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Ausbildung: Mehr Mädchen in technische Berufe 



Eine Ausbildung in einem technischen Beruf? Viele Mädchen können sich das immer noch nicht vorstellen. Oft liegt das auch daran, dass sie nicht auf die Idee kommen, sich mit den Berufsbildern zu beschäftigen. Genau hier setzt ein Programm der Kölner Ford-Werke an, das mittlerweile bemerkenswerte Erfolge erzielt.
Köln. Birgit Kendziora würde gerne das Fernsehprogramm ändern. Dieser Wunsch ist im Grunde genommen nichts Besonderes, vielen Menschen geht es ähnlich. Aber ihr geht es weniger um die eigene Unterhaltung, sondern um die Vorbildwirkung. „Wenn einige der Hauptdarstellerinnen in den vorabendlichen Seifenopern und Telenovelas technische Berufe hätten“, ist sich die Koordinatorin für Aus- und Weiterbildung bei der Kölner Ford-Werke GmbH sicher, „gäbe es viel mehr Mädchen, die sich für diese Berufe interessieren würden – hier könnte das Fernsehen wirklich von großem Nutzen sein.“

Derartige Vorbilder sind in der Öffentlichkeit aber leider Mangelware. Diese und andere Umstände führen in Deutschland dazu, dass sich Mädchen nach wie vor bei ihrer Ausbildungs- und Studienwahl eher gegen technische Berufsfelder oder Studienfächer entscheiden – und das, obwohl sie meist bessere Schulabschlüsse haben. Die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass mehr als die Hälfte der jungen Frauen ihren zukünftigen Beruf aus nur zehn verschiedenen Ausbildungsberufen im dualen System wählt – darunter ist kein einziger naturwissenschaftlich-technischer.

Anne Helene Ruegenberg (links) will Ingenieurin der Elektrotechnik werden. Die gemeinsame Ausbildung mit Jungen findet sie in keiner Weise problematischSeit Jahren informieren die Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie vor allem auch junge Mädchen über die Berufe und die Perspektiven in den technischen Berufen. Bei Ford feiert in diesem Jahr ein Programm Geburtstag, das vor zehn Jahren als Pilotprojekt begann und mittlerweile beim Kölner Autobauer zu einer festen und wichtigen Institution geworden ist. „FiT – Frauen in technischen Berufen“ wurde im Herbst 1999 als Kooperationsprojekt mit dem Schulverwaltungsamt der Stadt Köln ins Leben gerufen, um den Frauenanteil in technischen Berufen zu erhöhen und auf diesem Wege qualifizierten Nachwuchs zu sichern. Den Schülerinnen soll im Rahmen des Programms vor allem deutlich gemacht werden, dass das Spektrum an Berufen wesentlich größer ist, als sie in der Regel denken.

„Wir in der Automobilindustrie möchten natürlich gerne mehr Frauen im Unternehmen haben, weil ein großer Teil unserer Kunden Frauen sind. Das heißt, wir brauchen einfach Frauen im Unternehmen, die die Wünsche und die Ideen von Frauen in die Fahrzeuge mit einbringen“, erklärt Birgit Kendziora. Um Schülerinnen neugierig zu machen, bietet Ford unter anderem Praxisprojekte und Berufsinfotage im Ausbildungszentrum sowie Ferienpraktika an. Es gibt aber auch Maßnahmen oder Veranstaltungen, wo Mädchen sich vor Ort einfach nur Werkstätten anschauen, um sich ein Bild zu machen, wie eigentlich ein technischer Arbeitsbereich aussieht.

Besonders wichtig ist der Kontakt mit weiblichen Auszubildenden, damit die Schülerinnen sehen, „dass das auch ganz normale Mädchen sind, die trotz technischer Berufe Make-up und lackierte Fingernägel tragen“. Die Mädchen sehen auch die Produktentwicklung, die Arbeitsplätze von Ingenieurinnen und Ingenieuren und können selber an Projekten mitarbeiten. „Das ist eine breite Palette, die immer auf dem Prinzip fußt: zu uns kommen, sich alles angucken, hier vor Ort Dinge selber ausprobieren, Praxiserfahrungen sammeln und selber feststellen, ob ein technischer Beruf auch etwas für einen wäre.“

Pro Jahr nehmen etwa 800 bis 1.000 Schülerinnen der Jahrgangsstufen 7-13 an mehr als 45 FiT-Veranstaltungen teil. „Und immer wieder treffe ich später junge Frauen in der Ausbildung, die vorher in einer der FiT-Maßnahmen waren“, freut sich Birgit Kendziora. Wie etwa Olga Fedtschenko. Die 20-jährige macht gerade ein duales Studium, das heißt, sie absolviert parallel zur Ausbildung als Elektronikerin ein Elektrotechnik-Studium. Kontakt zu Ford hatte sie über einen Informationstag bekommen, danach ein zweiwöchiges Praktikum absolviert und sich später um einen Ausbildungsplatz beworben. „Bei den FiT-Maßnahmen habe ich mitbekommen, wie bei Ford ausgebildet wird. Das hat mir alles sehr gut gefallen und danach habe ich mich halt dafür entschieden“, sagt die Auszubildende.

