Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisiert die steigenden Belastungen in den Sozialversicherungen für Unternehmen und Beschäftigte in den kommenden Jahren durch die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese soll am morgigen Freitag in 2./3. Lesung im Deutschen Bundestag verabschiedet werden.
Arbeitskosten in der Metall- und Elektro-Industrie
Die Arbeitskosten in der Metall- und Elektro-Industrie (M+E-Industrie) werden durch die Reform sowie durch das noch geplante Pflegeneuordnungsgesetz weiter steigen. Für Unternehmen und Beschäftigte führt das alleine im Jahr 2027 zu Mehrkosten von rund 2,2 Milliarden Euro. Hintergrund ist die mit der Reform zum 1. Januar 2027 vorgesehene außerordentliche Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze. In der gesetzlichen Krankenversicherung und sozialen Pflegeversicherung steigt diese von derzeit 69.750 Euro auf dann 73.350 Euro. In der sozialen Pflegeversicherung soll sie durch das Pflegeneuordnungsgesetz sogar auf 81.000 Euro ansteigen. Hinzu kommt dann noch die Regelerhöhung von 0,1 Prozent für kinderlose Beschäftigte.
Mitversicherung von Ehegatten
Außerdem soll ab 2028 unter bestimmten Voraussetzungen die beitragsfreie Mitversicherung von Ehegatten entfallen. Stattdessen soll ein Beitragszuschlag in der gesetzlichen Krankenversicherung von 2,5 Prozent und in der sozialen Pflegeversicherung von 0,52 Prozent des beitragspflichtigen Bruttoverdienstes für die Familienversicherung vom Beschäftigten gezahlt werden. Das führt bei einem Beschäftigten in der M+E-Industrie mit einem durchschnittlichen Jahresverdienst von rund 72.000 Euro zu einer jährlichen Mehrbelastung von bis zu 3.144 Euro im Jahr 2028. Ein spezialisierter Ingenieur mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 88.000 Euro muss mit Mehrbelastungen von 5.105 Euro rechnen.
Statement von Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander
Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander: „Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung ist dringend notwendig, das ist klar. Aber wenn sie zu einer so deutlichen Mehrbelastung für Unternehmen und Beitragszahler führt, muss es Korrekturen geben. Es braucht doch gerade jetzt vor allem Entlastungen und Kostensenkungen um den Standort Deutschland zu retten. Wenn der Gesetzentwurf so vom Deutschen Bundestag verabschiedet wird, muss die Bundesregierung bei den Beitragszahlern für entsprechende Entlastungen und Einsparungen sorgen. Beispielsweise für die längst überfällige komplette Übernahme der Gesundheitsversorgung von Grundsicherungsempfängern in Höhe von 12 Milliarden Euro pro Jahr. Die Sozialversicherungsbeiträge müssen stabilisiert und langfristig auf 40 Prozent zurückgeführt werden.“
Grafische Übersicht
Eine Übersicht über alle zu erwartenden Beitragsanstiege in den Sozialversicherungszweigen in den Jahren 2026, 2027 und 2028 finden Sie unter www.gesamtmetall.de/themen/sozialabgaben/