Gesamtmetall
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Die Entwicklung der MINT-Fachkräftelücke in Deutschland - Zusammenfassung der Ergebnisse
- Der Fachkräftemangel in Deutschland verschärft sich seit Jahren. Die Unternehmen haben vor allem Probleme, gut qualifizierte MINT-Fachkräfte zu finden, also Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem Studien- oder Berufsabschluss in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. Besonders dramatisch war die Situation zuletzt im Aufschwungjahr 2008. Damals wuchs die Differenz zwischen der errechneten Gesamtzahl der offenen Stellen und den arbeitslos gemeldeten MINT-Fachkräften auf rund 140.000.
- Derzeit sorgt die tiefe Konjunkturkrise dafür, dass sich die Fachkräftelücke Monat für Monat deutlich verringert – zuletzt im Juni 2009 auf etwa 60.000 Personen für den gesamten MINT-Bereich. In den kommenden Monaten dürfte sich die Lücke in Folge der schwachen Konjunktur weiter reduzieren.
- Auf mittlere Sicht wird sich der Mangel an qualifizierten MINT-Fachleuten aber wieder vergrößern, vor allem im Ingenieurbereich. Verantwortlich sind zwei Entwicklungen: Erstens werden bis 2014 jährlich im Schnitt etwa 49.000 MINT-Akademiker in den Ruhestand gehen. Zwischen 2015 und 2020 scheiden jedes Jahr sogar 59.000 Fachkräfte altersbedingt aus und müssen ersetzt werden. Zweitens lässt auch der Expansionsbedarf der Wirtschaft die Nachfrage nach hochqualifizierten Fachleuten steigen. Dafür sorgen unter anderem der mittelfristige Wachstumstrend und die Entwicklung hin zur Hightech-Produktion und zu höherwertigen Dienstleistungen. Ersatz- und Expansionsbedarf zusammen ergeben einen jährlichen Gesamtbedarf an MINT-Akademikern von rund 100.000 bis zum Jahr 2014 und rund 110.000 zwischen 2015 und 2020 – darunter jährlich 71.000 (2009 bis 2014) bzw. 77.000 (2015 bis 2020) Ingenieure.
- Ohne weitere Reformen in der Bildungspolitik werden die Hochschulen diese Nachfrage nach MINT-Kräften nicht decken können, wie Prognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) zeigen. Danach werden unter Status-quo-Annahmen künftig pro Jahr nur 85.000 bis 90.000 junge Leute die Hochschulen mit einem MINT-Abschluss verlassen. Etwa die Hälfte davon wird ein Studium der Ingenieurwissenschaften absolviert haben. Auf diesem Feld reichen die Hochschulabsolventen damit gerade einmal aus, um die altersbedingt ausscheidenden Arbeitnehmer zu ersetzen. Der Expansionsbedarf kann dagegen nicht vollständig gedeckt werden.
- Der gesamte MINT-Fachkräftemangel wird sich daher ohne Reformen bis zum Jahr 2014 auf rund 220.000 aufsummieren. Im Jahr 2020 droht nach derzeitigem Stand eine Lücke von rund 425.000 fehlenden Fachkräften, die danach allein schon wegen des hohen demografischen Ersatzbedarfs an Ingenieuren weiter zunehmen würde.
- Diese mittelfristig zu erwartende MINT-Fachkräftelücke ist fast ausnahmslos eine Ingenieurlücke! Um den drohenden MINT-Mangel vor allem in den Ingenieurwissenschaften zumindest in Grenzen zu halten, bieten sich drei wesentliche Stellschrauben an: Es muss gelingen, mehr Schulabgänger ins Studium zu bringen, die Abbrecherquoten in den MINT-Studiengängen zu verringern und den Anteil der Ingenieure an allen Hochschulabsolventen zu steigern. Werden alle drei Ziele erreicht, könnte die MINT-Lücke im Jahr 2014 auf rund 200.000 Ingenieure begrenzt werden. Bis 2020 würde sie dann auf gut 160.000 sinken, so dass zumindest ein Teil des Expansionsbedarfs der Wirtschaft gedeckt werden könnte.
- Die drei Ziele sind für den Staat eine große Herausforderung. Um sie zu erreichen, müsste die Bildungspolitik beispielsweise den technischen Schulunterricht stärken, die Hochschulkapazitäten in den MINT-Fächern ausbauen und mit einer größeren Nachfrageorientierung an den Hochschulen Verantwortung und Effizienz in der Akademikerausbildung verbessern.
- Auch die Wirtschaft leistet ihren Beitrag. Umfragen des IW Köln zeigen, dass sich vor allem die M+E-Unternehmen schon heute für die Sicherung des MINT-Nachwuchses einsetzen. Mehr als in anderen Branchen ermöglichen die M+E-Unternehmen ihren MINT-Nachwuchskräften beispielsweise ein berufsbegleitendes Studium oder duale Studiengänge in Kooperation mit einer Hochschule. Auch was Kooperationen mit Schulen und MINT-Stipendien angeht, ist die M+E-Industrie überdurchschnittlich engagiert.
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Dr. Michael Stahl 030-55150-203
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