Ausbildung: Die WorldSkills Leipzig 2013

Gastgeber Leipzig bereitet sich auf seine Gäste vor

2013 finden die Berufe-Weltmeisterschaften zu ersten Mal seit über 40 Jahren wieder in Deutschland statt. Mehr als 1.000 Teilnehmer und rund 200.000 Besucher werden zu der Veranstaltung erwartet. Es geht aber nicht nur um Medaillen. Zum Konzept gehört auch, dass jedes Land die Patenschaft für eine örtliche Schule übernimmt.

Leipzig. Im großen Ballsaal des Leipziger Westin-Hotels kam schon Festival-Stimmung auf. Mehr als 180 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte aus 55 Grundschulen in Leipzig und Umgebung stellten sich in äußerst lebendiger und kreativer Form ihren Patenländern vor. Die saßen im Publikum, vertreten durch rund 300 Delegierte und Experten aus 46 Ländern und Regionen der Welt. Sie alle hatten sich zum letzten großen Vorbereitungstreffen für die WorldSkills 2013 in der sächsischen Messestadt getroffen. Die Patenschaften sind seit 2007 fester Bestandteil der Berufe-Weltmeisterschaften und stehen unter dem Motto „One School One Country“.

Die Delegation der Grundschule am Park in Taucha lässt sich von ihren indonesischen Paten die geografischen Besonderheiten des Landes erklären.Durch die Patenschaften sollen Schüler, Lehrer, Eltern und internationale Gäste gegenseitig ihre Heimatländer besser kennenlernen. Bis zum Beginn der WorldSkills, die vom 2. bis 7. Juli stattfinden, bringt das Programm erst einmal die fremden Kulturen in die Klassenzimmer der Grundschulen. Von Brasilien bis Japan, von den Anden bis zum Himalaya. Ob Korea, Australien oder Russland - jedes Land hält Besonderheiten bereit, die jeweils in den kommenden Wochen im Unterricht behandelt werden. Der erste Austausch erfolgte bereits direkt nach der Vorstellungsrunde. So hockte sich beispielsweise die Delegation der Grundschule am Park in Taucha mit einer großen Landkarte auf den Boden im Foyer, um sich dort von ihren indonesischen Paten die geografischen Besonderheiten des Landes erklären zu lassen. Ähnliche Bilder waren überall im Saal zu sehen.

Die nächsten Begegnungen finden während der WorldSkills Leipzig 2013 statt. Dann lernen die Schülerinnen und Schüler alle ihre Paten und natürlich auch die Berufe der Wettkämpfer persönlich kennen. Die Wettkampfteams werden vor den Wettkämpfen die zugelosten Schulen besuchen und den Kindern Rede und Antwort zu ihrer jeweiligen Heimat stehen. „Das Programm bietet somit nicht nur den Kindern die Möglichkeit, etwas über unsere Welt zu lernen“, sagt Simon Bartley, Präsident der Dachorganisation WorldSkills International. „One School One Country“ bezeichnet der Brite gar als „Höhepunkt außerhalb der WorldSkills-Wettbewerbe“.

Die Leistungskurve der Wettbewerbe geht steil nach oben

Bei der Leipziger Vorbereitungswoche für die WorldSkills stimmten die internationalen Delegierte und Experten unter anderem die Wettbewerbsbeiträge für die Teilnehmer ab, legten die einzuhaltenden Regeln fest und verständigten sich auch über Maßnahmen bei unsportlichem Verhalten. Und die Wettbewerbe haben es in sich: So werden beispielsweise die Maurer nach präzisen Vorgaben Modelle des Brandenburger Tors bauen, die Fliesenleger unter anderem eine Wand mit den Umrissen der Bundesrepublik Deutschland in Schwarz-Rot-Gelb befliesen und die Metallbauer ein komplexes Maschinengehäuse fertigen.

Manch internationaler Delegierte ging auch schon in die Knie, um mit den Kindern auf Augenhöhe zu sein.„In den letzten Jahren ist der Standard der Projekte stark nach oben gegangen“, sagt Stefan Praschl, stellvertretender Vorsitzender des technischen Komitees von WorldSkills International. Schwierig sei dabei, dass in anderen Kontinenten mit anderen Materialien gearbeitet würde. „Da muss man Kompromisse finden.“ Um allen Wettkämpfern gleiche Voraussetzungen zu ermöglichen, werden vom Organisationskomitee umfangreiche Material-Proben in die einzelnen Länder versandt, beispielsweise Steine, Zement, Eichenklötze und Stahlbleche. Für die rund 70 festen und freien Mitarbeiter der Organisatoren bedeutet das eine Menge Arbeit.

