Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

M+E & Zahl: Konjunkturbericht zweites Halbjahr 2019

Die Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland verharrt auch im vierten Quartal 2019 weiter in der Rezession: die schwache Entwicklung der vorausgehenden Quartale hat sich im Oktober/No­vember durch einen weiteren Rückgang bei der Produktion und im Auftragseingang fortgesetzt. Infolge der schwachen M+E-Konjunktur sind Kapazitätsauslastung und Auftragsbestände spürbar gesunken: vor allem die Auslastung liegt jetzt unter ihrem langjährigen Durchschnittswert. Auch die Stimmung in den Unternehmen bleibt weiter eingetrübt. Allerdings haben sich die Geschäftserwartungen im vierten Quartal stabilisiert – wenn auch ganz deutlich im negativen Bereich. Die M+E-Unternehmen mussten im Mai 2019 zum ersten Mal seit neun Jahren die Zahl der Mitarbeiter reduzieren. Seitdem haben sie Monat für Monat im Schnitt mehr als 2.000 Arbeitsplätze abgebaut. Die Beschäftigungspläne lassen keine Besserung erwarten. Die schwierige Lage zeigt sich auch in den zuletzt deutlich steigenden Zahlen zur Kurzarbeit. Auch die Anzeigen zur Kurzarbeit sind spürbar gestiegen. Darin spiegelt sich die Verunsicherung der M+E-Unterneh­men durch äußere und innere Faktoren wider: die Verhandlungen um den Brexit, der wachsende Protektionismus und Beschränkungen im internationalen Handel. Die Verunsicherung betrifft nicht nur die M+E-Unter­nehmen, sondern auch die Investoren im In- und Ausland: Ihre merkliche Zurückhaltung trübt das Konjunkturbild.

Auftragseingang. Im Oktober/November 2019 ist der Auftragseingang gegenüber dem dritten Quartal 2019 saisonbereinigt um -0,2 Prozent gesunken. Während die Inlandsaufträge um -3,1 Prozent zurückgingen, lagen die Auslandsaufträge mit +1,8 Prozent über dem Niveau des dritten Quartals 2019. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen differierte dabei deutlich: während die Auftragseingänge in der Metallverarbeitung um -2,1 Prozent, in der Elektroindustrie um -1,6 Prozent und Maschinenbau um -6,5 Prozent zurückgegangen sind, gab es im Fahrzeugbau ein Plus von 4,5 Prozent.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Oktober/November 2019 saisonbereinigt um 2,0 Prozent unter dem Niveau des dritten Quartals 2019. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei alle negativ: während die Produktion in der Elektroindustrie aber nur knapp um -0,1 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2019 zurückging, war das Minus in der Metallverarbeitung mit -2,1 Prozent, im Maschinenbau mit -3,1 Prozent und im Fahrzeugbau mit -3,1 Prozent deutlicher. Die Kapazitätsauslastung sank im Oktober 2019 mit 82,9 Prozent unter den langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im November 2019 mit 4.031.200 Mitarbeitern saisonbereinigt um 0,2 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Gegenüber Oktober 2019 nahm die Zahl um etwa 4.700 ab. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen auf einen weiteren Beschäftigungsabbau schließen. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 594.100 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 244.200 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 493.900. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2018 gestiegen, von 195.000 im Juni 2017 auf 212.000 im Juni 2018 und lag damit bei 5,3 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Die schwache M+E-Konjunktur zeigt sich immer deutlicher auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch übertrifft die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Dezember 2019 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 134.100 Arbeitslose, rund 16.900 mehr als im Vorjahresmonat. Andererseits waren knapp 136.800 ungeförderte offene Stellen gemeldet, ein Rückgang um 34.800 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im September 2019 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen mehr als 56.000 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Dezember 2019 rund 33.900.

Verdienste. Im dritten Quartal 2019 stiegen sowohl die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) als auch die Bruttostundenverdienste um 0,9 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2018 sind die Monatsverdienste um 2,5 Prozent und die Stundenverdienste um 2,4 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis November 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sehr deutlich um 8,0 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,5 Prozent höher und die Produktivität um 4,2 Prozent niedriger als im Vorjahr. Im Gesamtjahr 2018 waren die Lohnstückkosten um 4,4 Prozent gestiegen. Hier lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,5 Prozent höher und die Produktivität um 0,9 Prozent niedriger als 2017. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind seit Ende 2016 kontinuierlich gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im dritten Quartal 2019 um 0,9 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im ersten Quartal um 1,0 Prozent, die Importpreise nahmen mit -0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr leicht ab. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2019 bei 1,4 Prozent und im Dezember 2019 bei +1,5 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage vom September 2019 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2019 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 2,8 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 3,5 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt (vorläufige Ergebnisse). Die Erträge haben sich damit spürbar verschlechtert. Dies dürfte nicht zuletzt auf die schwache M+E-Konjunktur und die deutlich gestiegenen Arbeitskosten zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2018 mit 746 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (915 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Dezember 2019 erstmals wieder gestiegen und liegt nun bei 89,5 Punkten (November: 88,8 Punkte). Der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage hat seit seinem Hoch im Januar 2018 kontinuierlich abgenommen und lag im Dezember weiter im negativen Bereich (-1 Punkte). Der Saldo der Erwartungen der M+E-Unterneh­men verbesserte sich zuletzt von -18 auf -15 Punkte.

Entwicklung 2019. Nach einem jahresdurchschnittlichen Wachstum der M+E-Produktion in 2018 von 1,4 Prozent hat sich 2019 die Konjunktur deutlich eingetrübt, die M+E-Produk­tion lag von Januar bis November um 5,2 Prozent unter Vorjahresniveau. Deshalb ist für das Jahr 2019 mit einem deutlichen Rückgang der Produktion von rund 5 Prozent zu rechnen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre ist Mitte 2019 ausgelaufen.

Stand: 20. Januar 2020