"Befristungen einzuschränken, geht an der Wirklichkeit der Unternehmen vorbei"

"Befristungen einzuschränken, geht an der Wirklichkeit der Unternehmen vorbei"

"Befristungen einzuschränken, geht an der Wirklichkeit der Unternehmen vorbei"

Berlin. "Sachgrundlose Befristungen in der Industrie weiter einzuschränken, geht schlichtweg an der Wirklichkeit der Unternehmen vorbei. Wenn es ein Problem mit Befristungen gibt, dann im öffentlichen Dienst", erklärte Dr. Rainer Dulger, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, heute auf einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem dbb beamtenbund und tarifunion in Berlin. In der M+E-Industrie liegt der Anteil an befristeten Arbeitsverhältnissen bei gerade einmal vier Prozent. Im staatlichen Hochschul- und Wissenschaftsbereich ist hingegen fast jeder zweite Mitarbeiter befristet beschäftigt, im gesamten öffentlichen Dienst fast jeder zehnte.
 
Dulger wehrte sich damit gegen Pläne der Regierung, für sachgrundlose Befristungen in der Privatwirtschaft eine Quote von 2,5 Prozent für Betriebe ab 75 Mitarbeitern einzuführen: "Wir brauchen befristete Verträge. Es gibt immer mehr Ansprüche für Arbeitnehmer, Auszeiten zu nehmen – zum Beispiel, um sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern oder um Elternzeit zu nehmen." In diesen Zeiten müsse die Arbeit aber trotzdem erledigt werden. Dafür benötigten die Arbeitgeber entsprechende Flexibilität. Dies gelte umso mehr, wenn sich das wirtschaftliche Klima weiter verschlechtere. Die einzig wirklich rechtssichere Form, die den Unternehmen dafür geblieben ist, ist die sachgrundlose Befristung. Statt die Privatwirtschaft weiter zu beschränken, forderte Dulger, die Sonderprivilegien für den öffentlichen Dienst, insbesondere die Haushaltsbefristung, abzuschaffen.
 
An der Diskussionsveranstaltung mit dem Titel "Sachgrundlose Befristung – Regelungsbedarf oder Doppelmoral?" nahmen neben Dulger und dem Bundesvorsitzenden des dbb beamtenbund und tarifunion, Ulrich Silberbach, die in ihrer jeweiligen Fraktion für das Thema zuständigen Abgeordneten des Deutschen Bundestages Gabriele Hiller-Ohm (SPD), Till Mansmann (FDP), Markus Kurth (B´90/Die Grünen) und Wilfried Oellers (CDU/CSU) teil.

ANSPRECHPARTNER