"Veränderungen erfordern auch eine andere Arbeitsorganisation."

"Veränderungen erfordern auch eine andere Arbeitsorganisation."

"Veränderungen erfordern auch eine andere Arbeitsorganisation."

Foto: Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger / © Alex Kraus

Foto: Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger / © Alex Kraus

Gastbeitrag von Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger für die vdi-Nachrichten zur Arbeitswelt der Zukunft:

Wir haben gerade mit der IG Metall einen Tarifvertrag abgeschlossen, der es stärker als früher erlaubt, die Arbeitszeit an persönliche Lebensphasen anzupassen – indem sie mal verkürzt, aber auch verlängert werden kann. Aber bei aller Freude ist auch klar: Das kann nur der Anfang gewesen sein.

Unsere Arbeitswelt verändert sich: technologisch, gesellschaftlich und demografisch. Diese Veränderungen erfordern auch eine andere Arbeitsorganisation. Wünsche und Ansprüche der Beschäftigten stoßen an Grenzen der heutigen Arbeitszeitregeln.

Ein Beispiel: Wer digital und mobil aufwächst, für den ist es auch später selbstverständlich, per Laptop oder Smartphone selbstständig zwischen Arbeit und Freizeit zu wechseln. Als Vorgesetzter ist es mir auch egal, wo und wann das Projekt fertig entwickelt wird – solange es zum vereinbarten Zeitpunkt fertig ist. Aber nach den heutigen Rahmenbedingungen muss ich Nachtzuschlag zahlen, wenn abends programmiert wird, bin ich verantwortlich, dass die Arbeitsstättenverordnung eingehalten wird und muss ich dafür sorgen, dass wenn der Laptop zugeklappt wird, er auch mindestens 11 Stunden aus bleibt. Das kann es ja nun offensichtlich auch nicht sein.

Es geht nicht darum, alle Regeln über Bord zu werfen. Sondern es geht darum, den bestehenden Regelungen aus Zeiten der industriellen Fließbandarbeit solche zur Seite zu stellen, die auf die Wissensarbeit des 21. Jahrhunderts anwendbar sind. Dieser Aufgabe müssen sich Sozialpartner und Politik gemeinsam stellen, um unsere Industrie und unser Land zukunfts- und wettbewerbsfähig aufzustellen. Pauschale Beißreflexe auf beiden Seiten helfen da niemandem. Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Gehen wir sie an!

Erschienen am 1. März 2018 in den vdi-nachrichten.