Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Foto: Gesamtmetall

Die Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland ist im zweiten Halbjahr 2018 einer Rezession knapp entgangen, bleibt aber weiter stark rezessionsgefährdet: In den ersten fünf Monaten des Jahres 2019 hat sich die schwache Entwicklung durch Rückgänge bei Produktion und Auftragseingang fortgesetzt. Auch die Stimmung in den Unternehmen hat sich weiter spürbar eingetrübt. Vor allem die Erwartungen haben sich im Laufe der vergangenen Monate stetig verschlechtert und liegen per Saldo im Juni deutlich im Minus. Darin spiegelt sich die Verunsicherung der M+E-Unternehmen durch äußere und innere Faktoren wider: die Diskussionen und Verhandlungen um den Brexit, um Protektionismus und Beschränkungen im internationalen Handel, der zunehmende Fachkräftemangel u. a. Die Verunsicherung betrifft aber nicht nur die M+E-Unter­nehmen, sondern auch Investoren im In- und Ausland: Ihre merkliche Zurückhaltung trübt das Konjunkturbild. Den rückläufigen Daten bei Produktion und Auftragseingang stehen allerdings weiter eine hohe Kapazitäts­auslastung und große Auftragsbestände gegenüber. Die M+E-Unternehmen haben die Zahl der Mitarbeiter im April 2019 saisonbereinigt weiter erhöht – allerdings in deutlich geringerem Ausmaß, als unter stabilen Konjunkturbedingungen zu erwarten wäre. Die aktuellen Beschäftigungspläne lassen ein Auslaufen des Beschäftigungsaufbaus befürchten.

Auftragseingang. Im April/Mai 2019 ist der Auftragseingang gegenüber dem ersten Quartal 2019 saisonbereinigt um 2,5 Prozent zurückgegangen. Dabei lagen die Inlandsaufträge mit ‑5,4 Prozent als auch die Auslandsaufträge mit -0,9 Prozent unter dem Niveau des ersten Quartals 2019. Die Entwicklung in den einzelnen Branchen verlief überwiegend negativ: lediglich die Auftragseingänge im Fahrzeugbau legten mit 0,1 Prozent leicht zu. In der Metallverarbeitung (-2,9 Prozent), im Maschinenbau (-4,2 Prozent) und im Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik (-4,8 Prozent) entwickelten sich die Auftragseingänge deutlich rückläufig.

Produktion. Die M+E-Produktion lag im April/Mai 2019 saisonbereinigt um 1,6 Prozent unter dem Niveau des ersten Quartals 2019. Die Produktion nahm hierbei in allen Branchen deutlich ab: der Bereich Elektro, DV-Geräte, Feinmechanik/Optik fiel gegenüber dem ersten Quartal 2019 um 0,7 Prozent, der Fahrzeugbau um 1,5 Prozent, der Maschinenbau um 1,8 Prozent und die Metallverarbeitung um 2,9 Prozent. Die Kapazitätsauslastung lag im April 2019 mit 87,0 Prozent weiter deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Beschäftigung. Die M+E-Beschäftigung lag im Mai 2019 mit 4.053.400 Mitarbeitern saisonbereinigt um 1,6 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Gegenüber April 2019 nahm die Zahl um etwa 700 ab. Die Beschäftigungspläne der M+E-Unternehmen lassen auf ein Auslaufen des Beschäftigungsaufbaus schließen. Seit der Beschäftigungswende im März 2010 zählt die M+E-Industrie per Saldo rund 616.300 zusätzliche Arbeitsplätze. Durch die Krise 2008/09 hatte die Branche 244.200 Arbeitsplätze verloren, relativ wenig im Vergleich zum Produktionseinbruch. In Ostdeutschland lag die Beschäftigung zuletzt bei rund 495.300. Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist 2018 gestiegen, von 195.000 im Juni 2017 auf 212.000 im Juni 2018 und lag damit bei 5,3 Prozent im Verhältnis zur Stammbeschäftigung.

