Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Foto: Gesamtmetall

Das Konjunkturbild der M+E-Industrie ist zu Beginn des Sommers weiter uneinheitlich: Einerseits hat sie das hohe Produktionsniveau des 4. Quartals 2017 zu Jahresbeginn (Q1) gehalten; auch der April/Mai-Wert lag auf dem Niveau des 1. Quartals. Dazu kommen eine überdurchschnittlich hohe Kapazitätsauslastung und große Auftragsbestände zu Beginn des 2. Quartals. Auch die Beschäftigung ist weiter intakt: Die M+E-Unter­nehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im April 2018 saisonbereinigt weiter erhöht. Die Beschäftigungspläne lassen zudem weitere Neueinstellungen erwarten. Das spricht für eine stabile Entwicklung zumindest im ersten Halbjahr. Andererseits fällt der Blick nach vorne weniger positiv aus: die Auftragseingänge haben sich in den ersten fünf Monaten rückläufig entwickelt und das Konjunkturklima ist im Juni zum siebten Mal in Folge gesunken, vor allem aufgrund deutlich nach unten korrigierter Geschäftserwartungen. Darin spiegelt sich die Verunsicherung der M+E-Unternehmen durch äußere und innere Faktoren wider: der stärkere Euro, die US-Import­zölle, die Entwicklung in Italien, das weiter virulente Dieselthema, der zunehmende Fachkräftemangel u.a.m. Die Verunsicherung betrifft aber nicht nur die M+E-Unternehmen, sondern die Investoren insgesamt, im Inland und im Ausland. Ihre merkliche Zurückhaltung trübt das bislang positive Konjunkturbild.

Auftragseingang. Im April/Mai 2018 ist der Auftragseingang gegenüber dem ersten Quartal saisonbereinigt um 2,5 Prozent gesunken. Dabei nahmen die Inlandsaufträge um 2,0 Prozent und die Auslandsaufträge um 2,9 Prozent ab. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief unterschiedlich: während die Auftragseingänge gegenüber dem ersten Quartal im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik leicht um 0,7 Prozent zunahmen, entwickelten sich die Aufträge in der Metallverarbeitung mit -2,2 Prozent, im Fahrzeugbau mit -3,4 Prozent und im Maschinenbau mit -4,5 Prozent deutlich rückläufig.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im April/Mai 2018 saisonbereinigt auf dem Niveau des ersten Quartals 2018 (±0,0 Prozent). Die M+E-Branchen entwickelten sich dabei unterschiedlich: während die Produktion gegenüber dem ersten Quartal in der Metallverarbeitung leicht um 0,2 Prozent und im Fahrzeugbau um 1,5 Prozent zunahm, entwickelte sich die Produktion im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik mit -1,0 Prozent und im Maschinenbau mit -1,7 Prozent spürbar rückläufig. Die Kapazitätsauslastung lag im April 2018 bei 89,9 Prozent und damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im April 2018 mit 3.987.600 Mitarbeitern saisonbereinigt um 2,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber März 2018 nahm die Zahl um etwa 9.600 zu. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen weitere Neueinstellungen erwarten. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 551.400 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 245.600 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 485.400. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2017 leicht gestiegen, von 192.000 im Juni 2016 auf 195.000 im Juni 2017, bleibt aber bei 5 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Anspannung immer deutlicher sichtbar: Inzwischen übertrifft in saisonbereinigter Rechnung die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Juni 2018 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 117.100 Arbeitslose, rund 18.600 weniger als im Vorjahresmonat. Andererseits waren 169.600 ungeförderte offene Stellen gemeldet, eine Zunahme um 19.000 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Dezember 2017 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 6.600 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Mai 2018 rund 2.000.

Verdienste. Im vierten Quartal 2017 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 1,9 Prozent und die Bruttostundenverdienste um 1,6 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2017 sind die Monatsverdienste um 2,1 Prozent und die Stundenverdienste um 1,9 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 2,9 Prozent und die Produktivität um 2,7 Prozent höher als im Vorjahr. In den Jahren 2016 (+1,2 Prozent) und 2015 (+2,7 Prozent) waren die Lohnstückkosten jeweils gestiegen. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen. Bei den Preisen von Stahlerzeugnissen zeichnet sich eine Erholung ab: die Preise der verschiedenen Sorten lagen im dritten Quartal 2017 deutlich über dem Vorjahresniveau.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind im ersten Quartal 2018 etwas schwächer gestiegen als im vierten Quartal: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im ersten Quartal 2018 um 1,4 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im ersten Quartal um 0,1 Prozent, wohingegen die Importpreise um -1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgingen. Die Verbraucherpreise sind 2017 mit einer Jahresrate von 1,8 Prozent schneller gestiegen als 2016 (+0,5 Prozent). Im Juni 2018 lag die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei +2,1 Prozent (vorläufig).

Erträge. Laut ifo-Umfrage von Mai 2018 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2017 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,6 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 4,6 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge haben sich damit etwas verbessert. Das dürfte nicht zuletzt auf die gestiegene Kapazitätsauslastung zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2017 mit 915 Insolvenzen leicht über dem Niveau des Vorjahres (898 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie ist im Juni 2018 zum siebten Mal in Folge gesunken und liegt nun bei 104,4 Punkten (Mai: 104,9 Punkte). Dabei nahm sowohl der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage von +51 auf +49 Punkte sowie der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen von +2 Punkte auf +1 Punkt ab.

Aussichten 2018. Trotz einer geringeren Zahl von Arbeitstagen hat die M+E-Industrie 2017 das Wachstumstempo deutlich gesteigert: Die Produktion ist im Jahresdurchschnitt real um 3,6 Prozent gestiegen. 2018 dürfte die M+E-Produktion mit einem etwas geringeren Tempo von 3 bis 3½ Prozent wachsen. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre wird sich 2018 fortsetzen.

Stand: 06.07.2018

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