Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Winter 2017/2018

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Winter 2017/2018

Die wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie im Winter 2017/2018

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Foto: Gesamtmetall

Die M+E-Industrie ist weiter auf Wachstumskurs: die M+E-Produktion ist auch im vierten Quartal gestiegen und lag nach ersten Berechnungen im Jahresdurchschnitt 2017 um 3,7 Prozent höher als im Vorjahr. Auch die Auftragseingänge haben weiter zugelegt und lassen eine Fortsetzung des Wachstums erwarten. Die Kapazitätsauslastung ist noch einmal gestiegen und lag im Januar 2018 deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Das Konjunkturklima hingegen ist im Februar 2018 merklich gesunken: während die Beurteilung der aktuellen Lage – ausgehend von einem Rekordniveau ­ – leicht zurückging, haben die Unternehmen die Geschäftserwartungen deutlich nach unten korrigiert. Gründe dafür könnten u.a. der stärkere Euro und die für die Wirtschaft eher enttäuschenden Verabredungen im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD sein. Die M+E-Unter­nehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im Dezember saisonbereinigt weiter erhöht. Die Beschäftigungspläne lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Die M+E-Unter­neh­men werden nach eigener Einschätzung ihre Gewinne 2017 im Vergleich zum Vorjahr stabil gehalten haben (ifo-Gewinnumfrage vom September 2017). Trotz insgesamt positiver Aussichten für die M+E-Industrie bleiben Risiken und Unsicherheiten: Die anziehende Investitionskonjunktur muss sich verstetigen. Steigende Arbeitskosten und Lohnstückkosten gefährden die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Der Tarifabschluss in der M+E-Industrie bringt weitere Kostensteigerungen für die Betriebe. Der Fachkräftemangel in den M+E-Unternehmen wird immer mehr zum Konjunkturrisiko.

Auftragseingang. Im vierten Quartal 2017 ist der Auftragseingang gegenüber dem dritten Quartal saisonbereinigt deutlich um 4,2 Prozent gestiegen. Dabei nahmen die Inlandsaufträge um 1,2 Prozent und die Auslandsaufträge um 6,4 Prozent zu. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief unterschiedlich: während sich die Auftragseingänge gegenüber dem dritten Quartal im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -1,0 Prozent rückläufig entwickelten, nahmen die Aufträge im Maschinenbau um 3,6 Prozent, in der Metallverarbeitung um 5,3 Prozent und im Fahrzeugbau um 6,7 Prozent zu.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im vierten Quartal 2017 saisonbereinigt um 1,3 Prozent über dem Niveau des dritten Quartals 2017. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei unterschiedlich: während sich die Produktion gegenüber dem dritten Quartal im Fahrzeugbau mit -0,5 Prozent rückläufig entwickelte, nahm die Produktion in der Metallverarbeitung um 1,0 Prozent, im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik um 1,6 Prozent und im Maschinenbau um 1,8 Prozent zu. Die Kapazitätsauslastung lag im Oktober 2017 bei 89,2 Prozent und damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Dezember 2017 mit 3.929.800 Mitarbeitern saisonbereinigt um 2,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber November 2017 nahm die Zahl um etwa 5.700 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 492.600 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 231.000 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 481.500. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2016 wieder leicht gestiegen, von 190.000 im Juni 2015 auf 195.000 im Juni 2016.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung immer deutlicher sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Januar 2018 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 122.800 Arbeitslose, rund 19.800 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 165.500 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 25.600 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Juli 2017 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 8.600 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Januar 2018 rund 3.300.

Verdienste. Im dritten Quartal 2017 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 1,7 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 1,5 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2016 waren die Monatsverdienste um 2,4 Prozent und die Stundenverdienste um 2,5 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,9 Prozent und die Produktivität um 2,8 Prozent höher als im Vorjahr. In den Jahren 2016 (+1,2 Prozent) und 2015 (+2,7 Prozent) waren die Lohnstückkosten jeweils gestiegen. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen. Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der verschiedenen Sorten lagen im dritten Quartal 2017 deutlich über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind im vierten Quartal 2017 etwas stärker gestiegen als im dritten Quartal: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2017 um 1,6 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im vierten Quartal um 0,4 Prozent, wohingegen die Importpreise um -0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgingen. Die Verbraucherpreise sind 2017 mit einer Jahresrate von 1,8 Prozent schneller gestiegen als 2016 (+0,5 Prozent). Im Januar 2018 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei +1,6 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2017 erwarten die M+E-Unternehmen 2017 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,2 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 4 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge stagnieren damit und bleiben auch weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2007 (4,7 Prozent). Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2016 mit 898 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (986 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Februar 2018 merklich gesunken und liegt nun bei 112,5 Punkten (Januar: 115,8 Punkte). Dabei nahm der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage von +60 auf +57 Punkte ab, der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen fiel deutlich von +19 Punkte auf +9 Punkte.

Aussichten 2018. Trotz einer geringeren Zahl von Arbeitstagen hat die M+E-Industrie 2017 das Wachstumstempo deutlich gesteigert: Nach ersten vorläufigen Berechnungen ist die Produktion im Jahresdurchschnitt real um 3,7 Prozent gestiegen. 2018 dürfte die M+E-Produktion mit einem etwas geringeren Tempo von 2½ bis 3 Prozent wachsen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre wird sich 2018 fortsetzen.

Stand: 22.02.2018