"Wir sollten darauf vorbereitet sein"

"Wir sollten darauf vorbereitet sein"

"Wir sollten darauf vorbereitet sein"

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zur konjunkturellen Lage in der M+E-Industrie und der steigenden Kurzarbeit

Herr Zander, steht Deutschland vor einem Abschwung, oder sehen wir nur eine vorübergehende Eintrübung?

Das ist noch nicht ausgemacht. Die Statistiker melden uns jedenfalls, dass wir formal in der Metall- und Elektro-Industrie jetzt eine Rezession haben: zwei Quartale nacheinander sinkende Produktion. Und seit Jahresbeginn gingen die Aufträge spürbar zurück. Das wird sich mit etwas Verzögerung auch weiter auf die Produktion niederschlagen. Auf der anderen Seite hatten wir seit der Krise 2008/2009 sehr solides Wachstum. Die Beschäftigung in der Branche ist seit der großen Krise wieder auf mehr als vier Millionen Arbeitnehmer angestiegen – zuletzt hatten wir einen solchen Wert 1993. Eine solche Erfolgsgeschichte schreibt sich nicht von selbst fort.

Und nun?

Wir sehen aktuell keine Krise direkt auf uns zukommen. Und wir sollten sie auch nicht herbeireden.

Wie erklärt sich der Rückgang bei den Aufträgen?

Wir haben in der Automobilindus­trie Probleme. Das hatte zuletzt mit dem Übergang auf die neuen Abgastestzyklen zu tun. Dadurch sind Absatzverzögerungen entstanden, von denen auch die Zulieferer betroffen waren. Und beim Diesel gab es einen Einbruch. Das alles hat sich natürlich auch auf den Maschinenbau ausgewirkt, der an der Autoindustrie hängt. Zudem haben wir Nachfragerückgänge auf einigen wichtigen Märkten – etwa China. Hinzu kommt die Unklarheit, was Großbritannien angeht.

Wann wird es schwierig?

Problematisch würde es, wenn es zu externen Schocks käme: etwa durch einen harten Brexit, einen globalen Handelskrieg oder einen militärischen Konflikt mit dem Iran. Das alles hätte erhebliche Auswirkungen auch auf den Standort Deutschland. Wir müssen abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Bisher gehen wir davon aus, dass es sich um eine konjunkturelle, allerdings sehr schmerzhafte Delle handelt.

Warum ist es in dieser Situation wichtig, Kurzarbeit zumindest als Option zu haben?

In der großen Krise 2008 und 2009 war es wichtig, schnell reagieren zu können. Die Ausweitung der Kurzarbeit hat Hunderttausende Jobs gerettet.

Was fordern Sie?

Es ist Zeit für eine Verordnungsermächtigung, die es erlaubt, die Regelungen zur Kurzarbeit aus der Krise innerhalb weniger Tage per Kabinettsbeschluss wieder in Kraft zu setzen.

Mit den heutigen Regelungen zur Kurzarbeit wäre die Wirtschaft unzureichend vorbereitet?

Ja, das sehen wir so. Kein Mensch weiß heute, was passiert, wenn die Produktion auch hier in Deutschland – zum Beispiel nach einem harten Brexit – massiv stocken würde. Wir sollten darauf vorbereitet sein. Es ist gut, dass bei der Bundesagentur für Arbeit die notwendigen Rücklagen bestehen, um die Kurzarbeit sofort auszuweiten.

Und wie ist die Lage in Sachen Kurzarbeit aktuell?

Wir haben einige Zehntausend Kurzarbeiter. In der großen Krise war jeder Zwanzigste betroffen. Aktuell ist es jeder Tausendste. Noch bewegen wir uns weitgehend auf Normalniveau.

Das Gespräch führte Rasmus Buchsteiner, Redaktionsnetzwerk Deutschland. Erschienen am 10. August 2019 in mehreren Regionalzeitungen.

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