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Inhalt
Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie am Jahreswechsel 2009/2010Die Metall- und Elektro-Industrie hat im Verlauf der aktuellen Krise die Talsohle durchschritten, aber der Weg nach oben bis zum Vorkrisen-Niveau ist risikoreich – und noch lang: Zwar ziehen Auftragseingänge und Produktion seit einigen Monaten wieder an, aber es bleiben jeweils noch fast 35 Prozent aufzuholen. Auch hat sich der Aufholprozess im 4. Quartal 2009 spürbar verlangsamt. Die Geschäftserwartungen für das nächste Halbjahr werden aber immer optimistischer. Dies lässt hoffen, dass die Aufwärtsentwicklung anhält. Die in- und ausländischen Konjunkturprogramme, die expansive Geldpolitik und die Maßnahmen zur Stabilisierung des Bankensystems tragen Früchte. Der Export erweist sich einmal mehr als Motor des Aufschwungs. Dabei kommt der deutschen M+E-Industrie ihre herausragende Wettbewerbsfähigkeit zugute. Die Krise ist damit aber noch lange nicht zu Ende. Vor allem weiß niemand, ob die Besserungen nachhaltig sind. Die Risiken liegen auf der Hand: Staatliche Programme laufen aus, die steigende Arbeitslosigkeit und der Einbruch der Gewinne belasten die Konjunktur. Für die Unternehmen wird 2010 schwieriger werden als 2009, weil ihre Reserven an Eigenkapital und Liquidität schmelzen. Und sie bekommen wachsende Schwierigkeiten bei der Finanzierung. Die Beschäftigungssicherung – und damit einhergehend höhere Lohnstückkosten – belasten die Betriebe. Gemessen am Einbruch der Produktion ist der Personalabbau weiterhin äußerst moderat.
Auftragseingang. Die Nachfrageentwicklung im Herbst war gespalten. Der Fahrzeugbau erlitt den erwarteten Rückschlag nach dem Ende der Abwrackprämie, während der Aufholprozess in den übrigen M+E-Branchen weiter vorankam. Insgesamt erhielt die M+E-Industrie nicht mehr Neuaufträge als im 3. Quartal (+0,2%), wobei die Geschäfte sich im Inland (-3%) und Ausland (+3%) gegenläufig entwickelten. Die Rückstände gegenüber dem Vorjahr werden jetzt von Monat zu Monat geringer. Im Dezember gab es sogar wieder ein Plus von 5 Prozent. Ein Indiz für eine zunehmende konjunkturelle Besserung ist diese Zahl nicht. Eher zeigt sie, wie wenig der Aufholprozess bisher vorangekommen ist, denn im Dezember 2008 hatte der Nachfrageeinbruch fast schon die Talsohle erreicht. Produktion. Die M+E-Produktion hatte ihren Tiefststand im 2. Quartal 2009. Danach ging es auch hier wieder aufwärts. Im 3. Quartal stieg sie um 4,3 Prozent. Danach hat sich der Erholungsprozess verlangsamt. Im 4. Quartal gab es nur noch ein Plus von 1,3 Prozent. Weitere 30 Prozent sind notwendig, um wieder das Niveau des 1. Halbjahres 2008 zu erreichen. Auch hier wird das Minus gegenüber Vorjahr immer kleiner. Im Dezember waren es noch 13 Prozent. Wie beim Auftragseingang ist dies auch hier kein Indiz für konjunkturellen Fortschritt. Mit der Produktion verbesserte sich auch der Grad der Kapazitätsauslastung von 69,2 Prozent im Juli auf 73,3 im Januar 2010. Normal sind rund 88 Prozent. Beschäftigung. Der Personalabbau* geht weiter, hat sich aber in den vergangenen Monaten stark verlangsamt. Im Dezember sank die Beschäftigtenzahl saisonbereinigt erneut nur noch um 4.800. Daraus auf bald kleiner werdende Beschäftigungsprobleme zu schließen, wäre jedoch grob fahrlässig. Das Minus gegen Vorjahr verringerte sich auf 5,2 Prozent (Westen -5,3%; Osten -5,0%). Auch hier kommt jetzt zunehmend der Basiseffekt ins Spiel. Gemessen am Produktionseinbruch ist der Rückgang nach wie vor moderat. * in der M+E-Industrie eingesetzte Zeitarbeiter sind darin nicht enthalten. Hier hat von Mitte 2008 bis Mitte 2009 ein Abbau um 104.000 stattgefunden (zuvor Aufbau um 132.000 zwischen Mitte 2005 und Mitte 2008). Arbeitsmarkt. Die