Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Frühjahr 2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Frühjahr 2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Frühjahr 2017

Foto: Gesamtmetall

Nach einem Wachstum von 1,6 Prozent im Jahresdurchschnitt 2016 ist die M+E-Produktion mit einem positiven Januar-Ergebnis in das Jahr 2017 gestartet. Auch die Kapazitätsauslastung lag im Januar weiter über dem langjährigen Durchschnitt. Allerdings bleiben die Konjunktursignale uneinheitlich, weil der Auftragseingang zu Jahresbeginn deutlich eingebrochen ist – zum Teil auf Grund von Sondereffekten im „sonstigen Fahrzeugbau“. Das Konjunkturklima in den M+E-Unternehmen ist im März weiter gestiegen, vor allem aufgrund deutlich verbesserter Geschäftserwartungen. Die Beurteilung der Geschäftslage durch die M+E-Unternehmen stagnierte auf hohem Niveau. Das Umfeld bleibt aber schwierig: Die inländische Konsumkonjunktur geht zum großen Teil an M+E vorbei und ein Aufschwung im Exportgeschäft muss sich erst noch bestätigen. Zusätzlich haben sowohl die BREXIT-Entscheidung der Briten als auch die Ankündigen des neugewählten US-Präsidenten die Unternehmen verunsichert. Die M+E-Unternehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im Januar saisonbereinigt weiter leicht erhöht und die Beschäftigungspläne lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Die M+E-Unter­neh­men haben 2016 ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahr stabil gehalten (ifo-Gewinn­umfrage vom September 2016). Die weitere Entwicklung wird ­– neben der inländischen Investitionstätigkeit – auch von der Handelspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump beeinflusst, denn die USA sind der wichtigste Abnehmer von M+E-Produkten aus Deutschland.

Auftragseingang. Im Januar 2017 ist der Auftragseingang gegenüber dem vierten Quartal saisonbereinigt mit 5,3 Prozent deutlich gesunken. Dabei nahmen die Inlandsaufträge um 7,6 Prozent und die Auslandsaufträge um 3,8 Prozent ab. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief überwiegend negativ: während die Auftragseingänge gegenüber dem vierten Quartal in der Metallverarbeitung um 1,3 Prozent, im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik um 3,2 Prozent und im Fahrzeugbau deutlich um 10,1 Prozent abnahmen, konnte lediglich der Maschinenbau mit +1,3 Prozent mehr Aufträge verbuchen.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Januar 2017 saisonbereinigt um 3,0 Prozent über dem Niveau des vierten Quartals 2016. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei durchweg positiv: so stieg die Produktion gegenüber dem vierten Quartal im Maschinenbau mit +0,3 Prozent, im Fahrzeug mit +2,2 Prozent, in der Metallverarbeitung mit +4,0 Prozent und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik spürbar mit +5,8 Prozent. Die Kapazitätsauslastung lag im Januar 2016 bei 87,5 Prozent und damit ein Stück über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Januar 2017 mit 3.845.400 Mitarbeitern saisonbereinigt um 0,8 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Dezember 2016 nahm die Zahl um etwa 1.400 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 408.200 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 471.400. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2015 wieder leicht gestiegen, von 180.000 im Juni 2014 auf 190.000 im Juni 2015.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung deutlich sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Februar 2017 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 140.400 Arbeitslose, knapp 14.000 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 141.500 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 16.200 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im August 2016 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 24.500 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Januar 2017 rund 6.900.

Verdienste. Im vierten Quartal 2016 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,5 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2016 stiegen die Monatsverdienste um 2,4 Prozent und die Stundenverdienste um 2,5 Prozent.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind 2016 um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Einem deutlichen Anstieg der Arbeitskosten (+2,4 Prozent) stand ein Produktivitätsplus von 1,2 Prozent gegenüber. Bereits 2015 waren die Lohnstückkosten um 2,5 Prozent gestiegen. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im vierten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+11,6 Prozent), sind die Strompreise mit +1,1 Prozent leicht gestiegen. Die Gaspreise hingegen haben im vierten Quartal 2016 weiter nachgegeben (-12,4 Prozent). Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der meisten Sorten lagen im vierten Quartal 2016 deutlich über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die M+E-Unternehmen haben 2016 mit sinkenden Erzeugerpreisen zu kämpfen, es herrscht deutlicher Preisdruck auf den Märkten. Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2016 um 0,5 Prozent über dem Vorjahr (nach ±0,0 Prozent in Q3). Während die Exportpreise um 0,2 Prozent (nach -0,3 Prozent in Q3) gegenüber dem Vorjahr stiegen, lagen die Importpreise um 0,3 Prozent unter Vorjahr (Q3: -1,2 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2016 mit einer Jahresrate von 0,5 Prozent schneller gestiegen als 2015 (+0,3 Prozent). Im Februar 2017 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat mit +2,2 Prozent deutlich höher.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2016 hat die M+E-Industrie 2016 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,7 Prozent des Um­satzes erwirtschaftet. Die Erträge bleiben damit auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) war 2016 (Jan. – Okt.) mit 752 Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (860 Insolvenzen) weiterhin rückläufig.

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im März 2017 deutlich gestiegen und liegt nun bei 107,8 Punkten (Februar: 105,9 Punkte). Dabei nahm der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage leicht von +33 auf +32 Punkte ab, der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen stieg deutlich von +5 auf +13 Punkte.

Aussichten 2016/2017. Nach einem Wachstum im Jahr 2015 (Jahresdurchschnitt) von 0,6 Prozent ist die M+E-Produktion 2016 um gut 1,6 Prozent gestiegen. Dabei haben die M+E-Unternehmen im Jahresverlauf 2016 etwa 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Für 2017 ist – auch aufgrund einer geringeren Zahl von Arbeitstagen – mit einem etwas niedrigerem Wachstum zu rechnen.

Stand: 28.03.2017