Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Die Metall- und Elektro-Industrie wird durch die Corona-Krise in eine tiefe Rezession gezwungen. Ihr Ausmaß wird durch die Daten bei Auftragseingang und Produktion im zweiten Quartal deutlich: Beide Größen sind im Vergleich zu den noch positiven Daten von Januar/Februar um fast ein Drittel eingebrochen. Allerdings signalisieren die Werte für Mai, Juni und Juli eine Aufwärtsentwicklung von niedrigem Niveau aus – mit einer ersten Abschwächung im Juli. Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage hat sich im August weiter verbessert, bleibt aber deutlich im negativen Bereich. Der Anstieg der Geschäftserwartungen wurde etwas gebremst. Die M+E-Unternehmen mussten im Mai 2019 zum ersten Mal seit neun Jahren die Zahl der Mitarbeiter reduzieren. Bis Juli 2020 haben sie mehr als 136.000 Arbeitsplätze abgebaut. Die Beschäftigungspläne lassen keine Besserung erwarten. Die schwierige Lage zeigt sich auch in der Kurzarbeit: Nach Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im Mai 2020 rund 1,51 Millionen Beschäftigte der M+E-Industrie in Kurzarbeit – nach rund 1,41 Millionen im April. Nach den Ergebnissen der dritten Blitzumfrage von Gesamtmetall für die M+E-Industrie lag die Kurzarbeit im Juni weiter bei 1,5 bis 1,6 Millionen. Die M+E-Unternehmen waren ohnehin durch weltwirtschaftliche Faktoren und die Kombination aus Rezession und Strukturwandel verunsichert. Die Corona-Pandemie kommt als extrem belastender Faktor dazu.

Auftragseingang. Im Juli 2020 ist der Auftragseingang gegenüber dem zweiten Quartal, das durch den Absturz im April geprägt war, saisonbereinigt um 29,3 Prozent gestiegen. Das ist nach den positiven Werten von Mai und Juni ein weiterer Schritt aus der Krise. Dabei sind die Auslandsaufträge erfreulich stark um 40 Prozent gestiegen, die Inlandsaufträge um 16 Prozent. Im Juli sind die Auftragseingänge gegenüber Q2 in der Elektroindustrie um 12 Prozent, im Maschinenbau um 13 Prozent, bei den Herstellern von Metallerzeugnissen um 22 Prozent und im Fahrzeugbau um fast 56 Prozent gestiegen.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Juli 2020 saisonbereinigt um 18,2 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals. Das Juli-Niveau spiegelt die Erholung seit dem Tiefpunkt der Produktion im April wider. Unter den großen M+E-Branchen erholte sich vor allem der Fahrzeugbau – und darunter die Automobilindustrie ­– am stärksten und lag im Juli 55,6 Prozent über dem Niveau von Q2; bei den Herstellern von Metallerzeugnissen waren es +10,9 Prozent, im Maschinenbau +6,2 Prozent und in der Elektroindustrie +4,8 Prozent. Die Kapazitätsauslastung stieg nach dem Tiefpunkt im April 2020 (67 Prozent) im Juli auf 73,5 Prozent.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Juli 2020 mit 3.921.000 Mitarbeitern saisonbereinigt um 3,2 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Gegenüber Juni 2020 nahm die Zahl um etwa 26.600 ab. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen auf einen weiteren Beschäftigungsabbau schließen. Seit April 2019 hat die M+E-Industrie per Saldo rund 136.000 Arbeitsplätze verloren. Im Aufschwung nach der Krise 2008/09 hatte die Branche 620.000 Arbeitsplätze zusätzlich geschaffen und dadurch die Verluste in der Krise mehr als wettgemacht. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 481.600. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2019 deutlich gesunken, von 212.000 im Juni 2018 auf 146.000 im Juni 2019. Sie lag damit bei 3,6 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Der Konjunktureinbruch durch die Corona-Krise zeigt sich inzwischen sehr deutlich auf dem Arbeitsmarkt. Im August 2020 gab es in den M+E-Facharbeiterberufen erheblich mehr Arbeitslose als gemeldete offene Stellen: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im August in den M+E-Berufen saisonbereinigt 185.500 Arbeitslose, rund 59.800 mehr als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 100.100 ungeförderte offene Stellen gemeldet, ein Rückgang um 54.600 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Mai 2020 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 1,509 Millionen Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrafen im August rund 67.200 Personen.

Verdienste. Im ersten Quartal 2020 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 0,1 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 1,4 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2019 sind die Monatsverdienste um 1,2 Prozent und die Stundenverdienste um 1,4 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis Juli 2020 um 12,6 Prozent deutlich gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,2 Prozent höher und die Produktivität um 8,4 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2019 waren die Lohnstückkosten um 7,5 Prozent gestiegen. Hier lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,3 Prozent höher und die Produktivität um 3,9 Prozent niedriger als 2018. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind seit Ende 2016 kontinuierlich gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im zweiten Quartal 2020 um 0,4 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im zweiten Quartal um 0,7 Prozent, die Importpreise nahmen mit -0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2019 bei 1,4 Prozent und im August 2020 bei ±0,0 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage vom Mai 2020 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2019 im Schnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 3,5 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge haben sich damit spürbar verschlechtert. Dies dürfte nicht zuletzt auf die schwache M+E-Konjunktur im Rezessionsjahr 2019 und die deutlich gestiegenen Arbeitskosten zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2019 mit 833 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (746 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie hat sich im August 2020 mit 89,1 Punkten weiter verbessert (Juli: 84,5 Punkte). Im April war er auf 68,8 Punkte regelrecht abgestürzt. Die Lagebeurteilungen der Unternehmen sind zuletzt von einem sehr niedrigem Niveau aus gestiegen: der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage nahm von -48 Punkte auf -31 Punkte zu. Die positive Entwicklung bei den Erwartungen der M+E-Unternehmen wurde leicht abgebremst: Der Saldo hat sich von +15 Punkte auf +16 Punkte verbessert.

Entwicklung 2020. Für die M+E-Industrie war 2019 ein Rezessionsjahr: Die Produk­tion lag im Jahresdurchschnitt um 4,5 Prozent unter Vorjahresniveau. Für das Jahr 2020 stehen alle Prognosen unter dem Vorbehalt, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht abzusehen sind. Nach einem mittleren Szenario wird die Produktion 2020 im Jahresdurchschnitt etwa -15 bis -17 Prozent unter Vorjahr liegen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre ist Mitte 2019 ausgelaufen. Eine Wende zu Positiven ist nicht vor Mitte 20221 zu erwarten.

Stand: 15. September 2020