"Lohngerechtigkeitsgesetz ist Misstrauensvotum gegen Unternehmen und Sozialpartner"

"Lohngerechtigkeitsgesetz ist Misstrauensvotum gegen Unternehmen und Sozialpartner"

"Lohngerechtigkeitsgesetz ist Misstrauensvotum gegen Unternehmen und Sozialpartner"

Berlin. "Die vom Familienministerium vorgelegten Eckpunkte für ein Lohngerechtigkeitsgesetz haben mit dem Koalitionsvertrag nichts zu tun, sondern sind offenbar Teil eines vorweihnachtlichen Wunschzettels. Die Ausweitung der Mitbestimmung, die Beweislastumkehr, die Pflicht zur Durchführung von Entgeltanalyseverfahren sowie zur Angabe von Mindestentgelten in Stelleninseraten und die Aufhebung der Vertraulichkeit in Gehaltsfragen sind vom Koalitionsvertrag nicht gedeckt."

Die Arbeitgeber der Metall- und Elektro-Industrie lehnen das Gesetz ab. "Die Vorschläge sind ein Misstrauensvotum gegen die Unternehmen und die Sozialpartner", erklärt Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. Ein solches Gesetz setzt erklärbare Entgeltunterschiede mit bewusster Entgeltdiskriminierung gleich. Werden Berufswahl und Erwerbsbiografien von Frauen mit einberechnet, schrumpft die unbereinigte Entgeltlücke von 22 auf nur 2,3 Prozent. "Dennoch wird wohl mit Absicht der falsche Eindruck erweckt, als werde für die gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt. Das Gesetz setzt nicht an den Ursachen für Entgeltunterschiede an, sondern doktert lediglich an den Symptomen herum. Das ist wirkungslose Symbolpolitik", meint Oliver Zander.

Mit der Pflicht zur Überprüfung betrieblicher Entgeltstrukturen mittels verbindlicher Verfahren und dem Bericht hierüber käme auf die Unternehmen extreme Bürokratie zu, ohne dabei einen Mehrwert zu schaffen. Der Auskunftsanspruch würde den Betriebsfrieden massiv stören und ein Klima des Misstrauens schaffen. Tarifverträge sind Garant für geschlechtsneutrale Vergütung, sie bewerten Tätigkeiten ausschließlich anhand objektiver Kriterien. "Die Eckpunkte zeugen von blindem Aktionismus, der die Tatsachen völlig ignoriert. An den eigentlichen Ursachen für unterschiedliche Verdienste wird sich mit den vorgeschlagenen Instrumenten nichts ändern. Die Bundesregierung sollte stattdessen Frauen dazu ermutigen, mehr technische Berufe zu wählen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch den Ausbau der Kinderbetreuung noch mehr fördern. Das wäre ein echter Beitrag für eine moderne Gleichstellungspolitik", so Oliver Zander.