Bildung

Fachkräftemangel

Fachkräftemangel

Fachkräftemangel in MINT-Berufen

Foto: Gesamtmetall

Die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) gehört zu den Wirtschaftsbereichen mit der höchsten MINT-Beschäftigung in Deutschland. Mehr als drei Millionen Akademiker, Meister und Techniker sowie beruflich ausgebildete Fachkräfte aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) arbeiten in der M+E-Industrie. Das ist etwa ein Viertel aller MINT-Beschäftigten in Deutschland. Diese Fachkräfte aller Qualifikationsstufen sind wichtig für unsere Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit.

Deshalb ist die M+E-Industrie von einer MINT-Fachkräftelücke besonders betroffen. Ende Oktober 2019 waren in den MINT-Berufen insgesamt 434.600 Stellen zu besetzen. Gleichzeitig betrug die Arbeitslosigkeit in den MINT-Berufen insgesamt 174.500. Unter Berücksichtigung des qualifikatorischen Mismatches resultiert für Ende Oktober 2019 nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) eine über sämtliche 36 MINT-Berufskategorien aggregierte Arbeitskräftelücke in Höhe von 263.000 Personen. Gegenüber dem Vorjahr nahm die Lücke konjunkturbedingt um 74.900 bzw. 22 Prozent ab. Im Unterschied zu den anderen MINT-Bereichen macht sich die konjunkturelle Abschwächung bei den IT-Berufen kaum bemerkbar. Die IT-Lücke betrug im Oktober 2019 rund 52.100 und lag damit auf dem zweithöchsten Oktoberwert und deutlich über dem Wert von vor fünf Jahren mit 20.500 (Oktober 2014). Der Anteil der IT-Lücke an der gesamten MINT-Lücke ist innerhalb eines Jahres von 16,8 Prozent im Oktober 2018 auf 19,8 Prozent im Oktober 2019 gestiegen.

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen und damit die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems weitestgehend zu sichern, wurden seitens der Politik seit Mitte März deutliche Einschnitte in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben vorgenommen. Diese haben zu einem starken konjunkturellen Einbruch beigetragen und sich in der Folge auch am Arbeitsmarkt deutlich ausgewirkt. Seit März ist vor allem die Kurzarbeit in Deutschland gestiegen und die Zahl der offenen Stellen nimmt deutlich ab. In den MINT-Berufen zeigen sich daher auch deutliche Bremsspuren – so ist die MINT-Lücke entgegen der typischen saisonalen Erhöhung deutlich gesunken auf 152.600 Ende April 2020. Gegenüber April 2019 entspricht dies einem Rückgang in Höhe von 51 Prozent. Dies ist der höchste Rückgang innerhalb eines Jahres seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Lücke in den IT-Berufen hingegen verbleibt mit 39.700 auf hohem Niveau.

Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Der Fachkräftemangel bleibt ein ernstes Problem. Um Herausforderungen wie den Klimawandel oder den Strukturwandel in der Industrie zu bewältigen, sind gerade MINT-Qualifikationen gefragt. Zukünftig wird sich diese Lücke vor allem bei den beruflich ausgebildeten MINT-Fachkräften noch deutlich verschärfen, wenn nicht zusätzliche Potenziale erschlossen und mehr junge Menschen für diese Berufe gewonnen werden. Der Anteil der Frauen sowohl bei den akademischen Berufen als auch bei den dualen Ausbildungsberufen ist viel zu gering. Auch die Rente mit 63 hat die Engpässe bei den MINT-Beschäftigten weiter verschärft. Der erwartete Engpass bei den MINT-Akademikern hat sich durch die steigende Zahl der Studierenden und den steigenden Anteil der MINT-Studenten in jüngster Zeit spürbar verringert.

Die Unternehmen und Verbände der M+E-Industrie arbeiten seit vielen Jahren daran, mit zahlreichen Projekten und Maßnahmen den Nachwuchs an MINT-Fachkräften für die Branche zu sichern. Einige Beispiele:
 
  • Derzeit machen rund 200.000 Jugendliche eine Ausbildung in der M+E-Industrie, die Mehrzahl von ihnen in einem der MINT-Berufe. Rund 85 Prozent der M+E-Betriebe, die ausbilden können, haben im Jahr 2017 tatsächlich auch ausgebildet (Quelle: IAB-Betriebspanel).
  • Seit 1990 Jahren informieren die M+E-Arbeitgeber Schülerinnen und Schüler in Deutschland mit den M+E-InfoMobilen über die Ausbildungsmöglichkeiten in den technischen Berufen der M+E-Industrie. Von 2014 bis 2016 wurden die InfoMobile durch neue InfoTrucks ersetzt. Insgesamt 10 dieser hochmodernen Fahrzeuge sind seit Beginn des Jahres 2017 im Einsatz.
  • Unter der Marke "think ING" informieren die M+E-Verbände Schülerinnen und Schüler an den weiterführenden Schulen über das Studium und den Beruf der Ingenieure.
  • Die M+E-Verbände fördern das nationale Excellence-Netzwerk MINT-EC von Gymnasien mit ausgeprägtem Profil in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Es wurde im Jahr 2000 von den Arbeitgebern gegründet und arbeitet eng mit deren regionalen Bildungsinitiativen zusammen. MINT-EC bietet ein breites Veranstaltungs- und Förderangebot für Schülerinnen und Schüler sowie Fortbildungen und fachlichen Austausch für Lehrkräfte und Schulleitungen. Das Netzwerk mit derzeit 295 zertifizierten Schulen mit rund 315.000 Schülerinnen und Schülern sowie 25.000 Lehrkräften steht seit 2009 unter der Schirmherrschaft der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK).