Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Der Aufholprozess in der Metall- und Elektro-Industrie nach der Rezession 2019 und dem Corona-Einbruch 2020 ist seit Jahresmitte 2021 zum Stillstand gekommen. Aufgrund massiver Engpässe bei Material und zum Teil beim Personal ging die Produktion bereits im Q3/2021 trotz anhaltend hoher Neuaufträge und steigender Auftragsbestände zurück. Im Oktober und November erfolgte eine Korrektur dieses Trends: Während die Auftragseingänge einen Dämpfer erlitten, stabilisierte sich die Produktion wieder. Allerdings bleibt die Entwicklung differenziert und von hohen Unsicherheiten geprägt. Hinzu kommen immer stärkere Kostenbelastungen aufgrund explosionsartig gestiegener Preise für Vorleistungen und Energie. Der im Herbst wieder zugenommene Bedarf an Kurzarbeit sowie die erneute Eintrübung des Geschäftsklimas im Dezember zeigen, dass der Erholungspfad sehr holprig ist.

Auftragseingang. Im Oktober/November 2021 ist der Auftragseingang gegenüber Q3/2021 saisonbereinigt um 6,9 Prozent gesunken. Sowohl die Auslandsnachfrage (-7,3 Prozent) als auch die inländischen Bestellungen (-6,5 Prozent) fielen geringer aus. Nach einem sehr hohen Auftragseingang im September verzeichnete der Maschinenbau eine Korrektur um -8,7 Prozent. Im Fahrzeugbau sanken die Neuaufträge sogar um -9,4 Prozent, wobei die Aufträge im Automobilbau konstant blieben, während sie im schwankungsanfälligen Sonstigen Fahrzeugbau aufgrund von Großaufträgen im vorangegangenen Quartal zurückgingen. Auch die anderen Branchen mussten Rückgänge hinnehmen. Im Trend deutet sich eine leichte Belebung bei Automotive und Metallherstellern an, während sich bei der Elektroindustrie und im Maschinenbau die Auftragslage auf hohem Niveau konsolidierte.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Oktober/November 2021 saisonbereinigt um 1,4 Prozent über dem Niveau des dritten Quartals. Der Anstieg ging vom Fahrzeugbau (+8,0 Prozent) aus, dessen Produktion sich wieder stabilisierte. Allerdings lag das Produktionsniveau im November noch 37% unter dem Höchststand vom Q2/2018 zurück. Während der Trend in der Automobilindustrie damit wieder – von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend – aufwärtsgerichtet ist, war die Produktion im Maschinenbau (-1,5 Prozent) und in der Elektroindustrie (-2,7 Prozent) rückläufig, womit sich in diesen beiden Branchen die Erholung weiter abflachte. Bei den Herstellern von Metallerzeugnissen war ein leichter Rückgang (-1,1 Prozent) zu verzeichnen.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Oktober 2021 saisonbereinigt mit 3,85 Mio. Mitarbeitern noch um 1,2 Prozent niedriger als im Vorjahr. Hintergrund ist der Verlust von über 200 Tsd. Arbeitsplätzen während der Corona-Krise. Die von Juni bis September beobachtbare Stabilisierung setzte sich im Oktober allerdings nicht mehr fort. Gegenüber September sank die Zahl der Beschäftigten um rund 5.000 Arbeitsplätze. Auch die Anzahl der Kurzarbeiter nahm im September um rund 70.000 auf 258.000 Personen zu. Mehr als jeder zweite M+E-Kurzarbeiter kam dabei aus der Automobilindustrie. Angesichts der wieder gestiegenen Neuanzeigen und der Unternehmenspläne ist weiterhin mit einem erhöhten Niveau von Kurzarbeit in der M+E-Industrie zu rechnen.

