Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Winter 2015

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Winter 2015

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Winter 2015

Foto: Gesamtmetall

Die Schwächephase der M+E-Industrie aus dem zweiten und dritten Quartal 2015 hat sich auch zum Jahresende hin fortgesetzt. Die M+E-Produktion lag im vierten Quartal unter dem Wert des dritten Quartals. Damit kommt die M+E-Industrie im Jahr 2015 auf ein Plus in der Produktion von nur 0,6 Prozent. Leicht steigende Auftragseingänge lassen auf eine Stabilisierung der Lage in 2016 hoffen. Dabei hat sich die Stimmung in den Unternehmen laut ifo-Befragung vom Januar 2016 spürbar verschlechtert. Vor allem die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate sind um fast zehn Prozentpunkte eingebrochen. Zudem bleibt nach wie vor ein gehöriges Maß an Skepsis und Unsicherheit, das durch die aktuellen Vorgänge im Inland (Flüchtlinge, Dieselabgase), durch die verschärfte Krise in Nahost und durch das schwächere Wachstum in China und die Krisen in anderen Schwellenländern verstärkt wird. Die M+E-Unternehmen haben im November saisonbereinigt die Zahl der Mitarbeiter weiter leicht erhöht. Die Beschäftigungspläne signalisieren aber eine Zurückhaltung bei weiteren Neueinstellungen. Die M+E-Unter­neh­men erwarten für 2015 niedrigere Gewinne als im Vorjahr (ifo-Gewinnumfrage vom September 2015). Für die weitere Geschäftsentwicklung sind auch die inländischen Investitionen von zentraler Bedeutung. Hier liegt weiter ein Schwachpunkt der inländischen Konjunktur, die vor allem vom stabilen Arbeitsmarkt und von der Konsumnachfrage der Privaten getragen wird. Die Verunsicherung der Investoren durch die Krisen in der Welt sowie durch die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in Deutschland ist nach wie vor nicht überwunden.

Auftragseingang. Im vierten Quartal 2015 ist der Auftragseingang gegenüber dem dritten Quartal saisonbereinigt um 0,7 Prozent gestiegen. Dabei legten die Inlandsaufträge um 0,9 Prozent und die Aufträge aus dem Ausland um 0,6 Prozent zu. Während die Auftragseingänge im Maschinenbau gegenüber dem dritten Quartal deutlich um 2,1 Prozent fielen, lagen alle anderen Branchen über dem Niveau des dritten Quartals: die Metallverarbeitung mit +0,6 Prozent, der Fahrzeugbau mit +1,0 Prozent und der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit +4,8 Prozent.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im vierten Quartal 2015 saisonbereinigt um 0,7 Prozent unter dem Wert des dritten Quartals. Lediglich die Produktion in der Metallverarbeitung stieg gegenüber dem dritten Quartal geringfügig um 0,1 Prozent. Alle anderen Branchen lagen unter dem Niveau des dritten Quartals: der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -1,0 Prozent, der Maschinenbau mit -1,2 Prozent und der Fahrzeugbau mit -2,2 Prozent. Die Kapazitätsauslastung lag im Januar 2016 bei 86,6 Prozent und damit leicht über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im November 2015 mit 3.815.800 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Oktober 2015 stieg die Zahl um etwa 3.200. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen signalisieren allenfalls einen leichten Beschäftigungsaufbau. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 378.600 Neueinstellungen. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 475.600. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer sank von 205.000 im Juni 2012 auf 180.000 im Juni 2014.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und gemeldeten offenen Stellen am aktuellen Rand etwas kleiner geworden. Ohnehin bleibt der Trend weiter positiv: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Januar 2016 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 155.000 Arbeitslose, 9.700 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 132.300 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 16.300 gegenüber dem Vorjahresmonat. Faktisch signalisiert diese Situation eine spürbare Anspannung auf dem Arbeitsmarkt. Im Juli 2015 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 16.000 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Januar 2016 rund 9.600.

Verdienste. Im dritten Quartal 2015 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,9 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2014 waren die Monatsverdienste um 3,3 Prozent und die Stundenverdienste um 3,5 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind in den ersten 11 Monaten 2015 um +2,7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen. Im Einzelnen: Dem Anstieg der Arbeitskosten je Stunde um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr stand ein Rückgang der Produktivität um 0,1 Prozent gegenüber. 2014 waren die Lohnstückkosten bereits um 1,6 Prozent und 2013 um 4,2 Prozent gestiegen. Die Energiepreise sinken weiter: während aber Öl- und Gaspreise im dritten Quartal 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich nachgaben (Öl: -28,6 Prozent; Gas: -8,0 Prozent), sind die Strompreise mit -1,1 Prozent nur leicht gesunken. Bei den Stahlerzeugnissen lagen die Preise der meisten Sorten im dritten Quartal 2015 deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise. Nach einer Phase sinkender Erzeugerpreise, hatten sich die Märkte zunächst wieder stabilisiert. Allerdings schwächt sich der Preisanstieg zuletzt wieder ab. Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2015 um 0,1 Prozent über dem Vorjahr (nach 0,5 Prozent in Q3). Die Exportpreise lagen im vierten Quartal  um 1,6 Prozent höher als 2014 (Q3: 2,2 Prozent), die Importpreise um 1,3 Prozent (Q3: 2,6 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2015 mit einer Jahresrate von 0,3 Prozent  spürbar langsamer gestiegen als 2013 (+1,5 Prozent) und 2014 (+0,9 Prozent). Im Januar 2016 lag der Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat bei 0,5 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2015 erwarten die M+E-Unternehmen in diesem Jahr Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,6 Prozent des Um­satzes. Sie liegen damit unter dem Niveau des Jahres 2014. Die Erträge bleiben auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2014 mit 1.044 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (1.220 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie hat im Januar 2016 spürbar nachgegeben und liegt nun bei 100,5 Punkten (Dezember: 104,5 Punkte). Der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage (+14 Punkte) sowie vor allem der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen (+1 Punkt) sind jeweils deutlich zurückgegangen.

Aussichten 2016. Im Jahr 2015 (Jahresdurchschnitt) ist die M+E-Produktion um 0,6 Prozent gewachsen. Für 2016 ist nach bisherigen Prognosen ein ähnlicher Wert zu erwarten. Die Beschäftigung liegt deutlich über dem Vorkrisenniveau, allerdings ist nach den Plänen der Unternehmen für die kommenden Monate kaum mehr mit einem spürbaren Beschäftigungszuwachs zu rechnen.

Stand: 10.02.2016