"Forderungsempfehlung wird Lage der Branche nicht gerecht"

"Forderungsempfehlung wird Lage der Branche nicht gerecht"

"Forderungsempfehlung wird Lage der Branche nicht gerecht"

Berlin/Dettingen. Zur Forderungsempfehlung des IG-Metall-Vorstands für die Tarifrunde 2022 erklärt Gesamtmetall-Präsident Dr. Stefan Wolf:

"Die Lage in der Metall- und Elektro-Industrie schön zu reden, ist verantwortungslos. Im Moment müssen 94 Prozent aller Mitgliedsunternehmen unserer Verbände massive Kostensteigerungen verkraften, und gerade einmal ein Prozent aller M+E-Firmen ist in der Lage, die Kostensteigerungen durch Preiserhöhungen vollständig an die Kunden weiterzugeben. Ein Fünftel sieht angesichts der Entwicklungen sogar eine wirtschaftliche Gefährung des eigenen Unternehmens. Die wirtschaftliche Lage zeichnet sich durch große Unsicherheiten und große Heterogenität aus – was die IG Metall an anderer Stelle auch anerkennt.

Zur Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland gehören rund 26.000 Unternehmen. Sich an vielleicht Hundert Unternehmen zu orientieren, denen es besonders gut geht, wird der komplizierten Lage nicht gerecht.

Die Unternehmen der M+E-Industrie produzieren heute 15 Prozent weniger als noch 2018. Die Beschäftigung ist aber nahezu stabil geblieben – die Zahl der Arbeitsplätze ist lediglich um 3 Prozent gesunken. Das zeigt, dass die Unternehmen trotz Corona und Teilemangel an Beschäftigung festhalten. Klar ist aber, dass dies trotz aller Unterstützung durch Kurzarbeitregelungen viele Betriebe ausgelaugt hat. Dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, dass die Investitionen in den Strukturwandel erst einmal verdient werden müssen.

Die Metall- und Elektro-Industrie steht vor großen Herausforderungen. Diese können wir nur zusammen bewältigen. Dazu muss man aber erst einmal die tatsächliche Lage zur Kenntnis nehmen, statt sie sich schön zu reden."

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