Daniela Rauhut hat sich schon als Kind für Technik interessiert: Daniela Rauhut macht jetzt eine Ausbildung zur Elektronikerin und möchte später einmal in die Entwicklungsabteilung.Um Mädchen ingenieurwissenschaftliche Studiengänge näher zu bringen, organisiert FiT eine Reihe von Informationsmaßnahmen, darunter zusammen mit der Fachhochschule Köln das Sommerferienprogramm Try-Ing, das vor allem Schülerinnen ab der Jahrgangstufe 11 ansprechen soll. In diesem Sommer haben 20 junge Frauen die Produktentwicklung in der Automobilindustrie und die Ausbildungsinhalte des Maschinenbau-Studiums, Fachrichtung Fahrzeugtechnik, kennengelernt. Die Schülerinnen absolvierten ein einwöchiges Schnupperstudium an der Fachhochschule und waren danach für eine weitere Woche im John-Andrews-Entwicklungszentrum der Ford-Werke. Sie haben dort an Projekten mit Themen wie CO² -einsparende Technologien, Berechnung von CAD-Daten an Prototypen mitgearbeitet oder sich mit Fragestellungen wie „Warum fängt es an zu piepen, wenn ich mich nicht anschnalle?“ oder „Wie fühlen sich Schalter an?“ befasst. Initiiert wird das „Try-Ing“-Programm vom Women’s Engineering Panel (WEP), einen Zusammenschluss von Ford-Ingenieurinnen und von FiT.

Eine weitere Zielgruppe der Ford-Aktivitäten sind Lehrkräfte, die sich für die Berufsorientierung in der Schule „fit“ machen wollen. Informationstage, Fortbildungen und Praktika beim Kölner Autobauer sollen Einblick in technische Arbeitsfelder vermitteln und die Chancen für Frauen in diesen Bereichen deutlich machen. Ergänzend bietet Ford den Schulen Unterstützung bei Elternabenden zum Thema „Berufswahl“ an.

Und was bringt das für das Unternehmen? Birgit Kendziora bekennt: „Mit den Ergebnissen sind wir mehr als zufrieden, wenn nicht gar etwas stolz.“ Durch die Aktivitäten hat sich der Mädchenanteil in technischen Berufspraktika seit 1999 kontinuierlich von sieben auf durchschnittlich 25 Prozent erhöht. Der Anteil der weiblichen Auszubildenden in den gewerblich-technischen Berufen ist gestiegen, auf heute 18 Prozent. Das ist in vergleichbaren Berufen mehr als das Dreifache des Bundesdurchschnitts, der bei knapp fünf Prozent liegt. „Über alle Ausbildungsberufe gesehen haben die FiT-Aktivitäten dazu geführt, dass der Anteil von Frauen von 13 auf 22 Prozent gesteigert wurde“, erklärt Kendziora.

Bemerkenswerte Erfolge verzeichnen die Verantwortlichen auch bei den Ingenieurinnen. Seit der Einführung der dualen Studiengänge „do2technik“ und „do2business“ erhöhte sich hier der Anteil von Frauen von 30 auf heute fast 50 Prozent. Im Bundesdurchschnitt absolvieren lediglich 15 Prozent Frauen die Studiengänge Elektrotechnik oder Maschinenbau. Und was die Koordinatorin und ihre Kolleginnen besonders begeistert: Bis zu 65 Prozent aller jungen Frauen bei Ford in Köln haben im Vorfeld an einer FiT-Veranstaltung teilgenommen. „Hier sind wir mit unserer Arbeit vielleicht sogar erfolgreicher, als es eine Vorabendserie im Fernsehen sein könnte“, freut sich Birgit Kendziora.

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Ansprechpartnerin
Ford Aus- und Weiterbildung e.V.
Birgit Kendziora
Tel: 0221 - 90 18272
bkendzio@ford.com
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Gesamtmetall/Pit Junker
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