GMS-Expertenbefragung zur Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschlands

GMS-Expertenbefragung zur Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschlands

GMS-Expertenbefragung zur Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschlands

Mit der Frage "Was muss besser werden in Deutschland?" hat die Gesellschaft für Markt und Sozialforschung (GMS) im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall Unternehmer, Verbände, Gewerkschafter und Wirtschaftswissenschaftler zur Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland befragt.

Die derzeitige insgesamt positive wirtschaftliche Situation Deutschlands spiegelt sich auch in einer entsprechenden Grundstimmung der befragten Experten wider. Sie nehmen zwar durchaus Schwächen der deutschen Wirtschaft wahr, benennen aber auch zahlreiche Stärken des Wirtschaftsstandortes und positive Eigenschaften des Landes, die es zu bewahren und auszubauen gilt.

Der Konsens bezüglich zentraler Themen bzw. der größten Herausforderungen und Verbesserungsvorschläge zwischen den Experten der unterschiedlichen Stakeholder-Gruppen fällt insgesamt größer aus, als vor der Untersuchung erwartet. Trotz teils unterschiedlicher Rollen und Interessenslagen existiert offenbar bei vielen Themen eine gemeinsame Perspektive auf die Stellschrauben, die bewegt werden müssen, um positive Veränderungen anzustoßen.

Auch wenn die Einflussmöglichkeiten der Politik in Zeiten einer globalisierten Wirtschaft begrenzt sind, kann sie doch aus Sicht der Experten die Rahmenbedingungen für Unternehmen in Deutschland verbessern und so den Grundstein für mehr Wachstum legen. Hierbei erscheint es den Experten häufig schon als ausreichend, wenn die Politik den Unternehmen nicht durch immer weitere bürokratische Hürden und zunehmende Regulierung das Leben erschwert.

Bei den wichtigsten Themen und größten Aufgaben der kommenden Jahre ganz vorne liegen in der Wahrnehmung der Experten nicht die in der Öffentlichkeit breit diskutierten, emotional besetzten Themen Innere Sicherheit und Flüchtlingskrise, sondern langwierige Prozesse wie die Digitalisierung des Wirtschaftslebens und die Folgen des demografischen Wandels. Auch auf diese Fragen erwartet man von der Politik Antworten bzw. Lösungsansätze.

Derzeit besteht häufig eher das Gefühl, dass die Politik "eigentlich" entscheidende Themen aus den Augen verliert und deshalb auch notwendige Entscheidungen und Maßnahmen erst (zu) spät erfolgen.

Die derzeit gute wirtschaftliche Lage Deutschlands hängt aus Expertensicht nicht zuletzt mit der im Gegensatz zu anderen Staaten immer noch vorhandenen, starken und breiten industriellen Basis zusammen. Bedingt durch den Digitalisierungsprozess mit zunehmender Automatisierung der Herstellungsprozesse und der Substitution traditioneller Industrieprodukte durch neue Technologien oder Softwarelösungen gibt es aber keine Garantie, dass dies auch in Zukunft noch der Fall sein wird. Die Digitalisierung und der Wandel hin zu Industrie 4.0 sind deshalb aus Sicht der meisten Experten das zentrale Thema, wenn es um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland geht. Hierzu gehören u.a.

  • Schaffung einer zukunftsfähigen digitalen Infrastruktur im Breitband- und Mobilfunkbereich auf dem Level der auf diesem Gebiet führenden Nationen
  • Schaffung der Voraussetzungen für digitales Lernen an den Schulen durch Investitionen in die technische Ausstattung
  • Flexibilisierung der gesetzlichen Arbeitszeitregelungen, die derzeit häufig noch moderneren Arbeitsformen entgegen stehen

Dem demografischen Wandel sollte nach Meinung der Wirtschaftsfachleute sowohl durch deutlich höhere Investitionen in den Bildungsbereich als auch durch qualifizierte Zuwanderung begegnet werden. Auch wenn die Politik der Bundesregierung in diesem Zusammenhang häufig gelobt wird, sind die im Rahmen der Flüchtlingskrise zugewanderten Menschen dabei aufgrund ihres zumeist niedrigen Qualifizierungsgerades nicht die Lösung des Problems.

Die europa- und außenpolitischen Entwicklungen mit zunehmenden isolationistischen und protektionistischen Tendenzen beunruhigen die Wirtschaftsexperten. Von der Politik wird in diesem Zusammenhang eine klare Positionierung zum Freihandel und zu Europa eingefordert, im Einzelfall aber durchaus auch pragmatisches Handeln, wenn es der Wirtschaft zu Gute kommt.

Bei der Verwendung von Haushaltsüberschüssen gibt es eine klare Tendenz hin zu Investitionen in lange aufgeschobene Infrastrukturprojekte und Zukunftsthemen, ohne dass aber nicht auch ein Teil für den Schuldenabbau verwendet oder der steuerlichen Entlastung der Bürger zu Gute kommen sollte.

Die Stabilisierung der Lohnzusatzkosten ist aus Expertensicht entscheidend, damit die deutschen Unternehmen international konkurrenzfähig bleiben können. Dem Schwellenwert von 40 Prozent wird dabei vor allem eine disziplinierende Wirkung zugesprochen.

Die Wirtschaftsexperten sehen im Bereich der Rentenpolitik insgesamt keine Alternativen zum derzeitigen 3-Säulen-Modell. Mittelfristig führt nach Ansicht einer Mehrheit aber kein Weg an einer Erhöhung der Lebensarbeitszeit vorbei, will man die junge Generation nicht durch zu hohe Beiträge überfordern und die gesetzliche Rente zukunftsfähig machen. Zusätzlich bedarf es aber auch neuer, attraktiverer Produkte bei der privaten Vorsorge.

Verbesserungen im Bildungsbereich sind aus Sicht der Wirtschaftsexperten in erster Linie im schulischen Bereich notwendig, wo es bei der Ausstattung, aber auch einem uneinheitlichen Bildungsniveau hakt. Das durchweg gelobte duale Ausbildungssystem sollte hingegen in jedem Fall unangetastet bleiben und auch im Vergleich zur akademischen Ausbildung nicht geschwächt werden.

Im Bereich der Forschung und Entwicklung bringen die Wirtschaftsexperten an verschiedenen Stellen immer wieder die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung ins Spiel, die vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen zu einer größeren Forschungsaktivität führen könnte. Zusätzlich bedarf es einer besseren Vernetzung von Universitäten, anderen Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft, da aktuell entweder oft am Bedarf der Wirtschaft vorbei geforscht wird, oder aber Forschungsergebnisse nicht zu marktreifen Produkten weiterentwickelt werden.

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