Die Lage am Arbeitsmarkt in der Metall- und Elektro-Industrie (M+E-Industrie) trübt sich weiter ein. Nach den heute von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Zahlen waren im Juni 2026 sechs Prozent mehr Personen in qualifizierten M+E-Berufen arbeitslos gemeldet als noch im Vorjahresmonat. Saisonbereinigt nahm die Arbeitslosigkeit den 41. Monat in Folge zu. Damit verfestigte sich die Anzahl an Arbeitslosen in M+E-Jobs weiter über der Marke von 175.000 – das höchste Niveau seit Dezember 2020. Die Anzahl der offenen Stellen stabilisiert sich dagegen und lag um drei Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wobei vor allem in Ostdeutschland (+8,5 Prozent) wieder mehr offene Stellen für M+E-Berufe als im Vorjahr gemeldet werden (Westdeutschland: +1,9 Prozent). Der Mismatch am Arbeitsmarkt nimmt damit weiter zu.
Diese Daten passen zu den Ergebnissen einer Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen der M+E-Arbeitgeberverbände. Danach schätzen 42 Prozent ihre Lage als schlecht ein, und nur 14 Prozent der Unternehmen geht in diesem Jahr von Verbesserung der Lage aus. In der Folge sind die Personalpläne der M+E-Unternehmen mehrheitlich weiter abwärtsgerichtet. In einer aktuellen Umfrage unter mehr als 1.000 Mitgliedsunternehmen planen 14 Prozent der M+E-Betriebe einen deutlichen Personalabbau von mehr als fünf Prozent in diesem Jahr. Weitere 27 Prozent der M+E-Betriebe rechnen mit einem Personalabbau von bis zu fünf Prozent. Dagegen wollen insgesamt nur 13 Prozent der M+E-Unternehmen ihr Personal aufstocken. Während 44 Prozent der M+E-Unternehmen ihre Investitionen im Inland kürzen, gilt dies nur für acht Prozent im Ausland. Dagegen planen 31 Prozent der M+E-Unternehmen ihre Auslandsinvestitionen weiter aufzustocken. Befragt nach den Gründen dafür nennen die Unternehmen vor allem die Arbeitskosten, aber auch Energiekosten und Bürokratie als die drei wichtigsten Faktoren.
Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander: “Die Auswirkungen der Deindustrialisierung werden auch auf dem Arbeitsmarkt immer sichtbarer. Dabei ist der Beschäftigungsrückgang in der M+E-Industrie bislang nicht annähernd so hoch wie der Produktionsrückgang. Die Auslastung liegt bei nur 79 Prozent, der langjährige Durchschnitt sind 85 Prozent. Ohne eine baldige Trendwende sind allein in der M+E-Industrie weitere 300.000 Arbeitsplätze gefährdet.
Die Bundesregierung muss daher jetzt Reformen umsetzen. Bis zum Sommer muss die im Koalitionsvertrag vereinbarte Reform des Arbeitszeitrechts kommen – eine gesetzlich verankerte Wochenarbeitszeit ohne Tarifvorbehalt für alle Beschäftigten und Arbeitgeber sowie ein klares Bekenntnis zur Vertrauensarbeitszeit ohne Zeiterfassung.
Zusätzlich müssen die Sozialversicherungsbeiträge endlich stabilisiert werden. Es darf nicht zu weiteren direkten oder auch indirekten Beitragserhöhungen, etwa bei der Beitragsbemessungsgrenze oder in der Pflegeversicherung, kommen.“
Weitere Zahlen und Daten zur Metall- und Elektro-Industrie finden Sie im aktuellen M+E-Konjunkturbericht.
Die Ergebnisse der Unternehmensumfrage zu Investitionen und Standortbedingungen in der Metall- und Elektro-Industrie finden Sie hier.
Alexander Dennebaum
Pressesprecher
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