Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Die Metall- und Elektro-Industrie wurde durch die Corona-Krise in eine tiefe Rezession gezwungen: Nach einem regelrechten Absturz im zweiten Quartal 2020 hat sich die Lage in den folgenden Monaten von niedrigem Niveau aus aber wieder merklich erholt. Während sich die Auftragseingänge auch im März 2021 deutlich gesteigert haben und sich die Kapazitätsauslastung konsolidiert hat, behindern fehlende Teile und Knappheit beim Material (Stahl, Kunststoffe) zunehmend den Aufholprozess in der Produktion. Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage hat sich im April deutlich verbessert, bleibt aber noch ein gutes Stück von Höchstwerten entfernt. Die Geschäftserwartungen der M+E-Unter­nehmen für die nächsten sechs Monate haben sich im April leicht verschlechtert, liegen per Saldo aber weiterhin deutlich im Plus. Die M+E-Unternehmen mussten im Mai 2019 zum ersten Mal seit neun Jahren die Zahl der Mitarbeiter reduzieren. Bis Februar 2021 haben sie etwa 205.000 Arbeitsplätze abgebaut. Die Zahl der Kurzarbeiter hat sich von dem historischen Negativrekord von rund 1,5 Millionen im Mai zwar nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit auf rund 473.600 im Januar 2021 um rund 70 Prozent verringert, ist aber gegenüber dem Vormonat leicht gestiegen. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie scheinen die M+E-Unternehmen in den Griff zu bekommen. Der Strukturwandel – ausgelöst nicht zuletzt durch die gravierenden Veränderungen in der Automobilindustrie – rückt damit stärker in den Mittelpunkt.

Auftragseingang. Im 1. Quartal 2021 ist der Auftragsein­gang gegenüber dem vierten Quartal 2020 saisonbereinigt um 3,0 Prozent gestiegen, ein weiterer Schritt aus der Krise. Die positive Entwicklung ging maßgeblich auf die Auslandsaufträge zurück (+3,6 Prozent), die von einer sich mehr und mehr erholenden Inlandsnachfrage (+2,2 Prozent) gestützt wurden. Im Fahrzeugbau nahmen die Auftragseingänge gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent ab, in der Elektroindustrie stiegen sie um 7,7 Prozent, im Maschinenbau um 4,7 Prozent und bei den Metallerzeugnissen um 1,5 Prozent. 

Produktion. Die M+E-Produktion lag im 1. Quartal 2021 saisonbereinigt nur um 0,2 Prozent über dem Niveau des vierten Quartals, das allerdings nachträglich nach oben korrigiert wurde. Im Maschinenbau stieg die Produktion im 1. Quartal um +6,0 Prozent, in der Elek­tro­­industrie um +3,8 Prozent und bei den Herstellern von Metallerzeugnissen um +3,5 Prozent gegenüber Q4 2020. Dagegen nahm die Produktion im Fahrzeugbau im 1. Quartal um 9,9 Prozent ab. Ursache waren vor allem fehlende Teile (Halbleiter) – ein Problem, das zunehmend auch andere M+E-Branchen betrifft. Die Kapazitätsauslastung stieg nach dem Tiefpunkt im April 2020 (67 Prozent) im April 2021 auf 87,8 Prozent. 

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Februar 2021 mit 3,85 Mio. Mitarbeitern saisonbereinigt um 3,8 Prozent niedriger als im Vorjahr. Gegenüber Januar 2021 nahm die Beschäftigung saisonbereinigt um etwa 16.600 ab. Ein Grund für den starken Beschäftigungsabbau zu Jahresbeginn liegt in der weiterhin schwierigen Situation der Automobilindustrie, die zudem auf die Zuliefererbranchen ausstrahlt. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unterneh­men lassen auf einen weiteren leichten Beschäftigungsabbau schließen. Seit April 2019 hat die M+E-Industrie per Saldo rund 205.000 Arbeitsplätze verloren. Im Aufschwung nach der Krise 2008/09 hatte die Branche 619.400 Arbeitsplätze geschaffen und so die Verluste in der Krise mehr als wettgemacht. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 470.000. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2019 deutlich gesunken, von 212.000 im Juni 2018 auf 146.000 im Juni 2019. Sie lag damit bei 3,6 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung. 

