"Erst wenn wir eine breite Basis an Frauen in den Firmen haben, kann man gezielt mit Blick auf Führungspositionen fördern"

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Sons in der Nordwest-Zeitung zur Frauenquote

Jawohl, wir brauchen besonders in unserer Industrie dringend mehr Frauen, und zwar auf allen Ebenen. Der Anteil liegt im Schnitt bei 20 Prozent.

Doch das erste Problem ist die Berufswahl: Gerade einmal 7 Prozent aller technischen Azubis sind Frauen. Bei den beliebtesten Ausbildungsberufen der Frauen kommt der erste technische M+E-Beruf auf Platz 52. Nur 11 Prozent aller Elektrotechnik-Studierenden sind Frauen. Aber erst, wenn wir eine breite Basis an Frauen in den Firmen haben, kann man daraus schöpfen und gezielt Frauen auch mit Blick auf Führungspositionen fördern.

Zum zweiten hat die Politik immer wieder eine vernünftige Kinderbetreuung versprochen. Aber bis heute gibt es noch nicht mal für alle Dreijährigen eine gesicherte Betreuung, und wenn, dann oft gerade mal von 9 bis 13.00 Uhr. Ohne verlässliche, sichere Kinderbetreuung ist eine Karriere von Eltern aber kaum möglich.

Und drittens muss auch der gesellschaftliche Wandel da sein. Solange sich Mütter, die arbeiten gehen wollen, noch immer als Rabenmütter bezeichnen lassen müssen, stimmt das Frauenbild in der Gesellschaft noch nicht. An allen drei Kernproblemen löst eine Quote nicht das Geringste. Die Gefahr ist groß, dass sie am Ende das Gegenteil bewirkt. Wenn Frauen in ihrer Vorstandsposition, die sie nur aufgrund der Quote besetzen, scheitern, schadet das der ganzen Idee.

Beitrag von Gabriele Sons in der Nordwest-Zeitung.
Erschienen am 18. Oktober 2011.