hochschule ohne Abschluss. Als Ziel wäre eine Reduktion der Abbruchquote bis zum Jahr 2015 um die Hälfte vorstellbar.
  • Verbesserung der Durchlässigkeit im Bildungssystem: Die Wirtschaft fordert schon seit längerem, die Durchlässigkeit im Bildungssystem insgesamt zu verbessern und hier vor allem zwischen dem System der beruflichen Aus- und Weiterbildung und den Hochschulen. Wenn die Quote der zum Studium zugelassenen Facharbeiter angehoben wird, bieten sich weitere Potenziale für künftige Ingenieure.

Zur Erhöhung des Ingenieuranteils ist es wichtig, junge Menschen verstärkt für Technik zu begeistern und ihre mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen zu verbessern. Untersuchungen des PISA-Datensatzes zeigen, dass ein Mangel an naturwissenschaftlich ausgerichteten Lehrern die Kompetenzen der Schüler in Naturwissenschaften signifikant reduziert. Daher sollten die Länder besondere Anstrengungen unternehmen, um den techniknahen Unterricht in Schulen zu verstärken. Sachsen geht hier mit gutem Beispiel voran. Das ostdeutsche Bundesland plant, dass die Schüler Biologie, Chemie und Physik bis zur zwölften Klasse belegen müssen. Eine solche Stärkung der MINT-Schulfächer sollten alle Bundesländer umsetzen.

Zudem gehören auch die Hochschulen in den Fokus bildungspolitischer Reformen. So sollte beispielsweise ein hoher Anteil der zusätzlichen Studienplätze im Rahmen des Hochschulpaktes II für die Ingenieurwissenschaften eingerichtet werden. Darüber hinaus könnte der Staat die Hochschulfinanzierung stärker nachfrageorientiert durchführen und hierbei den Hochschulen für einen Ingenieurstudienplatz entsprechend höhere Beträge zur Verfügung stellen. Auf diese Weise entstünden finanzielle Anreize für die Hochschulen, vermehrt Studienplätze in diesem Bereich anzubieten und Studienangebote für beruflich qualifizierte Fachkräfte in technischen Bereichen zu konzipieren.

Durch die genannten Reformmaßnahmen kann die MINT-Lücke mittelfristig zu einem guten Teil reduziert werden. Das zeigt ein Vergleich des Szenarios „Status quo“ mit dem Szenario „Reform“ (Grafik 6). Das Szenario „Status quo“ bildet die MINT-Lücke ab, die entsteht, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden und dem Fachkräftemangel keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Im Gegensatz dazu steht das Szenario „Reform“, bei dem davon ausgegangen wird, dass die oben beschriebenen Maßnahmen zur Reduktion der MINT-Lücke umgesetzt werden.

Im Reform-Szenario würde sich der Engpass wie im Status-quo-Szenario erst einmal weiter verschärfen und im Jahr 2014 mit rund 200.000 nicht zu besetzenden Stellen auf seinen höchsten Wert steigen. In den Folgejahren ginge der MINT-Mangel jedoch bis auf gut 160.000 Stellen im Jahr 2020 zurück. Dies entspricht im Vergleich zur kumulierten Lücke ohne Reformmaßnahmen einer Reduktion um rund 60 Prozent. Die kumulierte Lücke kann also mittelfristig mithilfe der Maßnahmen abgebaut werden, weil ab 2015 jedes Jahr mehr Absolventen von den Hochschulen kommen als Stellen frei werden. Dennoch ist dieser jährliche Angebotsüberhang nicht groß genug, um die Lücke ganz zu beseitigen.
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