BA kann wegen statistischer Probleme schon seit September 2009 keine M+E spezifischen Arbeitsmarktdaten liefern. Daran wird sich auch in den kommenden Monaten nichts ändern. Weiter verfügbar sind die Daten für die Kurzarbeit. Sie hat in der M+E-Industrie im 2. Halbjahr deutlich abgenommen. Der Höhepunkt lag im Mai bei 974.530 Kurzarbeitern, mehr als ein Viertel aller M+E-Beschäftigten. Im November waren es „nur noch“ 623.500, im Dezember sogar nur 526.200. Dies deutet klar auf eine Besserung der Beschäftigungssituation hin, auch wenn die Dezemberzahl durch mehr Betriebsurlaube am Jahreswechsel etwas überzeichnet sein könnte. Noch mehr ist die Welle bei den Anzeigen zur Kurzarbeit abgeebbt. Im Januar 2010 erhielt die BA Anzeigen nur noch für 27.839 M+E-Beschäftigte. Entgelte. Die Entgeltentwicklung im 3. Quartal 2009 war weiterhin stark geprägt durch Überstundenabbau und Kurzarbeit, jedoch weniger als im zweiten Quartal. Die Bruttostundenentgelte lagen um 2,8 Prozent höher, die Bruttomonatsentgelte um 3,5 Prozent niedriger als im 3. Quartal 2008. Im Schnitt hatten M+E-Beschäftigte ein Stundenentgelt von 21,21 Euro und im Monat 3.301 Euro (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, aber ohne SZ) Kosten, Produktivität. Deutliche Spuren hinterlässt die Beschäftigungssicherung bei Kosten und Produktivität. 2009 lagen die Entgeltkosten je Arbeitsstunde um 4,1 Prozent über Vorjahr. Der Anstieg resultiert vor allem aus dem Abbau von Zeitguthaben, vorgezogenen Betriebsurlauben und den Kosten der Kurzarbeit. Die Arbeitsstunden (-7,3%) wurden längst nicht so stark zurückgefahren wie die Produktion (-23,3%). Daher sackte die Produktivität um 12,8 Prozent unter Vorjahr. Für die Lohnstückkosten (Entgelte je Produkteinheit) errechnet sich daraus ein Anstieg von 19,5 Prozent. Dies zeigt: Beschäftigungssicherung hat einen hohen Preis, den die Betriebe nur eine gewisse Zeit tragen können. Entspannung gibt es bei den Materialkosten. Auch die Energiepreise (ohne Strom) liegen inzwischen deutlich unter ihrem Vorjahresniveau. Preise. Die Preisrate für M+E-Erzeugnisse lag im Dezember und ebenso im Januar mit jeweils +0,2 Prozent erstmals wieder leicht im Plus. Im Oktober waren es noch -0,9 Prozent. Auch die Exportpreise notierten wieder knapp über Vorjahr, die Preise für M+E-Importe noch immer deutlich darunter (-1,6%). Dies zeigt den hohen Wettbewerbsdruck auf allen Märkten. Die Inflationsrate (Verbraucherpreise) war im Dezember (0,9%) und im Januar (0,8%) zwar etwas höher als in den Vormonaten, aber weiter auf absolut stabilem Niveau. Ohne Energie waren es +0,7 Prozent. Erträge. Laut ifo-Gewinnumfrage von September 2009 rechnen die M+E-Unternehmen für 2009 in der Summe mit Verlusten in Höhe von 0,2 Prozent des Umsatzes. Fast jedes zweite Unternehmen (45%) schreibt rote Zahlen. Sie beschäftigen knapp 1,5 Millionen Mitarbeiter. Schon 2008 war die Nettorendite im Schnitt von 4,2 auf 2,6 Prozent abgesackt. 1.298 M+E-Insolvenzen gab es in den ersten 9 Monaten, 68 Prozent mehr als 2008. Geschäftsklima. Die Geschäftslage der M+E-Firmen ist weiter extrem negativ, wenn auch von Monat zu Monat etwas weniger. Bis Februar 2010 kletterte der Saldo aus „gut“(+) und „schlecht“(-) mühsam auf -38 (Juni -64). Bei den Erwartungen gab es im Februar eine erneute leichte Verbesserung. Der Saldo stieg von +15 im Vormonat auf +17. Aussichten. Die Frühindikatoren lassen für die kommenden Monate einen weiteren Anstieg der Produktion erwarten. Für 2010 rechnen Institutsvolkswirte im Jahresdurchschnitt mit einem Produktionsplus von rund 5 (DIW) bis 7 Prozent (ifo). Der Personalabbau wird sich – nach den Beschäftigungsplänen laut ifo-Konjunkturtest – verlangsamt fortsetzen . 25.02.2010 |
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