Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

M+E & Zahl: Konjunkturbericht zweites Halbjahr 2019

Die Metall- und Elektro-Industrie wird durch die Auswirkungen der Corona-Epidemie in eine tiefe Rezession gezwungen. Das Ausmaß dieses Rückgangs wird durch die April-Daten bei Auftragseingang und Produktion deutlich: Beide Größen sind im Vergleich zu den noch positiven Daten von Januar/Februar um etwa 40 Prozent eingebrochen. Entsprechend negativ fällt die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage aus, die sich im Juni noch einmal verschlechtert hat. Dagegen haben sich die Geschäftserwartungen deutlich erholt und stärken die Aussicht auf eine bessere Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte. Die M+E-Unternehmen mussten im Mai 2019 zum ersten Mal seit neun Jahren die Zahl der Mitarbeiter reduzieren. Bis April 2020 haben sie seitdem mehr als 80.000 Arbeitsplätze abgebaut. Die Beschäftigungspläne lassen keine Besserung erwarten. Die schwierige Lage zeigt sich auch in der Kurzarbeit: Die Ergebnisse zweier Blitzumfragen von Gesamtmetall im April und Mai lassen befürchten, dass bis zu zwei Millionen M+E-Beschäftigte in Kurzarbeit waren. Die von der Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlichten Anzeigen zur Kurzarbeit im April und Mai für rund zwei Millionen Personen in der M+E-Industrie stützen diesen Befund. Im Juni lag die Kurzarbeit nach Auswertung einer dritten Umfrage noch bei 1,6 Millionen. Die M+E-Unternehmen waren ohnehin durch weltwirtschaftliche Faktoren und die Kombination aus Rezession und Strukturwandel tief verunsichert. Die Corona-Pandemie kommt nun als extrem belastender Faktor dazu.

Auftragseingang. Im April 2020 ist der Auftragseingang gegenüber dem ersten Quartal 2020 saisonbereinigt um 38 Prozent gesunken und gegenüber dem Vor-Corona-Niveau von Januar/Februar sogar um 42 Prozent. Dabei lagen die Auslandsaufträge im April um 46 Prozent und die Inlandsaufträge um 36 Prozent unter dem Niveau von Januar/Februar. In diesem Zeitraum sind die Auftragseingänge in der Elektroindustrie um 21 Prozent gesunken, im Maschinenbau um 32 Prozent und bei den Herstellern von Metallerzeugnissen um 36 Prozent. Im Fahrzeugbau lag das Minus sogar bei 60 Prozent.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im April saisonbereinigt um 37 Prozent unter dem Niveau des 1. Quartals 2020. Im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau von Januar/Februar ging die Produktion im April um 40 Prozent zurück. Alle Branchen mussten in diesem Zeitraum ein sehr deutliches Minus verbuchen: Von -16 Prozent in der Elektroindustrie über -29 Prozent bei den Herstellern von Metallerzeugnissen und im Maschinenbau bis zu -74 Prozent im Fahrzeugbau. Die Kapazitätsauslastung sank im April 2020 krisenbedingt auf 67 Prozent und damit erheblich unter den langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im April 2020 mit 3.976.900 Mitarbeitern saisonbereinigt um 2,0 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Gegenüber März 2020 nahm die Zahl um etwa 17.000 ab. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen auf einen weiteren Beschäftigungsabbau schließen. Seit April 2019 hat die M+E-Industrie per Saldo rund 81.000 Arbeitsplätze verloren. Im Aufschwung nach der Krise 2008/09 hatte die Branche 621.000 Arbeitsplätze zusätzlich geschaffen und dadurch die Verluste in der Krise mehr als wettgemacht. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 484.000. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2019 deutlich gesunken, von 212.000 im Juni 2018 auf 146.000 im Juni 2019 und lag damit bei 3,6 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Der Konjunktureinbruch durch die Corona-Krise zeigt sich bereits auf dem Arbeitsmarkt. Im Juni 2020 gab es in den M+E-Facharbeiterberufen deutlich mehr Arbeitslose als gemeldete offene Stellen: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Juni 2020 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 181.300 Arbeitslose, rund 59.800 mehr als im Vorjahresmonat. Andererseits waren knapp 105.400 ungeförderte offene Stellen gemeldet, ein Rückgang um 57.200 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im März 2020 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 417.700 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Juni 2020 rund 117.200 Personen.

Verdienste. Im ersten Quartal 2020 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 0,1 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 1,4 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2019 sind die Monatsverdienste um 1,2 Prozent und die Stundenverdienste um 1,4 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis April 2020 um knapp 13,5 Prozent deutlich gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,8 Prozent höher und die Produktivität um 8,5 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2019 waren die Lohnstückkosten um 7,5 Prozent gestiegen. Hier lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,3 Prozent höher und die Produktivität um 3,9 Prozent niedriger als 2018. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind seit Ende 2016 kontinuierlich gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im ersten Quartal 2020 um 0,6 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im ersten Quartal um 0,9 Prozent, die Importpreise nahmen mit -0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr leicht ab. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2019 bei 1,4 Prozent und im Mai 2020 bei +0,6 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage vom Mai 2020 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2019 im Schnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 3,5 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge haben sich damit spürbar verschlechtert. Dies dürfte nicht zuletzt auf die schwache M+E-Konjunktur im Rezessionsjahr 2019 und die deutlich gestiegenen Arbeitskosten zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2019 mit 833 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (746 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie hat sich im Juni 2020 mit 78,9 Punkten weiter verbessert (Mai: 73,1 Punkte). Im April war er auf 68,8 Punkte regelrecht abgestürzt. Zwar haben sich im Kontext der Corona-Krise die Lagebeurteilungen der Unternehmen noch einmal leicht verschlechtert: der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage nahm von -56 Punkte auf -57 Punkte ab. Aber der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen hat sich von -30 Punkte auf ±0 Punkte sehr deutlich verbessert.

Entwicklung 2020. Für die M+E-Industrie war 2019 ein Rezessionsjahr: Die M+E-Produk­tion lag im Jahresdurchschnitt 2019 um 4,5 Prozent unter Vorjahresniveau. Für das Jahr 2020 stehen alle Prognosen unter dem Vorbehalt, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht abzusehen sind. Klar ist aber, dass die Corona-Krise die schwierige Lage erheblich verschärfen und verlängern wird. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre ist Mitte 2019 ausgelaufen.

Stand: 1. Juli 2020