Arbeitsmarkt. Nachdem sich die Erholung am Arbeitsmarkt zuletzt etwas abgeschwächt hat, setzt sich der positive Trend der Monate davor im April wieder fort. In den M+E-Facharbeiterberufen ist die Zahl der Arbeitslosen im April 2021 gesunken, die Zahl der offenen Stellen wieder gestiegen: Die Bundesagentur für Arbeit zählte in den M+E-Berufen saisonbereinigt 164.000 Arbeitslose, nur noch 3,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 117.200 offene Stellen gemeldet, ein Rückgang um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Januar 2021 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 473.600 Kurzarbeiter – etwa 14.000 mehr als im Dezember und etwa 1,1 Millionen weniger als im Mai 2020. Die Anzeigen der M+E-Industrie zur Kurzarbeit betrafen im April 69.100 Personen (März: 44.400).

Verdienste. Im vierten Quartal 2020 sind die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,2 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gesunken, die Bruttostundenverdienste stiegen hingegen um 1,8 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2020 sind die Monatsverdienste um 4,1 Prozent gesunken und die Stundenverdienste um 1,8 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Ein starker Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden führte im Durchschnitt Januar/Februar 2021 zu einem Anstieg der Arbeitskosten je Stunde um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Anstieg der Produktivität um 0,2 Prozent konnte das nur wenig ausgleichen, so dass die Lohnstückkosten im Januar/Februar um 5 Prozent stiegen. Im Jahr 2020 sind die Lohnstückkosten um 7,8 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,3 Prozent höher und die Produktivität um 5,1 Prozent niedriger als im Vorjahr . Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: Während die Ölpreise (-42,4 Prozent) und Gaspreise (-26,0 Prozent) im zweiten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich gesunken sind, stiegen die Strompreise um 5,8 Prozent.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind seit Ende 2016 kontinuierlich gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2020 um 0,6 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im dritten Quartal um 0,2 Prozent, die Importpreise nahmen mit -1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2020 bei 0,5 Prozent (nach 1,4 in 2019) und im März 2021 bei +1,7 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage vom September 2020 erwarten die M+E-Unternehmen 2020 im Schnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von nur noch 0,9 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 1,3 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge sind durch die Corona-Krise um rund 60 gegenüber den schon schwachen Werten des Jahres 2019 eingebrochen. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2019 mit 833 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (746 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie hat sich im April 2021 mit 107,3 Punkten weiter deutlich verbessert (Vormonat: 105,2 Punkte). Im April 2020 war er auf 68,8 Punkte regelrecht abgestürzt. Die Beurteilung der Geschäftslage hat sich ebenfalls verbessert: der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen stieg von 21,1 Punkten auf 31,7 Punkte. Die positive Entwicklung bei den Erwartungen der M+E-Unternehmen fand im März eine Unterbrechung: Der Saldo sank von 29,4 Punkten auf 27,5 Punkte. 

Entwicklung 2021. Nach zwei Rezessionsjahren in Folge, der Rezession 2019 (Produktion: -4,5 Prozent) und der noch viel schwereren Rezession 2020 (-14 Prozent), befindet sich die M+E-Industrie 2021 auf dem Pfad der Erholung. Auch wenn sich das Geschäftsklima zu Jahresbeginn deutlich aufgehellt hat, bleibt das Bild der M+E-Industrie insgesamt durchwachsen, die Corona-Unsicherheiten bestehen fort. In Abhängigkeit vom weiteren Pandemieverlauf im In- und Ausland und der globalen wirtschaftlichen Erholung ist für die M+E-Industrie 2021 ein Wachstum in der Produktion um mindestens 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu erwarten. Das Vorkrisenniveau von 2018 wird voraussichtlich erst im Jahresverlauf 2022 wieder erreicht.

Stand: 07.05.2021