Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall warnt vor den erheblichen bürokratischen Belastungen durch das geplante Bundestariftreuegesetz. Nach Einschätzung des Verbandes würde das Gesetz dieselben strukturellen Fehler wiederholen, die bereits beim Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz zu einem massiven Bürokratieaufwuchs geführt haben – mit absehbaren Folgen: Überforderung kleiner und mittelständischer Unternehmen, lähmende Dokumentationspflichten entlang der gesamten Lieferkette und ein hohes Risiko, dass in wenigen Jahren erneut kostspielig nachgebessert werden muss und damit einhergehend ein weiterer Vertrauensverlust der Unternehmen in den Standort und in den Willen der Politik, ihre Versprechen einzuhalten.
„Mit der deutschen Lieferkettenregulierung hat man schon einmal ein Bürokratiemonster geschaffen, das heute in der EU und der Bundesregierung als völlig überdimensioniert gilt. Nun droht mit dem Bundestariftreuegesetz die Wiederholung genau desselben Fehlers – und das in einer Phase, in der Wirtschaft und Mittelstand dringend Entlastung bräuchten“, erklärt Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander. „Entlastungen zu versprechen und das genaue Gegenteil zu tun – deutlicher kann man den Unternehmen kaum sagen, dass sie woanders investieren sollen.“
Schon heute müssen sich bundesweit tätige Unternehmen durch 14 verschiedene landesrechtliche Tariftreueregelungen mit 219 Paragrafen arbeiten – ein unübersichtlicher Flickenteppich aus unterschiedlichen Schwellenwerten und Vorgaben. Statt diese Komplexität abzubauen, schafft das Bundestariftreuegesetz einen weiteren bürokratischen Überbau, der in weiten Teilen sogar über die landesrechtlichen Vorgaben hinausgeht.
Zander warnt, dass der deutsche Mittelstand durch die neuen Regelungen weiter belastet und im internationalen Wettbewerb zurückgeworfen werde. Viele kleine und mittelständische Unternehmen könnten öffentliche Aufträge künftig kaum noch rechtssicher bearbeiten – ähnlich wie bereits beim Lieferkettengesetz, das gerade für kleinere Betriebe zu einem kaum zu bewältigenden Bürokratiepaket geworden sei.
„Beim Lieferkettengesetz wurde bereits nach kurzer Zeit deutlich, dass es in der Praxis kaum handhabbar ist. Genau dieser Irrweg droht nun erneut. Sinnlose Bürokratie ist immer falsch, aber völlig unverständlich ist sie, wenn gleichzeitig versprochen wird, die Wirtschaft spürbar bei Bürokratie und Regulierung zu entlasten“, so Zander.
Alexander Dennebaum
Pressesprecher
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