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Bundesarbeitsministerium baut Mauern aus Formalien und Vorschriften

Berlin. Der im Bundestag gestern verab­schie­dete Gesetz­ent­wurf des Bundes­mi­nis­te­riums für Arbeit und Soziales, mit dem die Richt­linie des Euro­pä­i­schen Parla­ments zu „trans­pa­renten und vorher­seh­baren Arbeits­be­din­gungen“ umgesetzt werden soll, ist eine eigen­mäch­tige Verschär­fung der Richt­linie. Sie stellt deutsche Unter­nehmen gegenüber ihren euro­pä­i­schen Partnern mutwillig schlechter und läuft zudem dem erklärten Willen der Koalition, Deutschland digitaler zu machen, diametral entgegen.

Mit der Richt­linie hat das Euro­pä­i­sche Parlament den Versuch unter­nommen, den Nachweis von Arbeits­be­din­gungen in digitalen Zeitalter zu gestalten. Unab­hängig von der Frage, ob dort Hand­lungs­be­darf bestand und ob die Ziele mit dieser äußerst komplexen Richt­linie überhaupt erreicht werden können, wird unter dem Vorwand der Umsetzung der Richt­linie zusätz­liche Büro­kratie geschaffen. Trauriger Höhepunkt: Nachweise von Arbeits­be­din­gungen sollen den Arbeit­neh­mern weiterhin ausschließ­lich in schrift­li­cher Ausfer­ti­gung ausge­hän­digt werden müssen, obwohl die Richt­linie endlich die elek­tro­ni­sche Formen ausdrü­ck­lich zulässt. Damit wird in Deutschland eine seit fast 30 Jahren beste­hende Rechts­lage auch für die Zukunft zemen­tiert.

Während die umzu­set­zenden Vorgaben ohne Not verschärft wurden, sind umgekehrt in der Richt­linie vorge­se­hene Verein­fa­chungen nicht umgesetzt oder einseitig zu Lasten der Unter­nehmen definiert worden.

„Das Gesetz wirft die Digi­ta­li­sie­rung in den Unter­nehmen um Jahre zurück“, so Gesamt­me­tall-Haupt­ge­schäfts­führer Oliver Zander. „Ganz Europa kämpft darum, der Wirt­schaft zu voller Leis­tungs­fä­hig­keit zu verhelfen, damit die verschie­denen Krisen sich nicht am Arbeits­markt nieder­schlagen. Struktur-konser­va­tive Büro­kraten in Deutschland nutzten dagegen jeden denkbaren Vorwand dafür, neue Mauern aus Büro­kratie und Formalien zu bauen. Dieses Gesetz ist unver­einbar mit den Beteu­e­rungen, dass man eine starke und digitale Wirt­schaft in Deutschland fördern will.“