Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Herbst 2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Herbst 2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Herbst 2017

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Foto: Gesamtmetall

Die M+E-Industrie ist weiter auf einem soliden Wachstumskurs, auch wenn der Produktionsindex im Oktober saisonbereinigt nachgegeben hat. Der Rückgang sollte nur vorübergehend sein, denn die Auftragseingänge haben im Oktober weiter zugelegt und lassen auch für den Rest des Jahres eine Fortsetzung des Wachstums erwarten. Die Kapazitätsauslastung lag im Oktober über dem langjährigen Durchschnitt. Das Konjunkturklima in den M+E-Unternehmen hat sich im November leicht eingetrübt, vor allem durch eine leichte Korrektur der sehr positiven Lagebeurteilung, die Erwartungen sind unverändert geblieben. Die M+E-Unter­nehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im September saisonbereinigt weiter erhöht. Die Beschäftigungspläne lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Die M+E-Unter­neh­men werden nach eigener Einschätzung ihre Gewinne 2017 im Vergleich zum Vorjahr stabil halten (ifo-Gewinnumfrage vom September 2017). Trotz insgesamt positiver Aussichten für die M+E-Industrie über 2017 hinaus bleiben Risiken und Unsicherheiten: Die inländische Konjunktur lebt weiter stark vom Konsum, die anziehende Investitionskonjunktur muss sich erst noch verstetigen. Steigende Arbeitskosten und Lohnstückkosten gefährden die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Dazu kommen die laufenden Tarifverhandlungen in der M+E-Industrie, mit hohen Forderungen der IG Metall und möglichen Streikmaßnahmen zu Beginn des neuen Jahres.

Auftragseingang. Im Oktober 2017 ist der Auftragseingang gegenüber dem dritten Quartal saisonbereinigt um 3,1 Prozent gestiegen. Dabei nahmen die Inlandsaufträge um 1,1 Prozent und die Auslandsaufträge um 4,5 Prozent zu. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief uneinheitlich: während sich die Auftragseingänge gegenüber dem dritten Quartal in der Metallverarbeitung um -2,1 Prozent und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik um -3,1 Prozent rückläufig entwickelten, nahmen die Aufträge im Maschinenbau um 0,7 Prozent und im Fahrzeugbau um 8,8 Prozent zu.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Oktober 2017 saisonbereinigt um 2,6 Prozent unter dem Niveau des dritten Quartals 2017. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei durchweg negativ: während die Produktion gegenüber dem dritten Quartal in der Metallverarbeitung stagnierte, entwickelte sich die Produktion im Maschinenbau mit -0,9 Prozent, im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -2,6 Prozent und im Fahrzeugbau deutlich mit -6,0 Prozent rückläufig. Die Kapazitätsauslastung lag im Oktober 2017 bei 89,2 Prozent und damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im September 2017 mit 3.906.700 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,8 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber August 2017 nahm die Zahl um etwa 5.100 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 469.500 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 480.200. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2015 wieder leicht gestiegen, von 180.000 im Juni 2014 auf 190.000 im Juni 2015.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung immer deutlicher sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im November 2017 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 129.500 Arbeitslose, rund 18.100 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 162.300 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 26.700 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im April 2017 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 15.000 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Oktober 2017 rund 3.600.

Verdienste. Im zweiten Quartal 2017 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,8 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,4 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2016 waren die Monatsverdienste um 2,4 Prozent und die Stundenverdienste um 2,5 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis September 2017 im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 0,5 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,8 Prozent und die Produktivität um 2,2 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. 2016 (+1,2 Prozent) und 2015 (+2,7 Prozent) waren die Lohnstückkosten jeweils gestiegen. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen. Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der verschiedenen Sorten lagen im dritten Quartal 2017 deutlich über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind im dritten Quartal 2017 etwas langsamer gestiegen als im zweiten Quartal: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im dritten Quartal 2017 um 1,5 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im dritten Quartal lediglich um 0,6 Prozent und die Importpreise um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Verbraucherpreise sind 2016 mit einer Jahresrate von 0,5 Prozent schneller gestiegen als 2015 (+0,3 Prozent). Im September 2017 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat mit +1,8 Prozent deutlich höher.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2017 erwarten die M+E-Unternehmen 2017 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,2 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 4 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge stagnieren damit und bleiben auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2016 mit 898 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (986 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im November 2017 gesunken und liegt nun bei 116,0 Punkte (Oktober: 116,5 Punkte). Dabei nahm der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage von +55 auf +53 Punkte ab, der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen blieb mit +26 Punkte unverändert.

Aussichten 2017. Nach einem Wachstum von 1,5 Prozent im Jahr 2016 (Jahresdurchschnitt) wird die M+E-Industrie 2017 das Wachstumstempo steigern können. Trotz einer geringeren Zahl von Arbeitstagen ist mit einem Wachstum von 3 bis 3,5 Prozent zu rechnen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre dürfte sich auch 2017 fortsetzen.

Stand: 08.12.2017