Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Foto: Gesamtmetall

Das Konjunkturbild der M+E-Industrie bleibt zum Ende des Sommers weiter uneinheitlich: Einerseits lag das Produktionsniveau in den ersten drei Quartalen noch über dem Vorjahr. Dazu kommen eine überdurchschnittlich hohe Kapazitätsauslastung und große Auftragsbestände auch zu Beginn des vierten Quartals. Zudem ist die Beschäftigung weiter intakt: Die M+E-Unter­nehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im September 2018 saisonbereinigt weiter erhöht. Die Beschäftigungspläne lassen zudem weitere Neueinstellungen erwarten, wenn auch mit geringerer Dynamik. Andererseits fällt der Blick nach vorne weniger positiv aus: die Auftragseingänge haben sich in den ersten drei Quartalen deutlich rückläufig entwickelt und das Konjunkturklima hatte sich nach längerem Rückgang im August/September zwar kurzfristig stabilisiert, verschlechterte sich aber im Oktober wieder deutlich. Darin spiegelt sich die Verunsicherung der M+E-Unternehmen durch äußere und innere Faktoren wider: die Diskussionen um Protektionismus und Beschränkungen im internationalen Handel, der zunehmende Fachkräftemangel u.a.m. Die Verunsicherung betrifft aber nicht nur die M+E-Unternehmen, sondern die Investoren insgesamt, im Inland und im Ausland. Ihre merkliche Zurückhaltung trübt das Konjunkturbild.

Auftragseingang. Im dritten Quartal 2018 ist der Auftragseingang gegenüber dem zweiten Quartal saisonbereinigt um 1,1 Prozent gesunken. Während die Inlandsaufträge um 1,6 Prozent zunahmen, sind die Auslandsaufträge spürbar zurückgegangen (-2,9 Prozent). Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief uneinheitlich: während die Auftragseingänge in der Metallverarbeitung um 0,9 Prozent und im Maschinenbau um 1,1 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal zunahmen, entwickelten sich die Aufträge im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -1,5 Prozent und im Fahrzeugbau mit -3,2 Prozent deutlich rückläufig.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im dritten Quartal 2018 saisonbereinigt um 2,5 Prozent unter dem Niveau des zweiten Quartals 2018. Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei unterschiedlich: während die Produktion gegenüber dem zweiten Quartal in der Metallverarbeitung mit +0,4 Prozent und im Maschinenbau mit +0,6 Prozent zunahm, entwickelte sich die Produktion im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -0,8 Prozent und im Fahrzeugbau mit -6,1 Prozent deutlich rückläufig. Die Kapazitätsauslastung lag im Oktober 2018 mit 89,0 Prozent weiter deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im September 2018 mit 4.025.300 Mitarbeitern saisonbereinigt um 3,0 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber August 2018 nahm die Zahl um etwa 7.100 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten, allerdings mit abnehmender Dynamik. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 588.300 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 244.200 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 494.100. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2017 in absoluten Zahlen leicht gestiegen, von 192.000 im Juni 2016 auf 195.000 im Juni 2017, bleibt aber bei 5 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung immer deutlicher sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Oktober 2018 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 118.200 Arbeitslose, rund 12.300 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 171.200 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 9.900 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im April 2018 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 3.800 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im September 2018 rund 3.000.

Verdienste. Im zweiten Quartal 2018 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,8 Prozent und die Bruttostundenverdienste ebenfalls um 2,8 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2017 sind die Monatsverdienste um 2,1 Prozent und die Stundenverdienste um 1,9 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis August 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,9 Prozent und die Produktivität um 1,0 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. 2017  waren die Lohnstückosten mit +0,2 Prozent nahezu stabil geblieben, weil ein stärkerer Produktivitätsanstieg um 2,7 Prozent den Anstieg der Arbeitskosten (+2,9) fast neutralisierte. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen. Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der verschiedenen Sorten lagen im dritten Quartal 2017 über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind im zweiten Quartal 2018 etwas stärker gestiegen als im ersten Quartal: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im zweiten Quartal 2018 um 1,5 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im zweiten Quartal um 0,6 Prozent, wohingegen die Importpreise um -0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgingen. Die Verbraucherpreise sind 2017 mit einer Jahresrate von 1,8 Prozent schneller gestiegen als 2016 (+0,5 Prozent). Im Oktober 2018 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei +2,5 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von September 2018 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2018 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,5 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 4,4 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge haben sich damit etwas verschlechtert. Dies dürfte nicht zuletzt auf die deutlich gestiegenen Kosten für Personal und Material zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2017 mit 915 Insolvenzen leicht über dem Niveau des Vorjahres (898 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Oktober 2018 spürbar gesunken und liegt nun bei 104,0 Punkten (September: 106,3 Punkte). Dabei nahmen sowohl der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage von +48 auf +46 Punkte sowie der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen von +10 auf +2 Punkte ab.

Aussichten 2018. Trotz einer geringeren Zahl von Arbeitstagen hat die M+E-Industrie 2017 das Wachstumstempo deutlich gesteigert: Die Produktion ist im Jahresdurchschnitt real um 3,6 Prozent gestiegen. 2018 dürfte die M+E-Produktion mit einem etwas geringeren Tempo von bis zu 3 Prozent wachsen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre wird sich 2018 fortsetzen.

Stand: 16.11.2018