Ohne Autoindustrie kein Wohlstand

Ohne Autoindustrie kein Wohlstand

Ohne Autoindustrie kein Wohlstand

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander fordert im Tagesspiegel Technologieneutralität in der Verkehrs-, Klima- und Industriepolitik

"Eine totale Fixierung auf die CO2-Reduzierung ohne Rücksicht auf Gesellschaft und Wirtschaft führt ins Chaos", sagte Gesamtmetall-Chef Oliver Zander dem Tagesspiegel. Die Autoindustrie sei die Leitindustrie in Deutschland, "die Wertschöpfung ist hier mit rund 150 000 Euro pro Kopf und Jahr so hoch wie in keinem anderen Bereich. Wenn das wegbricht, bricht die wichtigste Säule unseres Wohlstands weg", sagte Zander weiter.

Anders als die IG Metall, die die Mobilitätswende Richtung Stromauto nicht in Frage stellt, hat der Arbeitgeberverband durchaus Zweifel. "Woher kommt denn der ganze Strom für die Elektrifizierung des Verkehrs, wenn wir wirklich gleichzeitig aus Kohlestrom und Atomkraft aussteigen wollen?", fragt der Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall. Autos mit Verbrennungsmotor würden nicht so schnell verschwinden, wie viele meinten. "Wir brauchen noch mehrere Jahrzehnte saubere Diesel", sagte Zander. Gerade auch in der Verkehrs-, Klima- und Industriepolitik sei "Technologieneutralität ganz entscheidend. Wir sind keine Planwirtschaft. Und neben der Elektromobilität gibt es andere Antriebsarten, die wir auch brauchen", meinte der Arbeitgebervertreter.

Die aktuellen Umfeldbedingungen für die deutschen Autohersteller und ihre Lieferanten sind schwierig, was mit der US-amerikanischen Handelspolitik, Diesel und Brexit sowie dem Klimaschutz zusammenhängt. Im ersten Quartal war die deutsche Autoproduktion um sechs Prozent unter dem Vorjahresmonat geblieben. "Wir haben aktuell die Gefahr einer Rezession", sagte Zander und appellierte an die Politik "alles zu tun, damit die Autoindustrie stark bleibt und mit den Anforderungen von Digitalisierung über autonomes Fahren bis saubere Antriebe zurechtkommt und nicht mit einerÜberregulierung stranguliert wird."

In den jüngsten Standortrankings habe sich Deutschlands Position verschlechtert. "Aktuell vertreibt die deutsche Energie- und Klimapolitik die energieintensive Industrie aus dem Land und zerstört so Wertschöpfungsketten", meinte der Gesamtmetaller. Gleichzeitig versuche Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit einer Milliarde Euro eine Batteriezellenfertigung zu fördern, um Wertschöpfungsketten zu erhalten. "Das passt nicht ganz zusammen", meinte Zander. "Gute Strukturen und Rahmenbedingungen sind wichtiger als Fördergelder."

Erschienen am 13. Mai 2019 im Tagesspiegel.