Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

M+E & Zahl: Konjunkturbericht 1. Halbjahr 2019

Die Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2019 in eine Rezession geraten: im Juli 2019 hat sich die schwache Entwicklung der vorausgehenden Monate durch deutliche Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang fortgesetzt. Auch die Stimmung in den Unternehmen hat sich weiter spürbar eingetrübt. Vor allem die Erwartungen haben sich im Laufe der vergangenen Monate stetig verschlechtert und liegen per Saldo im August weiter deutlich im Minus. Infolge der schwachen M+E-Konjunktur sind Kapazitätsauslastung und Auftragsbestände spürbar zurückgegangen: vor allem die Auslastung ist auf ihren langjährigen Durchschnittswert gesunken. Die M+E-Unternehmen haben im zweiten Quartal 2019 zum ersten Mal seit neun Jahren die Zahl der Mitarbeiter reduziert. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen keine Besserung erwarten. Die schwierige Lage zeigt sich auch in den steigenden Zahlen zur Kurzarbeit. Insbesondere die Anzeigen sind zuletzt spürbar gestiegen. Darin spiegelt sich die Verunsicherung der M+E-Unterneh­men durch äußere und innere Faktoren wider: die Diskussionen und Verhandlungen um den Brexit, um Protektionismus und Beschränkungen im internationalen Handel. Die Verunsicherung betrifft nicht nur die M+E-Unter­nehmen, sondern auch die Investoren im In- und Ausland: Ihre merkliche Zurückhaltung trübt das Konjunkturbild.

Auftragseingang. Im Juli 2019 ist der Auftragseingang gegenüber dem zweiten Quartal 2019 saisonbereinigt um 0,7 Prozent zurückgegangen. Während die Inlandsaufträge um 0,3 Prozent zunahmen, lagen die Auslandsaufträge mit -1,5 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals 2019. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief überwiegend negativ: lediglich die Auftragseingänge im Fahrzeugbau stabilisierten sich (±0,0 Prozent). Im Maschinenbau (-0,7 Prozent), im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik (-0,9 Prozent) und in der Metallverarbeitung (-2,4 Prozent) entwickelten sich die Auftragseingänge deutlich rückläufig.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Juli 2019 saisonbereinigt um 2,4 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals 2019. Die Produktion nahm hierbei in allen Branchen spürbar ab: der Maschinenbau fiel gegenüber dem zweiten Quartal 2019 um 0,8 Prozent, die Metallverarbeitung um 1,6 Prozent, der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik um 2,1 Prozent und der Fahrzeugbau um 3,7 Prozent. Die Kapazitätsauslastung sank im Juli 2019 mit 85,2 Prozent auf den langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Juli 2019 mit 4.047.300 Mitarbeitern saisonbereinigt um 0,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Juni 2019 nahm die Zahl um etwa 3.100 ab. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen auf ein Auslaufen des Beschäftigungsaufbaus schließen. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 610.200 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 244.200 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 495.300. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2018 gestiegen, von 195.000 im Juni 2017 auf 212.000 im Juni 2018 und lag damit bei 5,3 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Die schwache M+E-Konjunktur zeigt sich immer deutlicher auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch übertrifft die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen weiterhin die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im August 2019 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 127.900 Arbeitslose, rund 10.100 mehr als im Vorjahresmonat. Andererseits waren knapp 154.600 ungeförderte offene Stellen gemeldet, ein Rückgang um 16.400 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Februar 2018 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 15.200 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Juli 2019 rund 14.200.

Verdienste. Im ersten Quartal 2019 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 3,2 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 3,1 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2018 sind die Monatsverdienste um 2,5 Prozent und die Stundenverdienste um 2,4 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind im ersten Halbjahr 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sehr deutlich um 8,3 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,9 Prozent höher und die Produktivität um 5,0 Prozent niedriger als im Vorjahr. Im Gesamtjahr 2018 waren die Lohnstückkosten um 4,4 Prozent gestiegen. Hier lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,5 Prozent höher und die Produktivität um 0,9 Prozent niedriger als 2017. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind seit Ende 2016 kontinuierlich gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im zweiten Quartal 2019 um 1,0 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im ersten Quartal um 1,0 Prozent, die Importpreise stagnierten gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2018 bei 1,8 Prozent und im August 2019 bei +1,4 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von Mai 2019 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2018 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,4 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 3,9 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge haben sich damit spürbar verschlechtert. Dies dürfte nicht zuletzt auf die deutlich gestiegenen Kosten für Personal und Material zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2018 mit 746 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (915 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im August 2019 weiter gesunken und liegt nun bei 89,2 Punkten (Juli: 89,8 Punkte). Während sich der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage bei +2 stabilisierte, ging der Saldo der Erwartungen der M+E-Unterneh­men von -16 auf -20 Punkte zurück und bleibt damit weiter deutlich im negativen Bereich.

Entwicklung 2019. Nach einem jahresdurchschnittlichen Wachstum der M+E-Produktion in 2018 von 1,4 Prozent hat sich im ersten Halbjahr 2019 die Konjunktur deutlich eingetrübt, die M+E-Produktion liegt im Schnitt um fast 5 Prozent unter Vorjahresniveau. Auch wenn durch den statistischen Basiseffekt das zweite Halbjahr günstiger ausfallen sollte, ist für das Jahr 2019 kaum mehr mit einem Wachstum der Produktion zu rechnen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre ist Mitte 2019 ausgelaufen.

Stand: 17. September 2019