Die Teilnehmer erfahren die Aufgaben zwar vorher, um trainieren zu können. Diese werden aber zum Wettbewerb im Juli um bis zu 30 Prozent verändert, um „neben Präzision auch Kreativität und Transferleistung abzufordern“. Die Teilnehmer haben dann an vier Tagen insgesamt 22 Stunden Zeit, die Aufgaben umzusetzen. Ein Team von Experten bewertet dabei die Ausführung und legt nach einem ausgefeilten Punktesystem die Gewinner fest.

Der Siegeszug der Berufe-Meisterschaften begann bereits 1947

Die Idee für die Berufe-Weltmeisterschaft stammt übrigens von José Antonio Elola Olaso und Francisco Albert-Vidal. Die beiden Spanier hatten 1946 den Traum von einem internationalen Wettbewerb der Berufe: „Eine Meisterschaft in professioneller Qualität, in der sich die Welt misst.“ Die ersten spanischen Wettkämpfe für Auszubildende 1947 waren ein Riesenerfolg. Drei Jahre später lädt man den Nachbarn Portugal zu den Wettkämpfen ein. Und seit 1953 kommen immer mehr Länder dazu, von 1999 an firmiert der Wettkampf unter dem Namen WorldSkills.

Detailliert wurden die gesamten Abläu-fe der WorldSkills mit den Delegierten aus aller Welt besprochen.Die Wettbewerbe finden alle zwei Jahre statt, zuletzt 2011 in London und 2009 in Calgary. Das Spektrum der 46 verschiedenen Disziplinen reicht dabei von handwerklichen Berufen über gewerblich-technische Tätigkeiten bis hin zu Berufsbildern aus dem Dienstleistungsbereich. Teilnehmen können junge Fachkräfte bis zum Alter von 22 Jahren.

Hubert Romer, Geschäftsführer der WorldSkills Leipzig 2013 GmbH freut sich besonders über die „hervorragende Unterstützung durch Politik und Wirtschaft“. So stellen zahlreiche Sponsoren für die Wettbewerbe Maschinen, Werkzeuge und Material zur Verfügung, ohne die nichts gehen würde. Benötigt werden bis zu zwei Millionen Gegenstände – vom Stahlstift bis zur Offset-Druckmaschine. „Wir erleben hier eine Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten“, so Romer, „die es in dieser Form in Deutschland bisher noch nicht gab. Politiker, Geldgeber und Sponsoren ziehen alle an einem Strang. Für mich ist das schlicht eine Allianz der Begeisterung.“ Schirmherrin der Großveranstaltung auf dem Gelände der Leipziger Messe ist übrigens Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die größten Worldskills aller Zeiten

Die WorldSkills Leipzig 2013 werden nach Ansicht der Verantwortlichen voraussichtlich das größte Ereignis in der Geschichte des Wettbewerbs sein. So sind bisher 1046 Teilnehmer registriert, rund 12 Prozent mehr als bei der letzten Weltmeisterschaft in London. Der Flächenbedarf für die Wettbewerbs-Werkstätten ist sogar um 23 Prozent gestiegen. Der Wettbewerb der Mechatroniker ist mit 35 Zweier-Teams mit Abstand der größte, gefolgt von den Schweißern und den Köchen. Die größten Nationalmannschaften entsenden Frankreich (46 Teilnehmer), Brasilien und Japan (jeweils 45), Taiwan (44) sowie Deutschland und Finnland (je 43).

Die Grundschulkinder aus Leipzig und Umgebung präsentierten sich ihren internationalen Paten mit großem Engagement.Wie Hubert Romer betont, sind die WorldSkills jedoch weitaus mehr als nur Wettkämpfe. „Wir haben verschiede Zielgruppen“, sagt der Chef-Organisator. Fachpublikum, Wirtschaftsexperten und Wirtschaftsvertreter würden „eine unglaubliche Leistungsschau erleben“. Sie könnten Produkte, neueste Maschinen und Gerätschaftenn in Anwendung sehen. Vor allem die jungen Besucher würden bei den Wettkämpfen „Helden oder Vorbilder erleben“, bei denen zu sehen ist, was man im Beruf erreichen kann. Im begleitenden Tagungsprogramm würde zudem sehr viel über die berufliche Bildung, vor allem auch über die Duale Ausbildung in Deutschland vermittelt werden. „Und den Familien“, so Romer, „wird natürlich auch was geboten.“ Die Eltern könnten zum Beispiel hautnah Berufe erleben und ihren Kindern dadurch vielleicht bei der späteren Berufswahl besser helfen.

Die Veranstalter rechnen mit mehr als 200.000 Besuchern in Leipzig. „Wir erwarten“, sagt Elfi Klumpp, Geschäftsführerin des nationalen Trägerverbandes WorldSkills Germany, „dass die Weltmeisterschaften ein starker Impulsgeber für das Duale Ausbildungssystem in Deutschland sein werden – quasi Nachwuchssicherung auf olympischer Plattform.“