M+E in Zahlen

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine und die neuerlichen Lockdowns in China dämpfen die Entwicklung. Die M+E-Produktion erholte sich im April schwächer als erwartet vom Rückgang im März. Der Auftragseingang gab sogar nach. Die bereits ausgeprägte Heterogenität zwischen den M+E-Branchen verstärkte sich nochmals. Aufgrund anhaltend hoher Auftragsbestände wurde die Lage im Mai im Saldo aber noch überwiegend positiv beurteilt.Die  Erwartungen der M+E-Firmen bleiben dagegen mehrheitlich negativ. Lieferengpässe und weiter steigende Kosten belasten Rentabilität und Liquidität. Hinzu kommt die hohe Unsicherheit und Volatilität angesichts der globalen Krisen. Das Risiko eines Wirtschaftseinbruchs ist insbesondere bei einem russischen Gas-Stopp weiterhin groß. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau 2018 bleibt daher vorerst ausgeschlossen.

Die M+E-Auftragseingänge sanken im April 2022 mit -2,5% den zweiten Monat in Folge (März: -5,1%). In Summe unterschreiten die Neuaufträge das Vorjahresniveau inzwischen um 6%. Die Auslandsnachfrage schwächelt besonders, wenngleich das Niveau trotz der globalen Krisen im Vergleich zur Inlandsnachfrage noch hoch ist. Die Abschwächung der Neuaufträge betraf die M+E-Industrie in Breite. Besonders deutlich gingen die Bestellungen bei Automotive zurück.

Die M+E-Produktion erholte sich nach einem deutlichen Rückgang um 4,3% im März im April leicht um 1,2% zum Vormonat. Das Produktionsniveau blieb damit unter dem des Jahreswechsels, womit sich der Abstand zum Vorkrisenniveau 2018 weiter vergrößerte. Die Entwicklung wird weiterhin gedämpft durch Lieferengpässe und Kostensteigerungen. Hinzu kommen ein hoher Krankenstand und Fachkräfteengpässe.

M+E-Branchensituation. Die bereits ausgeprägte Heterogenität und hohe Volatilität in der M+E-Industrie verstärkte sich infolge des Ukraine-Kriegs und der neuerlichen Lockdowns in China weiter. Die Elektroindustrie verzeichnet weiterhin hohe Neuaufträge. Dagegen schwächten sich die Bestellungen bei Automotive und Zulieferern ab. Während sich die Automotive-Produktion auf schwachem Niveau im April etwas erholte, nahm die Produktion im Maschinenbau im April den dritten Monat in Folge ab.

Die Auslastung der Kapazitäten sank im Q2/2022 leicht auf 86%, was in etwa dem langjährigen Durchschnitt (85%) entsprach. Im Mai wurde der Auftragsbestand mit einem Saldo von 34 Punkten weiterhin sehr gut bewertet. Allerdings verschlechterte sich der Indikator um 13 Punkte zum Vormonat. In den Werten spiegeln sich die anhaltenden und breiten Engpässe und die damit einhergehenden Probleme bei der Abarbeitung der Aufträge wider. Allerdings deutet der Auslastungsgrad auch auf eine Kapazitätsanpassung gegenüber 2017/2018 hin.

Produktionsbehinderungen haben sich infolge der globalen Krisen weiter verschärft. Nach einer kurzen Entspannung zu Jahresanfang waren im Mai wieder 9 von 10 M+E-Firmen von Material- und Lieferengpässen betroffen. Auch Fachkräfteengpässe (40% der M+E-Firmen) schränken aufgrund des hohen Krankenstandes und demografischer Effekte weiter an vielen Stellen die M+E-Produktion ein.

Preise. Die Verbraucherpreise stiegen im Mai 2022 um vrs. 7,9% - das stärkste Plus seit gut 40 Jahren. Vor allem die infolge des Ukraine-Krieges nochmals rasant gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise treiben den Trend, wobei Industriefirmen überdurchschnittlich betroffen sind. Inzwischen verstetigt sich aber auch die Kerninflation bei +4,0%. Die importierte Inflation macht die deutsche Volkswirtschaft insgesamt ärmer. Die Preissteigerungen werden zusätzlich verschärft durch Energiewende und Mindestlohnerhöhung sowie die lockere Geldpolitik der EZB, welche eine expansive Fiskalpolitik in Europa erlaubt.

Erzeugerpreise. Teure Energie und Rohstoffengpässe zeigen sich immer stärker in den Erzeugerpreisen, die mit +33,5% im Apr. 2022 so stark wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik stiegen. Den stärksten Einfluss übten Energiepreise mit +87% aus. Zudem verteuern sich Vorleistungen deutlich stärker als Investitionsgüter, was die Kostenseite der meisten M+E-Unternehmen massiv belastet. Seit Februar verteuerten sich Eisen und Stahl im Großhandel um über 25%.

Gewinne. Viele M+E-Firmen sind aufgrund von Engpässen mit einem hohen Bestand an Unfertigen Erzeugnissen, die nicht fertiggestellt werden können, oder Fertigen Erzeugnissen und Teilen in Lagern, die wiederum nicht vom Kunden abgerufen werden, konfrontiert. Die hierfür notwendigen Vorfinanzierungen belasten die Liquidität v. a. im Zulieferbereich und Projektgeschäft. Hinzu kommen inzwischen fast unkalkulierbare Kostensteigerungen, die nur unvollständig und sehr unterschiedlich an die Kunden weitergegeben werden können. Dies verschlechtert die finanzielle Lage vieler M+E-Firmen zusätzlich und führt zu extrem großen Unterschieden bei der Ertragslage.

Die M+E-Beschäftigung lag im März 2022 mit 3,88 Mio. saisonbereinigt auf dem Niveau des Vormonats. Gegenüber dem Vorjahr liegt die Mitarbeiterzahl um 0,5% höher, wobei die Entwicklung zwischen +3,4% in der Elektroindustrie und -2,3% bei Automotive schwankt. Die Personalpläne der M+E-Firmen haben sich seit Jahresbeginn abgeschwächt, sind aber insgesamt noch positiv. Im Mai planten 20% der M+E-Firmen Personal aufzubauen, während 7% mit einer Reduzierung rechneten. Der Großteil der Firmen versucht den Personalstand zu halten.

Ifo-Geschäftsklima. Die Erwartungen der M+E-Firmen haben sich nach dem Absturz im März wieder vorsichtig st abilisiert, sind im Saldo aber weiterhin negativ. Die Lage tendiert leicht abwärts, liegt aber aufgrund eines guten Auftragsbestandes noch überwiegend im positiven Bereich. Auch die Produktions- & Personalpläne sind gedämpft, aber insgesamt noch aufwärtsgerichtet.Lkw-Verkehr gibt im Mai den dritten Monat in Folge nach. Stromverbrauch als ebenfalls wichtiger Frühindikator liegt ~5% unter den Vorjahreswerten.