Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Die Metall- und Elektro-Industrie wird durch die Corona-Krise in eine tiefe Rezession gezwungen: Nach einem regelrechten Absturz im zweiten Quartal, hat sich die Lage im Spätsommer von niedrigem Niveau aus wieder etwas erholt: Auftragseingang und Produktion haben sich bis zum September 2020 spürbar verbessert. Auch wenn damit offensichtlich der Tiefpunkt der Entwicklung durchschritten ist, bleibt die M+E-Industrie noch deutlich unter dem Vorkrisen-Niveau und noch weit von einem Niveau voll ausgelasteter Kapazitäten entfernt. Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage hat sich im November weiter verbessert, bleibt aber im negativen Bereich. Die Geschäftserwartungen haben sich indes weiter verschlechtert. Die M+E-Unternehmen mussten im Mai 2019 zum ersten Mal seit neun Jahren die Zahl der Mitarbeiter reduzieren. Bis September 2020 haben sie mehr als 154.000 Arbeitsplätze abgebaut. Die Zahl der Kurzarbeiter ist nach ersten Hochrechnungen der Bun­desagentur für Arbeit von rund 1,5 Mio. im Mai auf rund 1,05 Mio. im Juli 2020 zurückgegangen. Nach den Ergebnissen der vierten Blitzumfrage von Gesamtmetall für die M+E-Industrie lag die Kurzarbeit im Oktober bei rund 900.000 Personen. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie scheinen die M+E-Unternehmen in den Griff zu bekommen. Der Strukturwandel – ausgelöst durch die gravierenden Veränderungen in der Automobilindustrie - rückt damit stärker in den Mittelpunkt.

Auftragseingang. Im dritten Quartal 2020 ist der Auftragseingang gegenüber dem zweiten Quartal, das durch den Absturz im April geprägt war, saisonbereinigt um 34,4 Prozent gestiegen. Das ist nach den positiven Werten von Mai und Juni ein weiterer Schritt aus der Krise. Dabei sind die Auslandsaufträge erfreulich stark um 48,0 Prozent gestiegen, die Inlandsaufträge um 18,2 Prozent. Die Auftragseingänge nahmen in der Elektroindustrie um 15,3 Prozent, im Maschinenbau um 17,8 Prozent, bei den Herstellern von Metallerzeugnissen um 32,8 Prozent und im Fahrzeugbau um 59,4 Prozent zu.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im dritten Quartal 2020 saisonbereinigt um 18,9 Prozent über dem Niveau des zweiten Quartals. Das Niveau im dritten Quartal spiegelt die Erholung seit dem Tiefpunkt der Produktion im April wider. Unter den großen M+E-Branchen erholte sich vor allem der Fahrzeugbau – und darunter die Automobilindustrie ­– am stärksten und lag im September 53,6 Prozent über dem Niveau von Q2; bei den Herstellern von Metallerzeugnissen waren es +16,1 Prozent, im Maschinenbau +6,4 Prozent und in der Elektroindustrie +5,5 Prozent. Die Kapazitätsauslastung stieg nach dem Tiefpunkt im April 2020 (67 Prozent) im Oktober auf 79,9 Prozent.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im September 2020 mit 3.902.900 Mitarbeitern saisonbereinigt um 3,5 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Gegenüber August 2020 nahm die Zahl um etwa 5.100 ab. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen auf einen weiteren Beschäftigungsabbau schließen. Seit April 2019 hat die M+E-Industrie per Saldo rund 154.100 Arbeitsplätze verloren. Im Aufschwung nach der Krise 2008/09 hatte die Branche 620.200 Arbeitsplätze zusätzlich geschaffen und dadurch die Verluste in der Krise mehr als wettgemacht. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 480.700. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2019 deutlich gesunken, von 212.000 im Juni 2018 auf 146.000 im Juni 2019. Sie lag damit bei 3,6 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Der Konjunktureinbruch durch die Corona-Krise zeigt sich inzwischen sehr deutlich auf dem Arbeitsmarkt. Im Oktober 2020 gab es in den M+E-Facharbeiterberufen erheblich mehr Arbeitslose als gemeldete offene Stellen: Die Bundesagentur für Arbeit zählte in den M+E-Berufen saisonbereinigt 187.500 Arbeitslose, rund 57.300 mehr als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 103.900 ungeförderte offene Stellen gemeldet, ein Rückgang um 43.300 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Juli 2020 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 1,05 Mio. Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrafen im Oktober rund 28.200 Personen.

Verdienste. Im zweiten Quartal 2020 sind die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 9,6 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gesunken, die Bruttostundenverdienste stiegen hingegen um 2,5 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2019 sind die Monatsverdienste um 1,2 Prozent und die Stundenverdienste um 1,4 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Jan. bis Sept. 2020 um 11,1 Prozent deutlich gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,1 Prozent höher und die Produktivität um 7,3 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2019 waren die Lohnstückkosten um 7,5 Prozent gestiegen. Hier lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,3 Prozent höher und die Produktivität um 3,9 Prozent niedriger als 2018. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: Während im zweiten Quartal 2020 die Ölpreise (-42,4 Prozent) und Gaspreise (-26,0 Prozent) gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich gesunken sind, stiegen die Strompreise um 5,8 Prozent.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind seit Ende 2016 kontinuierlich gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im dritten Quartal 2020 um 0,5 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im dritten Quartal um 0,2 Prozent, die Importpreise nahmen mit -1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2019 bei 1,4 Prozent und im Oktober 2020 bei ‑0,2 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage vom September 2020 erwarten die M+E-Unternehmen 2020 im Schnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von nur noch 0,9 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 1,3 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge sind durch die Corona-Krise um rund 60 gegenüber den schon schwachen Werten des Jahres 2019 eingebrochen. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2019 mit 833 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (746 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie hat sich im November 2020 mit 93,9 Punkten weiter verbessert (Oktober: 93,5 Punkte). Im April war er auf 68,8 Punkte regelrecht abgestürzt. Die Lagebeurteilungen der Unternehmen sind zuletzt von einem sehr niedrigem Niveau aus gestiegen: der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage nahm von -12 Punkte auf -4 Punkte zu. Die positive Entwicklung bei den Erwartungen der M+E-Unternehmen hat sich indes nicht fortgesetzt: Der Saldo hat sich nochmals von +13 Punkte auf +6 Punkte verschlechtert.

Entwicklung 2020. Für die M+E-Industrie war 2019 ein Rezessionsjahr: Die Produk­tion lag im Jahresdurchschnitt um 4,5 Prozent unter Vorjahresniveau. Für das Jahr 2020 stehen alle Prognosen unter dem Vorbehalt, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht abzusehen sind. Nach einem mittleren Szenario wird die Produktion 2020 im Jahresdurchschnitt etwa -15 bis -17 Prozent unter Vorjahr liegen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre ist Mitte 2019 ausgelaufen. Eine Stabilisierung ist nicht vor Mitte 2021 zu erwarten.

Stand: 24. November 2020