M+E in Zahlen

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Ukraine-Krieg, Null-Covid-Politik in China sowie Preisexplosionen bei Energie und Rohstoffen stoppten die Erholung der M+E-Industrie. Die Produktion bewegt sich auf schwachem Niveau nur seitwärts, während die Neuaufträge sukzessive nachgeben. Beschäftigung und Arbeitsvolumen erholten sich ungeachtet der globalen Krisen weiter. Die Situation ist aber sehr heterogen: Arbeitskräfteengpässe bremsen Wachstumsfelder aus, während auf der anderen Seite Kurzarbeit noch viele Arbeitsplätze in von Lieferengpässen betroffenen Unternehmen sichert. Zwar wird die Lage noch überwiegend positiv beurteilt, die Kostenexplosionen und massiven Verwerfungen an den Energiemärkten machen allerdings die bisherigen Kalkulationen obsolet und entwerten zunehmend die vermeintlich hohen Auftragsbestände, zumal die globale Konjunktur am Kippen ist. Dies spiegelt sich in deutlich sinkenden Erträgen wider.•Die extrem hohe Unsicherheit und Volatilität verdüstern den weiteren Ausblick. Erwartungen und Prognosen werden von Monat zu Monat weiter abwärtskorrigiert.

M+E-Auftragseingänge geben seit März sukzessive nach. Bereits im Q2/2022 lagen die Neuaufträge preisbereinigt 5% unter dem Niveau vom Q1/2022. Die Auslandsnachfrage schwächelt mit -8% zum Vorquartal besonders stark. Die Inlandsnachfrage gab um 1% nach. Im Juli verringerte sich der Auftragseingang weiter. Das Niveau vom Juli 2021 wurde um 14% unterschritten. Im Gesamtjahr Jan-Jul ergibt sich inzwischen ein Rückgang um 3% zum Vorjahreszeitraum.

Die M+E-Produktion entwickelt sich weiterhin nur seitwärts. Im Juli gab der Index um 1,3% gegenüber Juni nach. Zum Durchschnitt des Vorquartals, welcher durch die Einbrüche aufgrund fehlender Teile im geprägt war, war die Produktion nahezu unverändert. Materialmangel & Kostenexplosionen bremsen die Entwicklung. Hinzu kommen ein hoher Krankenstand & zunehmende Arbeitskräfteengpässe. Der Abstand zum Vorkrisenniveau 2018 bleibt weiter groß. Die M+E-Industrie müsste um 12% wachsen, um dieses wieder zu erreichen, was mit Blick auf die globalen Krisen derzeit illusorisch ist.

M+E-Branchen. Die bereits ausgeprägte Heterogenität in der M+E verstärkte sich infolge der globalen Krisen weiter. Elektroindustrie & Maschinenbau verzeichnen eine überdurchschnittliche Auftragslage. Die Produktion kommt dieser aber nicht hinterher. Dagegen schwächten sich die Bestellungen bei Automotive & Zulieferern ab. Die aktuellen Auto-Produktionszahlen deuten zumindest auf eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau (rd. -1/3 zu 2018) hin, nachdem sich hier die Lieferengpässe etwas entspannt haben.

Auslastung. Kapazitätsauslastung (87%) & Auftragsreichweite (6,0 Monate) sind im Q3/2022 weiterhin auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Der Auftragsbestand wird zwar weiterhin überwiegend gut, allerdings etwas schlechter als in den Vormonaten bewertet. In den Werten spiegeln sich die anhaltenden und breiten Engpässe und die damit einhergehenden Probleme bei der Abarbeitung der Aufträge wider.

Produktionsbehinderungen verschärfen sich infolge der globalen Krisen weiter. Im Q3/2022 ist die Produktion in 91% der M+E-Firmen eingeschränkt – ein neuerlicher Rekordwert. Material- und Lieferengpässe verschärften sich im September wieder. Zudem nimmt der Arbeitskräftemangel deutlich zu und betrifft inzwischen fast jedes 2. Unternehmen. Hintergrund: Die MINT-Fachkräftelücke erreicht wieder das Rekordniveau von Ende 2018.

