Studie: Die M+E-Industrie im Wandel

Studie: Die M+E-Industrie im Wandel

Studie: Die M+E-Industrie im Wandel

Im Mai 2013 hat sich der 150. Geburtstag des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, der Vorläuferorganisation der SPD, gejährt. Die Gründung war auch Ausdruck der elenden sozialen Lage vieler Arbeiter in der fortschreitenden Industrialisierung jener Zeit. Die gewerkschaftliche Tradition des 1. Mai als Tag der Arbeit hat ihren Ursprung ebenfalls in den oft desolaten Arbeitsbedingungen Ende des 19. Jahrhunderts. Seither hat sich vieles getan: Heute verhandeln Arbeitgeber und Gewerkschaften vertrauensvoll und konstruktiv über die Entlohnung und das Arbeitsumfeld für Millionen von Beschäftigten. Dieses Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist nicht nur im Grundgesetz (Artikel 9 Abs. 3) verankert; auch in der Praxis hat sich das deutsche Modell der Sozialpartnerschaft bewährt und ist Garant für Wertschöpfung und soziale Gerechtigkeit in unserem Land.

In jüngster Zeit allerdings werden die immensen Erfolge auf dem Arbeitsmarkt, im Arbeitsschutz sowie in der Gestaltung der Arbeitsbedingungen ausgeblendet und eine "neue Ordnung" am deutschen Arbeitsmarkt angemahnt. Anstelle des alten Proletariats wird von interessierter Seite das Bild eines neuen Prekariats bemüht, verbunden mit einem Rückfall in längst überwunden geglaubte Rhetorik. Politik und Medien sollen den Eindruck erhalten, die einstige Tagelöhner-Gesellschaft feiere – wenn auch in modernem Gewand – wenig fröhliche Urstände. Einmal ganz abgesehen von der Realitätsferne solcher Zerrbilder: Wer so argumentiert, übersieht, dass sich die betriebliche Wirklichkeit spätestens seit dem Fall des Eisernen Vorhangs entscheidend verändert hat. Globalisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel – um nur einige zu nennen – stellen die Betriebe vor neue Herausforderungen, denen sie sich nicht entziehen können. Entsprechend ist auch der Arbeitsalltag der Mitarbeiter durch zunehmende Beschleunigung und Flexibilisierung geprägt. Man mag das beklagen, doch eine Alternative dazu gibt es nicht. Will unsere Wirtschaft im globalen Wettbewerb nicht nur Schritt halten, sondern auch ihre Spitzenposition verteidigen, muss die Arbeitswelt an die gesellschaftlichen Veränderungen angepasst werden. Es wäre naiv zu glauben, wir können diese Veränderungen aufhalten. Es kommt vielmehr darauf an, den Wandel verantwortlich zu gestalten. Neben qualifizierten und flexiblen Mitarbeitern wird der künftige Erfolg unserer Branche von einem hohen Innovationstempo, einer konsequenten Ausrichtung auf Kundenbedürfnisse und einer dauerhaften Veränderungsbereitschaft bei Unternehmen und ihren Mitarbeitern abhängen.

Gesamtmetall hat bereits im Jahr 2002 eine umfassende Bestandsaufnahme der Arbeits- und Wettbewerbsbedingungen in der Metall- und Elektro-Industrie vorgelegt. Eine Dekade später haben wir beim Institut für Demoskopie Allensbach erneut eine repräsentative Studie in Auftrag gegeben. Wir wollten nicht nur wissen, was sich in den zurückliegenden zehn Jahren verändert hat, sondern auch, welche Veränderungen die Betriebe und Beschäftigten in den kommenden Jahren erwarten. Im August und September 2012 hat das Institut dazu insgesamt 322 Unternehmensleitungen (Inhaber oder Geschäftsführer) und 1.079 Mitarbeiter befragt. Neben den Wettbewerbsbedingungen der Betriebe standen die veränderten Anforderungen an die Beschäftigten und die Entwicklung der Arbeitsbedingungen – zum Beispiel Arbeitszeitpräferenzen, Weiterbildungsbereitschaft oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – im Mittelpunkt der Untersuchung. Weitere Themen waren das Verhältnis zwischen Unternehmensleitungen und Betriebsrat, der Fachkräftemangel und flexible Beschäftigungsformen. Das wichtigste Ergebnis vorneweg: Auch wenn die Verdichtung der Arbeit ihre Spuren hinterlassen hat, sind die Mitarbeiter überaus zufrieden mit den Arbeitsbedingungen und immer stolzer auf ihre Arbeit. Außerdem blicken sie mit wachsendem Vertrauen in die Zukunft und wissen, was sie an ihrem Arbeitgeber haben.

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