Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Foto: Gesamtmetall

Nach einem enttäuschenden dritten Quartal, hat sich die Abkühlung der Konjunktur in der M+E-Industrie im Zweimonatszweitraum Oktober/November fortgesetzt: die Branche befindet sich damit am Rande einer (technischen) Rezession. Auch die Stimmung in den Unternehmen hat sich weiter eingetrübt. Vor allem die Erwartungen haben sich im Laufe des Jahres deutlich verschlechtert. Darin spiegelt sich die Verunsicherung der M+E-Unternehmen durch äußere und innere Faktoren wider: die Diskussionen und Verhandlungen um den Brexit, um Protektionismus und Beschränkungen im internationalen Handel, der zunehmende Fachkräftemangel u. a. m. Die Verunsicherung betrifft aber nicht nur die M+E-Unternehmen, sondern auch Investoren im In- und Ausland: Ihre merkliche Zurückhaltung trübt das Konjunkturbild. Dem abgeschwächten Wachstum stehen allerdings eine überdurchschnittlich hohe Kapazitätsauslastung und große Auftragsbestände gegenüber. Zudem ist die Beschäftigung weiter intakt: Die M+E-Unternehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im November 2018 saisonbereinigt weiter erhöht. Die Beschäftigungspläne lassen weitere Neueinstellungen erwarten, wenn auch mit etwas geringerer Dynamik.

Auftragseingang. Im Oktober/November 2018 ist der Auftragseingang gegenüber dem dritten Quartal saisonbereinigt um 1,6 Prozent gestiegen. Dabei sind die Inlandsaufträge um 1,6 Prozent zurückgegangen, die Auslandsaufträge nahmen um 4,1 Prozent zu. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief uneinheitlich: während sich die Auftragseingänge in der Metallverarbeitung mit -3,0 Prozent, im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -1,5 Prozent und im Maschinenbau mit -0,3 Prozent gegenüber dem dritten Quartal rückläufig entwickelten, nahmen die Aufträge im Fahrzeugbau mit +7,4 Prozent deutlich zu.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Oktober/November 2018 saisonbereinigt um 0,4 Prozent unter dem Niveau des dritten Quartals 2018. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei durchweg negativ: die Produktion nahm in der Metallverarbeitung um 1,7 Prozent, im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik um 0,9 Prozent, im Fahrzeugbau um 0,5 Prozent und im Maschinenbau um 0,4 Prozent gegenüber dem dritten Quartal ab. Die Kapazitätsauslastung lag im Oktober 2018 mit 89,0 Prozent weiter deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im November 2018 mit 4.043.300 Mitarbeitern saisonbereinigt um 2,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber September 2018 nahm die Zahl um etwa 6.300 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten, allerdings mit abnehmender Dynamik. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 606.300 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 244.300 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 498.100. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2017 in absoluten Zahlen leicht gestiegen, von 192.000 im Juni 2016 auf 195.000 im Juni 2017, bleibt aber bei 5 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung immer deutlicher sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Dezember 2018 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 117.400 Arbeitslose, rund 8.100 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 171.600 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 5.600 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Juni 2018 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 7.100 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im November 2018 rund 5.800.

Verdienste. Im dritten Quartal 2018 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,6 Prozent und die Bruttostundenverdienste ebenfalls um 2,6 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2017 sind die Monatsverdienste um 2,1 Prozent und die Stundenverdienste um 1,9 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis November 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,3 Prozent höher und die Produktivität um 0,3 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. 2017  waren die Lohnstückosten mit +0,2 Prozent nahezu stabil geblieben, weil ein stärkerer Produktivitätsanstieg um 2,7 Prozent den Anstieg der Arbeitskosten (+2,9) fast neutralisierte. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen. Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der verschiedenen Sorten lagen im dritten Quartal 2017 über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind im dritten Quartal 2018 etwas weniger gestiegen als im zweiten Quartal: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im dritten Quartal 2018 um 1,4 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im dritten Quartal um 1,0 Prozent, die Importpreise um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im November 2018 bei +2,3 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2018 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2018 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,5 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 4,4 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge haben sich damit etwas verschlechtert. Dies dürfte nicht zuletzt auf die deutlich gestiegenen Kosten für Personal und Material zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2017 mit 915 Insolvenzen leicht über dem Niveau des Vorjahres (898 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Dezember 2018 erneut gesunken und liegt nun bei 102,7 Punkten (November: 103,3 Punkte). Während der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage bei +42 Punkte stagnierte, nahm der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen von +2 auf ±0 Punkte ab.

Entwicklung 2018/2019. Nach einem Wachstum von 3,6 Prozent in 2017 dürfte die M+E-Produktion 2018 mit einem deutlich geringeren Tempo von 1½ bis 2 Prozent gewachsen sein. Parallel zur Entwicklung in der Gesamtwirtschaft wird auch für die M+E-Produktion in 2019 ein leicht schwächeres Wachstum erwartet als 2018. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre hat sich 2018 fortgesetzt – und wird 2019 zunächst anhalten, wenn auch mit deutlich geringerem Tempo.

Stand: 16.01.2019