Arbeitsmarkt. Die Erholung am Arbeitsmarkt setzte sich dagegen bis Dezember weiter fort. Die Bundesagentur für Arbeit zählte in den M+E-Facharbeiterberufen saisonbereinigt 135.700 Arbeitslose, 24 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 146.000 offene Stellen gemeldet, ein Anstieg um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Verdienste. Im zweiten Quartal 2021 sind die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 11,1 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen, die Bruttostundenverdienste stiegen um 0,7 Prozent. In den Zahlen spiegeln sich weiterhin die statistischen Schwankungen aufgrund von Kurzarbeit wider: Im Durchschnitt des Jahres 2020 waren die Monatsverdienste noch um 4,1 Prozent gesunken und die Stundenverdienste um 1,8 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Entwicklung von Produktivität, Arbeits- und Lohnstückkosten wird weiterhin von den Einbrüchen in der Corona-Krise und der nachfolgenden Normalisierung statistisch beeinflusst. Die Erholung in der Produktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bewirkte im Durchschnitt der Monate Januar bis Oktober 2021 eine Normalisierung der Lohnstückkosten um -3,7 Prozent. Aufgrund der Verringerung von Kurzarbeit sanken die Arbeitskosten je Stunde von Januar bis Oktober um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Produktivität um 3,4 Prozent stieg. Im Jahr 2020 waren die Lohnstückkosten noch um 7,8 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,3 Prozent höher und die Produktivität um 5,1 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Preise. Energie verteuerte sich deutlich: Die Ölpreise stiegen mit 74 Prozent und Gaspreise mit 122 Prozent im Q3/2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum jeweils deutlich. Die Verteuerung der Energie und die Knappheiten bei Rohstoffen und Material zeigen sich immer stärker bei den Erzeugerpreisen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im Q3 um 4,4 Prozent über dem Vorjahr. Vorleistungsgüter verteuerten sich dabei deutlich stärker als Investitions- und Konsumgüter, was die Kostenseite der M+E-Industrie deutlich belastet. Dementsprechend stiegen auch die Exportpreise im Q3 mit 2,8 Prozent deutlich schwächer als die Importpreise (+4,4 Prozent). Die Verbraucherpreise stiegen im Dezember 2021 um vorläufig +5,3 Prozent. Auch hier wirkt sich die Verteuerung von Energie besonders aus. Zudem sind Basiseffekte aufgrund der Corona-Krise und der temporären Mehrwertsteuersenkung sowie der geringen Inflation der Vorjahre (2020 +0,5 Prozent bzw. 2019 +1,4 Prozent) zu beachten.

Erträge. Infolge des Strukturwandels standen die Gewinne in der deutschen M+E-Industrie bereits vor der Corona-Krise unter erheblichem Druck. Die Umsatzrendite sank laut aktuellen Zahlen der Bundesbank 2019 um 1,3%-Punkte auf 2,7% (vor Steuern) bzw. 1,7% (nach Steuern). Mit Ausnahme der Elektroindustrie waren die Umsatzrenditen in allen M+E-Branchen signifikant rückläufig, wobei der Fahrzeugbau im Saldo Verluste verzeichnete. Nach Hochrechnungen von Gesamtmetall auf Basis von ifo-Umfragen konnte sich die Nettoumsatzrendite 2020 bei 2,5 Prozent und 2021 bei 2,6 Prozent stabilisieren. Während 2020 der Corona-bedingte Nachfrageeinbruch für einen Rückgang sorgte, belasten derzeit die explosionsartig gestiegenen Energie- und Materialpreise die Rendite.

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie hat sich im Dezember 2021 mit 100,9 Punkten zum vierten Mal in Folge verschlechtert (Vormonat: 102,6 Punkte). Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für das kommende Halbjahr wurden schlechter beurteilt. Während die Lage mit einem Saldo von 28 Punkten aber noch überwiegend positiv gesehen wird, liegen die Erwartungen im Saldo nur noch im neutralen Bereich. Dabei sinkt vor allem der Anteil der Firmen, die eine Verbesserung erwarten, während die neutralen Einschätzungen zunehmen.

Ausblick. Nach zwei Rezessionsjahren in Folge, darunter die schwere Rezession des Jahres 2020 (-13,9 Prozent), befand sich die M+E-Industrie bis Anfang 2021 auf einem Erholungspfad. Zur Jahresmitte haben zunehmende Engpässe der Erholung ein Ende gesetzt. Über 80 Prozent der M+E-Firmen werden derzeit von Lieferschwierigkeiten und Materialmangel gehemmt, was zu einem zunehmenden Auseinanderfallen von Produktion und Auftragseingang führte. Angesichts der auslaufenden Basiseffekte dürfte die Wachstumsrate der Produktion für 2021 weiter sinken und im Gesamtjahr rd. 4 ½ Prozent betragen. Auch der Ausblick auf 2022 hängt wesentlich von der Dauer der Engpässe ab. Zwei Drittel der M+E-Firmen können ein Ende derzeit nicht abschätzen. Der restliche Teil der Unternehmen geht im Durchschnitt von mindestens weiteren 10 Monaten mit Lieferproblemen aus. Je nach Intensität der Engpässe wird eine Erholung um 1 bis 5 Prozent für möglich gehalten, womit das Vorkrisenniveau auch im kommenden Jahr noch nicht erreicht werden würde.

Stand: 10. Januar 2022