Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Herbst 2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Herbst 2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Herbst 2017

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Foto: Gesamtmetall

Die M+E-Industrie ist weiter auf einem soliden Wachstumskurs. Die Produktion ist in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum spürbar gestiegen. Zudem lag die Kapazitätsauslastung im Oktober über dem langjährigen Durchschnitt. Die Auftragseingänge lassen auch für den Rest des Jahres eine Fortsetzung des Wachstums erwarten. Das Konjunkturklima in den M+E-Unternehmen ist im Oktober weiter gestiegen: Sowohl die Beurteilung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen haben zugelegt. Die M+E-Unter­nehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im August saisonbereinigt gehalten. Die Beschäftigungspläne lassen aber weitere Neueinstellungen erwarten. Die M+E-Unter­neh­men werden nach eigener Einschätzung ihre Gewinne 2017 im Vergleich zum Vorjahr stabil halten (ifo-Gewinnumfrage vom September 2017). Trotz insgesamt positiver Aussichten für die Entwicklung der M+E-Industrie in 2017 bleiben Risiken und Unsicherheiten: Die inländische Konjunktur lebt weiter stark vom Konsum und zu wenig von zusätzlichen Investitionen. Verunsicherung prägt aktuell auch den Automobilmarkt. International drohen neben dem BREXIT und einer möglichen restriktiven US-Handelspolitik neue Unsicherheiten durch den erstarkten Euro sowie im Handel mit der Türkei.

Auftragseingang. Im dritten Quartal 2017 ist der Auftragseingang gegenüber dem zweiten Quartal saisonbereinigt mit 3,2 Prozent gestiegen. Dabei nahmen die Inlandsaufträge um 3,6 Prozent und die Auslandsaufträge um 3,0 Prozent zu. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief durchweg positiv: die Auftragseingänge gegenüber dem zweiten Quartal nahmen in der Metallverarbeitung um 2,3 Prozent, im Fahrzeugbau um 2,8 Prozent, im Maschinenbau um 3,2 Prozent und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik deutlich um 4,8 Prozent zu.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im dritten Quartal 2017 saisonbereinigt um 2,1 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals 2017. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei nicht einheitlich: während die Produktion gegenüber dem zweiten Quartal im Maschinenbau mit +1,2 Prozent, im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit +1,5 Prozent und in der Metallverarbeitung mit +1,8 Prozent moderat gestiegen ist, nahm die Produktion im Fahrzeugbau mit +3,7 Prozent deutlich zu. Die Kapazitätsauslastung lag im Oktober 2017 bei 89,2 Prozent und damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im August 2017 mit 3.901.600 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,7 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Juli 2017 nahm die Zahl um etwa 1.000 ab. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 464.400 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 476.900. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2015 wieder leicht gestiegen, von 180.000 im Juni 2014 auf 190.000 im Juni 2015.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung immer deutlicher sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im September 2017 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 132.500 Arbeitslose, rund 18.400 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 160.400 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 29.000 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im März 2017 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 26.000 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im September 2017 rund 2.400.

Verdienste. Im zweiten Quartal 2017 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,8 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,4 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2016 stiegen die Monatsverdienste um 2,4 Prozent und die Stundenverdienste um 2,5 Prozent.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis August 2017 im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 0,2 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,5 Prozent und die Produktivität um 2,3 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. 2016 (+1,2 Prozent) und 2015 (+2,7 Prozent) waren die Lohnstückkosten jeweils gestiegen. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen. Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der verschiedenen Sorten lagen im dritten Quartal 2017 deutlich über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind im dritten Quartal 2017 etwas langsamer gestiegen als im zweiten Quartal: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im dritten Quartal 2017 um 1,5 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im dritten Quartal lediglich um 0,6 Prozent und die Importpreise um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Verbraucherpreise sind 2016 mit einer Jahresrate von 0,5 Prozent schneller gestiegen als 2015 (+0,3 Prozent). Im September 2017 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat mit +1,8 Prozent deutlich höher.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2017 erwartet die M+E-Industrie 2017 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 4 Prozent des Um­satzes. Die Erträge stagnieren damit und bleiben auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2016 mit 898 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (986 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Oktober 2017 erneut gestiegen und liegt nun bei 116,5 Punkten (September: 113,4 Punkte). Dabei nahm sowohl der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage von +50 auf +56 Punkte als auch der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen von +19 auf +26 Punkte zu.

Aussichten 2017. Nach einem Wachstum von 1,5 Prozent im Jahr 2016 (Jahresdurchschnitt) wird die M+E-Industrie 2017 das Wachstumstempo steigern können. Trotz einer geringeren Zahl von Arbeitstagen ist mit einem Wachstum von 2,5 bis 3 Prozent zu rechnen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre dürfte sich auch 2017 fortsetzen.

Stand: 07.11.2017