Braucht es eine gesetzliche Regelung zur Entgeltgleichheit?

Braucht es eine gesetzliche Regelung zur Entgeltgleichheit?

Braucht es eine gesetzliche Regelung zur Entgeltgleichheit?

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander

Foto: Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander

Nein, sagt Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander in einem Beitrag für das JU-Mitgliedermagazin "Die Entscheidung":

Die CDU ist an sich unverdächtig, linkem Egalitarismus, also einer vollkommenen Gleichheit der menschlichen Gesellschaft anzuhängen und ihre Politik nach diesem Ziel auszurichten. Rein linker Egalitarismus ist in Abgrenzung zum Konzept der Chancengerechtigkeit zutiefst anti-bürgerlich, dezidiert leistungsfeindlich und wurzelt stark in Neidgefühlen. Trotzdem unterstützen auch hochrangige Repräsentanten der CDU den Entwurf des Entgeltgleichheitsgesetzes von SPD-Bundesministerin Manuela Schwesig.

Das gesamte Gesetzesvorhaben basiert auf der Beobachtung, dass Frauen durchschnittlich 21 Prozent weniger verdienen als Männer – und unterstellt, diese Diskrepanz entstünde durch Diskriminierung. Ist der Kampf gegen Diskriminierung legitim? Selbstverständlich! Liegt überhaupt Diskriminierung vor? Nein! Ist also das vorgesehene Gesetz der richtige Weg? Mit Sicherheit nicht!

Der Blick auf die Statistik suggeriert, dass Frauen bei gleicher Arbeit schlechter bezahlt werden. Das ist natürlich nicht der Fall. Tatsächlich liegt der statistische Unterschied vor allem daran, dass Männer und Frauen nicht das gleiche arbeiten. Männer wählen nach wie vor besonders technische Berufe, Frauen werden statt Mechatronikerin lieber Verkäuferin, medizinische Fachangestellte oder Germanistin. Das ist selbstverständlich ihr gutes Recht – aber es wird dann unredlich, wenn jungen Germanistinnen von Gutmenschen in der Politik suggeriert wird, der Maschinenbauingenieur verdiene illegitimerweise mehr als sie und das sei Diskriminierung.

Ökonomischer Grund für die unterschiedliche Bezahlung des Mechatronikers im Vergleich zur Friseurin und Germanistin ist die unterschiedliche Wertschöpfung, die erzielt wird und sich in unterschiedlich hohen Löhnen niederschlägt. So verdient ein gestandener Facharbeiter ohne Studium in der Industrie im Jahresdurchschnitt mit 47.000 Euro fast genauso viel wie der studierte Deutschlehrer nach rund acht Jahren Berufserfahrung mit 48.000 Euro. Und eine Friseurin bekommt in vielen Bundesländern weniger
als 20.000 Euro im Jahr, während eine M+E-Ingenieurin durchschnittlich mit 66.000 Euro rechnen kann. Setzt man diese Zahlen in Relation dazu, wo Frauen und Männer am häufigsten arbeiten, werden die Unterschiede ersichtlich.

Der Hauptgrund für die statistische Entgeltlücke ist die unterschiedliche Berufswahl von Männern und Frauen. Beachtet man dann noch familienbedingte Auszeiten liegt die tatsächliche bereinigte Entgeltlücke nicht bei 21, sondern bei ca. zwei Prozent.

Schon die Begründung für das Entgeltgleichheitsgesetz ist daher falsch. Das Gesetz soll laut Familienministerium lediglich Transparenz herstellen. Doch in Wirklichkeit werden den Arbeitgebern teure und unnötige bürokratische Berichtspflichten auferlegt, sie werden gezwungen, das Betriebsklima zu vergiften, indem sie Gehälter von Mitarbeitern offenlegen und letztendlich schwebt über allem der Generalverdacht, sie diskriminieren Frauen. Das Gesetz wird an den Ursachen der statistischen Lücke nichts ändern, denn die Ausgangslage ließe sich nur verbessern, wenn mehr junge Mädchen technische Berufe ergreifen und Kinderbetreuungsmöglichkeiten ausgebaut würden. Die Bundesregierung sollte das Entgeltgleichheitsgesetz lieber wieder in der tiefen Schublade mit unnützen Vorschlägen verschwinden lassen.