Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie im Frühjahr 2015

Die M+E-Konjunktur hat sich zum Jahreswechsel 2014/2015 zwar aus der Stagnationsphase des Sommerhalbjahres gelöst, aber die Signale für die weitere Entwicklung im Jahr 2015 sind noch uneinheitlich: Die M+E-Produktion hat sich im ersten Quartal 2015 gegenüber dem Wert des vierten Quartals leicht verringert. Auch die Auftragseingänge lagen im ersten Quartal unter dem Niveau des vierten Quartals 2014. Das ifo-Geschäftsklima spiegelt diese Unsicherheit wider: Während die Unternehmen die aktuelle Geschäftslage etwas günstiger beurteilten als im April, äußerten sie sich per Saldo skeptischer zu den Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate. Nach wie vor bleiben auch die Risiken durch die EURO-Krisenländer sowie die Konflikte in Nahost und in der Ukraine bestehen. Die M+E-Unternehmen haben im März saisonbereinigt die Zahl der Mitarbeiter weiter erhöht. Die Beschäftigungspläne signalisieren allenfalls einen vorsichtigen Beschäftigungsaufbau. Die Erträge der M+E-Unterneh­men sind 2014 laut ifo-Gewinnumfrage vom September 2014 mit 3,6 Prozent schwächer ausgefallen als noch 2013 (4,1 Prozent). Für die weitere Geschäftsentwicklung sind auch die inländischen Investitionen von zentraler Bedeutung. Hier deutet sich zwar am aktuellen Rand eine leichte Erholung an, aber die Verunsicherung der Unternehmen durch die Krisenherde in der Welt sowie durch die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in Deutschland ist nach wie vor nicht überwunden.

Auftragseingang. Im ersten Quartal 2015 ist der Auftragseingang gegenüber dem vierten Quartal 2014 saisonbereinigt um 1,3 Prozent gesunken. Der Index liegt damit wieder auf dem Niveau des dritten Quartals 2014. Am stärksten sanken die Auftragseingänge im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -1,9 Prozent, gefolgt vom Fahrzeugbau mit -1,5 Prozent und Maschinenbau mit -1,3 Prozent. Der Auftragseingang in der Metallverarbeitung hingegen lag mit +1,2 Prozent über dem Wert des vierten Quartals.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im ersten Quartal 2015 saisonbereinigt um 0,1 Prozent unter dem Wert des vierten Quartals. Dabei ging die Produktion im Maschinenbau gegenüber dem vierten Quartal um 1,6 Prozent und im Fahrzeugbau um 0,3 Prozent zurück, während die Metallverarbeitung mit +0,2 Prozent und der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit +1,4 Prozent über dem Wert des vierten Quartals lagen.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im März 2015 mit 3.790.000 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,5 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Februar 2015 stieg die Zahl um etwa 8.500. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen signalisieren allenfalls einen leichten Beschäftigungsaufbau. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 352.800 Neueinstellungen. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 470.400. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank von 205.000 im Juni 2012 auf 200.000 im Juni 2013.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und gemeldeten offenen Stellen etwas kleiner geworden. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im April 2015 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 151.600 Arbeitslose, 8.400 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 120.100 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 9.400 gegenüber dem Vorjahresmonat. Faktisch signalisiert diese Situation eine spürbare Anspannung auf dem Arbeitsmarkt. Im Oktober 2014 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 28.600 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im April 2015 rund 7.200.

Verdienste. Im vierten Quartal 2014 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,8 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 3,0 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2013 waren die Monatsverdienste um 2,7 Prozent und die Stundenverdienste um 5,8 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten verharren nach zwei Jahren des deutlichen Anstiegs auf hohem Niveau und sind somit weiterhin eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der M+E-Unternehmen: Im Jahr 2014 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Produktivität stieg um 1,4 Prozent. Entsprechend stiegen die Lohnstückkosten um 1,5 Prozent. Im Jahr 2013 waren die Arbeitskosten je Stunde um 3,5 Prozent gestiegen, die Produktivität fiel um -0,7 Prozent und die Lohnstückkosten erhöhten sich demzufolge um 4,2 Prozent, nach 6 Prozent in 2012. Uneinheitlich zeigen sich die Energiepreise: während Öl- und Gaspreise im dritten Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nachgaben (Öl: -7,6 Prozent; Gas: -4,6 Prozent) sind die Strompreise mit +0,4 Prozent weiter leicht gestiegen. Bei den Stahlpreisen zeichnet sich weiterhin eine Entspannung ab, im dritten Quartal 2014 lagen die Preise der meisten Sorten deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise. Nach einer Phase sinkender Preise, scheinen sich die Werte teilweise wieder zu stabilisieren. Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2014 um 0,6 Prozent über Vorjahr (nach 0,4 Prozent im dritten Quartal), die Exportpreise lagen im vierten Quartal um 0,9 Prozent höher als 2013 (3. Quartal: 0,4 Prozent) und die Importpreise um 1,2 Prozent (3. Quartal: -0,2 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2014 mit einer Jahresrate von 0,9 Prozent spürbar langsamer gestiegen als 2012 (+2,0 Prozent) und 2013 (+1,5 Prozent). Im April 2015 lag der Verbraucherpreisanstieg bei lediglich 0,5 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2014 werden die M+E-Unternehmen in 2014 Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,6 Prozent des Umsatzes erzielen, ein Rückgang gegenüber 2013, als die Zahl noch bei 4,1 Prozent lag. Die Erträge liegen somit weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,8 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2013 mit 1.220 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (1.167 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Mai 2015 leicht gesunken. Der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage nahm von +22 Punkte auf +23 Punkte zu, die Erwartungen der M+E-Unternehmen hingegen sanken von +3 Punkte auf +/-0 Punkte.

Aussichten 2015. Durch ein unerwartet starkes viertes Quartal ist die Produktion in der M+E-Industrie 2014 um 2,8 Prozent gewachsen. Für 2015 rechnen wir derzeit mit einem (geringeren) Wachstum von etwa 1,5 Prozent. Die Beschäftigung liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau, allerdings ist nach den Plänen der Unternehmen für die kommenden Monate kaum mehr mit einem spürbaren Beschäftigungszuwachs zu rechnen.

Stand: 22.5.2015