Die wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie im Winter 2014/2015

Die M+E-Konjunktur löst sich zum Jahresende langsam aus der Stagnationsphase des Sommerhalbjahres 2014. Die M+E-Produktion lag im vierten Quartal über dem Niveau des dritten Quartals. Zudem verstärken sich die Erwartungen, dass sich die Produktion in den nächsten Monaten weiter erholen könnte. Die Geschäftserwartungen haben sich im Februar per Saldo zwar verschlechtert, liegen aber noch im posi­tiven Bereich. Im Sommerhalbjahr 2014 war das Geschäftsklima über zwei Quartale hinweg deutlich abgestürzt. Der Auftragseingang lag im vierten Quartal über dem Wert des dritten Quartals – ein weiteres Hoffnungszeichen für die Entwicklung der Produktion. Nach wie vor bleiben aber die Risiken durch die EURO-Krisenländern sowie die Konflikte in Nahost und in der Ukraine bestehen. Die M+E-Unternehmen haben im Dezember saisonbereinigt die Zahl der Mitarbeiter geringfügig verringert. Die weiteren Beschäftigungspläne signalisieren ein Auslaufen des vorherigen Beschäftigungsaufbaus. Die Erträge der M+E-Unterneh­men werden laut ifo-Gewinn­umfrage vom September 2014 mit 3,6 Prozent schwächer ausfallen als noch im Vorjahr (4,1 Prozent). Für die weitere Geschäftsentwicklung sind die inländischen Investitionen von zentraler Bedeutung. Zwar sind die die Ausrüstungsinvestitionen im ersten Quartal 2014 gestiegen, dann aber im zweiten und dritten Quartal zurückgegangen. Neben der Verunsicherung durch die Krisenherde in der Welt tragen auch die Renten- und Mindestlohnbeschlüsse der Bundesregierung durch ihre Kostenbelastung zu dieser erneuten Investitionszurückhaltung bei.

Auftragseingang. Im vierten Quartal 2014 ist der Auftragseingang gegenüber dem dritten Quartal saisonbereinigt um 2,4 Prozent gestiegen. Der Index liegt damit wieder auf dem Niveau des zweiten Quartals 2014. Am kräftigsten stiegen die Auftragseingänge gegenüber dem dritten Quartal im Fahrzeugbau (+5,3 Prozent), gefolgt vom Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik (+2,9 Prozent). Rückgänge gab es dagegen in der Metallverarbeitung (-1,2 Prozent) und im Maschinenbau (-1,4 Prozent).

Produktion. Die M+E-Produktion ist im vierten Quartal 2014 gestiegen und lag saisonbereinigt um 1,1 Prozent über dem dritten Quartal. Die Produktion im Maschinenbau musste mit -0,4 Prozent Einbußen hinnehmen, während der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit +/-0,0 Prozent stagnierte. Der Fahrzeugbau lag mit +0,8 Prozent und die Metallverarbeitung mit 0,9 Prozent über dem Wert des dritten Quartals.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Dezember 2014 mit 3.769.200 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber November 2014 sank die Zahl um etwa 3.000. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen signalisieren keinen weiteren Beschäftigungsaufbau. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 332.000 Neueinstellungen. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 467.100. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank von 205.000 im Juni 2012 auf 200.000 im Juni 2013.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und offenen Stellen etwas kleiner geworden. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Februar 2015 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 157.900 Arbeitslose, 8.000 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 115.900 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 10.400 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Juli 2014 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 18.800 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Dezember 2014 rund 12.500.

Verdienste. Im dritten Quartal 2014 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 3,0 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 3,3 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2013 waren die Monatsverdienste um 2,7 Prozent und die Stundenverdienste um 5,8 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten verharren nach zwei Jahren des deutlichen Anstiegs auf hohem Niveau und sind somit weiterhin eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der M+E-Unternehmen: Im Jahr 2014 stiegen die Arbeitskosten je Stunde um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Produktivität stieg um 1,4 Prozent. Entsprechend stiegen die Lohnstückkosten um 1,5 Prozent. Im Jahr 2013 waren die Arbeitskosten je Stunde um 3,5 Prozent gestiegen, die Produktivität fiel um -0,7 Prozent und die Lohnstückkosten erhöhten sich demzufolge um 4,2 Prozent, nach 6 Prozent in 2012. Uneinheitlich zeigen sich die Energiepreise: während Öl- und Gaspreise im dritten Quartal 2014 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nachgaben (Öl: -7,6 Prozent; Gas: -4,6 Prozent) sind die Strompreise mit +0,4 Prozent weiter leicht gestiegen. Bei den Stahlpreisen zeichnet sich weiterhin eine Entspannung ab, im dritten Quartal 2014 lagen die Preise der meisten Sorten deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise. Nach einer Phase sinkender Preise, scheinen sich die Werte teilweise wieder zu stabilisieren. Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2014 um 0,6 Prozent über Vorjahr (nach 0,4 Prozent im dritten Quartal), die Exportpreise lagen im vierten Quartal um 0,9 Prozent höher als 2013 (3. Quartal: 0,4 Prozent) und die Importpreise um 1,2 Prozent (3. Quartal: -0,2 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2014 mit einer Jahresrate von 0,9 Prozent spürbar langsamer gestiegen als 2012 (+2,0 Prozent) und 2013 (+1,5 Prozent). Im Januar 2015 lagen die Verbraucherpreise sogar um 0,4 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2014 werden die M+E-Unternehmen in 2014 Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,6 Prozent des Umsatzes erzielen, ein Rückgang gegenüber 2013, als die Zahl noch bei 4,1 Prozent lag. Die Erträge liegen somit weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,8 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2013 mit 1.220 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (1.167 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Februar 2015 gesunken. Der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage verharrte bei +16 Punkte, die Erwartungen der M+E-Unternehmen fielen von +8 Punkte auf +4 Punkte.

Aussichten 2015. Mit einem Produktionsplus von 0,4 Prozent ist die M+E-Industrie 2013 wie bereits in 2012 kaum gewachsen. 2014 lag das Produktionswachstum durch ein unerwartet starkes viertes Quartal bei 2,7 Prozent. Für 2015 rechnen wir derzeit mit einem (geringeren) Wachstum von etwa 1,5 Prozent. Die Beschäftigung liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau, allerdings ist nach den Plänen der Unternehmen für die kommenden Monate kaum mehr mit einem spürbaren Beschäftigungszuwachs zu rechnen.

Stand: 27.2.2015