Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Frühjahr 2018

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Frühjahr 2018

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Frühjahr 2018

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Foto: Gesamtmetall

Trotz rückläufiger Produktion im ersten Quartal bleibt die M+E-Industrie auf Wachstumskurs: Die Stimmung in den Unternehmen ist grundsätzlich positiv. Eine überdurchschnittlich hohe Kapazitätsauslastung und große Auftragsbestände lassen eine Fortsetzung des Wachstums erwarten, auch wenn die Auftragseingänge im ersten Quartal geringer ausgefallen sind als im Durchschnitt des 4. Quartals. Zur Euphorie gibt es aber auch keinen Anlass. Das zeigt vor allem das Konjunkturklima, das im April 2018 zum fünften Mal in Folge gesunken ist: während die Beurteilung der aktuellen Lage erneut leicht zurückging, haben die Unternehmen die Geschäftserwartungen merklich nach unten korrigiert. Gründe dafür könnten u. a. der stärkere Euro, die US-Import­zölle und die für die Wirtschaft eher enttäuschenden Verabredungen im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung sein. Die M+E-Unter­nehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im März 2018 saisonbereinigt weiter erhöht. Die Beschäftigungspläne lassen zudem weitere Neueinstellungen erwarten. Die M+E-Unter­neh­men werden nach eigener Einschätzung ihre Gewinne 2017 im Vergleich zum Vorjahr stabil gehalten haben (ifo-Gewinnumfrage vom September 2017). Trotz insgesamt positiver Aussichten bleiben Risiken und Unsicherheiten: Die angekündigte Investitionskonjunktur im Inland muss sich bestätigen. Steigende Arbeitskosten und Lohnstückkosten gefährden die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Der Tarifabschluss in der M+E-Industrie bringt weitere Kostensteigerungen für die Betriebe. Der Fachkräftemangel in den M+E-Unternehmen wird immer mehr zum Konjunkturrisiko.

Auftragseingang. Im ersten Quartal 2018 ist der Auftragseingang gegenüber dem vierten Quartal saisonbereinigt um 1,6 Prozent gesunken. Dabei nahmen die Inlandsaufträge um 2,1 Prozent und die Auslandsaufträge um 1,2 Prozent ab. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief unterschiedlich: während sich die Auftragseingänge gegenüber dem vierten Quartal in der Metallverarbeitung mit -4,0 Prozent, im Fahrzeugbau mit -2,3 Prozent und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -1,3 Prozent deutlich rückläufig entwickelten, nahmen lediglich die Aufträge im Maschinenbau um 1,1 Prozent zu.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im ersten Quartal 2018 saisonbereinigt um 0,3 Prozent unter dem Niveau des vierten Quartals 2017. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei unterschiedlich: während die Produktion gegenüber dem vierten Quartal in der Metallverarbeitung um 0,6 Prozent und im Fahrzeugbau um 0,7 Prozent zunahmen, entwickelte sich die Produktion im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik (-0,1 Prozent) und im Maschinenbau (-0,6 Prozent) leicht rückläufig. Die Kapazitätsauslastung lag im Januar 2018 bei 90,3 Prozent und damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im März 2018 mit 3.978.400 Mitarbeitern saisonbereinigt um 2,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Februar 2017 nahm die Zahl um etwa 11.200 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 542.100 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 234.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 485.400. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2017 leicht gestiegen, von 192.000 im Juni 2016 auf 195.000 im Juni 2017, bleibt aber bei 5 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung immer deutlicher sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im März 2018 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 117.600 Arbeitslose, rund 19.100 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 168.500 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 25.300 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im August 2017 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 7.700 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Januar 2018 rund 2.700.

Verdienste. Im vierten Quartal 2017 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 1,9 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 1,6 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2017 sind die Monatsverdienste um 2,1 Prozent und die Stundenverdienste um 1,9 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,9 Prozent und die Produktivität um 2,7 Prozent höher als im Vorjahr. In den Jahren 2016 (+1,2 Prozent) und 2015 (+2,7 Prozent) waren die Lohnstückkosten jeweils gestiegen. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen. Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der verschiedenen Sorten lagen im dritten Quartal 2017 deutlich über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind im ersten Quartal 2018 etwas schwächer gestiegen als im vierten Quartal: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im ersten Quartal 2018 um 1,4 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im ersten Quartal um 0,1 Prozent, wohingegen die Importpreise um -1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgingen. Die Verbraucherpreise sind 2017 mit einer Jahresrate von 1,8 Prozent schneller gestiegen als 2016 (+0,5 Prozent). Im März 2018 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei +1,6 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2017 erwarten die M+E-Unternehmen 2017 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,2 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 4 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge stagnieren damit und bleiben auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2016 mit 898 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (986 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im April 2018 zum fünften Mal in Folge gesunken und liegt nun bei 111,0 Punkten (März: 112,7 Punkte). Dabei nahm sowohl der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage von +56 auf +54 Punkte sowie der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen von +8 Punkte auf +4 Punkte ab.

Aussichten 2018. Trotz einer geringeren Zahl von Arbeitstagen hat die M+E-Industrie 2017 das Wachstumstempo deutlich gesteigert: Nach ersten vorläufigen Berechnungen ist die Produktion im Jahresdurchschnitt real um 3,6 Prozent gestiegen. 2018 dürfte die M+E-Produktion mit einem etwas geringeren Tempo von 3 bis 3½ Prozent wachsen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre wird sich 2018 fortsetzen.

Stand: 15.05.2018