Chronik: Der lange Weg zur Tarifpartnerschaft 1990 bis 2015

Chronik: Der lange Weg zur Tarifpartnerschaft 1990 bis 2015

Chronik: Der lange Weg zur Tarifpartnerschaft 1990 bis 2015

125 Jahre Arbeitgeberverband Gesamtmetall – die Geschichte dieses Verbandes umspannt ein Kaiserreich, eine gescheiterte Republik, eine mörderische Diktatur, zwei Weltkriege, eine geteilte Nation und ein wiedervereinigtes Deutschland in einem vereinten Europa. Sie durchläuft Höhen und Tiefen – wirtschaftliche Umbrüche und gesellschaftliche Veränderungsprozesse, den mehrfachen Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg der Metall- und Elektro-Industrie, die seit vielen Jahrzehnten das Herz unserer Wirtschaft ist. Jede Dekade in dieser langen Zeitspanne hat ihre Besonderheiten – so wie auch jede Tarifrunde besonders ist. Doch der Blick zurück auf die Jahrzehnte verrät, dass Tarifpolitik nie bei null beginnt, sondern immer auf den Diskussionen, Erfahrungen und Ergebnissen der vorherigen Tarifrunden aufsetzt und stets den Einflüssen der Politik ausgesetzt ist. Auch die Persönlichkeiten der jeweils Verhandelnden spielen dabei eine ganz wesentliche Rolle. Es wird deutlich, dass sich die Tarifautonomie wie ein alles miteinander verbindendes Band durch die vergangenen zwölfeinhalb Jahrzehnte unserer Geschichte zieht. Sie ist Spannungen und Zerreißproben ausgesetzt. Sie wird durchtrennt in der dunklen Zeit des Nationalsozialismus – und wieder zusammengefügt in der Bundesrepublik. Schließlich wird sie ab 1990 ausgedehnt auf ganz Deutschland.

Seit der Nachkriegszeit ist die Tarifautonomie und mit ihr der Flächentarifvertrag ein Eckpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft, unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Doch die Tarifautonomie ist weder frei von Kritik noch frei von elementaren Herausforderungen. Gerade die wechselhaften Jahre seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 zeigen: Die von Artikel 9 Absatz 3 des Grundgesetzes garantierte Freiheit, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist keine Selbstverständlichkeit. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften müssen immer wieder unter Beweis stellen, dass die Lösungskompetenz der Tarifvertragsparteien zu besseren Ergebnissen führt, dass die Tarifautonomie es wert ist, bewahrt oder sogar gestärkt zu werden.

Der römische Philosoph Seneca schrieb vor beinahe 2.000 Jahren einen Satz, der bis heute seine Aussagekraft behalten hat: "Wenn ein Seemann nicht weiß, welches Ufer er ansteuern muss, dann ist kein Wind der richtige." Geschichte wiederholt sich vielleicht nicht, aber sie gibt Orientierung. Sie macht bisweilen auch Mut, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. Die Geschichte von Gesamtmetall zeigt, welch prägende Stärke Tarifautonomie und Tarifpartnerschaft auch heute noch besitzen. Sich der damit einhergehenden Verantwortung gewahr zu werden, ist für uns Anspruch und Ansporn zugleich. Wir danken dem Autor, Herrn Antonin Finkelnburg, der sich in intensiver Arbeit mit der Geschichte unseres Verbandes in den Jahren von 1990 bis 2015 auseinandergesetzt hat und damit die Chronik unseres Verbandes um einen weiteren inhaltsreichen Band ergänzt. Es ist ein Werk, das Bestand haben wird und das wir fortsetzen wollen.

Dr. Rainer Dulger                          
Präsident Gesamtmetall                 

Oliver Zander
Hauptgeschäftsführer Gesamtmetall