Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisiert den nun bekannt gewordenen Referentenentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Änderung des Arbeitszeitgesetzes scharf. Der Entwurf verfehle die im Koalitionsvertrag klar vereinbarten Ziele und bleibe weit hinter den Anforderungen einer modernen Arbeitswelt zurück. Statt eines echten Reformschritts lege das Bundesarbeitsministerium in wesentlichen Teilen eine wortgleiche Neuauflage des bereits 2023 gescheiterten Vorschlags vor.
Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander: „Dieser Entwurf missachtet den Koalitionsvertrag und ist damit eine vertane Chance für dringend notwendige Modernisierungen. Was hier vorgelegt wurde, ist keine Reform, sondern eine Ansammlung gewerkschaftlicher Maximalpositionen – vielfach wortgleich aus dem gescheiterten Entwurf von 2023 übernommen. Das grenzt an Arbeitsverweigerung und hat mit einer pragmatischen Anpassung an die Realität der Arbeitswelt nichts zu tun.“
Besonders kritisch bewertet Gesamtmetall, dass die im Koalitionsvertrag ausdrücklich vereinbarte Einführung einer gesetzlichen Wochenarbeitszeit im Entwurf faktisch nicht umgesetzt wird. Stattdessen knüpft das Bundesarbeitsministerium diese an einen engen und zusätzlich konditionierten Tarifvorbehalt. „Die Wochenarbeitszeit soll nur dann gelten, wenn Tarifparteien sich einigen und zusätzlich strenge Bedingungen erfüllt werden. Damit wird ein zentrales Reformversprechen vollständig ausgehöhlt. Das ist ein beispielloser Affront gegenüber dem Koalitionspartner, der zu Recht auf einer unverwässerten gesetzlichen Verankerung besteht“, sagte Zander. „Arbeitszeitrecht ist ein allgemeiner Ordnungsrahmen. Es darf nicht davon abhängen, ob im Einzelfall tarifpolitische Einigungen zustande kommen.“
Zander warnte zugleich vor den praktischen Folgen: „Mit diesem Ansatz würden große Teile der Betriebe und Beschäftigten von modernen Arbeitszeitmodellen und einem zentralen Reformversprechen der Bundesregierung ausgeschlossen. Das ist weder wirtschaftlich sinnvoll noch sozial gerechtfertigt.“
Auf besonders scharfe Ablehnung stößt die geplante Ausweitung der Arbeitszeiterfassung. Der Entwurf sieht eine umfassende, elektronische und taggleiche Erfassung der gesamten Arbeitszeit für alle Beschäftigten vor – ohne Ausnahmen. Damit werde ein weiterer klarer Punkt des Koalitionsvertrags missachtet, nämlich der Schutz der Vertrauensarbeitszeit. Zander weiter: „Die vollständige Erfassungspflicht entkernt die Vertrauensarbeitszeit vollständig. Was hier vorgeschlagen wird, reduziert dieses erfolgreiche Modell faktisch auf gewöhnliche Gleitzeit. Das widerspricht nicht nur dem Koalitionsvertrag, sondern auch dem Bedürfnis vieler Betriebe und Beschäftigter nach flexiblen und eigenverantwortlichen Arbeitszeitlösungen.“
Insgesamt sendet der Entwurf nach Auffassung von Gesamtmetall ein fatales Signal in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. „Deutschland braucht jetzt ein modernes, flexibles und wettbewerbsfähiges Arbeitszeitrecht. Stattdessen erleben wir einen regulatorischen Rückfall, der Bürokratie ausweitet und Innovation verhindert. Das ist das Gegenteil dessen, was unsere Betriebe und ihre Beschäftigten jetzt brauchen. Dieser Entwurf muss umgehend vom Tisch und grundlegend überarbeitet werden“, so Zander abschließend.
Alexander Dennebaum
Pressesprecher
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