"Die Jüngeren, von denen es immer weniger gibt, zahlen die Zeche"

"Die Jüngeren, von denen es immer weniger gibt, zahlen die Zeche"

"Die Jüngeren, von denen es immer weniger gibt, zahlen die Zeche"

Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger

Foto: Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger

Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger im Interview mit dem FOCUS zur Rente:

Herr Dulger, die Bundesregierung bastelt an einem Rentenreformpaket. Rechnen Sie mit einer Beglückungsrunde für die immer zahlreicheren älteren Wähler?

Das darf sich nicht wiederholen. Es regnete im letzten Wahlkampf schon Rentengeschenke für die ohnehin bestversorgte Generation aller Zeiten. Dafür zahlen die Jüngeren, von denen es immer weniger gibt, die Zeche. Steigende Beiträge kosten immer Beschäftigung. Das Rentensystem ist unter Druck, es gibt durchaus Reformbedarf. Aber es sind nicht Leistungsausweitungen und höhere Beiträge, die unsere Probleme lösen werden ...

... Sondern die übliche Empfehlung der Arbeitgeber, eben einfach immer länger zu arbeiten?

Ein Rentenalter von 67 ist völlig richtig. Aber leider hat man sich davon wieder verabschiedet. Ich weiß in meinem eigenen Unternehmen kaum noch, wie ich in einigen Bereichen das Know-how halten soll, wenn sich Mitarbeiter innerhalb von drei Monaten in die Rente mit 63 verabschieden.

Wie stellen Sie sich eine vernünftige Rentenreform vor?

Mir fehlt in der aktuellen Debatte der Blick auf die Bildungspolitik. Mehr Ganztagsbetreuung und bessere Qualifikation sorgen auch für mehr Beitragszahler und höhere Beiträge. Und: Ich plädiere für mehr betriebliche Altersvorsorge. Dafür brauchen wir bessere gesetzliche Rahmenbedingungen. Zum Beispiel sollten wir uns in Zeiten von Niedrigzinsen von kontraproduktiven Garantien einer bestimmten Rentenhöhe verabschieden.

Sie wollen das Zinsrisiko also vollständig auf den Arbeitnehmer verlagern.

Mit einer Zielrente gibt es immer mehr Rente für die Arbeitnehmer als mit Garantien. Ohne Enthaftung wird eine Reform nicht tragen. Außerdem plädieren wir für eine Steuer- und Abgabenfreiheit der Beiträge, damit die Arbeitnehmer wirklich etwas ansparen können. Wir müssen einen Weg finden, die Rentenbeiträge nicht immer weiter steigen zu lassen. Das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit. Denn wer heute deutlich höhere Beiträge bezahlt, bekommt dafür dann später geringere Leistungen als die heutigen Rentner. Das können wir auf Dauer so nicht machen, dann bekommen wir einen Generationenkonflikt und eine Legitimationskrise der gesetzlichen Rente.

Das Interview führte Hans-Jürgen Moritz, FOCUS. Erschienen am 29. Oktober 2016.