M+E in Zahlen

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage der M+E-Industrie

Wirtschaftliche Lage in der M+E-Industrie

Die Neuaufträge gehen sukzessive zurück. Der Auftragsbestand ist aber anhaltend hoch. Produktion und Absatz konnten sich so infolge stabilisierter Lieferketten erholen. Angesichts steigender Produktionspläne dürfte diese Entwicklung im ersten Halbjahr 2023 anhalten.

Die Zahl der Beschäftigten steigt weiter und liegt um 62.400 über dem Vorjahr. Der (Wieder-) Aufbau hat sich verbreitert. Demografie und Arbeitskräfteengpässe bremsen eine noch schnellere Erholung.

Die Lage wird überwiegend gut beurteilt. Der Ausblick bleibt zwar unsicher, die Erwartungen waren zum Jahresanfang aber erneut weniger pessimistisch.

Die Energiepreise sind zwar gesunken, liegen im internationalen Vergleich aber weiterhin auf einem nicht wettbewerbsfähigen Niveau. Die Wachstumsprognosen für Europa bleiben daher auf niedrigem Niveau.

M+E-Auftragseingänge geben seit einem Jahr kontinuierlich nach.

Im gesamten Zeitraum Januar bis November 2022 wurden preisbereinigt 4% weniger Neuaufträge als noch im Vorjahreszeitraum registriert. Besonders aus dem Inland kommen weniger Bestellungen. Steigende Preise überdecken noch die sinkende Nachfrage. Der Wert der Auftragseingänge lag 4% über dem Vorjahr.

Das Verhältnis Neuaufträge zum Absatz (sog. Book-to-Bill) ist – erstmals seit Mitte 2020 – unter 100% gefallen. Das deutet darauf hin, dass die Unternehmen ihren Auftragsbestand abarbeiten. Dieser ist mit 6 Monaten weiter auf einem überdurchschnittlichen Niveau.

M+E-Produktion erholt sich infolge stabilisierter Lieferketten.

Im November erreichte der Output den höchsten Stand seit Jahreswechsel 2019/2020. Allerdings wird das Niveau von 2018 noch deutlich unterschritten und die Entwicklung ist sehr unterschiedlich nach M+E-Branchen.

Zudem berichten noch 81% der M+E-Firmen von Produktionsbehinderungen, insbesondere aufgrund von Material-engpässen (59%) und/oder fehlenden Fachkräften (45%). Trotzdem planen aktuell im Saldo 26% der M+E-Firmen ihre Produktion zu erhöhen – der höchste Wert seit Ende 2021.

M+E-Umsätze steigen weiter an.

Der Absatz erhöht sich stärker als die Produktion, da unfertige Erzeugnisse durch die stabilisierten Lieferketten finalisiert werden konnten. Allerdings deutet sich auch eine strukturelle Verschiebung zulasten der inländischen Wertschöpfung an.

Zudem öffnet sich infolge der (teilweisen) Weitergabe gestiegener Energie- & Einkaufskosten die Schere zwischen Volumen & Wert weiter. So stieg der Umsatzwert von Jan.-Nov. 2022 zum Vorjahr um 13%, während sich das Absatzvolumen nur um 5% erhöhte. Auf Branchenebene sind die Preiseffekte bei den energieintensiven Gießereien (+18%/-2%) und Metallherstellern (+13%/-1%) besonders ausgeprägt. 

M+E-Branchen. Die Heterogenität in der M+E-Industrie hat sich etwas reduziert, wird aber weiterhin durch den Strukturwandel geprägt. Vor allem die Elektroindustrie verzeichnet eine überdurchschnittliche Auftragslage. Die Produktion kommt dieser trotz eines Anstiegs nicht hinterher. Auf der anderen Seite erlaubte die verbesserte Materiallage zwar eine Stabilisierung der Autoproduktion, allerdings liegt die Stückzahl noch rund 1/3 unter dem Niveau von 2018. Zudem profitiert die Branche von der Finalisierung von Altaufträgen, während sich die Neubestellungen im Zulieferbereich abschwächten.

