Beschäftigung

Industrie 4.0

Industrie 4.0

Foto: Gesamtmetall

"Industrie 4.0" ist zunächst ein Sammelbegriff. Dahinter stehen weder einheitliche Prozesse noch eine einzelne technische Entwicklung, sondern viele zum Teil völlig verschiedene Entwicklungen, die in den Unternehmen diskutiert und umgesetzt werden. Die Vernetzung der Systeme im Zuge des "4.0-Prozesses" ist für die Metall- und Elektro-Industrie aber von zentraler Bedeutung.

Diese Entwicklungen vollziehen sich nicht von heute auf morgen. Im Gegenteil: Sie sind, je nach konkreter Ausgestaltung teilweise schon Realität, teilweise noch an ihrem Anfang. Zudem gehört stetige Veränderung und Weiterentwicklung zum Kern der industriellen Fertigung in Deutschland.

Wie genau die Veränderungen aussehen, ist aber noch offen. Sicher ist aber, dass sich die Arbeitswelt ein weiteres Mal verändert. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass davon sowohl die Beschäftigten wie die Unternehmen profitieren.

Es sollte Konsens sein, dass die Umbruchphase konstruktiv gestaltet wird. Das bedeutet auch, dass alle Beteiligten darauf verzichten, die Umbruchphase zu ihren Gunsten zu instrumentalisieren. Das gilt für die Unternehmen wie für die Gewerkschaften: Die Digitalisierung darf beispielsweise weder genutzt werden, die bestehenden Datenschutzregelungen auszuhebeln, noch darf sie auf der anderen Seite als Vorwand dienen, die verfassungsrechtlich zwingenden Grenzen der Mitbestimmung zu verschieben.

Wo besteht Handlungsbedarf?

Was in Deutschland schmerzlich fehlt, sind systematische Investitionen in die digitale Infrastruktur. Von einer flächendeckenden Versorgung mit Breitbandanschlüssen kann keine Rede sein. Hier besteht dringender Nachholbedarf.

Die geltenden Arbeitszeitregelungen müssen dem digitalen Zeitalter angepasst werden. So gilt nach wie vor die Vorschrift einer elfstündigen ununterbrochenen Ruhezeit. Wer aus familiären Gründen den Nachmittag freinimmt und dafür am Abend mobil oder via Heimarbeitsplatz von 21.00 bis 22.00 Uhr Mails beantwortet, darf am nächsten Tag erst ab 9.00 Uhr wieder arbeiten. Wer um 23.00 Uhr noch eine Mail abschickt, darf erst um 10.00 Uhr wieder anfangen.

Wo besteht kein Handlungsbedarf?

Unser Aus- und Weiterbildungssystem in Deutschland ist so flexibel, dass die Inhalte der Berufsausbildung regelmäßig an die betriebliche Wirklichkeit angepasst werden – und gegebenenfalls auch bestehende Berufe angepasst oder neue Berufsbilder entwickelt werden.

So sieht die Ausbildung in den industriellen Metall- und Elektro-Berufen schon seit der Neuordnung 2003/2004 die Vermittlung von Prozessorientierung und Steuerungstechnik vor und gibt ausreichend Freiräume, flexibel den jeweils aktuellsten Stand der Anforderungen zu vermitteln.

Ganz neu geschaffen wurde auch die Berufsausbildung zu Produktionstechnologen – also zu Fachkräften, die Produktionsprozesse analysieren, simulieren und optimieren.

Diese Beispiele zeigen: Gerade in der Aus- und Weiterbildung ändern sich selbstverständlich die Inhalte, die vermittelt werden müssen. Aber die dazu notwendigen Strukturen sind nicht nur vorhanden, sondern sie haben sich auch vielfach bewährt. Und zwar von der Praxis für die Praxis.

Weiterer Handlungsbedarf durch Gesetzgeber oder Sozialpartner ist nicht abzusehen: Weder im Bereich des Datenschutzes noch bei der Mitbestimmung.