Kannegiesser: Betriebe krisensicherer machen

Kannegiesser: Betriebe krisensicherer machen

Kannegiesser: Betriebe krisensicherer machen

Er sieht für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche eine dauerhafte Einkommenserhöhung um 3% vom 1. April 2012 bis zum 31. Mai 2013 bei einer Gesamtlaufzeit von 14 Monaten vor. Außerdem sind die Arbeitgeber bereit, gemeinsam mit der IG Metall regionale Modelle zur Förderung der Ausbildungsreife benachteiligter Jugendlicher zu entwickeln, und bekräftigen ihr Ziel, Ausgebildete wie bisher möglichst auch unbefristet einzustellen. Um Betriebe und Arbeitsplätze krisensicherer zu machen, fordern die Arbeitgeber mehr innerbetriebliche Flexibilität durch Ausweitung der sachgrundlosen Befristung und eine höhere 40-Stunden-Quote.

"Mehr Geld, mehr Ausbildungschancen, mehr Flexibilität – das ist ein umfassendes und differenziertes Gesamtpaket, das eine rasche, friedliche Einigung ermöglicht", erklärte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, in Berlin und mahnte: "Wir dürfen nicht vergessen, aus welcher tiefen Krise die Unternehmen kommen." In den zurückliegenden drei Jahren habe die Metall- und Elektro-Industrie in einer großen Kraftanstrengung den Absturz wieder aufgeholt und im Herbst 2011 wieder das Vorkrisenniveau erreicht. "Ohne diesen Aufholprozess, der uns drei wertvolle Jahre gekostet hat, wären wir heute gar nicht in der Lage, über Lohnerhöhungen zu reden", stellte Kannegiesser klar.

Aufgabe der Tarifparteien sei es, die Betriebe und Arbeitsplätze krisensicherer zu machen. "Den Unternehmern steckt die jüngste Krise noch tief in den Knochen. Viele haben das Gefühl: Es darf uns nie wieder so kalt erwischen." Die Betriebe benötigten unbedingt mehr Flexibilität im Personaleinsatz, um auf die wachsende Volatilität der wirtschaftlichen Entwicklung, den demografiebedingten Fachkräftemangel sowie die absehbaren Kostensteigerungen in der Zeitarbeit zu reagieren. Ein Tarifabschluss müsse diesem Umstand und der weiterhin großen Spreizung der Branchen- und Firmenkonjunkturen gerecht werden.

Die M+E-Arbeitgeber wollen ihre erfolgreich ausgebildeten Jugendlichen weiterhin zunächst für 12 Monate übernehmen, lehnen eine Pflicht zur unbefristeten Übernahme aber ab, ebenso wie ein Vetorecht der Betriebsräte gegen den Einsatz von Zeitarbeit. "Wir müssen aufpassen, dass wir hier nicht gerade den schwächeren Jugendlichen, Arbeitslosen oder Geringqualifizierten den Einstieg in Ausbildung und Arbeit verbauen", mahnte Kannegiesser. Dagegen befürworten die M+E-Arbeitgeber eine materielle Besserstellung der Zeitarbeitnehmer durch Branchenzuschläge, um das Thema verlässlich zu befrieden.

Kannegiesser forderte die Gewerkschaft auf, nach der Tarifrunde Gespräche über die demografische Entwicklung, den damit verbundenen Fachkräftemangel sowie den Strukturwandel in der M+E-Industrie aufzunehmen, speziell über die Sicherung einfacher und die Förderung qualifizierter Tätigkeiten in Deutschland.



Der Lösungsvorschlag, den die Metallarbeitgeber in NRW für die Tarifrunde 2012 vorgelegt haben, im Detail:


1. Spürbare Reallohnsteigerung


Wir bieten eine Tabellenerhöhung um 3 % für eine Laufzeit von 14 Monaten. Damit bieten wir den Mitarbeitern einen deutlichen Reallohnanstieg.

2. Zeitarbeit durch Branchenzuschläge befrieden


Zeitarbeit bleibt in der M+E-Industrie ein unverzichtbares Instrument für die Flexibilität der Betriebe. Wir befürworten die Verhandlungen der Zeitarbeitgeber über branchenspezifische Vergütungszuschläge und sehen darin einen sinnvollen Weg zur Befriedung der Zeitarbeit.


Mit der finanziellen Besserstellung der Zeitarbeitnehmer wird die Kernforderung der IG Metall erfüllt. Für weitere Einschränkungen und Belastungen der Zeitarbeit innerhalb der M+E-Tarifverträge besteht kein Raum.

3. Flexibilitätsspielräume vergrößern

Volatile Konjunkturverläufe, der demografiebedingte Fachkräftemangel sowie die deutlichen Kostensteigerungen in der Zeitarbeit steigern den Bedarf der Betriebe nach wirksamen Flexibilisierungsinstrumenten. Deshalb schlagen wir vor,
  • die tarifliche Begrenzung der 40-Stunden-Quote um 12 %-Punkte auszuweiten
  • die gesetzlichen Optionen für sachgrundlose Befristungen per Tarifvertrag um jeweils 12 Monate auszuweiten.

4. Förderung der Ausbildung

Wir wollen benachteiligten Jugendlichen den Einstieg in eine Berufsausbildung ermöglichen und sind bereit, gemeinsam mit der IG Metall Modelle zu entwickeln, die den regionalen Besonderheiten Rechnung tragen und diesen Jugendlichen durch praktische und schulische Förderung die Ausbildungsfähigkeiten vermitteln. Bei uns in NRW ist das der bereits vorhandene Tarifvertrag FAF, den wir als Tarifpartner nun fortentwickeln wollen.


Die M+E-Unternehmen werden ihre erfolgreich ausgebildeten Jugendlichen weiterhin zunächst für 12 Monate übernehmen, da sich eine tarifvertragliche Verpflichtung zur sofortigen unbefristeten Übernahme zu Lasten Schwächerer auswirken und die Überbedarf-Ausbildung gefährden würde. Wir bekräftigen aber unser Ziel, Ausgebildete wie bisher möglichst auch unbefristet einzustellen.

5. Gespräche über künftige Herausforderungen für die M+E-Industrie

Wir wollen nach Abschluss dieser Tarifrunde mit der IG Metall in Gespräche eintreten, die sich mit zentralen Herausforderungen der M+E-Industrie befassen. Dabei stehen die demografische Entwicklung und der damit verbundene Fachkräftemangel sowie der Strukturwandel in der M+E-Industrie, speziell die Sicherung einfacher und Förderung qualifizierter Tätigkeiten in Deutschland, im Vordergrund.