M+E-Beschäftigung mit fortgesetztem (Wieder-) Aufbau.

Die Mitarbeiterzahl in der M+E-Industrie war im November im Vorjahresvergleich deutlich im Plus (+1,6% bzw. +62k). Damit sind wieder fast 3,95 Mio. M+E-Beschäftigte tätig. Im Vorjahresvergleich ist die Entwicklung zwar weiterhin sehr unterschiedlich, allerdings nimmt die Beschäftigung inzwischen in Breite wieder zu.

Im Vergleich zum Höchststand im April 2019 liegt die Beschäftigungszahl noch um 103k zurück. Die Personalpläne sind aber anhaltend aufwärtsgerichtet (+12 Punkte). Der größte Personalbedarf besteht weiterhin in der Elektroindustrie sowie im Maschinenbau.

Arbeitskräftelücke auf hohem Niveau.

47% der M+E-Firmen berichten über Produktionsbehinderungen wegen fehlender Arbeitskräfte. Bundesweit fehlen über 300k MINT-Fachkräfte. Allein die Lücke zwischen als offen gemeldeten M+E-Fachkräftestellen und Arbeitslosen mit (theoretisch) passenden Qualifikationen bleibt saisonbereinigt konstant bei über 20k. Neben Fachkräften (45%) berichten auch 15% der M+E-Firmen von fehlenden Helfern. Die Engpässe betreffen die M+E-Industrie in Breite.

Auslastung. Bearbeitungsstau sowie Über- & Mehrfachbestellungen infolge von Engpässen spiegeln sich weiter in den Kennziffern wider. Die Auftragsreichweite war im Januar mit 6 Monaten nahezu unverändert auf hohem Niveau. Die Kapazitätsauslastung reduzierte sich leicht auf 86%. Die Auftragsbestände werden zwar schlechter als in den Vormonaten bewertet, mit +26 Punkten sind diese aber noch auf hohem Niveau. Kurzarbeit nahm allerdings im Q4/2022 wieder leicht zu. Im Oktober arbeiteten 67k M+E-Beschäftigte kurz (+17k ggü. Sep.). Aufgrund gestiegener Neuanzeigen schätzt ifo einen weiteren Anstieg auf 94k bis Dezember.

Preise. Der Preisauftrieb hat sich etwas entschleunigt. Seit Oktober geben die Erzeugerpreise infolge der Beruhigung an den Energiemärkten auf hohem Niveau nach. Politische Maßnahmen dämpften zudem den Anstieg der Verbraucherpreise. Allerdings hat sich die Kerninflation im Dezember weiter erhöht, die Inflation also verbreitert. Die Preisentwicklung dürfte angesichts der Abhängigkeit von der Energieversorgung volatil und infolge der Kostenüberwälzungen vorerst auf hohem Niveau bleiben. Der geldpolitische Handlungsbedarf zur Eingrenzung der Preis-Lohn-Spirale ist daher unverändert hoch.

Ifo-Geschäftsklima. Die M+E-Firmen bewerteten ihre Lage im Januar weiter positiv und sogar etwas besser als im Dezember. Die Erwartungen waren weniger pessimistisch. Export- & Produktionspläne erholten sich aufgrund stabilisierter Lieferketten bei anhaltend gutem Auftragsbestand. Der Lkw-Verkehr ist zwar weiter verhalten, stabilisierte sich im Januar aber ebenso.

Die Wirtschaftsprognosen für 2023 werden etwas aufwärtsrevidiert. Im internationalen Vergleich läge Deutschland aber auch mit einer schwarzen Null beim BIP-Wachstum hinter dem EU-Ø und den USA zurück. Wachstumsmotor wäre erneut Asien, wo zusätzliche Impulse durch die Öffnungen in China erwartet werden.