Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie im Herbst 2014

Die Konjunkturaussichten in der M+E-Industrie haben sich aufgrund der Schwächephase in wichtigen EURO-Ländern sowie der Krisen in Nahost und in der Ukraine eingetrübt. Das Geschäftsklima als wichtiger Frühindikator hat sich im letzten halben Jahr deutlich verschlechtert, konnte sich im Dezember aber wieder stabilisieren. Die Geschäftserwartungen sind erneut im negativen Bereich. Der Auftragseingang deutet auf ein erstes, kleines Hoffnungszeichen für das Jahr 2015 hin: Die Aufträge lagen im Oktober über dem Wert des dritten Quartals. Gleichzeitig stagnierte im Oktober weiterhin die Produktion und blieb somit weiter unter ihrem Hoch im ersten Quartal 2014. Die M+E-Unternehmen haben im Oktober saisonbereinigt die Zahl der Mitarbeiter geringfügig erhöht. Die weiteren Beschäftigungspläne signalisieren eher ein Auslaufen des Beschäftigungsaufbaus. Die Erträge der M+E-Unternehmen werden laut ifo-Gewinnumfrage vom September 2014 mit 3,6 Prozent schwächer ausfallen als noch im Vorjahr (4,1 Prozent). Für die weitere Geschäftsentwicklung sind die inländischen Investitionen von zentraler Bedeutung. Zwar sind die die Ausrüstungsinvestitionen im ersten Quartal 2014 zunächst weiter gestiegen, dann aber im zweiten und dritten Quartal zurückgegangen. Neben der Verunsicherung durch die Krisenherde in der Welt tragen auch die Renten- und Mindestlohnbeschlüsse der Bundesregierung durch ihre Kostenbelastung zu dieser erneuten Investitionszurückhaltung bei.

Auftragseingang. Im Oktober 2014 ist der Auftragseingang gegenüber dem dritten Quartal saisonbereinigt um 2,0 Prozent gestiegen. Der Index liegt damit wieder auf dem Niveau vom zweiten Quartal 2014. Am stärksten sanken die Auftragseingänge im Maschinenbau mit -2,7 Prozent und in der Metallverarbeitung mit -1,6 Prozent. Der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik legte um 4,3 Prozent zu, während der Auftragseingang im Fahrzeugbau um 5,0 Prozent über dem Wert des dritten Quartals lag.

Produktion. Die M+E-Produktion ist im Oktober leicht gesunken und lag saisonbereinigt um 0,1 Prozent unter dem dritten Quartal. Am stärksten sank die Produktion im Fahrzeugbau mit -1,1 Prozent und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -0,8 Prozent. Die Metallverarbeitung musste mit -0,2 Prozent nur leichte Einbußen hinnehmen, während der Maschinenbau geringfügig um 0,1 Prozent zulegte.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Oktober 2014 saisonbereinigt mit 3.771.300 Mitarbeitern um 1,5 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber September 2014 stieg die Zahl um etwa 5.000. Die weiteren Beschäftigungspläne der M+E-Industrie sind negativ und signalisieren keinen weiteren Beschäftigungsaufbau. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 334.000 Neueinstellungen. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 469.200. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank noch einmal von 205.000 im Juni 2012 auf 200.000 im Juni 2013.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und offenen Stellen etwas kleiner geworden. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im November 2014 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 174.900 Arbeitslose, 10.300 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 106.500 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 9.900 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Mai 2014 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 27.000 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Oktober 2014 rund 15.400.

Verdienste. Im zweiten Quartal 2014 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 4,0 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 4,1 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2013 waren die Monatsverdienste um 2,7 Prozent und die Stundenverdienste um 5,8 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten verharren nach zwei Jahren des deutlichen Anstiegs auf hohem Niveau und sind somit weiterhin eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der M+E-Unternehmen: von Januar bis September 2014 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 3,4 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Die Produktivität stieg um 1,9 Prozent. Entsprechend stiegen die Lohnstückkosten um 1,5 Prozent. Im Gesamtjahr 2013 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 3,5 Prozent, die Produktivität fiel um -0,7 Prozent und die Lohnstückkosten erhöhten sich demzufolge um 4,2 Prozent, nach 6 Prozent in 2012. Uneinheitlich zeigen sich die Energiepreise: während Öl- und Gaspreise im dritten Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nachgaben (Öl: -7,6 Prozent; Gas: -4,6 Prozent) sind die Strompreise mit +0,4 Prozent weiter leicht gestiegen. Bei den Stahlpreisen zeichnet sich weiterhin eine Entspannung ab, im dritten Quartal 2014 lagen die Preise der meisten Sorten deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise. Nach einer Phase sinkender Preise, scheinen sich die Preise teilweise wieder zu stabilisieren. Die Preise für M+E-Erzeugnisse legten im dritten Quartal 2014 um 0,4 Prozent zu (nach -0,1 Prozent im zweiten Quartal), die Exportpreise stiegen im dritten Quartal um 0,3 Prozent (2. Quartal: -0,3 Prozent) und die Importpreise fielen um 0,2 Prozent (2. Quartal: -1,5 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2014 spürbar langsamer gestiegen als 2012 (+2,0 Prozent) und 2013 (+1,5 Prozent). Im November 2014 lag der Verbraucherpreisanstieg bei lediglich 0,6 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2014 werden die M+E-Unternehmen in 2014 Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,6 Prozent des Umsatzes erzielen, ein Rückgang gegenüber 2013, als die Zahl noch bei 4,1 Prozent lag. Die Erträge liegen somit weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,8 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2013 mit 1.220 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (1.167 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Dezember 2014 gestiegen. Der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage nahm von +14 Punkte auf +12 Punkte ab, die Erwartungen der M+E-Unternehmen stiegen von -4 Punkte auf -2 Punkte.

Aussichten 2014/2015. Mit Produktionsplus von 0,4 Prozent ist die M+E-Industrie 2013 wie bereits in 2012 kaum gewachsen. Für 2014 erwarten wir nach den Rückschlägen zur Jahresmitte ein Produktionswachstum von 1,5 bis 2 Prozent. Die Beschäftigung liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau, allerdings ist nach den Plänen der Unternehmen für die kommenden Monate kaum mehr mit einem Beschäftigungszuwachs zu rechnen.

Stand: 18.12.2014