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Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie zum Jahresende 2011 



Zwar deuten die Konjunkturindikatoren in der M+E-Industrie auf eine konjunkturelle Abkühlung in 2012 hin, aber eine Rezession ist im größten Industriesektor wenig wahrscheinlich. Das zeigt sich auch im Geschäftsklima, das im Januar weiter zulegen konnte: die Geschäftslage wird weiter sehr gut beurteilt, die Geschäftserwartungen lagen zwar per Saldo zum sechsten Mal in Folge im negativen Bereich, konnten sich zuletzt aber deutlich verbessern. Der Auftragseingang konnte im November das Niveau des Vormonats mit seinen ausländischen Großaufträgen nicht halten und fiel wieder auf seinen September-Wert zurück. Die Produktion ging im November nur leicht zurück und stagniert im Wesentlichen seit September. Die Unternehmen stocken ihre Stammbelegschaften allerdings weiter kräftig auf: bis November waren 191.000 Stammarbeitsplätze von verlorenen 216.000 zurückgewonnen. Auch die Erträge verbesserten sich 2011 spürbar, haben das Vorkrisenniveau aber noch nicht erreicht. Dennoch: das Klima insgesamt ist von großer Unsicherheit bei den Unternehmen geprägt. Dazu trägt die weiterhin ungelöste Staatsschuldenkrise in der Eurozone einen guten Teil bei. In der Eurozone ist deshalb für 2012 kaum mit Wachstum zu rechnen. Ob China und die übrigen BRIC-Staaten die Rolle der Konjunkturlokomotive weiter ausfüllen können, ist offen, ebenso das Tempo der konjunkturellen Erholung in den USA. Insgesamt ist 2012 mit einer leichten Abkühlung der Weltkonjunktur zu rechnen. Das alles bremst die Investitionsentscheidungen der Unternehmen und damit das Geschäft der M+E-Industrie.

Auftragseingang. Die Auftragseingänge gingen im November deutlich gegenüber dem Vormonat mit seinen ausländischen Großaufträgen zurück. Gegenüber dem 3. Quartal gaben die Auftragseingänge im Oktober/November um 1,7 Prozent nach, wobei die Aufträge aus dem Inland (-2,8 Prozent) stärker zurückgingen als die Auslandsaufträge (-1,0 Prozent). Unter den Branchen fiel aufgrund ausbleibender Großaufträge der Auftragseingang besonders im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik und Optik (-5,5 Prozent). Auch der Maschinenbau und die Metallverarbeitung fielen leicht (-1,8 bzw. -1,5 Prozent), die Aufträge im Fahrzeugbau nahmen gegenüber dem 3. Quartal allerdings um 1 Prozent zu.

Produktion. Nach gut drei Jahren hat die M+E-Produktion im 3. Quartal 2011 das Vorkrisenniveau (1. Hj. 2008) überschritten. Allerdings lag die Produktion im Oktober/November wieder um 2,6 Prozent unter dem (hohen) Niveau des 3. Quartals, nur der Bereich Metallverarbeitung legte weiter zu (+1,1%). Im Maschinenbau (-1,6%), im Fahrzeugbau (-3,6%) und besonders im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik (-6,3%) sank die Produktion gegenüber dem 3. Quartal. Die Kapazitätsauslastung ist im Januar 2012 leicht auf 86,4 Prozent zurückgegangen (Juli: 88,3%). Das ist aber noch kein Alarmsignal, sondern eher die Folge starker Investitionstätigkeit und dadurch gestiegener Kapazitäten.

Beschäftigung. Der Beschäftigungsaufbau der Stammbelegschaften kommt weiter zügig voran. Von März 2010 bis November 2011 zählte die M+E-Industrie per Saldo schon 191.000 Neueinstellungen. Im Osten begann der Wiederaufbau bereits im Dezember 2009. Seitdem sind hier rund 42.300 zusätzliche Stellen entstanden. Die Zuwächse dürften zum Teil auch auf die Festeinstellung von Zeitarbeitnehmern zurückzuführen sein. Durch die Krise hatte die M+E-Industrie 216.000 Arbeitsplätze verloren, was wenig war in Relation zu der gewaltigen Tiefe des Produktionseinbruchs. Im Vorjahresvergleich lag die Beschäftigtenzahl zuletzt mit 4,3 Prozent im Plus, im Osten sogar mit 7,1 Prozent.

