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Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie im zweiten Vierteljahr 2010 



Die Metall- und Elektro-Industrie arbeitet sich schneller aus der Krise heraus als man vor einem Jahr erwarten konnte. Auftragseingänge und Produktion stiegen auch im zweiten Quartal deutlich an. Die Beurteilung der Geschäftslage verbessert sich stetig. Im August übertraf sie die Nulllinie per Saldo schon wieder um fast 20 Prozentpunkte. Die Geschäftserwartungen liegen noch deutlicher im Plus. Die Beschäftigtenzahl zieht wieder an - überraschend früh angesichts des immer noch hohen, durch die Beschäftigungssicherung entstandenen Personalüberhangs. Der Export erweist sich erneut als Motor des Aufschwungs. Dabei kommen der deutschen M+E-Industrie ihre exzellente Wettbewerbsfähigkeit und die hohe Qualität ihrer Produkte zugute. Doch überstanden ist die Krise noch nicht: Bei den Aufträgen sind erst zwei Drittel aufgeholt, bei der Produktion die Hälfte und bei der Beschäftigtenzahl gerade einmal 6.700 von verlorenen 216.000. Und die Risiken sind erheblich: Ob der Exportboom anhält, ist ungewiss. Er wird derzeit in starkem Maße von Geschäften mit China und Großaufträgen arabischer Ölstaaten getragen. Die Konjunktur in den USA und anderen Ländern ist weiter labil; die Rohstoffpreise steigen; staatliche Konjunkturprogramme laufen weltweit aus und die Konsolidierung der Staatsfinanzen steht an; dem Finanzsystem drohen weitere Instabilitäten. Für manches Unternehmen könnte 2010 schwieriger werden als 2009, weil die Reserven an Eigenkapital und Liquidität geschmolzen sind und bei höherem Wachstum Finanzierungsschwierigkeiten drohen.

Auftragseingang. Die Auftragslage der M+E-Industrie hat sich im 2. Quartal 2010 weiter erholt. Die M+E-Industrie erhielt noch einmal 8 Prozent mehr Aufträge als im 1. Quartal. Die Bestellungen des Inlandes stiegen mit +6 Prozent sehr ansehnlich, aber nicht ganz so stark wie die des Auslandes (+10%). Dennoch leistet auch die inländische Nachfrage ihren Beitrag zur Erholung, zumal das hohe Auslands-Plus im Juni nur auf Großaufträge im Flugzeugbau zurückzuführen ist. In allen anderen M+E-Branchen, auch in der Automobilindustrie, brachte der Juni im In- und Ausland keine nennenswerten Zuwächse. Um wieder das Vorkrisenniveau zu erreichen, ist ein weiterer Zuwachs von rund 12 Prozent nötig.

Produktion. Die Produktion konnte im Juni keinen weiteren Boden gut machen und blieb um 1, 7 Prozent unter dem Maiwert. Hier könnten auch Ferieneinflüsse eine Rolle gespielt haben. Dass der Aufholprozess nicht zu Ende ist, zeigt die Quartalsbetrachtung. Das 2. Quartal brachte gegenüber den drei Vormonaten ein deutliches Plus von 7 Prozent. In den beiden Quartalen davor war die M+E-Produktion insgesamt um 5 Prozent gestiegen. Noch sind aber weitere 15 Prozent notwendig, um wieder das Niveau des 1. Halbjahres 2008 zu erreichen. Mit der Produktion verbesserte sich auch der Grad der Kapazitätsauslastung von 69,3 Prozent im Juli 2009 auf 82,5 im Juli 2010. Normal sind rund 88 Prozent.

Beschäftigung. Die Beschäftigtenzahl steigt langsam wieder an, von April bis Juni per Saldo um 6.700. Die ostdeutsche M+E-Industrie baut sogar schon seit Februar wieder Personal auf. Bis Juni waren hier bereits 5.290 neue Stellen entstanden. Der vom Statistischen Bundesamt gemeldete Einbruch der Beschäftigungszahl zum Jahreswechsel um -41.000 zeigt nicht die wahre Entwicklung in der M+E-Industrie. Er ist extrem überzeichnet, weil Betriebe, die im Jahresverlauf 2009 unter die 50-Mitarbeiter-Schwelle gefallen sind, im Januar 2010 komplett aus der Statistik herausgenommen wurden. Der tatsächliche Abbau dürfte weit unter 10.000 gelegen haben. Das Minus gegen Vorjahr betrug im Juni unbereinigt 3,3 Prozent, um den o.g. Effekt bereinigt waren es ca. 2,4 Prozent.
Arbeitsmarkt. Die BA veröffentlicht wieder M+E spezifische Arbeitsmarktdaten, die aber mit den bisherigen nicht vergleichbar sind. Nach der neuen Systematik gab es im Juni 2010 in den M+E-Berufen 205.200 Arbeitslose, 62.300 weniger als vor Jahresfrist. Die Zahl der gemeldeten ungeförderten Offenen Stellen war mit 58.100 deutlich höher als im Juni 2009 (+16.600). Die Kurz­arbeit hat in der M+E-Industrie deutlich abgenommen. Der Höhepunkt lag im Mai 2009 bei 974.530 Kurzarbeitern, mehr als ein Viertel aller M+E- Beschäftigten. Im März 2010 waren es 417.800, im Mai – nach Gesamtmetall-Schätzungen – weniger als 300.000. Noch mehr ist die Welle bei den Anzeigen zur Kurzarbeit abgeebbt. Im Juli erhielt die BA von M+E-Betrieben nur noch Anzeigen für 12.236 Beschäftigte.

