Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Der Aufholprozess in der Metall- und Elektro-Industrie nach der historisch tiefen Corona-Krise im zweiten Quartal 2020 bietet aktuell ein ambivalentes Bild: Während die Auftragseingänge bis zum August 2021 unterm Strich kräftig gestiegen sind und sich die Kapazitätsauslastung konsolidiert hat, behindern fehlende Teile (Halbleiter) und Knappheit beim Material (Stahl, Kunststoffe) seit Jahresbeginn 2021 den weiteren Aufschwung in der Produktion. Die Beurteilung der wirtschaft­lichen Lage hat sich im September erneut leicht eingetrübt, bleibt aber auf einem hohen Niveau. Die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate haben sich im September weiter verschlechtert, liegen per Saldo aber noch im Plus. Erstmals seit April 2019 ist die Zahl der Beschäftigten in der M+E-Industrie wieder gestiegen: Im Juli 2021 beschäftigten die M+E-Unternehmen gut 3.400 Arbeitnehmer mehr als noch im Mai. Zwischen April 2019 und Mai 2021 hatte die M+E-Industrie zuvor 207.000 M+E-Arbeitsplätze abbauen müssen. Die Zahl der Kurzarbeiter hat sich von dem historischen Negativrekord von rund 1,5 Millionen im Mai 2020 nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit auf rund 291.000 im Juni 2021 um mehr als 80 Prozent verringert. Nach einem leichten Anstieg im Januar ist hier der Trend trotz anhaltender Materialknappheit wieder abwärtsgerichtet. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie scheinen die M+E-Unternehmen in den Griff zu bekommen. Der Strukturwandel – ausgelöst nicht zuletzt durch die gravierenden Veränderungen in der Automobilindustrie – rückt damit stärker in den Mittelpunkt.

Auftragseingang. Im Juli/August 2021 ist der Auftragseingang gegenüber dem zweiten Quartal saisonbereinigt um 1,4 Prozent gestiegen und liegt damit deutlich über dem Vorkrisenniveau von 2018. Die positive Entwicklung wird jetzt auch von der Inlandsnachfrage getragen (+1,4 Prozent). Die Auslandsnachfrage stieg im Juli gegenüber dem Q2 um 1,6 Prozent. Wesentlicher Treiber waren im Juli/August Aufträge für den Maschinenbau: Sie stiegen um 6,7 Prozent. Im Fahrzeugbau stiegen die Auftragseingänge um 2,5 Prozent, während die Elektroindustrie (-2,5 Prozent) und die Metallerzeugnisse (-2,4 Prozent) Rückgänge hinnehmen mussten. 

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Juli/August 2021 saisonbereinigt um 4,2 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals. Im August gab die Produktion um 7,7 Prozent gegenüber dem Vormonat nach. Der Rückgang im Juli/August zu Q2 geht vor allem zulasten des Fahrzeugbaus (-9,0 Prozent). Aber auch die Produktion der Elektroindustrie (-0,2 Prozent) und bei den Herstellern von Metallerzeugnissen -1,6 Prozent) entwickelte sich angesichts anhaltender Lieferprobleme negativ. Lediglich der Maschinenbau konnte mit 0,2 Prozent ein leichtes Plus verzeichnen. Im Juli gaben Dreiviertel der M+E-Unternehmen an, von Materialknappheit betroffen zu sein. Die Kapazitätsauslastung stieg nach dem Tiefpunkt im April 2020 (67 Prozent) im Juli 2021 auf 87,7 Prozent. 

