Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie zum Jahresanfang 2015

Die M+E-Konjunktur hat sich zum Jahresende 2014 zwar aus der Stagnationsphase des Sommerhalbjahres gelöst, aber die Signale für die weitere Entwicklung im Jahr 2015 sind noch uneinheitlich: Die M+E-Produktion lag im vierten Quartal über dem Niveau des dritten Quartals und hat sich im Januar 2015 gegenüber dem Wert des Q4 noch einmal erhöht. Dagegen lagen die Auftragseingänge im Januar unter dem Niveau des vierten Quartals 2014. Das ifo-Geschäftsklima hat sich im März etwas aufgehellt, weil sich die Geschäftserwartungen per Saldo verbessert haben, während die Beurteilung der Geschäftslage unverändert blieb. Nach wie vor bleiben auch die Risiken durch die EURO-Krisenländer sowie die Konflikte in Nahost und in der Ukraine bestehen. Die M+E-Unternehmen haben im Januar saisonbereinigt die Zahl der Mitarbeiter erhöht. Die weiteren Beschäftigungspläne signalisieren ein Auslaufen des vorherigen Beschäftigungsaufbaus. Die Erträge der M+E-Unterneh­men werden laut ifo-Gewinnumfrage vom September 2014 mit 3,6 Prozent schwächer ausfallen als noch im Vorjahr (4,1 Prozent). Für die weitere Geschäftsentwicklung sind die inländischen Investitionen von zentraler Bedeutung. Zwar sind die die Ausrüstungsinvestitionen im ersten Quartal 2014 gestiegen, dann aber im zweiten und dritten Quartal zurückgegangen. Neben der Verunsicherung durch die Krisenherde in der Welt tragen auch die Renten- und Mindestlohnbeschlüsse der Bundesregierung durch ihre Kostenbelastung zu dieser Investitionszurückhaltung bei.

Auftragseingang. Im Januar 2015 ist der Auftragseingang gegenüber dem vierten Quartal saisonbereinigt um 1,1 Prozent gesunken. Der Index liegt damit wieder auf dem Niveau des zweiten Quartals 2014. Am kräftigsten sanken die Auftragseingänge gegenüber dem vierten Quartal im Fahrzeugbau (-3,1 Prozent), gefolgt vom Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik (-2,3 Prozent) und Maschinenbau (-0,3 Prozent). Einen starken Anstieg gab es dagegen in der Metallverarbeitung (+7,1 Prozent).

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Januar 2015 saisonbereinigt um 0,9 Prozent über dem Wert des vierten Quartals. Dabei ging die Produktion im Fahrzeugbau gegenüber dem vierten Quartal um 2,2 Prozent zurück, während die Metallverarbeitung mit +1,6 Prozent, der Maschinenbau mit +1,8 Prozent und der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit +1,9 Prozent über dem Wert des vierten Quartals lagen.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Januar 2015 mit 3.774.800 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,5 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Dezember 2014 stieg die Zahl um etwa 5.600. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen signalisieren keinen weiteren Beschäftigungsaufbau. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 337.600 Neueinstellungen. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 468.100. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank von 205.000 im Juni 2012 auf 200.000 im Juni 2013.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und gemeldeten offenen Stellen etwas kleiner geworden. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Februar 2015 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 157.900 Arbeitslose, 8.000 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 115.900 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 10.400 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im August 2014 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 16.300 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Januar 2015 rund 7.900.

Verdienste. Im dritten Quartal 2014 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 3,0 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 3,3 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2013 waren die Monatsverdienste um 2,7 Prozent und die Stundenverdienste um 5,8 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten verharren nach zwei Jahren des deutlichen Anstiegs auf hohem Niveau und sind somit weiterhin eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der M+E-Unternehmen: Im Jahr 2014 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Produktivität stieg um 1,4 Prozent. Entsprechend stiegen die Lohnstückkosten um 1,5 Prozent. Im Jahr 2013 waren die Arbeitskosten je Stunde um 3,5 Prozent gestiegen, die Produktivität fiel um -0,7 Prozent und die Lohnstückkosten erhöhten sich demzufolge um 4,2 Prozent, nach 6 Prozent in 2012. Uneinheitlich zeigen sich die Energiepreise: während Öl- und Gaspreise im dritten Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nachgaben (Öl: -7,6 Prozent; Gas: -4,6 Prozent) sind die Strompreise mit +0,4 Prozent weiter leicht gestiegen. Bei den Stahlpreisen zeichnet sich weiterhin eine Entspannung ab, im dritten Quartal 2014 lagen die Preise der meisten Sorten deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise. Nach einer Phase sinkender Preise, scheinen sich die Werte teilweise wieder zu stabilisieren. Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2014 um 0,6 Prozent über Vorjahr (nach 0,4 Prozent im dritten Quartal), die Exportpreise lagen im vierten Quartal um 0,9 Prozent höher als 2013 (3. Quartal: 0,4 Prozent) und die Importpreise um 1,2 Prozent (3. Quartal: -0,2 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2014 mit einer Jahresrate von 0,9 Prozent spürbar langsamer gestiegen als 2012 (+2,0 Prozent) und 2013 (+1,5 Prozent). Im Februar 2015 lagen die Verbraucherpreise um 0,1 Prozent über dem Vorjahreswert, nach einem Rückgang von 0,4 Prozent im Januar.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2014 werden die M+E-Unternehmen in 2014 Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,6 Prozent des Umsatzes erzielen, ein Rückgang gegenüber 2013, als die Zahl noch bei 4,1 Prozent lag. Die Erträge liegen somit weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,8 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2013 mit 1.220 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (1.167 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im März 2015 leicht gestiegen. Der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage verharrte bei +16 Punkte, die Erwartungen der M+E-Unternehmen nahmen von +5 Punkte auf +7 Punkte zu.

Aussichten 2015. Durch ein unerwartet starkes viertes Quartal ist die Produktion in der M+E-Industrie 2014 um 2,8 Prozent gewachsen. Für 2015 rechnen wir derzeit mit einem (geringeren) Wachstum von etwa 1½ Prozent. Die Beschäftigung liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau, allerdings ist nach den Plänen der Unternehmen für die kommenden Monate kaum mehr mit einem spürbaren Beschäftigungszuwachs zu rechnen.

Stand: 25.3.2015