Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Sommer 2016

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Sommer 2016

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Sommer 2016

Foto: Gesamtmetall

Die M+E-Industrie ist mit einem deutlichen Anstieg der Produktion in das Jahr 2016 gestartet, konnte das hohe Niveau im zweiten Quartal aber nicht halten. Hier wiederholt sich offensichtlich ein Muster, das die M+E-Indus­trie auch in den vergangenen Jahren erfahren musste („Wellblechkonjunktur“). Der Auftragseingang entwickelt sich ebenfalls unbefriedigend: Im zweiten Quartal sind vor allem die Auslandsorders deutlich schwächer ausgefallen. Und das Umfeld bleibt schwierig: Die inländische Konsumkonjunktur geht zum großen Teil an M+E vorbei und aus dem Export sind keine starken Impulse zu erwarten. Dennoch haben der gute Jahresanfang und der Tarifabschluss in der M+E-Industrie die Stimmung zunächst verbessert: Die Beurteilung der Geschäftslage lag im Juli deutlich im Plus. Andererseits hat der BREXIT die Geschäftserwartungen wieder gedämpft. Die M+E-Unternehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im Mai saisonbereinigt wieder leicht erhöht. Die Beschäftigungspläne signalisieren Zurückhaltung bei weiteren Neueinstellungen. Die M+E-Unter­neh­men haben 2015 niedrigere Gewinne als im Vorjahr erwirtschaftet (ifo-Gewinnumfrage vom Mai 2016). Für die weitere Geschäftsentwicklung sind die inländischen Investitionen von zentraler Bedeutung. Hier gibt es ein erstes Hoffnungszeichen durch die anziehenden Investitionen im 1. Quartal. Die Verunsicherung der Investoren durch die Krisen in der Welt sowie durch die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in Deutschland – und nicht zuletzt durch die BREXIT-Entscheidung in UK – ist aber nach wie vor spürbar.

Auftragseingang. Im zweiten Quartal 2016 ist der Auftragseingang gegenüber dem ersten Quartal saisonbereinigt um 0,5 Prozent gesunken. Die Inlandsaufträge nahmen um 0,3 Prozent zu, die Auslandsaufträge gingen um 1,1 Prozent zurück. Während die Auftragseingänge im Maschinenbau um 2,6 Prozent gegenüber dem ersten Quartal deutlich fielen, stagnierte die Entwicklung im Fahrzeugbau und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik. Lediglich die Metallverarbeitung lag mit 0,6 Prozent leicht über dem Niveau des ersten Quartals.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im zweiten Quartal saisonbereinigt um 0,8 Prozent unter dem Niveau des ersten Quartals 2016. Die Entwicklung verlief größtenteils negativ: während die Produktion gegenüber dem ersten Quartal im Maschinenbau (-2,7 Prozent), in der Metallverarbeitung (-1,0 Prozent) und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik (-0,2 Prozent) zurückging, lag der Index im Fahrzeugbau mit +0,3 Prozent über dem Wert des ersten Quartals 2016. Die Kapazitätsauslastung lag im April 2016 bei 86,1 Prozent und damit leicht unter dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Juli 2016 mit 3.834.200 Mitarbeitern saisonbereinigt um 0,8 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Juni 2016 nahm die Zahl um etwa 4.500 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen signalisieren Zurückhaltung bei weiteren Neueinstellungen. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 397.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 471.500. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2015 wieder leicht gestiegen, von 180.000 im Juni 2014 auf 190.000 im Juni 2015.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und gemeldeten offenen Stellen am aktuellen Rand wieder etwas größer geworden. Ohnehin bleibt der Trend weiter positiv: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im August 2016 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 156.300 Arbeitslose, 6.900 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 123.700 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 11.300 gegenüber dem Vorjahresmonat. Faktisch signalisiert diese Situation eine spürbare Anspannung auf dem Arbeitsmarkt. Im Februar 2016 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 31.500 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Juli 2016 rund 6.100.

Verdienste. Im Gesamtjahr 2015 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 3 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Durchschnitt des Jahres 2014 waren die Monatsverdienste um 3,3 Prozent und die Stundenverdienste um 3,5 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis Juli 2016 um 1,3 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen. Einem deutlichen Anstieg der Arbeitskosten (+1,8 Prozent) stand ein Produktivitätsplus von 0,5 Prozent gegenüber. Bereits 2015 waren die Lohnstückkosten um 2,5 Prozent gestiegen. Die Energiepreise sinken weiter: während Öl- und Gaspreise im zweiten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich nachgaben (Öl: -25,0 Prozent; Gas: -16,8 Prozent), sind die Strompreise mit +0,7 Prozent leicht gestiegen. Bei den Stahlerzeugnissen lagen die Preise der meisten Sorten im zweiten Quartal 2016 weiterhin deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise. Nach einer Phase sinkender Erzeugerpreise, hatten sich die Märkte zwischenzeitlich stabilisiert. Allerdings schwächt sich der Preisanstieg zuletzt wieder ab. Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im ersten Quartal 2016 um 0,3 Prozent unter dem Vorjahr (nach 0,1 Prozent in Q4). Während die Exportpreise im ersten Quartal stagnierten (nach 1,6 Prozent in Q4), lagen die Importpreise um 1,6 Prozent unter dem Vorjahr (Q4: 1,3 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2015 mit einer Jahresrate von 0,3 Prozent  spürbar langsamer gestiegen als 2013 (+1,5 Prozent) und 2014 (+0,9 Prozent). Im August 2016 sind die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,4 Prozent gestiegen.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von Mai 2016 erwirtschaftete die M+E-Industrie 2015 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 4 Prozent des Um­satzes. Die Renditen liegen damit unter dem Niveau des Jahres 2014. Und die Erträge bleiben auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2015 mit 988 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (1.044 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im August 2016 erneut gesunken und liegt nun bei 99,1 Punkten (Juli: 100,5 Punkte). Während der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage von +18 Punkte auf +11 Punkte gesunken ist, nahm der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen von -3 Punkte auf -2 Punkt geringfügig zu.

Aussichten 2016. Im Jahr 2015 (Jahresdurchschnitt) ist die M+E-Produktion um 0,6 Prozent gewachsen. Für 2016 ist nach bisherigen Prognosen ein Wert zwischen 0,5 und 1 Prozent zu erwarten. Die Beschäftigung liegt inzwischen deutlich über dem Vorkrisenniveau, nach den Plänen der Unternehmen ist für die kommenden Monate allenfalls mit einem leichten Beschäftigungszuwachs zu rechnen.

Stand: 20.09.2016