Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Frühjahr 2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Frühjahr 2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Frühjahr 2017

Foto: Gesamtmetall

Nach einem Wachstum von 1,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2016 ist die M+E-Produktion mit einem positiven ersten Quartal in das Jahr 2017 gestartet. Auch die Kapazitätsauslastung lag im April weiter über dem langjährigen Durchschnitt. Allerdings bleiben die Konjunktursignale uneinheitlich, weil der Auftragseingang zu Jahresbeginn merklich zurückgegangen ist – zum Teil auf Grund von Sondereffekten im „sonstigen Fahrzeugbau“. Das Konjunkturklima in den M+E-Unternehmen ist im Mai spürbar gestiegen: die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sowie die Erwartungen der M+E-Unternehmen nahmen weiter zu. Das Umfeld bleibt aber schwierig: Die inländische Konsumkonjunktur geht zum großen Teil an M+E vorbei und ein Aufschwung im Exportgeschäft muss sich erst noch bestätigen. Zusätzlich haben sowohl die BREXIT-Entscheidung der Briten als auch die Ankündigen des neugewählten US-Präsidenten die Unternehmen verunsichert. Die M+E-Unter­nehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im April saisonbereinigt weiter leicht erhöht und die Beschäftigungspläne lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Die M+E-Unter­neh­men haben 2016 ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahr stabil gehalten (ifo-Gewinn­umfrage vom Mai 2017). Die weitere Entwicklung wird ­– neben der inländischen Investitionstätigkeit – auch von der Handelspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump beeinflusst, denn die USA sind der wichtigste Abnehmer von M+E-Produkten aus Deutschland.

Auftragseingang. Im April 2017 ist der Auftragseingang gegenüber dem ersten Quartal saisonbereinigt mit 0,2 Prozent leicht gestiegen. Dabei nahmen die Inlandsaufträge um 0,5 Prozent zu, die Auslandsaufträge hingegen um 0,1 Prozent ab. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief uneinheitlich: während die Auftragseingänge gegenüber dem ersten Quartal in der Metallverarbeitung um 0,3 Prozent und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik um 1,2 Prozent zunahmen, mussten der Fahrzeugbau mit -0,5 Prozent und der Maschinenbau mit -1,0 Prozent weniger Aufträge hinnehmen.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im April 2017 saisonbereinigt um 0,7 Prozent über dem Niveau des ersten Quartals 2017. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei durchweg positiv: so stieg die Produktion gegenüber dem ersten Quartal im Fahrzeug mit +0,2 Prozent, im Maschinenbau mit +0,7 Prozent, in der Metallverarbeitung mit +1,0 Prozent und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit +2,5 Prozent. Die Kapazitätsauslastung lag im April 2016 bei 86,9 Prozent und damit ein Stück über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im April 2017 mit 3.875.700 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber März 2017 nahm die Zahl um etwa 9.700 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 438.500 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 474.500. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2015 wieder leicht gestiegen, von 180.000 im Juni 2014 auf 190.000 im Juni 2015.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung deutlich sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Mai 2017 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 134.300 Arbeitslose, rund 17.700 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 148.800 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 19.600 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im November 2016 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 24.500 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im April 2017 rund 3.500.

Verdienste. Im vierten Quartal 2016 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,5 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2016 stiegen die Monatsverdienste um 2,4 Prozent und die Stundenverdienste um 2,5 Prozent.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind 2016 um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Einem deutlichen Anstieg der Arbeitskosten (+2,2 Prozent) stand ein Produktivitätsplus von 1,2 Prozent gegenüber. Bereits 2015 waren die Lohnstückkosten um 2,5 Prozent gestiegen. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im vierten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+11,6 Prozent), sind die Strompreise mit +1,1 Prozent leicht gestiegen. Die Gaspreise hingegen haben im vierten Quartal 2016 weiter nachgegeben (-12,4 Prozent). Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der meisten Sorten lagen im vierten Quartal 2016 deutlich über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die M+E-Unternehmen hatten 2016 mit sinkenden Erzeugerpreisen zu kämpfen, es herrschte deutlicher Preisdruck auf den Märkten. Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2016 um 0,5 Prozent über dem Vorjahr (nach ±0,0 Prozent in Q3). Während die Exportpreise um 0,2 Prozent (nach -0,3 Prozent in Q3) gegenüber dem Vorjahr stiegen, lagen die Importpreise um 0,3 Prozent unter Vorjahr (Q3: -1,2 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2016 mit einer Jahresrate von 0,5 Prozent schneller gestiegen als 2015 (+0,3 Prozent). Im April 2017 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat mit +2,0 Prozent deutlich höher.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von Mai 2017 hat die M+E-Industrie 2016 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 4,0 Prozent des Um­satzes erwirtschaftet. Die Erträge bleiben damit auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) war 2016 (Jan. – Okt.) mit 752 Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (860 Insolvenzen) weiterhin rückläufig.

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Mai 2017 deutlich gestiegen und liegt nun bei 110,7 Punkten (April: 107,2 Punkte). Dabei nahm der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage von +34 auf +43 Punkte zu, der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen stieg von +9 auf +14 Punkte.

Aussichten 2016/2017. Nach einem Wachstum im Jahr 2015 (Jahresdurchschnitt) von 0,6 Prozent ist die M+E-Produktion 2016 um gut 1,5 Prozent gestiegen. Dabei haben die M+E-Unternehmen im Jahresverlauf 2016 etwa 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Für 2017 ist – auch aufgrund einer geringeren Zahl von Arbeitstagen – mit einem etwas niedrigerem Wachstum zu rechnen.

Stand: 20.06.2017