Schluss mit den Warnstreiks!

Schluss mit den Warnstreiks!

Schluss mit den Warnstreiks!

Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger

Foto: Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger

Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger im Gespräch mit der BILD zu den Tarifverhandlungen in der M+E-Tarifrunde:

Die Metall-Branche steuert auf den härtesten Tarif-Konflikt seit 15 Jahren zu. Warum sind Sie so knauserig?

Unser Angebot von insgesamt 2,1 Prozent Lohnplus über die Laufzeit von 2 Jahren und einer Einmalzahlung von 0,3 Prozent ist alles andere als knauserig. Das ist ein dickes Reallohnplus. Es geht für viele Betriebe bereits an die Schmerzgrenze. Ich fordere die IG Metall deshalb auf, die völlig überzogenen Warnstreiks zu stoppen und ein Signal der Deeskalation zu setzen.

Danach sieht es nicht aus. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück warnt bereits, falls die Arbeitgeber nicht deutlich nachlegen, "sollten wir die Tische umwerfen".

Solche Aussagen sind indiskutabel, vergiften das Klima. Die Stimmung bei den Arbeitgebern ist ohnehin sehr gereizt - gerade nach dem letzten Tarifabschluss. Der war für viele Firmen bereits zu hoch. Seit der Finanzkrise sind die Löhne in unserer Industrie um 20 Prozent gestiegen.

Im Öffentlichen Dienst gibt es fast fünf Prozent mehr - warum ist das in der boomenden Metallbranche nicht auch drin?

Der Öffentliche Dienst steht nicht im internationalen Wettbewerb, deswegen ist der Abschluss überhaupt kein Maßstab. Unsere Firmen müssen sich dagegen tagtäglich international messen - auch bei den Löhnen. Und da liegen wir heute schon weit an der Spitze. Sind unsere Produkte am Ende zu teuer, kauft sie keiner.

Wo liegt Ihre Schmerzgrenze in der diesjährigen Tarifrunde? Bei 3 Prozent Lohnplus?

Wir stecken noch mitten in den Verhandlungen. Jetzt ist die IG Metall am Zug. Sie muss einen Schritt auf uns zu machen, damit wir zügig zu einem Abschluss kommen. Was wir nicht brauchen, sind große und arbeitsplatzgefährdende Streiks.

Warum sollen sich die Beschäftigten trotz guter Auftragslage mit 2,1 Prozent Lohnplus zufrieden geben, wenn Top-Manager wie z.B. bei VW trotz Verlusten Millionen-Boni kassieren?

Was bei VW passiert ist, kann ich nicht kommentieren, denn ich kenne weder die Verträge noch die internen Beratungen bei VW. Die verhandeln einen eigenen Haustarif mit der IG Metall und sind nicht in unserem Verband.

Gilt denn der Leitspruch "Leistung muss sich lohnen" in der Metallbranche nicht mehr?

Dieser Spruch hat selbstverständlich von seiner Gültigkeit nichts eingebüßt. Das Durchschnittseinkommen in unserer Branche liegt bei 54.000 Euro im Jahr. Der deutschen Metallindustrie kann es dauerhaft nur gut gehen, wenn sich alle, Gewerkschaften wie Arbeitgeberseite, an der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen orientieren und die Arbeitskosten im Blick behalten.

Das Gespräch führte Jan Schäfer, BILD. Erschienen am 06. Mai 2016.