Arbeitsmarkt. Auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich erste Bremsspuren infolge der schwachen M+E-Konjunktur. Dennoch übertrifft die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den M+E-Berufen weiterhin die Zahl der Arbeitslosen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im Juni 2019 in den M+E-Berufen saisonbereinigt 122.900 Arbeitslose, rund 5.500 mehr als im Vorjahresmonat. Andererseits waren knapp 162.600 ungeförderte offene Stellen gemeldet, ein Rückgang um 7.100 gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Dezember 2018 gab es in der M+E-Industrie nach ersten BA-Prognosen rund 16.200 Kurzarbeiter. Die Anzeigen der M+E-Betriebe zur Kurzarbeit betrugen im Mai 2019 rund 10.000.

Verdienste. Im vierten Quartal 2018 stiegen die Bruttomonatsverdienste in der M+E-Industrie (Vollzeit inkl. Mehrarbeit, Kurzarbeit, ohne Sonderzahlungen) um 2,6 Prozent und die Bruttostundenverdienste ebenfalls um 2,3 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Im Durchschnitt des Jahres 2018 sind die Monatsverdienste um 2,5 Prozent und die Stundenverdienste um 2,4 Prozent gestiegen.

Kosten, Produktivität. Die Lohnstückkosten sind von Januar bis Mai 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sehr deutlich um 4,5 Prozent gestiegen. Dabei lagen die Arbeitskosten je Stunde um 0,8 Prozent höher und die Produktivität um 3,6 Prozent niedriger als im Vorjahr. Im Gesamtjahr 2018 waren die Lohnstückkosten um 4,4 Prozent gestiegen. Hier lagen die Arbeitskosten je Stunde um 3,5 Prozent höher und die Produktivität um 0,9 Prozent niedriger als 2017. Die Energiepreise entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: während die Ölpreise im dritten Quartal 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich anzogen (+10,9 Prozent), sind die Strompreise mit +1,7 Prozent und die Gaspreise mit +2,9 Prozent gestiegen.

Preise. Die Erzeugerpreise für die M+E-Unternehmen sind seit Ende 2016 kontinuierlich gestiegen: Die Preise für M+E-Erzeugnisse lagen im ersten Quartal 2019 um 1,2 Prozent über dem Vorjahr. Die Exportpreise stiegen im ersten Quartal um 1,2 Prozent, die Importpreise um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg der Verbraucherpreise lag im Jahresdurchschnitt 2018 bei 1,8 Prozent und im Juni 2019 bei +1,6 Prozent.

Erträge. Laut ifo-Umfrage von Mai 2019 erwirtschafteten die M+E-Unternehmen 2018 im Durchschnitt Gewinne nach Steuern in Höhe von 3,4 Prozent des Um­satzes (betriebsgewichtet) bzw. von 3,9 Prozent im gewichteten Durchschnitt der M+E-Industrie insgesamt. Die Erträge haben sich damit spürbar verschlechtert. Dies dürfte nicht zuletzt auf die deutlich gestiegenen Kosten für Personal und Material zurückzuführen sein. Die Zahl der Insolvenzen im M+E-Gewerbe (Industrie + Handwerk) lag 2018 mit 746 Insolvenzen deutlich unter dem Niveau des Vorjahres (915 Insolvenzen).

Geschäftsklima. Der ifo-Geschäftsklimaindex für die M+E-Industrie stagnierte im Juni 2019 und liegt weiterhin bei 92,2 Punkten. Während der saisonbereinigte Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen der Geschäftslage mit +13 Punkten (Mai: +11 Punkte) noch im Positiven lag, blieb der Saldo der Erwartungen der M+E-Unternehmen mit ‑17 Punkten deutlich im Negativen (Mai: -15 Punkte).

Entwicklung 2018/2019. Nach einem Wachstum von 3,6 Prozent in 2017 ist die M+E-Produktion 2018 mit einem deutlich geringeren Tempo von 1,4 Prozent gewachsen. Parallel zur Entwicklung in der Gesamtwirtschaft wird auch für die M+E-Produktion in 2019 ein spürbar schwächeres Wachstum erwartet als 2018. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre hat sich 2018 fortgesetzt. Nun deuten erste Anzeichen darauf hin, dass der Aufbau zusätzlicher Arbeitsplätze auslaufen könnte.

Stand: 19. Juli 2019