Arbeitsmarkt. Nach der neuen Systematik der Arbeitsmarktdaten der BA gab es im Januar 2012 in den M+E-Berufen saisonbereinigt nur noch 106.500 Arbeitslose, 31.500 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren mit 104.900 fast ebensoviele ungeförderte Offene Stellen gemeldet, 25.800 mehr als im Vorjahresmonat. Die Kurzarbeit ist weitgehend abgebaut: im Oktober 2011 gab es in der M+E-Industrie nach vorläufigen BA-Zahlen noch rund 32.000 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt lag im Mai 2009 bei 974.500 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit sind in jüngster Zeit wieder etwas mehr geworden und lagen im Dezember bei rund 19.000.

Entgelte. Die Entgeltentwicklung war 2010 stark durch den Rückgang der Kurzarbeit geprägt. So stiegen die Monatsentgelte (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) 2010 gegenüber 2009 mit 6,1 Prozent deutlich stärker als die Stundenentgelte(+2,3%). Besonders deutlich zeigten sich die Effekte bei den Monatsverdiensten der Ungelernten (+9,5% in 2010) und Angelernten (+9,8%). Auch 2011 steigen die Entgelte: ähnlich wie im ersten Quartal stiegen im zweiten Quartal die Stundenverdienste um 2,3 Prozent und die Monatsverdienste um 5,0 Prozent über den Wert des Vorjahresquartals.

Kosten, Produktivität. Im Zeitraum Januar-November 2011 lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,9 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Bei der Produktivität machte sich der Aufholprozess aus der Krise heraus mit einem Anstieg 7,2 Prozent bemerkbar, entsprechend sanken die Lohnstückkosten um 4,0 Prozent. Ungemach kommt weiter von der Material- und Energieseite. Die Preise wichtiger Stahlsorten lagen im Jahresdurchschnitt 2011 um 5 bis 18 Prozent über dem Niveau von 2010. Allerdings zeichnet sich aufgrund der nachlassenden Konjunktur zuletzt im vierten Quartal 2011 eine Entspannung bei den Stahlpreisen ab. Ungebremst hingegen steigen die Energiepreise: Heizöl war im vierten Quartal um 28 Prozent teurer als vor einem Jahr, Erdgas um knapp 18 Prozent und Strom um knapp 8 Prozent.

Preise. Die Preise für M+E-Erzeugnisse stiegen 2011 um 1,9 Prozent, allerdings mit stetig nachlassender Dynamik. Zuletzt stiegen sie im vierten Quartal nur noch um 1,2 Prozent. Die Exportpreise stiegen 2011 um 1,5 Prozent, im vierten Quartal aber nur noch um 1 Prozent. Eine rückläufige Tendenz zeigt sich auch bei den Importpreisen: sie stiegen 2011 um 1,1 Prozent, im vierten Quartal allerdings nur noch um 0,2 Prozent. Die Verbraucherpreise stiegen 2011 um 2,3 - vor allem aufgrund höherer Heizöl- und Benzinpreise. Allerdings ist der Preisanstieg rückläufig und betrug im Dezember nur noch 2,1 Prozent.

Erträge. Nach der ifo-Umfrage von September 2011 rechnen die M+E-Unternehmen für 2011 mit einem Gewinn nach Steuern in von Höhe von 4,2 Prozent des Umsatzes, nach 3,8 Prozent im Jahr 2010. Die Erträge liegen damit noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (5 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen ging im M+E-Gewerbe (Industrie +Handwerk) im 1. Halbjahr 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24% zurück.

Geschäftsklima. Der ifo-Klimaindex stieg im Januar. Der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage stieg von +39 auf +42. Die Erwartungen legten sogar noch deutlicher zu, von -14 auf -4, liegen aber nach wie vor im negativen Bereich.

Aussichten 2011 und 2012. Die M+E-Produktion wird 2011 deutlich wachsen, allerdings ist mit einem schwächeren 4. Quartal zu rechnen. Dies bedeutet ein Wachstum 2011 gegenüber 2010 im Jahresdurchschnitt von rund 13 Prozent. Für 2012 erwarten wir, dass sich das Wachstum der Produktion wieder normalisiert und bis zu 4 Prozent betragen wird. Die Beschäftigung kann bis Jahresende 2011 auf rund 3.640.000 weiter steigen.

31.01.2012
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