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Juli 2021 mit 3,85 Mio. Mitarbeitern saisonbereinigt um 2,0 Prozent niedriger als im Vorjahr. Im Juni 2021 ist die Zahl der Beschäftigten in der M+E-Industrie erstmals seit April 2019 wieder gestiegen. Im Juli 2021 beschäftigten die M+E-Unternehmen gut 3.400 Arbeitnehmer mehr als noch im Mai (Originalwerte). Seit April 2019 hat die M+E-Industrie per Saldo rund 205.000 Arbeitsplätze verloren. Im Aufschwung nach der Krise 2008/09 hatte die Branche 619.400 Arbeitsplätze geschaffen und so die Verluste in der Krise mehr als wettgemacht. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 470.000. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2020 deutlich gesunken, von 146.000 im Juni 2019 auf 99.000 im Juni 2020. Sie lag damit bei 2,5 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Die Erholung am Arbeitsmarkt setzte sich auch im September fort. In den M+E-Facharbeiter­berufen ist die Zahl der Arbeitslosen im September 2021 weiter gesunken, die Zahl der offenen Stellen wieder gestiegen: Die Bundesagentur für Arbeit zählte in den M+E-Berufen saisonbereinigt 142.500 Arbeitslose, 24,3 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 136.300 offene Stellen gemeldet, ein Anstieg um 35,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juni 2021 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 291.200 Kurzarbeiter – etwa 21.700 weniger als im Mai und etwa 1,2 Millionen weniger als im Mai 2020. Die Anzeigen der M+E-Industrie zur Kurzarbeit betrafen nach vorläufigen Zahlen im September noch 38.500 Personen (August: 45.000).

Verdienste. Im zweiten Quartal 2021 sind die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 11,1 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen, die Bruttostundenverdienste stiegen um 0,7 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2020 sind die Monatsverdienste um 4,1 Prozent gesunken und die Stundenverdienste um 1,8 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Erholung in der Produktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bewirkte im Durchschnitt der Monate Januar bis Juli 2021 einen Rückgang der Lohnstückkosten um 6,6 Prozent. Die Arbeitskosten je Stunde sanken von Januar bis Juli um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Produktivität einen Anstieg um 5,3 Prozent verzeichnete. Im Jahr 2020 waren die Lohnstückkosten noch um 7,8 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,3 Prozent höher und die Produktivität um 5,1 Prozent niedriger als im Vorjahr (Grafik). Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt einheitlich nach oben: So stiegen die Ölpreise mit 70 Prozent und Gaspreise mit 55 Prozent im zweiten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum jeweils deutlich, die Strompreise verhielten sich mit 0,5 Prozent etwas moderater.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind seit Ende 2016 kontinuierlich gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im zweiten Quartal 2021 um 2,4 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im zweiten Quartal um 1,5 Prozent, die Importpreise um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2020 bei 0,5 Prozent (nach 1,4 in 2019) und im September 2021 bei vorläufigen +4,1 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage vom Mai 2021 hatten die M+E-Unternehmen 2020 im Schnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 2,7 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) – ein Rückgang um 10 Prozent gegenüber 2019. Nach Prognosen von Gesamtmetall lag die Ertragsrate im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie bei 2,6 Prozent. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2020 mit 808 Insolvenzen leicht unter dem Niveau des Rezessionsjahres 2019 (833 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie hat sich im September 2021 mit 104,2 Punkten zum zweiten Mal in Folge verschlechtert (Vormonat: 105,9 Punkte). Im April 2020 war er auf 68,8 Punkte regelrecht abgestürzt. Die Beurteilung der Geschäftslage hat sich ebenfalls verschlechtert: der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen sank von 44,0 Punkten auf 39,2 Punkte. Einen deutlichen Dämpfer stellt die Entwicklung bei den Erwartungen der M+E-Unternehmen dar: Der Saldo sank im September von 10,6 Punkten auf 8,0 Punkte. 

Entwicklung 2021. Nach zwei Rezessionsjahren in Folge, darunter die schwere Rezession des Jahres 2020 (-13,9 Prozent), befindet sich die M+E-Industrie 2021 auf dem Pfad der Erholung. Auch wenn sich das Geschäftsklima in der ersten Jahreshälfte deutlich aufgehellt hat, bleibt das Bild der M+E-Industrie insgesamt durchwachsen, Zuliefererschwierigkeiten und Materialmangel hemmen die Produktion. Von Januar bis Juli lagen die Produktion rund 10 Prozent und der Umsatz rund 17 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr wird jedoch mit einer Verlangsamung des Wachstums gerechnet, da der starke Aufholprozess in der zweiten Jahreshälfte 2020 zum Tragen kommt. Für 2021 senkt Gesamtmetall deshalb die Wachstumsprognose für die M+E-Produktion auf 6 bis 8 Prozent. Das Vorkrisenniveau von 2018 wird voraussichtlich erst im Jahresverlauf 2022 wieder erreicht. Bei der Zahl der Beschäftigten besteht die Hoffnung, dass der Abbau noch im Verlauf des Sommers 2021 endet und eine Trendwende erreicht wird.

Stand: 07.10.2021