Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Sommer 2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Sommer 2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Sommer 2017

Foto: Gesamtmetall

Die M+E-Industrie ist auf einem soliden Wachstumskurs. Die Produktion ist in den ersten sieben Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Zudem lag die Kapazitätsauslastung im Juli über dem langjährigen Durchschnitt. Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt: So lagen im Juli die wichtigen Auslandsaufträge unter dem Niveau des zweiten Quartals und die Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar in den letzten Wochen erschwert das Exportgeschäft. Das Konjunkturklima in den M+E-Unternehmen ist im September weiter gestiegen, angeschoben durch eine verbesserte Einschätzung der aktuellen Lage. Die Erwartungen der M+E-Unter­neh­men haben sich dagegen leicht verschlechtert. Die M+E-Unter­nehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im Juli saisonbereinigt weiter erhöht, und die Beschäftigungspläne lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Die M+E-Unter­neh­men haben 2016 ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahr stabil gehalten (ifo-Gewinnumfrage vom Mai 2017). Trotz insgesamt positiver Aussichten für die weitere Entwicklung der M+E-Industrie in 2017 bleiben Risiken und Unsicherheiten: Die inländische Konjunktur lebt weiter stark vom Konsum und zu wenig von zusätzlichen Investitionen. Verunsicherung prägt aktuell auch den Automobilmarkt. International drohen neben dem BREXIT und einer möglichen restriktiven US-Handelspolitik auch neue Unsicherheiten durch den erstarkten Euro sowie im Handel mit der Türkei.

Auftragseingang. Im Juli 2017 ist der Auftragseingang gegenüber dem zweiten Quartal saisonbereinigt mit 0,6 Prozent leicht gestiegen. Dabei nahmen die Inlandsaufträge um 2,2 Prozent zu, die Auslandsaufträge um -0,7 Prozent ab. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief durchweg positiv – wenn auch nur leicht: die Auftragseingänge gegenüber dem zweiten Quartal nahmen im Maschinen- sowie Fahrzeugbau um 0,6 Prozent, im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik um 0,7 Prozent und in der Metallverarbeitung um 0,8 Prozent zu.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Juli 2017 saisonbereinigt um 0,2 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals 2017. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei unterschiedlich: während die Produktion gegenüber dem zweiten Quartal im Maschinenbau mit -0,2 Prozent und im Fahrzeugbau mit -0,9 Prozent zurückging, nahm die Produktion in der Metallverarbeitung mit +0,7 Prozent und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik deutlich mit +1,7 Prozent zu. Die Kapazitätsauslastung lag im Juli 2017 bei 88,2 Prozent und damit deutlich über dem lang-jährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Juli 2017 mit 3.902.600 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,8 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Juni 2017 nahm die Zahl um etwa 13.500 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 465.400 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 476.100. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2015 wieder leicht gestiegen, von 180.000 im Juni 2014 auf 190.000 im Juni 2015.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung deutlich sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im August 2017 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 135.200 Arbeitslose, rund 16.600 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 157.200 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 26.500 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Februar 2017 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 26.900 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Juli 2017 rund 2.600.

Verdienste. Im zweiten Quartal 2017 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,8 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,4 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2016 stiegen die Monatsverdienste um 2,4 Prozent und die Stundenverdienste um 2,5 Prozent.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um 1,1 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,9 Prozent und die Produktivität um 1,8 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. 2016 (+1,2 Prozent) und 2015 (+2,7 Prozent) waren die Lohnstückkosten jeweils gestiegen. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im vierten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+11,6 Prozent), sind die Strompreise mit +1,1 Prozent leicht gestiegen. Die Gaspreise hingegen haben im vierten Quartal 2016 weiter nachgegeben (-12,4 Prozent). Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der meisten Sorten lagen im vierten Quartal 2016 deutlich über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind im zweiten Quartal 2017 nach einer längeren Zeit der Stagnation wieder gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im zweiten Quartal 2017 um 1,7 Prozent über dem Vorjahr, die Exportpreise stiegen um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und die Importpreise um 1,3 Prozent. Die Verbraucherpreise sind 2016 mit einer Jahresrate von 0,5 Prozent schneller gestiegen als 2015 (+0,3 Prozent). Im August 2017 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat mit +1,8 Prozent deutlich höher.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von Mai 2017 hat die M+E-Industrie 2016 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 4,0 Prozent des Um­satzes erwirtschaftet. Die Erträge bleiben damit auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2016 mit 898 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (986 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im September 2017 erneut gestiegen und liegt nun bei 113,2 Punkten (August: 112,9 Punkte). Dabei nahm der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage von +48 auf +50 Punkte zu, der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen nahm hingegen von +19 auf +18 Punkte leicht ab.

Aussichten 2017. Nach einem Wachstum von 1,5 Prozent im Jahr 2016 (Jahresdurchschnitt) wird die M+E-Industrie 2017 dieses solide Wachstumstempo halten können. Trotz einer geringeren Zahl von Arbeitstagen ist mit einer vergleichbaren Wachstumsrate wie 2016 zu rechnen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre dürfte sich auch 2017 fortsetzen.

Stand: 27.09.2017