Entgelte. Die Entgeltentwicklung war 2009 stark durch die Kurzarbeit geprägt. Die Bruttostundenentgelte stiegen zwar um 2,5 Prozent gegenüber 2008, die Monatsentgelte (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) sanken jedoch um 3,7 Prozent. Die durch Kurzarbeit erlittenen Ausfälle konnten aber schon im 1. Quartal 2010 teilweise wieder ausgeglichen werden. Die Monatsentgelte lagen um 3,2 Prozent über Vorjahr, die Stundenentgelte um 3,1 Prozent. Besonders zeigen sich die Effekte der Kurzarbeit bei den Ungelernten (2009 -7,2%/1.Vj. 2010 +7,2%) und Angelernten (-7,5%/+6,5%).

Kosten, Produktivität. Mit der Wiederbelebung der Konjunktur begann auch hier der Normalisierungsprozess. Im ersten Halbjahr 2010 lagen die Entgeltkosten je Arbeitsstunde um 2 Prozent unter, die Produktivität um knapp 10 Prozent über Vorjahr, was einen Rückgang der Lohnstückkosten um 11 Prozent zur Folge hatte. Bis zum Erreichen des Vorkrisenniveaus ist aber noch ein weiter Weg: Der durch die Beschäftigungssicherung in der Krise entstandene Lohnstückkosten-Berg ist gerade erst zur Hälfte abgetragen, der Produktivitätseinbruch erst zu 60 Prozent aufgeholt. Neues Ungemach droht bei den Material- und Energiekosten: Die Preise wichtiger Stahlsorten lagen im Juli teilweise schon um mehr als 25 Prozent über Vorjahr, aber immer noch unter ihrem Vorkrisenniveau. Heizöl war um 35 Prozent teuerer als im Juli 2009.

Preise. Die Preisrate für M+E-Erzeugnisse betrug im Juli 1,6 Prozent. Die Exportpreise notierten 2,6 Prozent (Juni) über Vorjahr. Noch stärker stiegen die Preise der M+E-Importe (+4,2%). Dennoch ist der Wettbewerbsdruck auf allen Märkten auch weiterhin hoch. Die Inflationsrate (Verbraucherpreise) war in den vergangenen Monaten, vor allem aufgrund gestiegener Benzinpreise, wieder etwas höher als im Herbst 2009, aber weiter auf stabilem Niveau. Im Juli lag sie bei 1,2 Prozent.

Erträge. Nach der ifo-Gewinnumfrage vom Mai 2010 erzielten die M+E-Unternehmen 2009 in der Summe nach Steuern Gewinne in Höhe von 0,6 Prozent des Umsatzes. 35 Prozent meldeten rote Zahlen. Damit war die Rendite etwas weniger schlecht als die Firmen im September 2009 erwartet hatten. Damals war die positivere Entwicklung im 4. Quartal noch nicht erkennbar. Die M+E-Insolvenzen stiegen 2009 von 1.020 auf 1.710 (+68%). Dabei vervierfachte sich die Zahl der betroffenen Beschäftigten (von 13.000 auf 50.000), die Forderungshöhe sprang von 1,4 auf 6,4 Milliarden Euro. Die Pleitewelle scheint etwas abzuebben. Im April/Mai 2010 es ein Fünftel weniger Insolvenzen als in derselben Zeit 2009.

Geschäftsklima. Der Geschäftsklimaindex machte im August 2010 einen weiteren Sprung nach oben: Die Beurteilung der Geschäftslage der M+E-Firmen kletterte im Saldo auf +19 (gut 36% / schlecht 17%) nach 12 im Juli und 0 im Juni. Die Erwartungen lagen noch klarer im Plus. Der Saldo sank aber leicht von +30 auf +25 (besser 32% / schlechter 7%).

Aussichten 2010. Die Frühindikatoren lassen einen weiteren Anstieg der M+E-Produktion erwarten. Kommt es dazu, ist ein Plus von 10 Prozent und mehr im Jahresdurchschnitt 2010 möglich. In diesem Fall könnte sich auch der im 2. Quartal in Gang gekommene leichte Personalaufbau fortsetzen, trotz der immer noch hohen Beschäftigungsreserven.

25.08.2010
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