Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie im Sommer 2014

Die Konjunktur in der M+E-Industrie hat sich im Sommer 2014 aufgrund der Schwächephase in Europa sowie der Krisen in Nahost und der Ukraine eingetrübt. Wichtige Frühindikatoren mussten sogar deutliche Rückschläge hinnehmen. So hat sich das Geschäftsklima auch im August weiter abgekühlt. Der Auftragseingang verzeichnete im Juni den größten saisonbereinigten Rückgang im Vormonatsvergleich seit Januar 2009. Lediglich die guten April/Mai-Werte sorgen im zweiten Quartal insgesamt noch für ein leichtes Auftragsplus. Die Produktion gab im Juni zwar nur leicht nach, verfehlte aber im zweiten Quartal das sehr gute Niveau des ersten Quartals klar. Angesichts des zuletzt schwachen Auftragseingangs dürfte auch die Produktion in den nächsten Monaten kaum zulegen. Die Unternehmen haben auch im Juni zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, möglicherweise auch durch die Übernahme von Zeitarbeitnehmern in die Stammbelegschaften. Derzeit signalisieren die Beschäftigungspläne aber eher einen Stopp beim Beschäftigungsaufbau. Die Erträge der M+E-Unternehmen haben 2013 das Vorjahresniveau gerade wieder erreicht. Das zeigt die aktuelle ifo-Gewinnumfrage vom Mai 2014. Für das weitere Geschäft sind die inländischen Investitionen von zentraler Bedeutung. Zwar sind die die Ausrüstungsinvestitionen im ersten Quartal 2014 weiter gestiegen, aber erste vorliegende Daten sprechen für einen Rückgang im zweiten Quartal. Neben der Verunsicherung durch die Krisenherde in der Welt tragen auch die Renten- und Mindestlohnbeschlüsse der Bundesregierung durch ihre Kostenbelastung zu dieser erneuten Investitionszurückhaltung bei.

Auftragseingang. Im zweiten Quartal 2014 ist der Auftragseingang gegenüber dem ersten Quartal saisonbereinigt um 0,6 Prozent gestiegen. Ins Plus wurde der Index durch das Auslandsgeschäft und die guten Werte im April/Mai gerettet, im Juni musste er im Vormonatsvergleich mit -4,5 Prozent jedoch einen deutlichen Rückgang hinnehmen. Im zweiten Quartal wuchs der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik am stärksten (+1,5 Prozent), gefolgt vom Fahrzeugbau (+1,2 Prozent) und vom Maschinenbau (+0,5 Prozent), die Aufträge in der Metallverarbeitung gaben nach (-2,3 Prozent).

Produktion. Nach einem starken Jahresauftakt 2014 lag die M+E-Produktion im zweiten Quartal um 1,2 Prozent unter dem Durchschnitt des ersten Quartals. Alle Branchen gaben nach, am stärksten der Maschinenbau (-1,6 Prozent), gefolgt vom Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik (-0,9 Prozent), der Metallverarbeitung (-0,6 Prozent) und dem Fahrzeugbau (-0,2 Prozent). Die Kapazitätsauslastung fiel im Juli 2014 minimal auf 85,7 Prozent (April: 85,8 Prozent).

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Juni 2014 saisonbereinigt mit 3.753.000 Mitarbeitern um 1,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber dem Vormonat stieg die Zahl um etwa 6.700. Die weiteren Beschäftigungspläne der M+E-Industrie sind neutral und signalisieren einen nur noch moderaten Beschäftigungsaufbau. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 316.000 Neueinstellungen. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 461.000. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank noch einmal von 205.000 im Juni 2012 auf 200.000 im Juni 2013.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und offenen Stellen wieder etwas größer geworden. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Juli 2014 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 172.200 Arbeitslose, 7.500 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 103.100 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 9.000 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im März 2014 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 35.500 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Juni 2014 nur noch rund 5.700.

Verdienste. Im 4. Quartal 2013 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 3,0 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,7 Prozent. Für das gesamte Jahr 2013 ergibt sich im Schnitt ein Zuwachs bei den Monatsverdiensten um 2,7 Prozent und bei den Stundenverdiensten um 5,8 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2012 waren die Monatsverdienste um 3 Prozent und die Stundenverdienste um 2,8 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten verharren nach zwei Jahren des deutlichen Anstiegs auf hohem Niveau und sind somit weiterhin eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der M+E-Unternehmen: von Januar bis Mai 2014 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 2,0 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Die Produktivität stieg um 1,9 Prozent. Entsprechend stiegen die Lohnstückkosten leicht um 0,1 Prozent. Im Gesamtjahr 2013 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 3,3 Prozent, die Produktivität fiel um -0,7 Prozent und die Lohnstückkosten erhöhten sich demzufolge um 4 Prozent, nach fast 6 Prozent in 2012. Uneinheitlich zeigen sich die Energiepreise: während Öl- und Gaspreise im 1. Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nachgaben (Öl: -9 Prozent; Gas: -4 Prozent) sind die Strompreise mit +3 Prozent weiter gestiegen. Bei den Stahlpreisen zeichnet sich weiterhin eine Entspannung ab, im 1. Quartal 2014 lagen die Preise der meisten Sorten deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise. Die moderate Konjunkturentwicklung 2013 drückte auf die Verkaufspreise. Die Preise für M+E-Erzeugnisse fielen auch im 1. Quartal 2014 um 0,4 Prozent (nach -0,2 Prozent in 2013), die Exportpreise sanken im 1. Quartal 2014 um 0,6 Prozent (2013: -0,5 Prozent) und die Importpreise gingen im 1. Quartal 2014 um 1,2 Prozent zurück (2013: -2,2 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2013 um 1,5 Prozent und damit spürbar langsamer gestiegen als 2012 (+2,0 Prozent). Im Juli 2014 lag der Verbraucherpreisanstieg bei lediglich 0,8 Prozent.

Erträge. Nach der ifo-Umfrage von Mai 2014 erzielten die M+E-Unternehmen 2013 Gewinne nach Steuern in von Höhe von 4,1 Prozent des Um­satzes, nach 4,0 Prozent im Jahr 2012. Die Erträge liegen damit weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,8 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2013 mit 1.220 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (1.167 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ging im August 2014 erneut zurück. Der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage stagnierte zwar bei +22, aber die Erwartungen der M+E-Unternehmen fielen von +8 Punkte auf +4 Punkte.

Aussichten 2013/2014. Mit einem nur leichten Produktionsplus von 0,4 Prozent ist die M+E-Industrie 2013 wie bereits in 2012 (+0,1 Prozent gegenüber 2011) ohne ein nennenswertes Wachstum geblieben. Für 2014 erwarten wir ein Produktionswachstum in der M+E-Industrie von 2 bis 3 Prozent. Die Beschäftigung liegt mittlerweile deutlich über dem Vorkrisenniveau, allerdings ist nach den Beschäftigungsplänen der Unternehmen für die kommenden Monate kaum mehr mit einem Beschäftigungszuwachs zu rechnen.

Stand: 27.8.2014