"Wir haben ein Riesenproblem beim Fachkräftemangel"

"Wir haben ein Riesenproblem beim Fachkräftemangel"

"Wir haben ein Riesenproblem beim Fachkräftemangel"

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander

Foto: Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander im Radio-Interview mit SWR Aktuell zum Fachkräftemangel:

Wie dringend braucht die Metall- und Elektro-Industrie Fachkräfte aus dem Ausland?

Wir haben ein großes Fachkräfteproblem in unserer Branche. Wir haben beispielsweise circa. 340.000 offene Stellen für Metallfacharbeiter bundesweit bei nur 120.000 Arbeitslosen. 30 Prozent der Firmen sagen uns, sie können nicht so gut produzieren, weil ihnen Personal fehlt. Also: Wir haben ein Riesenproblem - und wir haben seit der Krise immerhin 520.000 Stammarbeitskräfte wieder aufgebaut, das heißt, wir haben schon einen riesigen Beschäftigungszuwachs und könnten noch viel mehr Menschen in der Branche gebrauchen.

Nun soll ein Fachkräftezuwanderungsgesetz her. Was versprechen sie sich davon?

Ein Fachkräftezuwanderungsgesetz gibt, hoffentlich bürokratiearm, Menschen aus Nicht-EU-Staaten die Möglichkeit nach Deutschland zu kommen, wenn sie Fachkräfte sind, wenn sie über Sprachkenntnisse verfügen, wenn sie zu uns passen, auch einen Integrationswillen haben - dann ist es eine gute Ergänzung. Wir haben ja aus dem EU-Ausland eine Menge an Menschen gewonnen für uns und nun muss für die Nicht-EU-Staatler auch ein vernünftiger Weg, eine vernünftige Spur geschaffen werden.

Bleiben wir beim Wort Spur. "Spurwechsel" ist das Stichwort. Abgelehnte Asylbewerber sollen in Deutschland bleiben dürfen, wenn sie hier eine Ausbildungsstelle haben oder einen Job bekommen. Was halten Sie davon? Kann das ein Mittel gegen den Fachkräftemangel werden?

Wir haben ja 2015 alle miteinander die Euphorie gehabt, dass mit der Flüchtlingswelle viele Fachkräfte nach Deutschland kommen. Im Jahr 2016/2017 hat man verstanden, dass das nicht der Fall war. Jetzt zu suggerieren, dass man mit einem Fachkräftezuwanderungsgesetz und dem Spurwechsel aus diesen Menschen Fachkräfte macht, ist falsch. Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass ein Fachkräftezuwanderungsgesetz es abgelehnten Asylbewerbern allgemein ermöglicht, in Deutschland zu bleiben. Das würde die Akzeptanz des Gesetzes total erschweren. Ich glaube sogar, dass CDU/CSU das Gesetz verhindern würden und dann hätte die Wirtschaft wieder das Nachsehen. Ich kann nur dringend davon raten, die Spuren nicht zu vermischen. Es gibt auch im Einzelfall Möglichkeiten, beispielsweise, wenn jemand eine Lehre macht im Bäckerhandwerk, 3 Jahre, darf er noch 2 Jahre bleiben, das ist geregelt und das sind die richtigen Anreize. Wer sich intensiv qualifiziert, wer die Sprache lernt, Integrationsbemühungen hat, wer nicht straffällig wird, den kann man betrachten, aber einen generellen Spurwechsel - das ist der völlig falsche Weg.

Das Gespräch führte Stefan Eich, SWR Aktuell. Erschienen am 21. August 2018.