Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie im Herbst 2014

Die Konjunkturaussichten in der M+E-Industrie haben sich aufgrund der Schwächephase in wichtigen EURO-Ländern sowie der Krisen in Nahost und in der Ukraine eingetrübt. Das Geschäftsklima als wichtiger Frühindikator ist im September zum fünften Mal in Folge gesunken. Die Geschäftserwartungen sind erstmals seit eineinhalb Jahren per Saldo wieder negativ. Zudem lässt auch der Auftragseingang wenig Hoffnung auf Besserung aufkommen: Die Aufträge lagen im Durchschnitt der Monate Juli/August unter dem Wert des zweiten Quartals. Gleichzeitig musste die Produktion Einbußen hinnehmen und entfernt sich immer weiter von ihrem Hoch im ersten Quartal 2014. Insbesondere der Fahrzeugbau konnte seine Erfolgsserie zuletzt nicht fortsetzen. Die M+E-Unternehmen haben auch im Juli die Zahl der Mitarbeiter deutlich erhöht, möglicherweise auch durch die Übernahme von Zeitarbeitnehmern in die Stammbelegschaften. Die weiteren Beschäftigungspläne signalisieren aber eher ein Auslaufen des Beschäftigungsaufbaus. Die Erträge der M+E-Unternehmen haben 2013 das Vorjahresniveau gerade wieder erreicht. Das zeigt die ifo-Gewinnumfrage vom Mai 2014. Für das weitere Geschäft sind die inländischen Investitionen von zentraler Bedeutung. Zwar sind die die Ausrüstungsinvestitionen im ersten Quartal 2014 zunächst weiter gestiegen, dann aber im zweiten Quartal zurückgegangen. Neben der Verunsicherung durch die Krisenherde in der Welt tragen auch die Renten- und Mindestlohnbeschlüsse der Bundesregierung durch ihre Kostenbelastung zu dieser erneuten Investitionszurückhaltung bei.
Auftragseingang. Im Juli/August 2014 ist der Auftragseingang gegenüber dem zweiten Quartal saisonbereinigt um 1,4 Prozent gesunken. Der Index liegt damit wieder auf dem Niveau vom 4. Quartal 2013. Am stärksten sanken die Auftragseingänge im Fahrzeugbau mit -3,5 Prozent und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -2,9 Prozent. Der Maschinenbau legte um 1,2 Prozent zu, während der Auftragseingang in der Metallverarbeitung um 2,5 Prozent über dem Wert des zweiten Quartals lag.

Produktion. Die M+E-Produktion ist im Juli/August gesunken und lag saisonbereinigt um 0,4 Prozent unter dem (bereits schwächeren) zweiten Quartal. Am stärksten sank die Produktion im Fahrzeugbau mit -3,0 Prozent, die Metallverarbeitung musste mit -0,4 Prozent nur leichte Einbußen hinnehmen. Der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik legte um +0,1 Prozent, der Maschinenbau sogar um +2,6 Prozent zu.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Juli 2014 saisonbereinigt mit 3.765.000 Mitarbeitern um 1,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber dem Vormonat stieg die Zahl um etwa 12.500. Die weiteren Beschäftigungspläne der M+E-Industrie sind neutral und signalisieren einen nur noch moderaten Beschäftigungsaufbau. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 328.000 Neueinstellungen. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 463.600. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank noch einmal von 205.000 im Juni 2012 auf 200.000 im Juni 2013.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und offenen Stellen wieder etwas größer geworden. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im August 2014 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 173.100 Arbeitslose, 7.900 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 101.800 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 8.800 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im März 2014 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 35.500 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Juni 2014 nur noch rund 5.700.

Verdienste. Im 4. Quartal 2013 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 3,0 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,7 Prozent. Für das gesamte Jahr 2013 ergibt sich im Schnitt ein Zuwachs bei den Monatsverdiensten um 2,7 Prozent und bei den Stundenverdiensten um 5,8 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2012 waren die Monatsverdienste um 3 Prozent und die Stundenverdienste um 2,8 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten verharren nach zwei Jahren des deutlichen Anstiegs auf hohem Niveau und sind somit weiterhin eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der M+E-Unternehmen: von Januar bis Mai 2014 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 2,0 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Die Produktivität stieg um 1,9 Prozent. Entsprechend stiegen die Lohnstückkosten leicht um 0,1 Prozent. Im Gesamtjahr 2013 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 3,3 Prozent, die Produktivität fiel um -0,7 Prozent und die Lohnstückkosten erhöhten sich demzufolge um 4 Prozent, nach fast 6 Prozent in 2012. Uneinheitlich zeigen sich die Energiepreise: während Öl- und Gaspreise im 1. Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nachgaben (Öl: -9 Prozent; Gas: -4 Prozent) sind die Strompreise mit +3 Prozent weiter gestiegen. Bei den Stahlpreisen zeichnet sich weiterhin eine Entspannung ab, im 1. Quartal 2014 lagen die Preise der meisten Sorten deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise. Die unstete Konjunkturentwicklung drückt weiter auf die Verkaufspreise, wenn auch der Rückgang gegenüber dem Vorjahr nicht mehr ganz so stark ausfällt. Die Preise für M+E-Erzeugnisse fielen im 2. Quartal 2014 um 0,1 Prozent (nach -0,4 Prozent im 1. Quartal), die Exportpreise sanken im 2. Quartal um 0,3 Prozent (1. Quartal: -0,6 Prozent) und die Importpreise um 1,5 Prozent (1. Quartal: -1,8 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2014 spürbar langsamer gestiegen als 2012 (+2,0 Prozent) und 2013 (+1,5 Prozent). Im August 2014 lag der Verbraucherpreisanstieg bei lediglich 0,8 Prozent.

Erträge. Nach der ifo-Umfrage von Mai 2014 erzielten die M+E-Unternehmen 2013 Gewinne nach Steuern in von Höhe von 4,1 Prozent des Umsatzes, nach 4,0 Prozent im Jahr 2012. Die Erträge liegen damit weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,8 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2013 mit 1.220 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (1.167 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ging im September 2014 erneut zurück. Der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage sank auf +17 (von +22), die Erwartungen der M+E-Unternehmen fielen sogar ins Negative, von +4 Punkte auf -3 Punkte.

Aussichten 2013/2014. Mit einem nur leichten Produktionsplus von 0,4 Prozent ist die M+E-Industrie 2013 wie bereits in 2012 (+0,1 Prozent gegenüber 2011) ohne ein nennenswertes Wachstum geblieben. Für 2014 erwarten wir nach den Rückschlägen zur Jahresmitte ein Produktionswachstum von 1½ bis 2 Prozent. Die Beschäftigung liegt mittlerweile deutlich über dem Vorkrisenniveau, allerdings ist nach den Beschäftigungsplänen der Unternehmen für die kommenden Monate kaum mehr mit einem Beschäftigungszuwachs zu rechnen.

Stand: 13.10.2014