"Ohne die Sozialpartnerschaft wäre Deutschland schwächer"

"Ohne die Sozialpartnerschaft wäre Deutschland schwächer"

"Ohne die Sozialpartnerschaft wäre Deutschland schwächer"

Berlin. Am morgigen 15. November vor genau 100 Jahren haben Carl Legien und Hugo Stinnes das "Stinnes-Legien-Abkommen" unterzeichnet, mit dem sich Arbeitgeber und Gewerkschaften formal als Vertragspartner anerkannten. Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger würdigt diesen historischen Schritt als "Geburtsstunde der Tarifautonomie":

"Hugo Stinnes, Carl Legien und ihre Mitstreiter wurden so trotz aller Widerstände und historischen Entwicklungen zu heimlichen Vätern des Grundgesetzes und der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Die im Grundgesetz Artikel 9 Absatz 3 verankerte Tarifautonomie wäre ohne sie und ihr Abkommen nicht denkbar", so Dulger.

Damals ging es beiden Seiten ganz pragmatisch darum, Eingriffe des Staates in die Arbeitsbedingungen zu verhindern. Dulger weiter: "Carl Legien und Hugo Stinnes hatten die Ein- und Weitsicht, die Arbeitsbeziehungen lieber selber aushandeln zu wollen, statt sie der Wankelmütigkeit staatlicher Obhut zu überlassen. Die deutschen Arbeitnehmer, die deutsche Industrie und die deutsche Gesellschaft sind gut damit gefahren. Und ohne die Sozialpartnerschaft, ohne den Flächentarifvertrag wäre Deutschland schwächer. In einem Zeitalter, in dem immer mehr Einzelinteressen im Vordergrund stehen, ist die Sozialpartnerschaft eines der letzten verbliebenen verbindenden Elemente."

Arbeitgeber und Gewerkschaften müssen gemeinsam dafür sorgen, dass der Flächentarif auch ein geeignetes Instrument für die Arbeitswelt der Zukunft bleiben kann, erklärte Dulger weiter. Doch für die Akzeptanz der Tarifautonomie sei die Freiwilligkeit entscheidend. Das gelte für die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft ebenso wie für die Mitgliedschaft in einem Tarifverband. Wer glaube, er könne die Zahl seiner Mitglieder durch maximalen Konflikt erhöhen, dürfe sich nicht wundern, wenn die ebenso freiwillige Mitgliedschaft auf der anderen Seite sinkt. Die Politik lässt sich gerne verleiten, einzugreifen – zunehmend ausdrücklich auf Einladung der Gewerkschaften, die in Tarifverhandlungen Kompromisse machen müssen und sich ihre restlichen Wünsche dann leider von der Politik erfüllen lassen. Genau dies hätten Hugo Stinnes und Carl Legien gerade nicht gewollt.