Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Foto: Gesamtmetall

Die Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland ist im zweiten Halbjahr 2018 einer Rezession knapp entgangen, bleibt aber weiter stark rezessionsgefährdet: Im ersten Quartal 2019 hat sich die schwache Entwicklung durch Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang fortgesetzt. Auch die Stimmung in den Unternehmen hat sich weiter spürbar eingetrübt. Vor allem die Erwartungen haben sich im Laufe der vergangenen Monate stetig verschlechtert und liegen per Saldo im April ganz deutlich im Minus. Darin spiegelt sich die Verunsicherung der M+E-Unternehmen durch äußere und innere Faktoren wider: die Diskussionen und Verhandlungen um den Brexit, um Protektionismus und Beschränkungen im internationalen Handel, der zunehmende Fachkräftemangel u. a. Die Verunsicherung betrifft aber nicht nur die M+E-Unter­nehmen, sondern auch Investoren im In- und Ausland: Ihre merkliche Zurückhaltung trübt das Konjunkturbild. Den rückläufigen Daten bei Produktion und Auftragseingang stehen allerdings weiter eine hohe Kapazitäts­auslastung und große Auftragsbestände gegenüber. Die M+E-Unternehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im März 2019 saisonbereinigt weiter erhöht – allerdings in deutlich geringerem Ausmaß, als unter stabilen Konjunkturbedingungen zu erwarten wäre. Die aktuellen Beschäftigungspläne lassen ein Auslaufen des Beschäftigungsaufbaus befürchten.

Auftragseingang. Im ersten Quartal 2019 ist der Auftragseingang gegenüber dem vierten Quartal 2018 saisonbereinigt um 5,0 Prozent zurückgegangen. Dabei sind sowohl die Inlandsaufträge (-2,1 Prozent) als auch die Auslandsaufträge (-7,0 Prozent) unter dem Niveau des vierten Quartals 2018 geblieben. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief uneinheitlich: während die Auftragseingänge in der Metallverarbeitung um 1,4 Prozent zulegten, sanken sie im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik um 1,0 Prozent, im Fahrzeugbau um 6,9 Prozent und im Maschinenbau um 7,3 Prozent.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im ersten Quartal 2019 saisonbereinigt um 0,3 Prozent unter dem Niveau des vierten Quartals 2018. Während sich die Produktion im Fahrzeugbau und in der Metallverarbeitung mit jeweils +0,5 Prozent stabilisierte, entwickelte sich die Produktion im Maschinenbau mit -0,9 Prozent und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -1,0 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2018 rückläufig. Die Kapazitätsauslastung lag im April 2019 mit 87,0 Prozent weiter deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im März 2019 mit 4.051.300 Mitarbeitern saisonbereinigt um 2,0 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Februar 2019 nahm die Zahl um etwa 2.200 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen auf ein Auslaufen des Beschäftigungsaufbaus schließen. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 614.200 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 244.200 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 495.100. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2017 in absoluten Zahlen leicht gestiegen, von 192.000 im Juni 2016 auf 195.000 im Juni 2017, bleibt aber stabil bei 5 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt bleibt die Anspannung immer noch deutlich sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im April 2019 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 116.100 Arbeitslose, rund 2.500 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren knapp 166.600 ungeförderte offene Stellen gemeldet, ein Rückgang um 1.600 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Oktober 2018 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 23.900 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im März 2019 rund 7.600.

Verdienste. Im vierten Quartal 2018 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,6 Prozent und die Bruttostundenverdienste ebenfalls um 2,3 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2018 sind die Monatsverdienste um 2,5 Prozent und die Stundenverdienste um 2,4 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,5 Prozent höher und die Produktivität um 0,8 Prozent niedriger als im Vorjahr. 2017  waren die Lohnstückosten mit +0,2 Prozent nahezu stabil geblieben, weil ein stärkerer Produktivitätsanstieg um 2,7 Prozent den Anstieg der Arbeitskosten (+2,9) fast neutralisierte. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen. Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der verschiedenen Sorten lagen im dritten Quartal 2017 über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind im vierten Quartal 2018 etwas weniger gestiegen als im dritten Quartal: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2018 um 1,2 Prozent (Q3 1,4%) über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im vierten Quartal um 1,0 Prozent, die Importpreise um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2018 bei 1,8 Prozent und im Januar 2019 bei +1,4 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2018 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2018 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,5 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 4,4 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge haben sich damit etwas verschlechtert. Dies dürfte nicht zuletzt auf die deutlich gestiegenen Kosten für Personal und Material zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2017 mit 915 Insolvenzen leicht über dem Niveau des Vorjahres (898 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im April 2019 erneut gesunken und liegt nun bei 94,3 Punkten (März: 95,6 Punkte). Während der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage mit +20 Punkten (März: +28 Punkte) noch weit im Positiven lag, blieb der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen mit -15 deutlich im Negativen (März: -16 Punkte).

Entwicklung 2018/2019. Nach einem Wachstum von 3,6 Prozent in 2017 ist die M+E-Produktion 2018 nach ersten vorläufigen Zahlen mit einem deutlich geringeren Tempo von 1,4 Prozent gewachsen. Parallel zur Entwicklung in der Gesamtwirtschaft wird auch für die M+E-Produktion in 2019 ein schwächeres Wachstum erwartet als 2018. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre hat sich 2018 fortgesetzt. Nun deuten erste Anzeichen darauf hin, dass der Aufbau zusätzlicher Arbeitsplätze auslaufen könnte.

Stand: 16. Mai 2019

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