M+E in Zahlen

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Auftragseingänge und Produktion der M+E-Industrie lagen im Q1/2022 um 4% bzw. 1% über dem Niveau von Q4/2021. Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine dämpfte im März aber bereits deutlich die Erholung. Die Stimmung der M+E-Firmen bleibt gemischt: Während die Lage aufgrund hoher Auftragsbestände noch überwiegend positiv beurteilt wird, sind die Erwartungen eingebrochen. Neben dem Ukraine-Krieg verunsichern die absehbaren Folgen der neuerlichen Lockdowns in China auf die Nachfrage und die Lieferung von Vorleistungen. Für die nächsten Monate ist daher mit anhaltenden Engpässen und weiter steigenden Kosten zu rechnen. Die M+E-Produktion wird auch 2022 unter dem Vorkrisenniveau von 2018 bleiben.

Die M+E-Auftragseingänge stiegen im Q1/2022 gegenüber Q4/2021 um 4,3%. Der Zuwachs ging von der Auslandsnachfrage (+7,1%) aus, während die Inlandsaufträge stagnierten. Zudem beeinflussten Großaufträge im Metallbereich und Sonstigen Fahrzeugbau das Ergebnis. Nach Zuwächsen im Januar & Februar sanken die Neuaufträge im März allerdings um 5,3% gegenüber dem Vormonat. Vor allem im Fahrzeug- & Maschinenbau dämpfte der Ukraine-Krieg die Bestellungen.

Die M+E-Produktion lag im Q1/2022 nur um 0,7% über Q4/2021. Nach einer leichten Erholung im Januar & Februar brach die Produktion im März um 4,9% ein. Die stärksten Rückgänge verzeichneten Fahrzeug- & Maschinenbau. Die Produktion bleibt damit weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Sie müsste um 16% wachsen, um den Wert von 2018 zu erreichen. Trotz Anzeichen einer Stabilisierung im April erscheint dies aufgrund des unsicheren Umfeldes als ausgeschlossen.

Die Auslastung der Kapazitäten sank im Q2/2022 leicht auf 86,1%, was in etwa dem langjährigen Durchschnitt (85%) entsprach. Demgegenüber wird der Auftragsbestand mit einem Saldo von 47 Punkten mit einen neuerlichen Rekordwert bewertet. In den Indikatoren spiegeln sich die anhaltenden und breiten Engpässe und die damit einhergehenden Probleme bei der Abarbeitung der Aufträge wider. Allerdings deutet der Auslastungsgrad auch auf eine Kapazitätsanpassung gegenüber 2017/2018 hin.

Produktionsbehinderungen haben sich im Q1/2022 weiter verschärft. Behinderungen aufgrund von Materialengpässen meldeten 83% der M+E-Unternehmen. 40% der M+E-Unternehmen mussten aufgrund von fehlenden Fachkräften die Produktion einschränken. In M+E-Facharbeiterberufen stehen 133.000 Arbeitslose (-24% zum Vorjahr) ~ 150.000 offene Stellen (+34% zum Vorjahr) gegenüber.

Die Anzahl Kurzarbeiter in der M+E stagniert derzeit. Nach Schätzungen des ifo-Instituts waren im April 98k M+E-Beschäftigte in Kurzarbeit. Das Niveau liegt damit weiter unter den Herbst-Werten. Allerdings nimmt seit Februar die Anzahl der Neuanzeigen zu. Mit 66k Personen in Neuanzeigen wurde im April der höchste Wert seit Oktober 2021 verzeichnet. Besonders bei Automotive führen Lieferengpässe weiterhin zu Ausfällen.

Erzeugerpreise. Teure Energie und Rohstoffengpässe zeigen sich immer stärker in den Erzeugerpreisen, die mit +31% im Mrz. 2022 so stark wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik stiegen. Den stärksten Einfluss übten Energiepreise mit +84% aus. Zudem verteuern sich Vorleistungen deutlich stärker als Investitions- & Konsumgüter, was die Kostenseite der meisten M+E-Unternehmen massiv belastet.

Die Verbraucherpreise stiegen im Apr. 2022 um 7,4%, was das stärkste Plus seit gut 40 Jahren bedeutete. Vor allem die explodierenden Energiepreise treiben den Trend. Auch die Kerninflation verstetigt sich bei 3,8% durch Kostenüberwälzungen. Infolge des Russisch-Ukrainischen Krieges und der Mindestlohnerhöhung wurden die Inflationsprognosen massiv nach oben korrigiert. Die M+E-Industrie ist erneut überdurchschnittlich mit Kostensteigerungen konfrontiert. Seit Februar verteuerten sich Eisen und Stahl im Großhandel um über 25%.

Die M+E-Beschäftigung lag im März 2022 bei 3,88 Mio. Saisonbereinigt war  erstmals seit einem Jahr wieder ein leichter Rückgang (-0,1%) zum Vormonat zu verzeichnen. Gegenüber dem Vorjahr liegt die Mitarbeiterzahl um 0,5% höher, wobei die Entwicklung zwischen +3,4% in der Elektroindustrie und -2,3% bei Automotive schwankt.  Die Personalpläne der M+E-Firmen sind deutlich zurückgegangen. Während im April nur noch 16% der Firmen Personal aufbauen wollten, planten konstant 9% eine Reduzierung. Der Großteil der Firmen versucht den Personalstand zu halten.

Das ifo-Geschäftsklima hat sich seit Februar deutlich abgekühlt. Die Lage wird aufgrund der hohen Auftragsbestände noch überwiegend positiv beurteilt. Dagegen sind die Erwartungen für das kommende Halbjahr eingebrochen. Vor allem die Exportaussichten werden deutlich schlechter bewertet. Während Automobilhersteller und Metallzulieferer besonders pessimistisch gestimmt sind, ist die Stimmung in der Elektroindustrie besser.

Der Ausblick hängt von der Eskalationsstufe im Russisch-Ukrainischen-Krieg sowie den Folgen der neuerlichen Lockdowns in China ab. Die Frühindikatoren zeigen zwar weiterhin eine stabile Entwicklung. Bereits das aktuelle Umfeld führte aber zu einer Verschärfung der Engpässe sowie neuerlicher Kostenexplosionen bei Energie, Rohstoffen sowie Metallen und Stahl. Angesichts dessen wird die M+E-Industrie mit Produktionsunterbrechungen sowie abnehmender Rentabilität und teils Liquiditätsengpässen konfrontiert sein. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau 2018 ist für 2022 ausgeschlossen. Stattdessen ist das Risiko eines Wirtschaftseinbruchs insbesondere bei einem russischen Gas-Stopp groß.