Die M+E-Beschäftigung lag im Juli 2022 mit über 3, 9 Mio. saisonbereinigt wieder leicht über dem Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Mitarbeiterzahl um 0,8% bzw. 31k, wobei die Entwicklung zwischen +3,9% in der Elektroindustrie und -1,6% bei Automotive schwankt.
Kurzarbeit. Im Mai arbeiteten 147k M+E-Beschäftigte kurz. Das waren etwas weniger als im März & April. Die Personalpläne haben sich seit Jahresbeginn abgeschwächt, bleiben aber aufwärtsgerichtet. Im August planten 19% der M+E-Firmen Personal aufzubauen, während 9% mit einer Reduzierung rechneten.

Verbraucherpreise stiegen im August um 7,9% zum Vorjahr. Aufgrund der Energiekrise drohen laut Bundesbank zweistellige Inflationsraten im Herbst.
Erzeugerpreise erhöhten sich im August um einen neuerlichen Rekordwert von 46%. Diese Zahlen spiegeln die Kostenexplosionen bei Energie aufgrund massiver Verwerfungen auf den Strom- & Gasmärkten wider. Vorleistungs-güter sind infolge der gestiegenen Energie- & Rohstoffkosten ebenfalls deutlich teurer als im Vorjahr. Deren Anstieg schwächt sich aufgrund der schwächeren Weltkonjunktur aber ab. Die Preise für M+E-Erzeugnisse kommen mit den Kostenexplosionen im Einkauf nicht hinterher und verteuerten sich mit 10% nur weit unterdurchschnittlich.

Gewinne. Die unkalkulierbaren Kostensteigerungen können in der M+E-Industrie nicht über eigene Preise kompensiert werden, wodurch die Gewinne in Breite rückläufig sind. Eine Mehrzahl der M+E-Unternehmen bewertet ihre Ertragslage bereits negativ. Besonders im Fahrzeugbau ist die Gewinnsituation schlecht. Zudem erwarten die M+E-Branchen in großer Breite weiter sinkende Erträge für die nächsten Monaten. Im Saldo rechnet ein Viertel der M+E-Firmen mit sinkenden Überschüssen. Der Einbruch bei den Erträgen belastet massiv die notwendigen Investitionen für die nochmals beschleunigten Strukturwandelprozesse.

Lage-Bewertung im September analog zu Vormonaten im Saldo noch positiv (hoher Auftragsbestand stabilisiert). Aber: Kurzfristige Pläne für Produktion & Personal kaum noch aufwärtsgerichtet. Pessimismus für kommendes Halbjahr nimmt immer stärker zu (globale Krisen & Kostenexplosion Energie). Erneute Verschärfung Energiekrise zeigt sich in Preiserwartungen. Frühindikatoren schwanken: Lkw-Verkehr stabilisiert sich. Stromverbrauch entspricht wieder Mittelwert der Vorjahre.

Prognosen. Die dramatische Entwicklung der Energiepreise insbesondere für Gas & Strom stürzen Deutschland in eine Rezession bei gleichzeitiger Inflation. Für 2022 wird ein Rückgang der Industrieproduktion erwartet. Gesamtwirtschaftlich könnte es noch eine formelle Erholung geben, da Händler & Gastronomen nach den Lockdowns wieder öffnen dürfen und der öffentliche Konsum hoch ist. Preisbereinigt wird das Vorkrisenniveau aber unterschritten. Auch für 2023 werden die Prognosen immer weiter abwärtsrevidiert. Im Winterhalbjahr ist mit einer Rezession zu rechnen, die umso stärker ausfällt, je mehr die Energieversorgung eingeschränkt werden muss.