Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Foto: Gesamtmetall

Das Konjunkturbild der M+E-Industrie bleibt im Verlauf des Sommers weiter uneinheitlich: Einerseits haben die Unternehmen das hohe Produktionsniveau des 4. Quartals 2017 in der ersten Jahreshälfte 2018 gehalten. Dazu kommen eine überdurchschnittlich hohe Kapazitätsauslastung und große Auftragsbestände zu Beginn des 3. Quartals. Auch die Beschäftigung ist weiter intakt: Die M+E-Unter­nehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im Juni 2018 saisonbereinigt weiter erhöht. Die Beschäftigungspläne lassen zudem weitere Neueinstellungen erwarten. Das spricht für eine stabile Entwicklung zumindest im ersten Halbjahr. Andererseits fällt der Blick nach vorne weniger positiv aus: die Auftragseingänge haben sich im ersten Halbjahr deutlich rückläufig entwickelt und das Konjunkturklima ist im Juli noch einmal gesunken – wenn auch nur noch leicht. Darin spiegelt sich eine gewisse Verunsicherung der M+E-Unternehmen durch äußere und innere Faktoren wider: der stärkere Euro, die Diskussionen um Beschränkungen im internationalen Handel, der zunehmende Fachkräftemangel u.a.m. Die Verunsicherung betrifft aber nicht nur die M+E-Unternehmen, sondern die Investoren insgesamt, im Inland und im Ausland. Ihre merkliche Zurückhaltung trübt das bislang positive Konjunkturbild.

Auftragseingang. Im zweiten Quartal 2018 ist der Auftragseingang gegenüber dem ersten Quartal saisonbereinigt um 3,0 Prozent gesunken. Dabei nahmen die Inlandsaufträge um 2,1 Prozent und die Auslandsaufträge um 3,7 Prozent ab. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief überwiegend negativ: während lediglich die Auftragseingänge gegenüber dem ersten Quartal im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik leicht um 0,5 Prozent zunahmen, entwickelten sich die Aufträge in der Metallverarbeitung mit -2,1 Prozent, im Maschinenbau mit -3,1 Prozent und im Fahrzeugbau mit -5,1 Prozent deutlich rückläufig.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im zweiten Quartal 2018 saisonbereinigt auf dem Niveau des ersten Quartals 2018 (±0,0 Prozent). Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei unterschiedlich: während die Produktion gegenüber dem ersten Quartal in der Metallverarbeitung leicht um 0,1 Prozent und im Fahrzeugbau um 1,6 Prozent zunahm, entwickelte sich die Produktion im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -1,1 Prozent und im Maschinenbau mit -1,5 Prozent spürbar rückläufig. Die Kapazitätsauslastung lag im Juli 2018 unverändert bei 89,9 Prozent und damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Juni 2018 mit 4.000.300 Mitarbeitern saisonbereinigt um 2,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber Mai 2018 nahm die Zahl um etwa 6.700 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 564.200 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 245.600 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 490.300. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2017 leicht gestiegen, von 192.000 im Juni 2016 auf 195.000 im Juni 2017, bleibt aber bei 5 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung immer deutlicher sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Juli 2018 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 119.000 Arbeitslose, rund 16.800 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 170.400 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 17.100 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Januar 2018 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 14.700 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Mai 2018 rund 2.000.

Verdienste. Im ersten Quartal 2018 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 1,8 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 1,7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2017 sind die Monatsverdienste um 2,1 Prozent und die Stundenverdienste um 1,9 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis Juni 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 4,2 Prozent und die Produktivität um 1,7 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. 2017  waren die Lohnstückosten mit +0,2 Prozent nahezu stabil geblieben, weil ein stärkerer Produktivitätsanstieg um 2,7 Prozent den Anstieg der Arbeitskosten (+2,9) fast neutralisierte. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen. Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der verschiedenen Sorten lagen im dritten Quartal 2017 deutlich über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind im zweiten Quartal 2018 etwas stärker gestiegen als im ersten Quartal: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im zweiten Quartal 2018 um 1,5 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im zweiten Quartal um 0,6 Prozent, wohingegen die Importpreise um -0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgingen. Die Verbraucherpreise sind 2017 mit einer Jahresrate von 1,8 Prozent schneller gestiegen als 2016 (+0,5 Prozent). Im Juli 2018 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei +2,0 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von Mai 2018 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2017 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,6 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 4,6 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge haben sich damit etwas verbessert. Das dürfte nicht zuletzt auf die gestiegene Kapazitätsauslastung zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2017 mit 915 Insolvenzen leicht über dem Niveau des Vorjahres (898 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Juli 2018 zum achten Mal in Folge gesunken und liegt nun bei 104,2 Punkten (Juni: 104,4 Punkte). Dabei nahm der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage von +49 auf +48 Punkte ab, während der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen bei +1 Punkt stagnierte.

Aussichten 2018. Trotz einer geringeren Zahl von Arbeitstagen hat die M+E-Industrie 2017 das Wachstumstempo deutlich gesteigert: Die Produktion ist im Jahresdurchschnitt real um 3,6 Prozent gestiegen. 2018 dürfte die M+E-Produktion mit einem etwas geringeren Tempo von 3 bis 3½ Prozent wachsen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre wird sich 2018 fortsetzen.

Stand: 15.08.2018

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