"Wir haben einen tragfähigen Kompromiss erreicht"

"Wir haben einen tragfähigen Kompromiss erreicht"

"Wir haben einen tragfähigen Kompromiss erreicht"

Foto: Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger

Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger im Gespräch mit der Passauer Neuen Presse über die Tarifrunde 2016:

Die IG Metall hatte fünf Prozent gefordert, jetzt erhalten die Beschäftigten 4,8 Prozent mehr. DieserTariffrieden ist teuer erkauft, oder?

Unter einem Tarifvertrag stehen immer zwei Unterschriften. Wir haben unterschrieben und tragen den Tarifvertrag mit, aber wir sind auch an die Grenze des Machbaren gegangen. Dieser Abschluss gibt uns die Planungssicherheit, die wir unbedingt brauchen. Die Unternehmen, denen es im Augenblick nicht so gut geht, erhalten tarifliche Differenzierungsmöglichkeiten. Das war auch uns sehr wichtig. Wir haben einen tragfähigen Kompromiss erreicht.

Der Abschluss liegt nahe an der Forderung der IG Metall. Was hat für Sie am Ende den Ausschlag gegeben, diesem Paket zuzustimmen?

Die IG Metall hat fünf Prozent auf zwölf Monate gefordert. Das wären zehn Prozent auf 24 Monate. Jetzt sind wir bei 4,8 Prozent nach 21 Monaten gelandet. Wir haben einen guten Dreiklang aus langer Laufzeit, moderaten Entgelterhöhungen und auch Differenzierungskomponenten erreicht. Wir haben einen zweistufigen Abschluss mit zwei Nullmonaten, einer einmaligen Pauschalzahlung von 150 Euro für Juni, ab Sommer 2016 gibt es 2,8 Prozent mehr und nach neun Monaten ein weiteres Plus von zwei Prozent. Der zweite Erhöhungsschritt kann drei Monate aufgeschoben, auf die Einmalzahlung verzichtet werden. Das hilft Betrieben, denen ansonsten wirtschaftliche Probleme entstehen würden. Aus unserer Sicht ist das ein modernes Tarifwerk, mit dem wir der besonderen Situation von Unternehmen Rechnung tragen können, in denen es gerade nicht so gut läuft.

Was kostet dieser Abschluss die Unternehmen?

Die Gesamtkostenbelastung des Abschlusses für die Unternehmen beträgt 2,45 Prozent, denn die Nullmonate, die Einmalzahlung und die Erhöhung am Ende reduzieren die Belastung. Wenn man die Differenzierung anwendet, 0,32 Prozent weniger. Der Abschluss ist nach wie vor nicht wirklich niedrig, obwohl die Belastung für die Unternehmen deutlich niedriger ist als im Vorjahr.

In welchem Maße werden die Unternehmen von den Öffnungsklauseln Gebrauch machen, auf die Einmalzahlung verzichten oder die Lohnerhöhung im nächsten Jahr verschieben?

Das lässt sich jetzt noch nicht genau sagen. Wir werden abwarten müssen, wie sich die Lage der Unternehmen in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt. Die Unternehmen werden die Flexibilisierungsinstrumente sicherlich lebhaft nutzen.

Die Löhne steigen kräftig, die Produktivität bleibt weit dahinter zurück, haben Sie immer erklärt. Folgt man dieser Argumentation, müsste der Abschluss die Wettbewerbsfähigkeit der Metall- und Elektro-Industrie verschlechtern, oder?

Jeder Tarifabschluss mit höheren Löhnen belastet unsere Industrie - keine Frage. Mehrkosten tun unser internationalen Wettbewerbsfähigkeit nicht gut. Aber dieser Tarifvertrag ist in jeden Fall besser als eine längere Hängepartie oder gar unbefristete Streiks.

Hat dieser Abschluss Vorbildfunktion für andere Branchen?

Ich hoffe, dass unser Beispiel Schule macht. Moderne Flächentarifverträge sollten immer Öffnungsklauseln und Flexibilitätsinstrumente haben.

Das Gespräch führte Rasmus Buchsteiner, Passauer Neue Presse. Erschienen am 14. Mai 2016.

ANSPRECHPARTNER