Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Winter 2016/2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Winter 2016/2017

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Winter 2016/2017

Foto: Gesamtmetall

Auf Grund eines schwachen Dezember-Wertes ist die M+E-Produktion im vierten Quartal 2016 leicht zurückgegangen. Dennoch stieg die Produktion im Jahresdurchschnitt um 1,6 Prozent. Der Auftragseingang ist zuletzt spürbar gestiegen und weckt Erwartungen nach einem Produktionsplus im ersten Quartal 2017. Erhebliche Zuwächse bei den Aufträgen kamen aus dem In- und Ausland. Die Kapazitätsauslastung lag im Januar 2017 weiter über dem langjährigen Durchschnitt. Das Konjunkturklima in den M+E-Unternehmen ist im Februar gestiegen: Geschäftslage und auch Geschäftserwartungen liegen allerdings per Saldo weiterhin im Plus. Das Umfeld bleibt trotzdem schwierig: Die inländische Konsumkonjunktur geht zum großen Teil an M+E vorbei und ein Aufschwung im Exportgeschäft muss sich erst noch bestätigen. Zusätzlich haben sowohl die BREXIT-Entscheidung der Briten als auch die Ankündigen des neugewählten US-Präsidenten die Unternehmen verunsichert. Die M+E-Unternehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im Dezember saisonbereinigt weiter leicht erhöht. Die Beschäftigungspläne signalisieren Zurückhaltung bei Neueinstellungen. Die M+E-Unter­neh­men haben 2016 ihre Gewinne im Vergleich zum Vorjahr stabil gehalten (ifo-Gewinn­umfrage vom September 2016). Die weitere Entwicklung wird ­– neben der inländischen Investitionstätigkeit – auch von der Handelspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump beeinflusst, denn die USA sind der wichtigste Abnehmer von M+E-Produkten aus Deutschland.

Auftragseingang. Im vierten Quartal 2016 ist der Auftragseingang gegenüber dem dritten Quartal saisonbereinigt mit 4,3 Prozent deutlich gestiegen. Dabei nahmen die Inlandsaufträge um 5,8 Prozent und die Auslandsaufträge um 3,2 Prozent zu. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief durchweg positiv: so stiegen die Auftragseingänge gegenüber dem dritten Quartal im Maschinenbau um 0,8 Prozent, im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik um 4,0 Prozent, in der Metallverarbeitung um 4,4 Prozent und im Fahrzeugbau deutlich um 6,2 Prozent.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im vierten Quartal saisonbereinigt um 0,2 Prozent unter dem Niveau des dritten Quartals 2016. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei uneinheitlich: während die Produktion gegenüber dem dritten Quartal im Maschinenbau mit +0,3 Prozent und in der Metallverarbeitung mit +1,1 Prozent stieg, verlief die Entwicklung im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -0,9 Prozent und im Fahrzeugbau mit  -3,0 Prozent rückläufig. Die Kapazitätsauslastung lag im Oktober 2016 bei 87,4 Prozent und damit ein Stück über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Dezember 2016 mit 3.844.000 Mitarbeitern saisonbereinigt um 0,8 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber November 2016 nahm die Zahl um etwa 600 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen signalisieren Zurückhaltung bei weiteren Neueinstellungen. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 406.200 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 472.100. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2015 wieder leicht gestiegen, von 180.000 im Juni 2014 auf 190.000 im Juni 2015.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt ist die Schere zwischen Arbeitslosigkeit und gemeldeten offenen Stellen am aktuellen Rand wieder etwas kleiner geworden. Ohnehin bleibt der Trend weiter positiv: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Januar 2016 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 142.200 Arbeitslose, 2.800 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 140.300 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme von 1.500 gegenüber dem Vorjahresmonat. Faktisch signalisiert diese Situation eine spürbare Anspannung auf dem Arbeitsmarkt. Im Juni 2016 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 22.800 Kurzarbeiter. Der Höhepunkt der vergangenen Krise lag im Mai 2009 bei 975.000 Kurzarbeitern. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Juli 2016 rund 6.100.

Verdienste. Im dritten Quartal 2016 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,5 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 2,7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2015 waren die Monatsverdienste um 3 Prozent und die Stundenverdienste um 2,7 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis November 2016 um gut 1 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen. Einem deutlichen Anstieg der Arbeitskosten (+2,4 Prozent) stand ein Produktivitätsplus von 1,3 Prozent gegenüber. Bereits 2015 waren die Lohnstückkosten um 2,5 Prozent gestiegen. Die Energiepreise sinken weiter: während Öl- und Gaspreise im zweiten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich nachgaben (Öl: -25,0 Prozent; Gas: -16,8 Prozent), sind die Strompreise mit +0,7 Prozent leicht gestiegen. Bei den Stahlerzeugnissen lagen die Preise der meisten Sorten im zweiten Quartal 2016 weiterhin deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Preise. Die M+E-Unternehmen haben 2016 mit sinkenden Erzeugerpreisen zu kämpfen, es herrscht deutlicher Preisdruck auf den Märkten. Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2016 um 0,5 Prozent über dem Vorjahr (nach ±0,0 Prozent in Q3). Während die Exportpreise um 0,2 Prozent (nach -0,3 Prozent in Q3) gegenüber dem Vorjahr stiegen, lagen die Importpreise um 0,3 Prozent unter Vorjahr (Q3: -1,2 Prozent). Die Verbraucherpreise sind 2016 mit einer Jahresrate von 0,5 Prozent schneller gestiegen als 2015 (+0,3 Prozent). Im Dezember 2016 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat mit +1,7 Prozent deutlich höher.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2016 wird die M+E-Industrie 2016 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,7 Prozent des Um­satzes erwirtschaften. Die Erträge bleiben damit auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) war 2016 (Jan. – Okt.) mit 752 Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (860 Insolvenzen) weiterhin rückläufig.

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Februar 2017 gestiegen und liegt nun bei 105,8 Punkten (Januar: 104,8 Punkte). Dabei stieg der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage deutlich von +28 Punkte auf +33 Punkte, der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen nahm von +5 Punkte auf +4 Punkte ab.

Aussichten 2016/2017. Nach einem Wachstum im Jahr 2015 (Jahresdurchschnitt) von 0,6 Prozent ist die M+E-Produktion 2016 um gut 1,6 Prozent gestiegen. Dabei werden die M+E-Unternehmen im Jahresverlauf 2016 etwa 30.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen haben. Für 2017 ist – auch aufgrund einer geringeren Zahl von Arbeitstagen – mit einem etwas niedrigerem Wachstum zu rechnen.

Stand: 22.02.2017