Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

M+E & Zahl: Konjunkturbericht zweites Halbjahr 2019

Die Metall- und Elektro-Industrie wird durch die Auswirkungen der Corona-Epidemie in eine tiefe Rezes­sion gezwungen. Daran ändern auch die leicht positiven Monatswerte bei Produk­tion und Auftragseingang im Januar 2020 nichts, denn der Januar brachte absehbar nur ein kurzes Atemholen, bevor die Auswirkungen der Corona-Krise die wirtschaftliche Lage beherrschen werden. Das zeigt schon die Stimmung in den Unternehmen, die sich im März 2020 außerordentlich eingetrübt hat. Vor allem die Geschäftserwartungen sind eingebrochen und befinden sich auf dem Niveau der Finanzkrise 2008/2009. Die M+E-Unternehmen mussten im Mai 2019 zum ersten Mal seit neun Jahren die Zahl der Mitarbeiter reduzieren. Seitdem haben sie Monat für Monat im Schnitt etwa 3.000 Arbeitsplätze abgebaut. Die Beschäftigungspläne lassen keine Besserung erwarten. Die schwierige Lage zeigt sich auch in den zuletzt deutlich steigenden Zahlen zur Kurzarbeit auf mehr fast 80.000 im November 2019. Auch die Anzeigen zur Kurzarbeit sind spürbar gestiegen. Darin spiegelt sich die Verunsicherung der M+E-Unterneh­men wider, die durch weltwirtschaftliche Faktoren, durch politische Entscheidungen und durch die Kombination von Konjunkturabschwung und Strukturwandel ausgelöst wird. Die Ausbreitung der Corona-Epidemie kommt nun als weiterer extrem belastender Faktor dazu.

Auftragseingang. Im Januar 2020 ist der Auftragseingang gegenüber dem vierten Quartal 2019 saisonbereinigt um 3,4 Prozent gestiegen. Während aber die Auslandsaufträge um +5,9 Prozent über dem Niveau des vierten Quartals 2019 lagen, sind die Inlandsaufträge um -0,5 Prozent zurückgegangen. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen differierte dabei: während die Auftragseingänge im Maschinenbau um 7 Prozent,  in der Elek­troindustrie um 6,1 Prozent und bei der Herstellung von Metallerzeugnissen um 3,1 Prozent gestiegen sind, brachte es der Fahrzeugbau auf gerade +0,7 Prozent.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im Januar 2020 saisonbereinigt um 1,9 Prozent über dem Niveau des vierten Quartals 2019. Die Produktion in der Elektroindustrie stieg um 5,4 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2019, im Maschinenbau um 4,5 Prozent und in der Herstellung von Metallerzeugnissen um 2,5 Prozent. Im Fahrzeugbau dagegen sank das Produktionsniveau im Januar um 2,4 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2019. Die Kapazitätsauslastung stieg im Januar 2020 leicht auf 83,3 Prozent, bleibt aber weiter deutlich unter den langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Januar 2020 mit 4.025.100 Mitarbeitern saisonbereinigt um 0,5 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Gegenüber Dezember 2019 nahm die Zahl um etwa 2.500 ab. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen auf einen weiteren Beschäftigungsabbau schließen. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 593.400 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 244.200 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 488.300. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2019 deutlich gesunken, von 212.000 im Juni 2018 auf 146.000 im Juni 2019 und lag damit bei 3,6 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Die schwache M+E-Konjunktur zeigt sich immer deutlicher auf dem Arbeitsmarkt. Im Februar 2020 gab es in den M+E-Facharbeiterberufen in etwa genauso viele Arbeitslose wie gemeldete offene Stellen: Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Februar 2020 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 134.100 Arbeitslose, rund 18.400 mehr als im Vorjahresmonat. Andererseits waren knapp 133.700 ungeförderte offene Stellen gemeldet, ein Rückgang um 35.700 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im November 2019 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen fast 80.000 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Januar 2020 rund 31.000.

Verdienste. Im vierten Quartal 2019 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 0,4 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 0,9 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2019 sind die Monatsverdienste um 1,2 Prozent und die Stundenverdienste um 1,4 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind 2019 im Vergleich zum Vorjahr sehr deutlich um 8,1 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,3 Prozent höher und die Produktivität um 4,4 Prozent niedriger als im Vorjahr. Im Gesamtjahr 2018 waren die Lohnstückkosten um 4,4 Prozent gestiegen. Hier lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,5 Prozent höher und die Produktivität um 0,9 Prozent niedriger als 2017. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind seit Ende 2016 kontinuierlich gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im vierten Quartal 2019 um 0,7 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im ersten Quartal um 1,0 Prozent, die Importpreise nahmen mit -0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr leicht ab. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2019 bei 1,4 Prozent und im Februar 2020 bei +1,7 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage vom September 2019 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2019 im Schnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 2,8 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 3,5 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt (vorläufige Ergebnisse). Die Erträge haben sich damit spürbar verschlechtert. Dies dürfte nicht zuletzt auf die schwache M+E-Konjunktur und die deutlich gestiegenen Arbeitskosten zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2019 mit 833 Insolvenzen deutlich über dem Niveau des Vorjahres (746 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im März 2020 eingebrochen und liegt nun bei 82,4 Punkten (Februar: 90,7 Punkte). Im Kontext der Corona-Pandemie hat sich die Stimmung der Unternehmen außerordentlich verschlechtert: der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage nahm von -1 Punkte auf -10 Punkte ab, der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen ging von -10 Punkte auf -36 Punkte sehr deutlich zurück.

Entwicklung 2020. Für die M+E-Industrie war 2019 ein Rezessionsjahr: Die M+E-Produk­tion lag im Jahresdurchschnitt 2019 um 5,2 Prozent unter Vorjahresniveau. Für das Jahr 2020 stehen alle Prognosen unter dem Vorbehalt, dass die Auswirkungen der Corona-Epidemie noch nicht abzusehen sind. Klar ist aber, dass die Corona-Krise die schwierige Lage erheblich verschärfen und verlängern wird. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre ist Mitte 2019 ausgelaufen.

Stand: 30. März 2020