"Gewerkschaften streiken zu schnell"

"Gewerkschaften streiken zu schnell"

"Gewerkschaften streiken zu schnell"


Die Mehrheit der Deutschen (53,5%) glaubt, dass die Gewerkschaften zu rasch mit einem Streik drohen. Nur jeder Vierte (25,6%) ist überzeugt, dass sie zuvor tatsächlich alle Möglichkeiten ausschöpfen, um zu einer friedlichen Einigung zu gelangen.

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall hervor. Außerdem sind 47,7% der Deutschen der Meinung, dass Streiks heute höhere Schäden verursachen können als noch vor einigen Jahren. Nur 6,3% halten die Unternehmen für weniger verwundbar als früher.

"Gerade in dieser Tarifrunde – der ersten, in der wir gerade wieder den Kopf über Wasser haben – sind Warnstreiks unangebracht und nicht zu rechtfertigen", betonte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. "Wir erwarten jetzt von der IG Metall, dass sie Wege signalisiert, auf denen wir den Tarifkonflikt lösen können", betonte Kannegiesser. "Sie kann sich jetzt nicht wie ein römischer Kaiser gebärden, der nur den Daumen hebt oder senkt, während wir Arbeitgeber uns in der Arena abquälen."

Kannegiesser weiter: "Wir haben mit der Tabellenerhöhung um 3% ein Angebot gemacht, das den Verteilungsspielraum ausschöpft und das auch dem entspricht, was bisher von den Gewerkschaften immer als angemessene Lohnformel betrachtet wurde." Zudem seien die Tariflöhne bei M+E schon während der Krise stärker gestiegen als die Inflation. "Auch 2012 werden unsere Mitarbeiter ein Reallohnplus in ihren Taschen haben." Dass sei dem Aufholprozess zu verdanken, der die Metall- und Elektro-Industrie nach drei verlorenen Jahren im Herbst 2011 überhaupt erst wieder zurück auf das Vorkrisenniveau geführt habe. "Andernfalls könnten wir jetzt gar keine Lohnerhöhungen zahlen", stellte Kannegiesser klar.

Die IG Metall mache es sich zu leicht, wenn sie ihre 6,5%-Forderung ausschließlich mit den hohen Gewinnen einzelner Automobilhersteller und den hohen Vergütungen einzelner Spitzenmanager begründe, wobei letztere mit Zustimmung der Gewerkschaftsvertreter in den Aufsichtsräten beschlossen worden seien. Der Flächentarif müsse auch die Lage des Maschinenbaus und der Elektroindustrie berücksichtigen, die noch nicht wieder so gut dastünden wie die Automobilhersteller. Diese wiederum seien zu Beginn der Krise auch am tiefsten abgestürzt und hätten jetzt vielfach ihre Mitarbeiter mit zusätzlichen Prämien am Unternehmenserfolg beteiligt, die in der Spitze bis zu zwei zusätzliche Monatsgehälter ausmachten. "Das sind Größenordnungen", so Kannegiesser, "die viele mittelständische Unternehmer nur mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Erstaunen zur Kenntnis nehmen können."