"IG Metall arbeitet wider besseren Wissens mit Verzerrungen und Halbwahrheiten"

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser im Kölner Stadt-Anzeiger über die Mitgliederwerbung der IG Metall und angeblich prekäre Aussichten


Zu den Gewerkschafts-Thesen von fehlender Perspektive für die Jugend:

Die IG Metall "arbeitet bei der grundsätzlich natürlich für jede Organisation notwendigen Mitgliederwerbung wider besseren Wissens mit Verzerrungen und Halbwahrheiten. Das ist keine gute Entwicklung".

"Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Ich halte das bezogen auf unseren Industriezweig sogar für eine Zumutung. Es gibt weltweit kaum eine andere Branche, die sich so um die Jugend und deren berufliche Entwicklung bemüht. Es ist doch kein Zufall, dass wir von allen vergleichbaren Ländern die geringste Jugendarbeitslosigkeit haben. Unsere Industrie bietet für junge Leute viele Möglichkeiten der Entwicklung. Wir machen mit 3,5 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland und 1,5 Millionen im Ausland Technologie für die Welt – und das bedeutet gerade für junge Menschen Chancen und Entfaltungsmöglichkeiten".

Zum Thema "prekäre Arbeit":

"Das ist eine dieser Halbwahrheiten, mit denen man versucht Stimmung zu machen. Nur 3,2 Prozent unserer Beschäftigten haben befristete Arbeitsverträge. Richtig ist, dass in den letzten zwei, drei Jahren angesichts des wirtschaftlich unsicheren Umfeldes etwa die Hälfte aller Neueinstellungen zunächst befristet war. Aber davon sind 60 Prozent nach Ablauf der Befristung dauerhaft übernommen worden. Die Betriebe haben so reagiert, wie es der gesunde Menschenverstand gebietet."

"Es ist noch mehr Kreativität gefragt, um insbesondere junge Frauen für unsere Industrie zu gewinnen“. (...Notwendig: mehr flexible Arbeitszeitmodelle...). "Auch hier haben wir aber wieder eine der Widersprüchlichkeiten der IG Metall. Die hat früher mehr Teilzeitarbeit gefordert. Jetzt gibt es sie; 72 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Aber nun heißt es, das ist Prekarisierung. Man muss leider den Eindruck haben, dass derzeit bei der IG Metall die Skandalisierung im Vordergrund steht, um Mitglieder zu gewinnen."

Zur Forderung, Auszubildende unbefristet übernehmen zu müssen:

"Wir halten dies für kontraproduktiv. Das ist frühzeitige Verbeamtung. Tatsache ist, dass 75 Prozent der ausgebildeten Jugendlichen übernommen werden. Von den restlichen 25 Prozent gehen viele zur Hochschule oder wechseln den Betrieb."

Mit Martin Kannegiesser sprach Günther Wiedemann, Kölner Stadt-Anzeiger.
Erschienen am 30. September 2011.