Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Die Metall- und Elektro-Industrie wurde durch die Corona-Krise in eine tiefe Rezession gezwungen: Nach einem regelrechten Absturz im zweiten Quartal 2020 hat sich die Lage im Herbst von niedrigem Niveau aus aber wieder merklich erholt: Auftragseingang und Produktion haben sich bis zum Dezember 2020 spürbar verbessert, wobei die Erholung der Auftragseingänge im Dezember zuletzt wieder einen Dämpfer erhielt. Auch wenn damit der Tiefpunkt der Entwicklung durchschritten ist, bleibt die M+E-Industrie noch weit von einem Niveau voll ausgelasteter Kapazitäten entfernt. Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage hat sich im Februar etwas verbessert, bleibt aber weiterhin verhalten. Die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate haben sich ebenfalls verbessert. Die M+E-Unternehmen mussten im Mai 2019 zum ersten Mal seit neun Jahren die Zahl der Mitarbeiter reduzieren. Bis Dezember 2020 haben sie mehr als 161.900 Arbeitsplätze abgebaut. Die Zahl der Kurzarbeiter hat sich von dem historischen Negativrekord von rund 1,5 Millionen im Mai nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit auf rund 661.200 im Oktober 2020 mehr als halbiert. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie scheinen die M+E-Unternehmen in den Griff zu bekommen. Der Strukturwandel – ausgelöst nicht zuletzt durch die gravierenden Veränderungen in der Automobilindustrie – rückt damit stärker in den Mittelpunkt.

Auftragseingang. Im vierten Quartal 2020 ist der Auftragsein­gang gegenüber dem dritten Quartal saisonbereinigt um 6,9 Prozent gestiegen. Das ist nach der positiven Entwicklung im dritten Quartal ein weiterer Schritt aus der Krise. Dabei sind die Auslandsaufträge mit 6,9 Prozent genauso stark gestiegen wie die Inlandsaufträge. Die Auftragseingänge nahmen gegenüber dem Vorquartal im Fahrzeugbau um 2,0 Prozent, in der Elektroindustrie um 10,3 Prozent, bei den Herstellern von Metallerzeugnissen um 7,7 Prozent und im Maschinenbau um 12,0 Prozent zu. 

Produktion. Die M+E-Produktion lag im 4. Quartal 2020 saisonbereinigt um 8,9 Prozent über dem Niveau des dritten Quartals. Dabei spiegelt das Niveau des Q3 die Erholung seit dem Tiefpunkt der Produktion im April wider. Unter den großen M+E-Branchen erholte sich vor allem der Fahrzeugbau – und darunter die Automobilindustrie ­– am stärksten und lag im 4. Quartal 13,1 Prozent über dem Niveau des dritten Quartals; bei den Herstellern von Metallerzeugnissen waren es +8,8 Prozent, in der Elektroindustrie +7,7 Prozent und im Maschinenbau +3,5 Prozent. Die Kapazitätsauslastung stieg nach dem Tiefpunkt im April 2020 (67 Prozent) im Januar 2021 auf 81,9 Prozent. 

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Dezember 2020 mit 3,9 Mio. Mitarbeitern saisonbereinigt um 3,3 Prozent niedriger als im Vorjahr. Gegenüber November 2020 nahm die Zahl um etwa 3.400 ab. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen auf einen weiteren Beschäftigungsabbau schließen. Seit April 2019 hat die M+E-Industrie per Saldo rund 161.900 Arbeitsplätze verloren. Im Aufschwung nach der Krise 2008/09 hatte die Branche 619.400 Arbeitsplätze geschaffen und dadurch die Verluste in der Krise mehr als wettgemacht. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 478.400. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2019 deutlich gesunken, von 212.000 im Juni 2018 auf 146.000 im Juni 2019. Sie lag damit bei 3,6 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung. 

Arbeitsmarkt. Nach dem Konjunktureinbruch durch die Corona-Krise stabilisiert sich der Arbeitsmarkt wieder. In den M+E-Facharbeiterberufen ist die Zahl der Arbeitslosen im Januar 2021 weiter leicht zurückgegangen, die Zahl der offenen Stellen zum fünften Mal gestiegen: Die Bundesagentur für Arbeit zählte in den M+E-Berufen saisonbereinigt 176.800 Arbeitslose, knapp 29 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 109.700 offene Stellen gemeldet, ein Rückgang um etwa 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Oktober 2020 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 661.200 Kurzarbeiter – etwa 62.000 weniger als im September. Die Anzeigen der M+E-Industrie zur Kurzarbeit betrafen im Januar 43.600 Personen (Dezember: 50.400).

Verdienste. Im dritten Quartal 2020 sind die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 4,5 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gesunken, die Bruttostundenverdienste stiegen hingegen um 1,7 Prozent. Im Durchschnitt des Jahres 2019 sind die Monatsverdienste um 1,2 Prozent und die Stundenverdienste um 1,4 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind im Jahr 2020 deutlich um 7,8 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,3 Prozent höher und die Produktivität um 5,1 Prozent niedriger als im Vorjahr. Im Gesamtjahr 2019 waren die Lohnstückkosten um 7,5 Prozent gestiegen. Hier lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,3 Prozent höher und die Produktivität um 3,9 Prozent niedriger als 2018. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: Während im zweiten Quartal 2020 die Ölpreise (-42,4 Prozent) und Gaspreise (-26,0 Prozent) gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich gesunken sind, stiegen die Strompreise um 5,8 Prozent.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind seit Ende 2016 kontinuierlich gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im dritten Quartal 2020 um 0,5 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im dritten Quartal um 0,2 Prozent, die Importpreise nahmen mit -1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2020 voraussichtlich bei 0,5 Prozent (nach 1,4 in 2019) und im Januar 2021 bei +1 Prozent. 

Erträge. Laut ifo-Umfrage vom September 2020 erwarten die M+E-Unternehmen 2020 im Schnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von nur noch 0,9 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 1,3 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge sind durch die Corona-Krise um rund 60 gegenüber den schon schwachen Werten des Jahres 2019 eingebrochen. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2019 mit 833 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (746 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie hat sich im Februar 2021 mit 101,1 Punkten weiter verbessert (Vormonat: 97,7 Punkte). Im April war er auf 68,8 Punkte regelrecht abgestürzt. Die Beurteilung der Geschäftslage hat sich verbessert: der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen stieg von 0,3 Punkten auf knapp 8 Punkte. Nach einem Rücksetzer im November hat sich die positive Entwicklung bei den Erwartungen der M+E-Unternehmen auch im Februar fortgesetzt: Der Saldo stieg von +16 Punkten auf +25 Punkte. 

Entwicklung 2020. Nach 2019 (Produk­tion: -4,5 Prozent) war 2020 das zweite schwere Rezessionsjahr für die M+E-Industrie in Folge. Im Jahresdurchschnitt 2020 lag die M+E-Produktion um 14,1 Prozent unter Vorjahr. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre ist Mitte 2019 ausgelaufen. Eine Stabilisierung ist nicht vor Mitte 2021 zu erwarten.

Stand: 23. Februar 2021