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Bürokratie-Schizophrenie der EU-Politik

Die aktuelle Euro­pä­i­sche Kommis­sion hat es sich zum Ziel gesetzt, die Wett­be­werbs­fä­hig­keit in der EU zu stärken. Dazu soll explizit auch gehören, unter­neh­me­ri­sche Initia­tive in der EU zu erleich­tern. Im Rahmen dieser „Ver­ein­fa­chungs­a­genda“ hat die Kommis­sion auch die Zielmarke gesetzt, die Büro­kra­tie­lasten für die Unter­nehmen um 25 Prozent senken zu wollen. Für kleine und mittlere Unter­nehmen soll die Büro­kratie sogar um 35 Prozent gesenkt werden.

Bürokratie-Schizophrenie der EU-Politik / Foto © generative KI by AdobeFirefly

Erste konkrete Erfolge kann die Kommis­sion vorweisen: der soge­nannte „Nach­hal­tig­keits-Omnibus“ zur Verein­fa­chung der Vorgaben der Nach­hal­tig­keits­be­richt­er­stat­tungs-Richt­linie und der Liefer­ketten-Richt­linie hat das Gesetz­ge­bungs­ver­fahren weitest­ge­hend passiert, die Verein­fa­chungen sollen also kommen.

Doch der Teufel steckt im Detail. Neben einzelnen Leucht­turm­pro­jekten zum Büro­kra­tie­abbau arbeitet die Kommis­sion auch weiterhin an neuen Gesetz­ge­bungs­i­n­i­tia­tiven, die Arbeit­geber poten­ziell weiter belasten werden. Dies gilt insbe­son­dere im Bereich der EU-Beschäf­ti­gungs- und Sozi­al­po­litik. Der für Ende 2026 ange­kün­digte „Quality Jobs Act“ droht, zur Belas­tungs­of­fen­sive zu werden.

Neben den quali­ta­tiven Belas­tungen muss auch die Quantität betrachtet werden. In seinem von der Kommis­sion in Auftrag gegebenen Bericht zur Zukunft der euro­pä­i­schen Wett­be­werbs­fä­hig­keit der EU mahnt Mario Draghi an, dass die Regu­lie­rungs­dichte auf EU-Ebene viel größer ist als z.B. in den USA. Diesem Problem hat sich die EU noch gar nicht ange­nommen: eher im Gegenteil. Gleich­zeitig nimmt die Regu­lie­rungs­dichte auf EU-Ebene unauf­hör­lich immer schneller zu: die Anzahl an neu vorge­schla­genen Richt­li­nien und Verord­nungen liegt im lang­jäh­rigem Vergleich auf hohem Niveau, bei der Anzahl der Durch­füh­rungs­rechts­akte erreicht die Kommis­sion sogar einen neuen Rekord­wert: 2025 wurden 1196 davon verab­schiedet. Insgesamt verab­schie­dete die EU 2025 fast vier neue Rechts­akte pro Kalen­dertag! Dem verspro­chenen Büro­kra­tie­abbau kommen wir so garan­tiert nicht näher.