"Jede Anhebung des Rentenbeitragssatzes kostet Arbeitsplätze"

"Jede Anhebung des Rentenbeitragssatzes kostet Arbeitsplätze"

"Jede Anhebung des Rentenbeitragssatzes kostet Arbeitsplätze"

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander

Foto: Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander

Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, im Gespräch mit dem Redaktionsbüro Buchsteiner-Herholz zum Thema Rente:

Union und SPD ringen um eine Rentenreform und Maßnahmen gegen Altersarmut. Von beiden Seiten kommt die Forderung nach einer doppelten Haltelinie, beim Rentenniveau und bei den Beiträgen. Was spricht dagegen?

Das ist im Prinzip ein vernünftiger Ansatz. 2001 hat der Bundestag eine Obergrenze von 22 Prozent für die Beiträge und eine Untergrenze von 43 Prozent für die Zeit bis 2030 festgelegt. Das war weitsichtig. Natürlich kann man sich jetzt einen Zeitraum über 2030 hinaus vornehmen und entsprechende Festlegungen treffen. Aber wir brauchen eine Balance zwischen Beitragssatz und Rentenniveau. Die Große Koalition darf jetzt nicht auf Kosten der nachfolgenden Generation Rentengeschenke verteilen, sonst stürzt sie die Rente in eine Legitimationskrise bei den Jüngeren.

Wo könnte denn die Untergrenze für das Rentenniveau liegen?

Die Gewerkschaften erwecken den falschen Eindruck, dass bei einem Absinken des Rentenniveaus weniger Geld bei den Rentnern ankommt. Die Renten werden auch in Zukunft real steigen. Eine Stabilisierung des Rentenniveaus bei 43 Prozent wäre ein unverantwortbares Rentengeschenk. Wenn der CSU dann auch noch die Forderung nach Ausweitung der Mütterrente erfüllt würde und die Ost-West-Rentenangleichung käme, wäre das Ganze vollends unbezahlbar. Vor Abenteuern kann ich nur warnen. Wir brauchen jetzt Weitsicht und Vernunft.

Welche Folgen hätte eine Reform, wie sie jetzt in der Großen Koalition diskutiert wird?

Jede Anhebung des Beitragssatzes kostet Arbeitsplätze. Ein Prozentpunkt mehr Rentenbeitrag kostet die Unternehmen 4,5 Milliarden Euro. Damit kann man 45.000 Arbeitnehmer einstellen. Hinzu kommt, dass die Koalition sicherlich auch den Steuerzuschuss für die Rentenkasse anheben müsste. Schon jetzt stammen über 80 Milliarden, damit jeder dritte Euro, der für die Rente ausgegeben wird, aus dem Bundeshaushalt. Wenn das noch mehr werden sollte, verkleinern sich die Spielräume für Investitionen in Bildung, Infrastruktur oder moderne Technologien. XXL-Rentengeschenke sind eine Gefahr für Wachstum und Beschäftigung, für den Standort Deutschland.

Das Gespräch führte Rasmus Buchsteiner, Redaktionsbüro Buchsteiner-Herholz. Erschienen am 4. November 2016 in verschiedenen Regionalzeitungen.